Freitagspredigt

Tag von Arafat – Tag der Begegnungen in Mekka

10. Aug 2019 | Freitagspredigt

Tag von Arafat – Tag der Begegnungen in Mekka

10. Aug 2019 | Freitagspredigt

Liebe Geschwister,

Heute ist der Tag von Arafat, der wichtigste Tag des muslimischen Jahrs. Der Tag von Arafat ist ein Tag, an dem Bittgebete erhört und Verfehlungen ausgelöscht werden. Es ist der Tag, an dem Allah gegenüber Seinen Engeln Seinen Stolz auf die Menschen ausdrückt, die sich auf der Ebene von Arafat befinden. Es ist der Tag, an dem Allah den Islam vollendete und Seine Gnade an uns erfüllte. Allah gab diesem Tag und diesem Ort einen außergewöhnlichen Stellenwert. Der Arafat-Tag wird im Koran als der Bezeugte Tag (yaum al-masch´hud) bezeichnet, an dem Allah die islamische Religion vollendete.

Allah schwört beim Tag von Arafat „Bei dem Himmel von Sternbildern, und bei dem angedrohten Tag, und bei dem Zeugen und dem Bezeugten“. (Koran, 85:1-3)

Allahs Gesandter kommentierte diesen Vers: Der „angedrohte Tag“ ist der Tag der Auferstehung, (da Allah den Menschen das Kommen dieses Tages versprochen hat) der „bezeugte Tag“ ist der Tag von Arafat, (da die Pilger ihn „bezeugen“,), und der „Zeuge“ ist der Freitag (der bezeugen wird, wer das Freitagsgebet verrichtete). 

Heute befinden sich über 3 Millionen Menschen an einem Ort, der sich Arafat nennt. Und Arafat bedeutet; kennen lernen, andere entdecken und sich selber begegnen. Genau wie sich unterschiedliche Menschen aus allen Kontinenten heute am Arafat begegnen, begegnen wir uns auch hier in Deutschland, in unseren Moscheen. So kommen wir nahe zu unseren Mitmenschen und bauen Brücken zwischen Ethnien und Religionen. Dafür sind Menschen, gemäß des Korans, verpflichtet.

„O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Nationen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.“ (49:13)

Der Tag von Arafat ist auch Zeuge von Vollendung der Religion und Erfüllung der Gnade: Der Kalif Omar berichtet, dass ein Mann von der Gemeinschaft der Juden zu ihm kam und sagte: „O Führer der Gläubigen, ein Vers in eurem Buch, den ihr rezitiert – wenn dieser auf uns, die Gemeinschaft der Juden, herabgesandt worden wäre, hätten wir diesen Tag (der Offenbarung) gewiss zu einem Feiertag gemacht!“ Omar fragte:  „Welchen Vers?“ Er antwortete: „Heute habe Ich für euch eure Religion vollendet, und Ich habe Meine Gnade an euch erfüllt, und Ich habe für euch den Islam als Religion auserwählt“ (5:3). Darauf sagte Omar: „Wir kennen schon diesen Tag und den Ort, an dem er auf den Propheten, herabgesandt wurde: als er auf Arafat stand an einem Freitag und beides sind Feiertage für uns“.

Der Tag von Arafat ist ein Tag, an dem Allah mit der Nachkommenschaft Adams (s) das Abkommen schloss. Allahs Gesandter sagte: Allah schloss das Abkommen mit der Nachkommenschaft Adams, also mit allen Menschen in Arafat. Er brachte jegliche Nachkommenschaft hervor und breitete sie vor Sich aus und sagte: „Bin Ich nicht euer Herr?“ Sie sagten: „Ja doch, wir bezeugen es!“, – dass ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: „Wir waren ja diesem gegenüber achtlos.“ (7:172-173)

Dies war, liebe Geschwister, ein gewaltiger Tag und ein gewaltiges Abkommen.
Der Tag von Arafat ist der Tag der Vergebung der Sünden. Allahs Gesandter sagt: „Es gibt keinen Tag, an dem Allah mehr seiner Diener aus dem Feuer errettet, als am Tag von Arafat.“

Liebe Schwestern und Brüder,

der Tag von Arafat ist ein Tag an dem der Allahs Gesandter Muhammed, kurz vor seinem Tod, eine sehr berührende Predigt gehalten hat, welche universelle Botschaft beinhaltete. Eine Rede, die als “Abschiedspredigt” bekannt geworden ist. Diese Abschiedspredigt war nicht nur eine Erinnerung für seine Anhänger, sondern auch eine wichtige Ermahnung für alle Menschen. Die Abschiedspredigt kennzeichnet das Ende seiner Mission als Prophet.

In dieser Predigt, sagte der Prophet unter anderem:

„O ihr Menschen! Genauso wie in diesem Monat, dieser Stadt und an diesem heutigen Tag verdienen euer Blut, eure Seelen, euer Recht auf Leben, eure Besitztümer, euer Anstand, eure Würde und eure körperliche Unversehrtheit Respekt und Schutz und sind unantastbar bis zu dem Tag, an dem ihr euren Herrn treffen werdet. Hört mir gut zu, sodass ihr mit Würde und Ehre weiterhin friedlich lebt. Seid auf keinen Fall ungerecht und unterdrückt niemanden. Seid kein Werkzeug des Zwangs, der Unterdrückung und der Folter. Gebt der Unterdrückung nicht nach. Akzeptiert keine Ungerechtigkeit. Verursacht in eurem Land und auf Erden keine Konflikte, indem ihr Hoffnungslosigkeit verbreitet.

O ihr Menschen, es ist wahr, dass ihr bestimmte Rechte in Bezug auf eure Frauen besitzt, aber sie besitzen auch Rechte an euch. Behandelt eure Frauen gut und seid liebenswürdig zu ihnen, denn sie sind eure Partner und an euch gebunden. Falls sie ihre Rechte wahren und zu ihren Verantwortungen stehen, habt ihr nicht das Recht sie zu misshandeln oder zu bestrafen.

O ihr Menschen, hört mir ernsthaft zu, betet Gott an, verrichtet eure fünf täglichen Gebete, fastet im Monat Ramadan und spendet Zakat aus eurem Vermögen. Verrichtet Hadsch, wenn ihr dazu die Mittel besitzt. Die gesamte Menschheit stammt von Adam und Eva. Gemäß dem Islam sind alle Menschen gleich. Ein Araber hat weder einen Vorrang vor einem Nicht-Araber, noch hat ein Nicht-Araber einen Vorrang vor einem Araber; Weiß hat keinen Vorrang vor Schwarz, noch hat Schwarz irgendeinen Vorrang vor Weiß; [niemand ist einem anderen überlegen] außer in der Gottesfurcht und in guter Tat. Lernt, dass jeder Muslim der Bruder eines jeden Muslim ist und dass die Muslime eine Bruderschaft darstellen. Alle Menschen sind Geschwister. Deshalb tut euch selbst kein Unrecht an.

Soll ich euch erklären, wer ein Muslim ist? Jemand, der anderen Menschen keinen Schaden zufügt; weder durch seine Zunge noch durch seine Hand. Bedenkt, eines Tages werdet ihr vor Gott erscheinen und nach euren Taten befragt werden. Also hütet euch, verlasst den Weg der Rechtschaffenheit nicht, wenn ich von euch gegangen bin. O ihr Menschen, nach mir wird kein Prophet oder Gesandter mehr kommen, und es wird kein neuer Glaube mehr geboren werden. Überlegt daher vernünftig, o ihr Menschen, und versteht die Worte richtig, die ich euch mitteile. Ich werde nach mir den Koran hinterlassen und mein Beispiel, und wenn ihr diesen folgt, dann werdet ihr nie irregehen.

O ihr Menschen! Vermeidet Übertreibung in der Religion. »Irrt nach mir nicht, in dem ihr euch einander bekämpft. Der Anwesende, soll dem Abwesenden davon berichten!« O ihr Menschen! Morgen wird man euch über mich befragen. Was meint ihr? Habe ich meine Pflicht als Prophet erfüllt? (Die Menschen sagten: „Ja, wir schwören, dass du die Botschaft übermittelt, uns Ratschläge und Empfehlungen gegeben hast. Wir bezeugen es.“) Ich begrüße euch und wünsche euch Frieden. Ich bitte dafür, dass Allah euch Gnade und Überfluss gewährt.“

So, liebe Geschwister, beendete der geliebte Prophet seine letzte Predigt und daraufhin, in der Nähe des Gipfels von Arafat, kam die Offenbarung: “Heute habe ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt.” (Koran, 5:3)

Noch heute wird die Abschiedspredigt des Propheten Muhammad jedem Muslim mit allen möglichen Mitteln der Verständigung mitgeteilt. Tatsächlich erstaunen die Ermahnungen dieser Predigt, berühren sie doch die wichtigsten Rechte, die Gott über die Menschheit und die Menschheit gegenüber einander besitzt. Wir brauchen diese Stimme der Versöhnung und Wertschätzung in heutiger Welt in der leider Feindschaft und Gewalt herrscht.

Obgleich die Seele des Propheten diese Welt verlassen hat, leben seine Worte noch immer in unseren Herzen weiter.
O Allah, gib, das wir Deiner Gnaden danken und das Beste aus diesen segensreichen Zeiten für unser Leben und unser Jenseits herausholen.

Amin!

Liebe Mitglieder der Islamischen Gemeinde Penzberg,

es fällt uns schwer den persönlichen Kontakt mit Euch zu unterlassen. Es tut auch weh die Moschee einsam und verlassen zu sehen. Doch wir leben in einer Zeit, die diese Maßnahmen erfordern. Alle unsere religiösen Pflichten können wir auch als Einzelne zu Hause verrichten. Wir können einzeln oder mit unserer Familie beten, einen Fastentag einlegen, Spenden über Online-Banking tätigen oder dem nächsten Nachbarn helfen. Und vor allem in Gebeten uns geistig verbinden.

Folgende aktualisierte Regelungen gelten für die Moschee:

Wir sehen uns in der Verantwortung den Gebetsraum zu schließen, da der Teppich den Virus weiter übertragen kann!

Die tägliche Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebete sind bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir Nikah/Eheschließungen ebenso aussetzen müssen.

Auch alle anderen Aktivitäten finden auf unbestimmte Zeit nicht statt.

Ein besonderes Anliegen ist uns die Solidarität mit alleinstehenden Menschen, mit Kranken und älteren Personen, die sich eine Selbstversorgung nicht einrichten können. Zusammen mit der Stadt Penzberg und den beiden Kirchen haben wir uns entschieden diesen Menschen eine konkrete Hilfe anzubieten. Aus unserer Gemeinde haben sich 25 Jugendliche bereit erklärt diese Aufgaben auszuführen!

Wenn Ihr Hilfe benötigt oder jemanden kennt der Hilfe benötigt, meldet Euch dazu entweder bei der

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ersten Bürgermeisterin Elke Zehetner unter der Telefonnummer 08856/813103 oder per Mail an elke.zehetner@penzberg.de, oder auch bei

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Imam Benjamin Idriz unter der Mobilnummer 0171/5194017 oder dem

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Vorsitzenden Bayram Yerli unter der Mobilnummer 0170/5252403.

Natürlich stehen Euch der Imam, der Vorsitzende und der gesamte Vorstand auch zu anderen Fragen/Anregungen und jedweder Unterstützung bereit.

Wir bitten Euch um mehr als Verständnis. Wir bitten Euch verantwortlich zu handeln. Wenn unsere staatlichen Behörden und führende medizinische Einrichtungen dazu auffordern möglichst zu Hause zu bleiben, macht es bitte!

Nutzen wird diese Zeit für Itikaf, für die Stärkung unseres Imans und vertrauen wir auf Allah dem Höchsten!

In Frieden und Verbundenheit,

Eure Islamische Gemeinde Penzberg e.V.