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Impressionen

Murad Hoffman über die Moschee in Penzberg

18. Mai 2006 | Impressionen

Benjamin Idriz, Murad Wilfried Hofmann, Hans Mummert

Islamisches Forum Penzberg

Von Murad Wilfried Hofmann

Penzberg ist eine kleine Stadt in den bayrischen Voralpen. Doch touristisch konnte es mit Nachbargemeinden wie Bad Tölz und Kochel niemals mithalten. So musste es bisher von Bergbau und Industrialisierung (MAN) leben.

Doch dann wurde im vergangenen September die ästhetisch bemerkenswerteste Moschee in ganz Deutsch-land ausgerechnet für die relativ kleine türkische und bosnische Gemeinde in Penzberg eröffnet, gefördert -so unwahrscheinlich dies klingt – von Dr. Sultan al-Qasimi, dem aufgeklärten und aufklärenden Emir von Sharjah. Dem mazedonischen, aber auch fließend arabisch, türkisch, bosnisch, albanisch und deutsch sprechen- den Penzberger Imam Benjamin Idriz und Bayram Yerli, dem bedächtigen, aber rührigen Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde in Penzberg, e.V., war es nicht nur gelungen, den Bürgermeister und den Gemeinderat ohne Konfrontation für ihr Projekt einzunehmen. Sie schleppten sogar den CSU-Fraktionsvorsitzenden nebst Ehefrau bis nach Sharjah an den arabischen Golf.

Nur den öffentlichen Gebetsruf konnten sie (noch) nicht durchsetzen; ja man bestand sogar darauf, dass das metallene, aus arabischer Schrift bestehende Minarett nicht begehbar ist.

Doch auch die Muslime Penzbergs griffen tief in die Tasche. Eine Tafel am Eingang der Moschee führt Dutzend-de von lokalen Muslimen und Musliminnen auf, die jeweils mindestens € 5.000 bzw. € 2.500 gespendet hat-ten. Das Ergebnis ist umwerfend. Dank eines genialen bosnischen Architekten ist hier im besten Bauhausgeist in durch und durch muslimisches Gotteshaus entstanden, das keinerlei Anklänge an türkische Moscheen oder bayrische Barockkirchen zeigt, sondern vorbildlos ist. Das ganze Gebäude besticht durch seine Lichtfülle (Transparenz); der Gebetsraum gewinnt eine mystische

Dimension dank des gedämpften Lichts das durch eine riesige Glasfassade (vorwiegend aus blauen Glassplittern) einfällt. Gleichzeitig sind die Funktionsräume des Zentrums mit Hightech vorgerüstet.

Am 22. April wurde dort nun auch die erste öffentliche islamische Bibliothek in Deutschland eröffnet, und zwar in Form einer Multimediabibliothek, die überregional zur Verfügung steht. Schon sind die Regale mit Literatur in arabisch, türkisch, albanisch, deutsch, englisch und französisch gut gefüllt. Vor dem Durchschneiden des Bandes durch den Bürgermeister von Penzberg hielt ich einen Vortrag über „Das Buch als Brücke“, nämlich über die historische Rolle der Literatur im Verhältnis von Orient und Okzident.

Das Islamische Forum Penzberg nahm dies zum Anlass, mir ihren neuen Buchpreis zu verleihen, der die Form einer 52 cm hohen Miniatur des Minaretts der Moschee hat und mit € 1.000 dotiert ist. Schon bringen häufig Busse Leute zur Besichtigung dieser architektonischen Perle nach Penzberg. Und so hat die Stadt auch touristisch an Bedeutung gewonnen. Dank ihrer Moschee.

Murad Hoffman über die Moschee in Penzberg

Liebe Mitglieder der Islamischen Gemeinde Penzberg,

es fällt uns schwer den persönlichen Kontakt mit Euch zu unterlassen. Es tut auch weh die Moschee einsam und verlassen zu sehen. Doch wir leben in einer Zeit, die diese Maßnahmen erfordern. Alle unsere religiösen Pflichten können wir auch als Einzelne zu Hause verrichten. Wir können einzeln oder mit unserer Familie beten, einen Fastentag einlegen, Spenden über Online-Banking tätigen oder dem nächsten Nachbarn helfen. Und vor allem in Gebeten uns geistig verbinden.

Folgende aktualisierte Regelungen gelten für die Moschee:

Wir sehen uns in der Verantwortung den Gebetsraum zu schließen, da der Teppich den Virus weiter übertragen kann!

Die tägliche Gemeinschaftsgebete und Freitagsgebete sind bis auf Weiteres ausgesetzt.

Bitte habt Verständnis dafür, dass wir Nikah/Eheschließungen ebenso aussetzen müssen.

Auch alle anderen Aktivitäten finden auf unbestimmte Zeit nicht statt.

Ein besonderes Anliegen ist uns die Solidarität mit alleinstehenden Menschen, mit Kranken und älteren Personen, die sich eine Selbstversorgung nicht einrichten können. Zusammen mit der Stadt Penzberg und den beiden Kirchen haben wir uns entschieden diesen Menschen eine konkrete Hilfe anzubieten. Aus unserer Gemeinde haben sich 25 Jugendliche bereit erklärt diese Aufgaben auszuführen!

Wenn Ihr Hilfe benötigt oder jemanden kennt der Hilfe benötigt, meldet Euch dazu entweder bei der

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ersten Bürgermeisterin Elke Zehetner unter der Telefonnummer 08856/813103 oder per Mail an elke.zehetner@penzberg.de, oder auch bei

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Imam Benjamin Idriz unter der Mobilnummer 0171/5194017 oder dem

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Vorsitzenden Bayram Yerli unter der Mobilnummer 0170/5252403.

Natürlich stehen Euch der Imam, der Vorsitzende und der gesamte Vorstand auch zu anderen Fragen/Anregungen und jedweder Unterstützung bereit.

Wir bitten Euch um mehr als Verständnis. Wir bitten Euch verantwortlich zu handeln. Wenn unsere staatlichen Behörden und führende medizinische Einrichtungen dazu auffordern möglichst zu Hause zu bleiben, macht es bitte!

Nutzen wird diese Zeit für Itikaf, für die Stärkung unseres Imans und vertrauen wir auf Allah dem Höchsten!

In Frieden und Verbundenheit,

Eure Islamische Gemeinde Penzberg e.V.