Freitagspredigt

Betende Glaubensleugner? Eine Analyse der Sura Maun

9. Mrz 2018 | Freitagspredigt

Freitagspredigt Idriz: Sura Maun

Um die Frage besser zu verstehen, müssen wir die Sura Maun, welche aus 7 Versen besteht, unter die Lupe nehmen:

أَرَأَيْتَ الَّذِي يُكَذِّبُ بِالدِّينِ
Sahst du den, der das Glaubensbekenntnis für Lüge erklärt

فَذَلِكَ الَّذِي يَدُعُّ الْيَتِيمَ
Das ist nämlich der, der die Waise zurückweist

وَلا يَحُضُّ عَلَى طَعَامِ الْمِسْكِينِ
und nicht die Speisung des Armen fördert

فَوَيْلٌ لِّلْمُصَلِّينَ
So wehe den Kontakthaltenden,

الَّذِينَ هُمْ عَن صَلاتِهِمْ سَاهُونَ
die bei ihrem Kontaktgebet geistesabwesend sind

الَّذِينَ هُمْ يُرَاؤُونَ
die sich zur Schau stellen

وَيَمْنَعُونَ الْمَاعُونَ
und das Hilfesystem verhindern

Diese Verse definieren, wer die Glaubensleugner tatsächlich sind: derjenige, der die Waisen verstößt und derjenige, der zur Speisung der Armen nicht antreibt. Das heißt eigentlich, dass der Koran von uns will, dass wir eine soziale Lebensweise anstreben. Mit anderen Worten sollten wir armen, hilfsbedürftigen, machtlosen, wehrlosen, handlungsunfähigen, geflüchteten etc. Menschen helfen und auch unseren Mitmenschen diese Hilfestellung empfehlen und sie dazu verleiten. Außerdem verhindern diese Leugner auch jegliche Hilfestellung, heißt es im letzten Vers. Nebst dem, dass die Person also weder Hilfe leistet noch die Hilfestellung empfiehlt, verhindert sie noch zusätzlich die Hilfestellung für die hilfsbedürftigen Menschen. Das Wort „Hilfesystem“ (ماعون – mâ’Auun) umfasst Wörter wie Wohltätigkeit, Gemeingut und auch Spende.

فَوَيْلٌ لِّلْمُصَلِّينَ
So wehe den Kontakthaltenden,

الَّذِينَ هُمْ عَن صَلاتِهِمْ سَاهُونَ
die bei ihrem Kontaktgebet geistesabwesend sind

Hier können wir ganz klar schlussfolgern, dass die Gebete einem nichts bringen, wenn eine Person keine soziale Lebensweise führt. Auch Betende können verflucht werden und dies trotz ihrer augenscheinlich tadellosen Gebete. Das heißt, dass wir trotz unserer Gebete zum Glaubensleugner werden können. Außerdem werden diejenigen umschrieben, welche unwissend ihre Gebete ausführen. Niemand kann vollständig geistesabwesend sein bei seinen Gebeten. Jeder Mensch sollte beim Gebet das Gesagte auch verstehen und nicht einfach rezitieren, ohne zu verstehen, ohne zu verstehen bedeutet auch ohne zu spüren, ohne dass das Herz anwesend ist.

Die Sura geht noch weiter und offenbart, dass diese Personen ihre Gebete nur zur Selbstdarstellung verwenden. Hier gibt der Koran eigentlich einen weiteren Menschentypen bekannt, was zusätzlich zu den traditionellen Typen angefügt werden kann. Einer, der nämlich über zwei Gesichter verfügt. Der Betende, der nicht hilft. Der betende, der betrügt. Derjenige der sich zur Schau stellt.

الَّذِينَ هُمْ يُرَاؤُونَ
die sich zur Schau stellen

Täuscher (Murâi) – täuscht andere und evtl. sogar sich selbst.
Ein Murâi täuscht die Leute für seine eigenen Vorteile. Mit Guten ist gut, mit schlichten Menschen ist schlecht. Dieser Typ ist einer der schlimmsten Typen, weil er ständig seinen Charakter den Umständen anpasst, selbst zum Preis der Selbstverleugnung. Er ist jemand, der seine Gebete verwendet, um bei anderen Menschen ein tolles Bild abzugeben und davon zu profitieren. Ein Murâi ändert dauernd seinen Charakter nach seinen persönlichen Interessen.

Wir können daraus schlussfolgern: Eine Person kann sehr religiös aussehen und auch ihre Gebete perfekt verrichten und trotzdem ein Glaubensleugner sein. Einer der perfekten religiösen Ausdruck macht, jedoch anderen kränkt, benachteiligt, erniedrigt, und meint dass er ein Besserwisser ist und besser als die Anderen ist.

Der Glaube zeigt sich nicht am Äußeren. Kein Meter Kopftuch wird dich retten, wenn du ein abgrundtief schlechter Mensch warst. Kein Zentimeter Bart wird dir helfen, wenn du der Schöpfung und deinen Mitmenschen nicht Liebe und Freude, Respekt und Toleranz sondern Unheil gebracht hast und schlecht über anderen gesprochen hast. Ein nur nach außen hin demonstriertes Gebet hat bei Allah keinen Wert.

Die scheinheilige Religiosität hat in letzten Zeit zugenommen. Neben dem obligatorischen Selfie an der Kaaba gehört das Posten von kitschigen islamischen Gedichten und Gebeten dazu. Das Zeigen, wie toll man die ibada macht. In sozialen Medien religiöse und patriotische Zitate zu posten, aber zuhause seine eigene Ehefrau zu erniedrigen passt überhaupt nicht zusammen, meine lieber Bruder und Schwester. Derselbe Menschenschlag gibt aber dann auch gut gemeinte Ratschläge von der Art „Du solltest nicht mit jenem Bruder Zeit verbringen, weil er einen schlechten Ruf als Muslim hat. Oder du sollt diesen Imam nicht folgen.“ Hinter dem auf diese Weise geäußerten „guten Willen“ steckt in Wahrheit manchmal nichts anderes als reine Gehässigkeit. Als Muslime sind wir dazu angehalten, zunächst Gutes, und immer nur Gutes von unseren Mitmenschen zu denken. Denn wer nicht Allahs Geschöpfe liebt, der liebt auch nicht Allah.

Die Ehrlichkeit im Umgang mit Gott und Menschen ist das Gebot des Koran:

وَمَآ أُمِرُوٓاْ إِلَّا لِيَعْبُدُواْ ٱللَّهَ مُخْلِصِينَ لَهُ ٱلدِّينَ حُنَفَآءَ وَيُقِيمُواْ ٱلصَّلَوٰةَ وَيُؤْتُواْ ٱلزَّكَوٰ
„Und nichts anderes wurde ihnen befohlen, als nur Gott zu dienen und (dabei) Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion (zu sein).“

Das nennen wir Ikhlas.
Ikhlas heißt, etwas in Reinheit bringen, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit, das Herz zu reinigen. Etwas ohne Vorteil und Gewinn zu erhoffen und zu bestreben, ohne Vortäuschung und Heuchelei, mit innerer Liebe und Verbundenheit. Uns in unseren Taten und Gebeten vor Angeberei zu hüten, in unseren Andachten und in unserer Ergebenheit vor Allah uns vor Heuchelei und das Herz verderbenden Sachen fernzuhalten. Ikhlas ist eine Bewegung des Herzens, und eine geistlich-seelische Handlung.

Die Sura Maun stellt gewissermaßen auch einen Sozialstaat vor, einen Staat, der in seinem Handeln soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit anstrebt. Ein Staat ist verantwortlich für sein Volk, das Volk verantwortlich für die Gemeinschaften und die Gemeinschaften sind verantwortlich für ihre Bürger. Ein Sozialstaat besteht also aus sozialen Mitbürgern, welche ein soziales Leben führen. Die Umsetzung der Sura Maun würde die weltweiten Notlagen wie Armut, Hungersnot, Obdachlosigkeit und etliche weitere soziale Probleme lösen und ein Thema der Vergangenheit werden lassen. Die Lösung dieser Probleme unterstützt auch die soziale Sicherheit der Menschen. Die Verse der Sura Maun verdeutlichen diese Ansicht.

Liebe Mitglieder der Islamischen Gemeinde Penzberg,

es fällt uns schwer den persönlichen Kontakt mit Euch zu unterlassen. Es tut auch weh die Moschee einsam und verlassen zu sehen. Doch wir leben in einer Zeit, die diese Maßnahmen erfordern. Alle unsere religiösen Pflichten können wir auch als Einzelne zu Hause verrichten. Wir können einzeln oder mit unserer Familie beten, einen Fastentag einlegen, Spenden über Online-Banking tätigen oder dem nächsten Nachbarn helfen. Und vor allem in Gebeten uns geistig verbinden.

Folgende aktualisierte Regelungen gelten für die Moschee:

Wir sehen uns in der Verantwortung den Gebetsraum zu schließen, da der Teppich den Virus weiter übertragen kann!

Die tägliche Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebete sind bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir Nikah/Eheschließungen ebenso aussetzen müssen.

Auch alle anderen Aktivitäten finden auf unbestimmte Zeit nicht statt.

Ein besonderes Anliegen ist uns die Solidarität mit alleinstehenden Menschen, mit Kranken und älteren Personen, die sich eine Selbstversorgung nicht einrichten können. Zusammen mit der Stadt Penzberg und den beiden Kirchen haben wir uns entschieden diesen Menschen eine konkrete Hilfe anzubieten. Aus unserer Gemeinde haben sich 25 Jugendliche bereit erklärt diese Aufgaben auszuführen!

Wenn Ihr Hilfe benötigt oder jemanden kennt der Hilfe benötigt, meldet Euch dazu entweder bei der

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ersten Bürgermeisterin Elke Zehetner unter der Telefonnummer 08856/813103 oder per Mail an elke.zehetner@penzberg.de, oder auch bei

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Imam Benjamin Idriz unter der Mobilnummer 0171/5194017 oder dem

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Vorsitzenden Bayram Yerli unter der Mobilnummer 0170/5252403.

Natürlich stehen Euch der Imam, der Vorsitzende und der gesamte Vorstand auch zu anderen Fragen/Anregungen und jedweder Unterstützung bereit.

Wir bitten Euch um mehr als Verständnis. Wir bitten Euch verantwortlich zu handeln. Wenn unsere staatlichen Behörden und führende medizinische Einrichtungen dazu auffordern möglichst zu Hause zu bleiben, macht es bitte!

Nutzen wird diese Zeit für Itikaf, für die Stärkung unseres Imans und vertrauen wir auf Allah dem Höchsten!

In Frieden und Verbundenheit,

Eure Islamische Gemeinde Penzberg e.V.