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Ramadan in der Corona-Zeit: „Macht eure Häuser zu Stätten der Anbetung“

21. Apr 2020 | Allgemein

Am kommenden Freitag beginnt der Fastenmonat Ramadan.

Eine besondere Zeit in dieser außergewöhnlichen Corona-Zeit. Eine Ramadan-Zeit in der die Individualität im Vordergrund und die Gemeinschaft im Hintergrund stehen wird. Es folgt eine Zeit der inneren Ruhe, dem Versuch vom irdischen Leben Abstand zu gewinnen und sich nur dem einen und barmherzigen Schöpfer zu widmen. Wir werden den diesjährigen Ramadan insgesamt zurückhaltender gestalten müssen, die individuelle Beziehung zu Gott rückt in den Vordergrund. Gott ist überall, nicht nur in der Moschee. Laut dem Koran kann jeder Mensch sein Haus in eine Gebetsnische verwandeln. Eine Zeit in der wir einen Koranvers, vielleicht zum ersten Mal, tatsächlich umsetzen werden:

Macht eure Häuser zu Stätten der Anbetung/Gebetsrichtung und verrichtet beständig das Gebet!“ (Sura Yunus, 10/87).

Auch wenn die Moscheen doch noch länger geschlossen bleiben werden: Der Glaube ist ja weiterhin da. Und die Beziehung zu Gott ist unabhängig von Ort und Zeit.

Ramadan in der Corona-Zeit bedeutet mehr Familie. Eine Zeit in der die Familienmitglieder im Fokus stehen werden: beim gemeinsamen Gebet, beim gemeinsamen Vorbereiten des Iftar-Mahls, bei der gemeinsamen Koranrezitation und beim Nachdenken über seine Botschaft. Wir können in diesem Jahr Ramadan anders gestalten als sonst und uns mehr auf die Grundidee des Verzichts und unsere Familie konzentrieren. Das tut Seele und Familie gut.

Dazu kommt, dass sich der Prophet Muhammed (s.a.w.) während der letzten zehn Tage des Ramadan in die Moschee zurückgezogen, auf weltliche Dinge verzichtet und seine Zeit allein Gott gewidmet hat. In diesem Jahr sind wir quasi gezwungen, den ganzen Ramadan-Monat in einen sogenannten Itikaf (Klausur) umzuwandeln und unsere Beziehung zu Gott zu stärken.

Eine Zeit der Selbstdisziplin und der Selbstfindung. „Der Monat Ramadan ist der Monat der Geduld und der Solidarität“, so hat der Prophet Muhammed diesen Monat bezeichnet. In diesem Monat der Reinigung wird ein besonderes Programm zur Erziehung aufgelegt. In allen Religionen ist bekannt, dass eines der Mittel der Erziehung zur Beherrschung des Egos der Hunger ist. Dies ist eine Erziehung zur Selbstüberwindung und zugleich ein Weg zur Bewusstmachung, dass es Menschen gibt, die tagtäglich Hunger erleiden. Unsere Verantwortung ist, vor allem in diesem Monat, sich mit bedürftigen Menschen zu solidarisieren und reichlich zu spenden. Zu unseren alltäglichen Aufgaben im Ramadan sollte es gehören, den Menschen ein Lächeln zu schenken, Bedürftige materiell und emotional zu helfen.

Innemeal usri yusra! „Mit dem Schweren kommt das Leichte“, teilt uns Allah im Koran mit. Allah richtet also alles darauf aus, dass so wenig Hürden wie möglich beim Ramadan-Selbsterziehungsprogramm entstehen. Jeder, der diese gesegnete Atmosphäre einmal selbst erlebt hat weiß, dass ihm Erfolg beschieden ist: Der Ramadan schenkt jedem Gläubigen eine ganz neue Persönlichkeit. Aber dies geschieht nur, wenn die Gläubigen das Fasten nicht als bloßes Hungern und Dürsten verstehen, sondern als ein „an sich Halten“ und eine Kontrolle der eigenen Bedürfnisse im ganzheitlichen Sinne.

Lassen wir uns inspirieren und durch diesen Monat Frieden in unsere Umgebung ausstrahlen: Lächeln, geduldig sein, Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Nachbarn Gutes tun usw. Geben wir die folgende Ramadan-Botschaft an unsere Mitmenschen weiter: Ich halte mich nicht nur beim Essen und Trinken zurück, sondern auch fern von Streit. Und: Ich halte Frieden und verbreite ihn. In diesem Sinne wird ein Fastender zu einem Friedensbotschafter. Durch das Erleben des Ramadans werden viele erstaunt bemerken, dass dieser Monat uns nicht nur Allah näher bringt, sondern auch unseren Mitmenschen, mit denen wir neben der geistigen Nähe aktuell über die Möglichkeiten der digitalen Welt Kontakte knüpfen können. Beglückwünschen wir uns gegenseitig zu der freudigen und segensreichen Zeit, die wir als Muslime als wunderbares Geschenk erhalten haben. Wünschen wir, dass dieser Monat für uns Gläubige ein Anlass für ein glückliches Leben wird.

IGP Blog: Ramadan 2020