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Glaube

Die Religion mit dem Verstand versöhnen

von | 22. Mai 2014 | Glaube, Publikationen

Mit Blick auf das Wiederaufleben der Religion in der Welt und das sichtbare Erscheinen des Islams in Europa gewinnt auch die Frage an Bedeutung, inwieweit Religion, insbesondere der Islam, mit der Vernunft in Einklang zu bringen ist. Tatsächlich sollten wir uns weder Religion noch Verstand getrennt und unabhängig voneinander vorstellen. An 49 Stellen wird im Koran der Begriff „Verstand“ gebraucht und an mehr als zehn Stellen die Frage „Denkt ihr nach?“ gestellt. Das Nachdenken und der Verstand werden an mehr als 60 Stellen betont, während blinder Gehorsam gegenüber anderen kritisiert wird. Bevor der Koran „Glaub!“ gesagt hat, sagte er „Lies!“ (Koran 69:1-6), weil durch die Vernunft der Glaube gefunden werden kann (Koran 34:6). Mit der Aussage des Korans, dass zuerst das Lesen und danach der Glaube kommt, rückt die Priorität der Information in den Vordergrund. Glaube, der dem Intellekt voraus ginge, wäre demnach mangelhaft.

Im Islam hat das wissenschaftliches Forschen ein Nachdenken sowohl über profane wie auch religiöse Themen angeregt. Zu verschiedenen Zeiten sind einzelne Muslime sicherlich an die Grenzen ihres Verstandes gestoßen, für den Islam jedoch war dies nie der Fall. Immer wenn Muslime ihren Verstand zu nutzen wussten, waren sie produktiv und haben sich entwickelt. Wurde der Verstand vernachlässigt, wie es leider gerade heute teilweise zu beobachten ist, kam es zu Fehlentwicklungen, die die Religion verzerren, und die Muslime blieben sowohl in religiöser wie auch in weltlicher Hinsicht rückständig.

Die Zeitalter der Renaissance und der Aufklärung im Westen waren Reaktionen gegen die abwehrende Haltung der Kirche gegenüber der Vernunft. Die Moderne, der Fortschritt und die Überlegenheit der westlichen Zivilisation in Wissenschaft und Technik, sind durch eine klare Trennung zwischen dem Säkularen und dem Sakralen begünstigt worden. Die religiöse Identität der Menschen im Westen hat darunter jedoch gelitten, die Kirchen leerten sich. Heute befindet sich Europa auf dem Weg einer Versöhnung mit seiner Religion, nun aber im Einklang mit dem Intellekt. Echte Aufklärung ist ohne Vernunft nicht denkbar, ohne Rückkopplung mit dem Glauben aber wird sie leer und mangelhaft. So wie die Religion ihre Botschaft ohne den Verstand nicht sinnvoll vermitteln kann, so kann auch die Vernunft ohne Glauben nicht tragfähig wirken.

Das Wiederaufleben der Religion in Europa sollte zu einer Durchdringung des modernen Denkens mit Geist, zu einem neuen Miteinander von Vernunft und Religion, und in Einklang mit moralischen Kriterien zu einer „neuen Aufklärung“ führen. Europa bereichert die Errungenschaft der Aufklärung jetzt mit religiösen Werten und geht seinen Weg weiter. In der Frömmigkeit vieler Muslime von heute steht nicht das Wissen im Vordergrund, sondern das Nachahmen. Dadurch haben stark verzerrte Auffassungen Raum gewonnen, die nicht leicht korrigiert werden können. Bei den oft aus ländlichen Regionen nach Europa gekommenen Muslimen ist das Problem teilweise unübersehbar. Muslimische Intellektuelle und Theologen stehen vor einer gewaltigen Herausforderung. Der Idschtihâd, der sich zur Handlung wandelnde kreative Gedanke, ist für den Islam ein Mechanismus, der das rationale Denken in Gang bringt. Idschtihad, das Hervorbringen neuer Ideen und Lösungen bei veränderten Verhältnissen, ist wie ein Blutkreislauf. Gefriert er ein, dann gerät das Leben ins Stocken. Lange Zeit galt unter Muslimen, dass „das Tor zum Idschtihad“ geschlossen wäre. Ihr Denken setzte aus. Mit der Einmischung der Politik in die Religion und der Religion in die Politik ist der Islam in enge, schiefe Bahnen gezwängt worden.

In den Köpfen und im Leben der Muslime dominiert nicht ein vernunft- und geistorientierter Islam, sondern ein von Traditionen und Ideologien unterwanderter und gleichsam von schwerer Krankheit gezeichneter Islam. In Europa wird es muslimischen Theologen und Wissenschaftlern heute möglich sein, das Unternehmen Idschtihad wieder in Bewegung zu bringen und die Fehlentwicklungen in der Religion zu korrigieren. Europa bietet den aufgeklärten Muslimen die Chance zu einer „islamischen Renaissance“.

Liebe Mitglieder der Islamischen Gemeinde Penzberg,

es fällt uns schwer den persönlichen Kontakt mit Euch zu unterlassen. Es tut auch weh die Moschee einsam und verlassen zu sehen. Doch wir leben in einer Zeit, die diese Maßnahmen erfordern. Alle unsere religiösen Pflichten können wir auch als Einzelne zu Hause verrichten. Wir können einzeln oder mit unserer Familie beten, einen Fastentag einlegen, Spenden über Online-Banking tätigen oder dem nächsten Nachbarn helfen. Und vor allem in Gebeten uns geistig verbinden.

Folgende aktualisierte Regelungen gelten für die Moschee:

Wir sehen uns in der Verantwortung den Gebetsraum zu schließen, da der Teppich den Virus weiter übertragen kann!

Die tägliche Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebete sind bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir Nikah/Eheschließungen ebenso aussetzen müssen.

Auch alle anderen Aktivitäten finden auf unbestimmte Zeit nicht statt.

Ein besonderes Anliegen ist uns die Solidarität mit alleinstehenden Menschen, mit Kranken und älteren Personen, die sich eine Selbstversorgung nicht einrichten können. Zusammen mit der Stadt Penzberg und den beiden Kirchen haben wir uns entschieden diesen Menschen eine konkrete Hilfe anzubieten. Aus unserer Gemeinde haben sich 25 Jugendliche bereit erklärt diese Aufgaben auszuführen!

Wenn Ihr Hilfe benötigt oder jemanden kennt der Hilfe benötigt, meldet Euch dazu entweder bei der

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ersten Bürgermeisterin Elke Zehetner unter der Telefonnummer 08856/813103 oder per Mail an elke.zehetner@penzberg.de, oder auch bei

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Imam Benjamin Idriz unter der Mobilnummer 0171/5194017 oder dem

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Vorsitzenden Bayram Yerli unter der Mobilnummer 0170/5252403.

Natürlich stehen Euch der Imam, der Vorsitzende und der gesamte Vorstand auch zu anderen Fragen/Anregungen und jedweder Unterstützung bereit.

Wir bitten Euch um mehr als Verständnis. Wir bitten Euch verantwortlich zu handeln. Wenn unsere staatlichen Behörden und führende medizinische Einrichtungen dazu auffordern möglichst zu Hause zu bleiben, macht es bitte!

Nutzen wird diese Zeit für Itikaf, für die Stärkung unseres Imans und vertrauen wir auf Allah dem Höchsten!

In Frieden und Verbundenheit,

Eure Islamische Gemeinde Penzberg e.V.