Freitagspredigt

Geduld

7. Jun 2019 | Freitagspredigt

Geduld

7. Jun 2019 | Freitagspredigt

Verehrte Muslime!

Das Leben in dieser Welt ist nichts als ein flüchtiger Moment, manchmal überströmend mit Momenten großer Freude, aber zu anderen Zeiten mit Misserfolg, Trauer und Verzweiflung. An beiden Extremen gibt es glückliche Momente, die unsere Herzen vor Freude singen lassen, und dunkle Momente, die uns in Traurigkeit und Sorgen tauchen. Dazwischen ist das reale Leben; die Höhen und Tiefen, Guten und Schlechten. In diesen Zeiten muss der Gläubige eine Verbindung zu Gott aufbauen.

Unter welcher Bedingung auch immer wir uns auch befinden, und egal, was wir gezwungen werden, zu konfrontieren, es ist notwendig, dass wir unsere Augen für die Tatsache öffnen, dass Gott am besten weiß, was gut für uns ist. Auch wenn wir uns davor scheuen, unseren Ängsten und Sorgen ins Auge zu sehen, es kann sein, dass wir etwas hassen, das gut für uns ist, und etwas wünschen, das nur zu Verderben führen kann.

وَعَسَى أَن تَكْرَهُواْ شَيْئًا وَهُوَ خَيْرٌ لَّكُمْ وَعَسَى أَن تُحِبُّواْ شَيْئًا وَهُوَ شَرٌّ لَّكُمْ
„Doch es mag sein, dass euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, was übel für euch ist.“

Also wünsche von Allah nur was gut für dich ist. Und ER weißt besser als Du, was für dich tatsächlich gut ist.

Mit drei Dinge müssen wir immer bewaffnet werden: Geduld, Dankbarkeit und Vertrauen.

وَالصَّابِرِينَ فِي الْبَأْسَاء وَالضَّرَّاء وَحِينَ الْبَأْسِ أُوْلَئِكَ الَّذِينَ صَدَقُوا وَأُولَئِكَ هُمُ الْمُتَّقُونَ
„… und diejenigen, die in Elend, Not und in extrem schwierigen Zeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und gottesfürchtig sind.“

Geduld zu haben bedeutet, die Fähigkeit zu besitzen, uns vom Verzweifeln zurückzuhalten, das Klagen zu unterlassen und uns selbst in Zeiten der Traurigkeit und Sorgen zu kontrollieren. Immer wenn wir von Sorgen und Misserfolg heimgesucht werden, sollte unsere erste Reaktion sein, dass wir uns Gott zuwenden. Indem wir Seine Größe anerkennen, beginnen wir, zu verstehen, dass Gott allein unsere bekümmerten Seelen erleichtern kann. In Zeiten des Kummers und des Stress, kann das Nachdenken über die Namen Gottes viel Erleichterung bringen.

Menschen sind schwach. Unsere Tränen fließen, unsere Herzen brechen und der Schmerz ist manchmal fast unerträglich. Selbst die Propheten, deren Verbindung zu Gott unzerbrechlich war, fühlten, wie sich ihre Herzen vor Angst oder Schmerz zusammenzogen. Als der Prophet Jakob darüber verzweifelte, seine Söhne Josef oder Benjamin jemals wiedersehen zu können, wandte er sich zu Gott, und der Qur´an teilt uns mit, dass er Gott um Erleichterung bat. Der Prophet Jakob wusste, dass es keinen Sinn hatte, gegen die Welt anzukämpfen, er wusste dass Gott diejenigen liebt und beschützt, die geduldig sind.

قَالَ إِنَّمَا أَشْكُو بَثِّي وَحُزْنِي إِلَى اللَّهِ وَأَعْلَمُ مِنَ اللَّهِ مَا لاَ تَعْلَمُونَ
„Er sprach: „Ich beklage nur meinen Kummer und meinen Gram vor Gott, und ich weiß von Gott, was ihr nicht wisset.’“

Der Quran erzählt uns auch, wie sich der Prophet Hiob/Eyyub zu Gott wandte und um Gnade bat. Er war verarmt, von einer Krankheit heimgesucht und hatte seine Familie und seinen Lebensunterhalt verloren, doch er ertrug dies alles geduldig und nachsichtig und er wandte sich Gott zu.

وَأَيُّوبَ إِذْ نَادَى رَبَّهُ أَنِّي مَسَّنِيَ الضُّرُّ وَأَنتَ أَرْحَمُ الرَّاحِمِينَ فَاسْتَجَبْنَا لَهُ فَكَشَفْنَا مَا بِهِ مِن ضُرٍّ وَآتَيْنَاهُ أَهْلَهُ وَمِثْلَهُم مَّعَهُمْ رَحْمَةً مِّنْ عِندِنَا وَذِكْرَى لِلْعَابِدِينَ
„Und Hiob rief zu seinem Herrn: „Unheil hat mich geschlagen, und Du bist der Barmherzigste aller Barmherzigen.“ Da erhörten Wir ihn und nahmen sein Unheil hinweg, und Wir gaben ihm seine Familie (wieder) und noch einmal so viele dazu – aus Unserer Barmherzigkeit und als Ermahnung für die (Uns) Verehrenden.“

Geduld bedeutet nicht, dass wir uns zurücklehnen und das Leben vorbeiziehen lassen. Nein! Geduldig zu bleiben ist harte Arbeit; das kommt nicht natürlicherweise oder leicht. Bedenke, dass Nuh (a) von seinem Volk verspottet wurde, obwohl er über 950 Jahre zum Glauben aufrief, hierzu starben seine Frau sowie sein Sohn ungläubig. Bedenke, dass Ibrahims (a) mit seiner Frau Hager mit seinem einzigem Sohn Ismail aus Palästina nach Mekka zu wandern, wo es weder Menschen noch Wasser gab.

Schau, wie es unserem Propheten Muhammad (s) erging: Er kam als Waise zur Welt, ohne Vater. Als er sechs Jahre alt war starb seine Mutter. Als er acht Jahre alt war starb sein Großvater sein Sohn Ibrahim starb als zweijähriges Kind. Alle seine Kinder, mit Ausnahme Fatima, sind vor ihm verstorben. In einem Jahr verlor er seine Frau und seinen Onkel, nachher erlitt er große Belästigungen und Attacken von seinem Volk. Er musste seine Heimat verlassen und nach Medina auswandern. Er wurde von den Leuten in Mekka verspottet. Sie wundern sich, dass ein Warner aus ihrer Mitte zu ihnen gekommen ist; und die Ungläubigen sagen:

„Das ist ein Zauberer, ein Lügner.“
وَعَجِبُوا أَن جَاءَهُم مُّنذِرٌ مِّنْهُمْ وَقَالَ الْكَافِرُونَ هَذَا سَاحِرٌ كَذَّابٌ

Sie sagten:

وَقَالُواْ يَا أَيُّهَا الَّذِي نُزِّلَ عَلَيْهِ الذِّكْرُ إِنَّكَ لَمَجْنُونٌ
„O du, zu dem die Ermahnung herabgesandt wurde, du bist wahrlich ein Verrückter.“

Die Heuchler haben seine unschuldige Frau Aischa (r) mit falschem Vorwurf belegt. Die Lüge über die Mutter der Gläubigen, Frau Aischa dauerte einen Monat lang, bis ein Vers von Allah offenbarte, dass sie unschuldig ist.
So haben alle Gesandten Allahs schwere und verschiedene Prüfungen gehabt. Drum verzweifelt nicht und bittet Allah um Erleichterung, denn

فَإِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا إِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا
„Wahrlich, mit der Erschwernis kommt die Erleichterung.“

Geduld ist notwendig, damit wir belohnt werden, und damit wir unser Ziel erreichen. Wenn wir vertrauen können, wenn wir standhaft bleiben, wenn wir positiv denken, dann gelingt uns vieles. Wenn wir jedoch missmutig sind, schlecht gelaunt oder gar depressiv, dann ziehen wir uns selbst immer weiter nach unten. So schaden wir unsere Zukunft und der Gesundheit.

Natürlich geschieht vieles in unserem Leben, das wir nicht beeinflussen können, aber wir können viele Dinge verändern und steuern – vor allem unsere Reaktionen. An manchen Tagen braucht es nur einen wunderbaren Moment, eine schöne Idee oder Begegnung, dann haben wir wieder etwas mehr Mut und Zuversicht. Genau dann beginnen Dinge wieder möglich zu werden und wir schaffen es, erfolgreich und zufrieden zu sein. Auf Regen folgt Sonnenschein, auf die Nacht der Tag und die Dunkelheit ist wichtig, damit wir das Leuchten der Sterne sehen können.

Beginne das an Dir zu schätzen, was Du kannst. Selbst wenn Du glaubst, dass Dir fast nichts mehr gelingt, dann achte auf das, was geht. Die Hoffnung ist immer größer als du denkst. Wie eine Birke aus dem Beton wachsen kann, so kraftvoll muss unsere Hoffnung auf eine bessere Zukunft sein.

Wenn Du beginnst, an Deine Kraft zu glauben, dann werden positive Dinge möglich und machbar. Wenn Du nur auf das schaust, was Dich belastet und keine positiven Gedanken entwickelst, wird es nie zur Veränderung kommen. Jeder von uns hat viele schlechte Gedanken und Eigenschaften, aber wir haben so viel mehr Gutes. Manchmal sehen wir es nicht mehr. Es ist wichtig, dass wir uns einmal anders anschauen.

Wir haben immer eine Möglichkeit, das Leben zu verändern, neue Wege zu gehen und das Leid nicht länger zu ertragen. Wenn wir etwas nicht aus eigener Kraft schaffen, dann ist Hilfe anzunehmen ein Zeichen von besonnener Klugheit, nicht von Schwäche.

يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اسْتَعِينُوا بِالصَّبْرِ وَالصَّلَاةِ إِنَّ اللَّهَ مَعَ الصَّابِرِينَ
„O ihr, die ihr glaubt! Sucht Hilfe in Geduld und Gebet; siehe, Allah ist mit den Standhaften.“

Der Glaube und Zuversicht gibt uns Kraft, diese Probleme zu lösen. Wen sonst sollten wir um Hilfe bitten außer Allah? Zwei Voraussetzungen, um Allahs Beistand zu erbitten, sind: das Gebet und die Geduld. Wenn wir nicht geduldig sind und nicht mal ein kurzes Gebet verrichten können, um Allah um Beistand zu bitten, entfernen wir von unseren Ziel und scheitern. Kraft und Hilfe suchen wir in Geduld und Gebet, so der Prophet Muhammed:

وَالصَّلاَةِ نورٌ، ، وَالصَّبْرُ ضِيَاءٌ
„Das Gebet ist Licht und die Geduld ist Wegweisung“

Liebe Mitglieder der Islamischen Gemeinde Penzberg,

es fällt uns schwer den persönlichen Kontakt mit Euch zu unterlassen. Es tut auch weh die Moschee einsam und verlassen zu sehen. Doch wir leben in einer Zeit, die diese Maßnahmen erfordern. Alle unsere religiösen Pflichten können wir auch als Einzelne zu Hause verrichten. Wir können einzeln oder mit unserer Familie beten, einen Fastentag einlegen, Spenden über Online-Banking tätigen oder dem nächsten Nachbarn helfen. Und vor allem in Gebeten uns geistig verbinden.

Folgende aktualisierte Regelungen gelten für die Moschee:

Wir sehen uns in der Verantwortung den Gebetsraum zu schließen, da der Teppich den Virus weiter übertragen kann!

Die tägliche Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebete sind bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir Nikah/Eheschließungen ebenso aussetzen müssen.

Auch alle anderen Aktivitäten finden auf unbestimmte Zeit nicht statt.

Ein besonderes Anliegen ist uns die Solidarität mit alleinstehenden Menschen, mit Kranken und älteren Personen, die sich eine Selbstversorgung nicht einrichten können. Zusammen mit der Stadt Penzberg und den beiden Kirchen haben wir uns entschieden diesen Menschen eine konkrete Hilfe anzubieten. Aus unserer Gemeinde haben sich 25 Jugendliche bereit erklärt diese Aufgaben auszuführen!

Wenn Ihr Hilfe benötigt oder jemanden kennt der Hilfe benötigt, meldet Euch dazu entweder bei der

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ersten Bürgermeisterin Elke Zehetner unter der Telefonnummer 08856/813103 oder per Mail an elke.zehetner@penzberg.de, oder auch bei

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Imam Benjamin Idriz unter der Mobilnummer 0171/5194017 oder dem

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Vorsitzenden Bayram Yerli unter der Mobilnummer 0170/5252403.

Natürlich stehen Euch der Imam, der Vorsitzende und der gesamte Vorstand auch zu anderen Fragen/Anregungen und jedweder Unterstützung bereit.

Wir bitten Euch um mehr als Verständnis. Wir bitten Euch verantwortlich zu handeln. Wenn unsere staatlichen Behörden und führende medizinische Einrichtungen dazu auffordern möglichst zu Hause zu bleiben, macht es bitte!

Nutzen wird diese Zeit für Itikaf, für die Stärkung unseres Imans und vertrauen wir auf Allah dem Höchsten!

In Frieden und Verbundenheit,

Eure Islamische Gemeinde Penzberg e.V.