Der Mensch in der Notsituation: Das Herz der Mutter Moses

3. Jan 2020Freitagspredigt

Meine lieben Geschwister,

worum es mir in dieser Predigt geht, ist ein menschliches Problem, welches ich seit längerem bei vielen Menschen beobachte. Es ist der der Umgang mit Stress, Angst und vor allem Folgen, welche emotionale Wunden mit sich bringen. Es geht um das Herz. Und dafür habe ich einen ganz bestimmten Vers aus dem Koran ausgewählt – Allah sagt:

وَأَصْبَحَ فُؤَادُ أُمِّ مُوسَىٰ فَارِغًا إِن كَادَتْ لَتُبْدِي بِهِ لَوْلَا أَن رَّبَطْنَا عَلَىٰ قَلْبِهَا لِتَكُونَ مِنَ الْمُؤْمِنِينَ
“Und das Herz der Mutter Mūsās wurde leer. Beinahe hätte sie ihn fürwahr offen bekanntgegeben, wenn Wir nicht ihr Herz gestärkt hätten, damit sie zu den Gläubigen gehöre“ (28:10)

Dieser Vers ist einer der schönsten Verse der Hoffnung spendet für Menschen deren Herzen in der Not und in Bedrängnis sich befinden. Und jeder Mensch erfährt in seinem Leben emotionale Erfahrungen, die ihn prägen und vielleicht sogar eine traumatische Spuren hinterlassen. Und was gibt es für eine schwere Not als wenn eine Mutter um das Leben ihres Kindes bangen muss. Was gibt es für einen gefährlichen Stress, dem das Herz sich ausgesetzt sehen kann.

Es gibt viele Phasen im Leben, die schwär zu vertragen sind für das Herz. Als klassisches Beispiel sei die Stresssituation der Kinder, welche eine Scheidung miterleben müssen. Oder ein Problem in der Gesellschaft: Eine Pandemie und die Folgen einer verbreitet Krankheit, oder Misserfolg oder Unglück.

Jeder Mensch erfährt in seinem Leben Dinge, die ihn emotional verwunden. Und man trägt davon Wunden mit sich, sodass man denkt, dass man nie mehr davon los kommt. Wichtig ist, dass man daraus einen Nutzen ziehen kann, dass man Lehren daraus zieht und dadurch reifer im Leben wird und man versteht sein gesamtes Leben Allah an zu vertrauen und lernt mit seinem eigenen Schicksal ergeben umzugehen.

Die Mutter von Musa a.s. hatte eines der größten Prüfungen überhaupt, die einer Mutter widerfahren können. Sie erfuhr durch einen Traum, dass sie ihr von Gott gesegnetes Kind in den Nil legen sollte und Allah vertrauen. Stellt euch vor ihr werdet im Traum von Allah beauftragt euer Fleisch und Blut, euer Kind in ein Körbchen zu legen und auf den Wellen des Nils treiben zu lassen. Aber die Mutter des Propheten Musa hat nur zwei Wege offen: entweder sie tut es nicht und muss mitansehen, wie ihr Kind vor ihren Augen von den Soldaten des Pharao getötet wird, oder sie legt es in den Korb und bringt es in den Fluss… Jedes Mutterherz würde in diesem Moment vor einer scheinbar unmöglichen Hürde stehen. Sie nahm ihr neugeborenes Kind und brachte es zum Nil und verließ sich auf Demjenigen, welcher ihr dieses Kind geschenkt hatte. Und als sie das getan hat sagt Allah über sie: „Und das Herz der Mutter Musas wurde leer.“ Ihr Herz wurde emotional leer, von diesem traumatischen Erlebnis. Eine Mutter sieht zu, wie ihr Kind im Fluss dahin fließt! Allah sagt, ihr Herz wurde komplett leer… kennt ihr das, wenn ein Mensch nach einem traumatischen Erlebnis einfach nichts mehr machen kann?! Sie wurde Wort wörtlich in diesem Moment sprachlos! So war der Zustand der Mutter Muses! Ein Gefühl der Ohnmacht überkam ihr menschliches Herz.

Und hier sagt Allah: „wenn Wir nicht ihr Herz gestärkt hätten“ Wenn Allah nicht ihrem Herz, das so emotional leer geworden ist, die Kraft gespendet hätte, hätte sie beinahe nach ihrem Sohn gerufen und somit sich selbst und ihr Baby verraten. Und genau hier ist der Punkt meine Geschwister! Allah ist derjenige und der Einzige, der die verwundeten Herzen wieder heilen kann!

Wenn ein Mensch in einer Situation ist, in der er sagt: Ich kann so einfach nicht mehr weiter leben! Und in was für einer Situation war die Mutter von Musa a.s.?! In diesem Moment wo man vor der Kippe steht und sein Leben praktisch aufgegeben hat. Genau an diesem Punkt sollen die Herzen erst recht glauben und in den Himmel empor blicken und Halt und Inne Suchen in dem Glauben an Allah und versuchen zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Einfach weiter machen.

Und lasst mich einen letzten Hadith zu dem Thema Ohnmacht aufführen. Der Prophet sagte: “Wenn ihr dabei seid einen Setzling (junge Pflanze) in die Erde zu pflanzen und ihr dabei vernehmt dass das Jüngste Gericht vor euren Augen einbricht. So haltet nicht an aus Angst oder Ohnmacht, sondern fahrt weiter fort mit eurer Tat.“

Liebe Geschwister, gewiss verstehen wir nicht was traumatisierte Menschen alles selbst durchmachen müssen und wir verstehen auch nicht den Anblick wo sich das Jüngste Gericht endlich erfüllt und einbricht. Und selbst da rät unser Prophet den Glauben nicht zu verlieren oder zu aufzugeben. Nein wir machen weiter auf dem Rückweg zu unserem Schöpfer Allah, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Liebe Mitglieder der Islamischen Gemeinde Penzberg,

es fällt uns schwer den persönlichen Kontakt mit Euch zu unterlassen. Es tut auch weh die Moschee einsam und verlassen zu sehen. Doch wir leben in einer Zeit, die diese Maßnahmen erfordern. Alle unsere religiösen Pflichten können wir auch als Einzelne zu Hause verrichten. Wir können einzeln oder mit unserer Familie beten, einen Fastentag einlegen, Spenden über Online-Banking tätigen oder dem nächsten Nachbarn helfen. Und vor allem in Gebeten uns geistig verbinden.

Folgende aktualisierte Regelungen gelten für die Moschee:

Wir sehen uns in der Verantwortung den Gebetsraum zu schließen, da der Teppich den Virus weiter übertragen kann!

Die tägliche Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebete sind bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir Nikah/Eheschließungen ebenso aussetzen müssen.

Auch alle anderen Aktivitäten finden auf unbestimmte Zeit nicht statt.

Ein besonderes Anliegen ist uns die Solidarität mit alleinstehenden Menschen, mit Kranken und älteren Personen, die sich eine Selbstversorgung nicht einrichten können. Zusammen mit der Stadt Penzberg und den beiden Kirchen haben wir uns entschieden diesen Menschen eine konkrete Hilfe anzubieten. Aus unserer Gemeinde haben sich 25 Jugendliche bereit erklärt diese Aufgaben auszuführen!

Wenn Ihr Hilfe benötigt oder jemanden kennt der Hilfe benötigt, meldet Euch dazu entweder bei der

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ersten Bürgermeisterin Elke Zehetner unter der Telefonnummer 08856/813103 oder per Mail an elke.zehetner@penzberg.de, oder auch bei

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Imam Benjamin Idriz unter der Mobilnummer 0171/5194017 oder dem

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Vorsitzenden Bayram Yerli unter der Mobilnummer 0170/5252403.

Natürlich stehen Euch der Imam, der Vorsitzende und der gesamte Vorstand auch zu anderen Fragen/Anregungen und jedweder Unterstützung bereit.

Wir bitten Euch um mehr als Verständnis. Wir bitten Euch verantwortlich zu handeln. Wenn unsere staatlichen Behörden und führende medizinische Einrichtungen dazu auffordern möglichst zu Hause zu bleiben, macht es bitte!

Nutzen wird diese Zeit für Itikaf, für die Stärkung unseres Imans und vertrauen wir auf Allah dem Höchsten!

In Frieden und Verbundenheit,

Eure Islamische Gemeinde Penzberg e.V.