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	<title>Integration &amp; Bildung - IGP</title>
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	<description>Islamische Gemeinde Penzberg</description>
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	<title>Integration &amp; Bildung - IGP</title>
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	<item>
		<title>Wegweiser für eine gelungene Integration der Muslime</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/wegweiser-fuer-eine-gelungene-integration-der-muslime/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 May 2014 10:13:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Muslim, der den Islam von der Perspektive Muhammeds aus wahrnimmt, annimmt und praktiziert, wird sich sowohl in eine morgenländische als auch eine abendländische Gesellschaft integrieren können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/wegweiser-fuer-eine-gelungene-integration-der-muslime/">Wegweiser für eine gelungene Integration der Muslime</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_1 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Wegweiser für eine gelungene Integration der Muslime</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p> Je mehr Muslime es gibt, die Gemeinsamkeiten mit diesem skizzenhaften Modell aufweisen, desto weniger Ängste und Vorurteile werden in der Gesellschaft sein, und desto mehr wird das gegenseitige Vertrauen wachsen.<br />
Wenn uns mit allen konstruktiven Mitgliedern der Gesellschaft ein Schulterschluss gelingt und wir unsere religiöse Identität mit der unseres Landes zu einer Synthese führen, so erreichen wir den Zustand, den wir Integration nennen. Ich sehe denjenigen muslimischen Menschen als einen in die Gesellschaft integrierten ­Mu­slimen an, der diese Integration unter Wahrung seiner Identität ­erreicht. Wenn das gelingt, brauchen wir weder auf der einen Seite eine »Assimilation« zu fürchten noch auf der anderen »Parallelgesellschaften« als Symptome einer gescheiterten Integration.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_0 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_3  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Ein Muslim oder eine Muslimin, der oder die den Islam von der Perspektive Muhammads aus wahrnimmt, annimmt und praktiziert, wird sich sowohl in eine morgenländische als auch eine abendländische Gesellschaft integrieren können. Er oder sie ist als Mitglied der Gesellschaft eine Persönlichkeit, deren Ziel es ist, in Frieden und Harmonie mit den anderen Mitbürgern der Gesellschaft zusammenzuleben. Diese Persönlichkeit können wir folgendermaßen porträtieren:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_4  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Das Porträt der idealen muslimischen Persönlichkeit in Bezug auf Integration</strong></p>
</p>
<ol>
<li>Sie kümmert sich um die Bildung ihrer Kinder vom Kindergarten an in allen Stufen der Schullaufbahn, sie bemüht sich insbesondere um ihre sprachliche Entwicklung und nimmt Kontakt mit den Lehrern und der Schulleitung auf; sie arbeitet mit diesen zusammen und nimmt an Elternsprechtagen regelmäßig teil; sie bringt sich in den Familienbeirat ein; sie sorgt bei ihren Kindern für ein gesundes Selbstbewusstsein, für Bildung und Berufsausbildung; sie fördert die künstlerischen Neigungen ­ihrer Kinder; sie nimmt sich reichlich Zeit, um mit ihnen zu spielen und zu lernen; sie wendet in keiner Weise Gewalt gegen sie an, sondern fördert ihr Selbstvertrauen; sie zieht sie in einer freien, unkomplizierten und transparenten Atmosphäre mit Liebe groß, wobei sie ihnen rät, Freundschaften mit Kindern aus unterschiedlichen Volks- und Glaubenskreisen zu schließen, indem sie sie in universellen moralischen Werten unterrichtet.</li>
<li>Sie hält den ersten Befehl des Korans, »Lies!«, hoch als Weisung bei allen Aufgaben, Gedanken, Zielen und Träumen. Sie bemüht sich intensiv in allen Stufen der Schulbildung von der Grund- bis zur Hochschule und zeichnet sich in diesem Prozess durch ihren guten Charakter, ihr Interesse am Lesen, Schreiben und Forschen aus; sie schließt Freundschaften mit gebildeten Menschen und orientiert sich am Erfolg ihrer Bildung.</li>
<li>Sie legt Wert auf Hochschulbildung oder Berufsausbildung, verbringt ihre Freizeit mit Aktivitäten, die nützlich für ihre körperliche und geistige Entwicklung sind, wobei sie sich von allen Verhaltensweisen fernhält, die für ihren Glauben, Verstand und Körper schädlich sind; sie fängt mit schlechten Gewohnheiten erst gar nicht an, verabscheut Gewalt und Fanatismus und hält Abstand zu allem, was mit Straftaten zu tun hat.</li>
<li>Sie interessiert sich für Politik und Gesellschaft, ist mit den politischen Verhältnissen des Ortes und des Staates, in dem sie lebt, vertraut und kennt die maßgeblichen Mandatsträger entweder persönlich oder dem Namen nach. Sie informiert sich über ­politische Entscheidungsträger wie den/die Bundespräsidenten/in, den/die Bundeskanzler/in, die Minister dieses Landes und auch anderer Länder; sie nimmt an den Problemen des Landes teil, verfolgt die Medien in der Landessprache, beteiligt sich zusammen mit ihrer Familie an den öffentlichen Veranstaltungen der staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen; sie nimmt ihr aktives und passives Wahlrecht in Anspruch und unterstützt bei internationalen Begegnungen das Sportteam des Landes, in dem sie lebt.</li>
<li>Sie kennt bezüglich des Landes, in dem sie lebt, die Sprache, Kultur, Verfassung, Gesetze, Staatsstruktur, Werte, Mentalität, Nationalhymne, Geschichte, Identität, Traditionen, bedeutende historische Persönlichkeiten und all die Besonderheiten, die diesem Land seinen spezifischen Charakter verleihen; sie macht sie sich zu eigen und zeigt Respekt davor.</li>
<li>Sie misst ihrer Körperpflege und ihrer Kleidung große Bedeutung bei und vermeidet ein Aussehen, das die Toleranz anderer überbeanspruchen würde; mit ihrer sauberen, eleganten, ästhetisch angenehmen, einfachen, modernen Kleidung in gut zusammenpassenden Farben strebt sie eine Harmonie mit der Jahreszeit, dem Zeitalter und der geografischen Region an, in der sie lebt.</li>
<li>Sie ist fleißig und aufrichtig, sie verdient ihren Lebensunterhalt im Schweiße ihres Angesichts; sie ist ihrer Beschäftigung treu, führt ihre Arbeit in hoher Qualität aus; sie nimmt nicht unnötig Sozialhilfe in Anspruch und vermeidet es, auf Kosten der ­Arbeitslosenhilfe zu leben; sie verlässt nicht unerlaubt ihren ­Arbeitsplatz, um zu beten, sondern sie verrichtet ihre Arbeit zu dieser Stunde, als ob sie ihr Gebet wäre; sie wird ihren Arbeit­geber und die Finanzbehörden des Staates nicht betrügen; sie unterhält gute Beziehungen mit ihren Arbeitskollegen.</li>
<li>Sie schafft nach Möglichkeit Arbeitsplätze, die dem wirtschaft­lichen Wohl des Landes dienen, sie lässt ihre Beschäftigten nicht schwarzarbeiten; sie schließt für sie alle erforderlichen Versicherungen ab und zahlt ihnen rechtzeitig den Lohn; sie führt ihre Steuern regelmäßig ab; sie unterstützt als Sponsor gemeinnützige Initiativen.</li>
<li>Sie besucht – um der Isolation vorzubeugen und um mit der Bevölkerung des Landes in Kontakt zu kommen – zusammen mit ihrer Familie über Einkaufszentren hinaus auch solche öffent­lichen Plätze wie Cafés, Restaurants, Festivals, Kinos, Bibliotheken, Theater, Kunstausstellungen, Museen und alle sonstigen Räume, wo politische, soziale und kulturelle Veranstaltungen stattfinden, und sie tritt dort in Kommunikation mit der Bevölkerung des Landes, in dem sie lebt.</li>
<li>Sie missbilligt auf allen ihr zur Verfügung stehenden Plattformen Fälle von Menschenrechtsverletzungen, Gewalt, Diskriminierung, Rassismus, Angriffen gegen jegliche Religion, von Hass und Polarisierung der Gesellschaft; sie verteidigt vor allem die Rechte der Frauen und die Menschenrechte sowie die Freiheit der Rede, des Denkens und des Lebens; sie engagiert sich mit aller Kraft für die Eindämmung der Umweltverschmutzung; sie bringt sich nicht nur in religiösen Gemeinschaften aktiv ein, sondern auch in zivilgesellschaftlichen Organisationen mit kulturellen, humanitären, erzieherischen und sozialen Zielen.</li>
<li>Sie verfolgt das Tagesgeschehen in dem Gebiet, in dem sie wohnt, bleibt durch das Lesen von Veröffentlichungen und ­Bekanntmachungen über die Entwicklungen auf dem Laufenden, besucht Informationsveranstaltungen, versucht die ihr als wichtig erscheinenden neuen Bücher zu beschaffen, meldet sich als Benutzer bei der Stadtbücherei an und nimmt sich unbedingt Zeit zum Lesen.</li>
<li>Sie verfolgt die in- und ausländische Presse, liest regelmäßig ­Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, abonniert mindestens eine deutschsprachige Zeitung oder Zeitschrift, um die Entwicklungen im Land und in der Welt zu verfolgen, baut ihre Allgemeinbildung aus, sie sucht den Kontakt mit Intellektuellen und übt Gedankenaustausch; sie macht Bildungsreisen mit verschiedenen anderen Interessenten, sie nimmt an Symposien, ­Seminaren und Vorträgen über aktuelle und wissenschaftliche Themen teil.</li>
<li>Sie meldet sich bei einer Moscheegemeinde ihres Aufenthalts­ortes als Mitglied an, ohne sich von Gruppenzwängen beeinflussen zu lassen, nach Möglichkeit verrichtet sie ihre Tagesgebete und insbesondere ihre Freitags- und Festtagsgebete in der ­Moschee, sie unterstützt die Entwicklung und Integration dieser Gemeinde, indem sie sich an ihren Aktivitäten beteiligt; sie bringt dabei ihre Vorschläge ein, hält sich mit ihrer Kritik über die Fehler und Mängel nicht zurück; sie sorgt dafür, dass Frauen und Kinder an den Aktivitäten der Moscheegemeinschaft aktiv teilnehmen.</li>
<li>Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf die gemeinsamen Werte in verschiedenen Religionen und Kulturen und bemüht sich darum, diese zu entwickeln; sie achtet die Unterschiede als Reichtum der Menschheit; sie interessiert sich für die Besonderheiten der anderen Kulturen, Religionen und Völker und achtet deren Werte; sie übernimmt eine Brückenfunktion bei der interkul­turellen Kommunikation, tritt anderen Denk- und Glaubensrichtungen mit unbegrenzter Toleranz entgegen, ohne sich überlegen zu fühlen, und verteidigt die Bürgerrechte aller Menschen.</li>
<li>Sie misst neben ihrem guten Charakter auch der Sauberkeit große Bedeutung bei: der Reinlichkeit ihrer Umgebung, Wohnung, Arbeits- und Aufenthaltsstätte, ihrer täglichen Körperpflege, ihrer Kleidung, die darüber hinaus gebügelt, modern und elegant ist, und allen Details der Sauberkeit, Pflege, Gestaltung und Ästhetik.</li>
<li>Sie pflegt enge Beziehungen zu ihren Nachbarn; sie teilt mit ­ihnen, soweit es im üblichen Rahmen bleibt, Essen und Trinken, begeht die religiösen und nationalen Feste, tauscht mit ihnen Geschenke aus, indem sie mit ihnen eine gute Freundschaft pflegt, bietet ihre Hilfe an und vermeidet Verhaltensweisen, die ihre Nachbarn irritieren könnten.</li>
<li>Sie versucht, ihre Nachbarn in keiner Weise zu stören; daher achtet sie darauf, den Müll sachgerecht zu trennen und die ­Sammelstellen sauber zu halten, sie achtet auf die Zimmerlautstärke beim Hören von Rundfunk und Musik in ihrer Wohnung, vermeidet Besuche in späten Nachtstunden und empfängt in diesen Stunden auch keinen Besuch, wenn es nicht notwendig ist; sie achtet auf die sachgemäße Benutzung der Briefkästen, Parkplätze.</li>
<li>Sie wird, wenn sie sich politisch engagieren möchte, Mitglied in einer demokratischen Partei, deren Ziele sie für richtig hält, und nimmt aktiv an den Veranstaltungen dieser Partei teil; sie ist bereit, auf allen Ebenen vom Kommunal- bis zum Bundesparlament zu kandidieren, um der Bevölkerung besser dienen zu können; sie setzt sich im Sinne der Verfassung des Landes ein, um die Rechte der Bürger zu wahren; sie setzt es sich zum Ziel, die Harmonie, den Frieden und den Wohlstand in der Gesellschaft voranzubringen; sie instrumentalisiert nicht ihren Glauben für die Politik, sondern steht im Dienst aller und arbeitet daran, dass sich das Land auf jedem Gebiet weiterent­wickelt und vor Gefahren geschützt bleibt.</li>
<li>Als Künstler, Handwerker, Akademiker, Journalist, Schriftsteller, Politiker, Arzt, Sportler und in welchem Beruf auch immer leistet sie jeweils in ihrem eigenen Fach durch ihre gesammelte Erfahrung einen Beitrag für den weiteren Fortschritt des Landes, für die kulturelle, soziale und wissenschaftliche Integration und für die interkulturelle Verständigung.</li>
<li>Sie unterzieht ihr Religionsverständnis einer Prüfung durch ihre Vernunft und hält dadurch Abstand von extremen Haltungen.</li>
</ol></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bei dieser Aufzählung von Merkmalen handelt es sich lediglich um Beispiele. Je mehr Muslime es gibt, die Gemeinsamkeiten mit diesem skizzenhaften Modell aufweisen, desto weniger Ängste und Vorurteile werden in der Gesellschaft sein, und desto mehr wird das gegenseitige Vertrauen wachsen.<br />
Wenn uns mit allen konstruktiven Mitgliedern der Gesellschaft ein Schulterschluss gelingt und wir unsere religiöse Identität, mit der unseres Landes zu einer Synthese führen, so erreichen wir den Zustand, den wir Integration nennen. Ich sehe denjenigen muslimischen Menschen als einen in die Gesellschaft integrierten ­Mu­slimen an, der diese Integration unter Wahrung seiner Identität ­erreicht. Wenn das gelingt, brauchen wir weder auf der einen Seite eine »Assimilation« zu fürchten noch auf der anderen »Parallelgesellschaften« als Symptome einer gescheiterten Integration.</p>
<p><em>Quelle: Benjamin Idriz: „Grüß Gott, Herr Imam! Eine Religion ist angekommen“, Diedrichs-Verlag München 2010, ISBN-13: 978-3424350425</em></p></div>
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			</div>
				
				
			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/wegweiser-fuer-eine-gelungene-integration-der-muslime/">Wegweiser für eine gelungene Integration der Muslime</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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		<title>Ausbildung von Imamen in Deutschland</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/ausbildung-von-imamen-in-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2014 10:11:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rede von Benjamin Idriz zur Ausbildung von Imamen in Deutschland im Rahmen einer bildungspolitischen Gesamtkonzeption.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/ausbildung-von-imamen-in-deutschland/">Ausbildung von Imamen in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Integration &amp; Bildung</h1></div>
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					<h2 class="entry-title">Ausbildung von Imamen in Deutschland</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Ausbildung von Imamen in Deutschland im Rahmen einer bildungspolitischen Gesamtkonzeption</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_9  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vortrag von Imam Benjamin Idriz in der Eugen-Biser-Stiftung am  29.11.2007</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_10  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>In nie zuvor gekanntem Maße haben Veranstaltungen über den Dialog mit dem Islam unser Jahr 2007 geprägt. Allein persönliche Einladungen, die mich aus ganz Deutschland und auch über die Landesgrenzen hinaus erreichten, zeigen das immense Interesse – sei es seitens der Politik, der Wissenschaft oder der Kirchen – an der Entwicklung Europas bei sichtbarer Präsenz des Islam. Auffallend dabei ist eine Reihe zahlreicher Referate über die Rolle der Imame in Deutschland, in Europa. Denn man erkennt nun endlich, dass weit über architektonische Fragen hinaus, die aus ihren Hinterhöfen hervor kommenden Moscheen auch einen Geist verkörpern. Die Institution „Imam“ ist der wichtigste geistliche und kulturelle Träger des Islam. Nun sind wir bereits so weit, über eine Akademisierung dieser Imame im Rahmen staatlicher Projekte Diskurse zu führen.</p>
<p>Erlauben sie mir einführend den Begriff Imam als Terminus technicus zu definieren, um im weiteren Verlauf seine Funktion, Aufgabe und Verantwortung klären zu können. Noch zuvor möchte ich kurz auf eine missverständliche Aussprache des Wortes Imam aufmerksam machen, der ich selbst des Öfteren begegnet bin. Es kommt leider gelegentlich vor, dass der letzte Konsonant von „Imam“ als N anstelle von M gesprochen, und manchmal sogar in Dokumenten so geschrieben wird. Das ist natürlich verständlich, wenn wir bedenken, dass Fachbegriffe des Islam erst seit kurzer Zeit dabei sind, ihren Platz in unserer Gesellschaftsordnung einzunehmen. Erlaubt sei aber ihre Richtigstellung, damit wir unter demselben Wort auch das ein und dasselbe verstehen. Denn „Iman“, mit N, besitzt die Bedeutung von „Glauben“ und „Vertrauen“ (und ist sprachlich mit dem vertrauten Wort „Amen“ verwandt).</p>
<p>Ein kurzer historischer Rückblick würde uns zeigen, dass die Institution Imam, obwohl vielseitig und vieldeutig, immer auch konform mit der gegebenen Situation der jeweiligen Zeit war und ist. Der Islamgelehrte Mawerdi aus dem 11. Jahrhundert (gest. 1058) ordnete die Bedeutung eines Imams zunächst in zwei Kategorien ein. Zum Ersten beschreibt er seine Aufgaben als Beschützer und Bewahrer der muslimischen Identität, der auch in der Weltpolitik seine Position einnimmt. Im Weiteren schränkt er seine Aufgabe auf ein einfaches Leiten der rituellen gemeinschaftlichen Gebete ein.</p>
<p>Wir sehen hier zwei Extreme:  eine sehr umfassende, auch politische Leitungsfunktion, die in dieser Form obsolet ist, und eine speziell definierte und limitierte Leitungsfunktion. Dazwischen liegen viele Formen und Ausprägungen eines Imam-Verständnisses.<br />
Ich selbst befinde mich nach Mawerdis Darstellung zwischen den Extremen, das heißt, ich verfolge als Imam keine politischen Absichten, begnüge mich aber auch nicht damit, als rein formeller Vorbeter zu fungieren.</p>
<p>Wir müssen zwischen den beiden Titeln Imam und Vorbeter differenzieren. Ein Vorbeter ist derjenige, der, meist von der muslimischen Gemeinde ernannt, das Gebet lediglich leitet, was im Prinzip ein Jeder-kann-es-machen-Verständnis impliziert. Ein Imam hingegen ist ein ausgebildeter Religionsgelehrter, der ein Recht und einen Anspruch auf die Leitung der rituellen Gebete besitzt und im religiös-theologischen Bereich besonders qualifiziert ist. Insofern ist ein Vorbeter nicht unbedingt ein Imam, ein Imam aber immer ein Vorbeter.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_1 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_11  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Eingebettet in eine 150-jährige Familientradition von Imamen auf dem Balkan, dessen Schlusslicht so scheint es, meine Person einnimmt, beschäftigt mich die Frage nach einem zeitgemäßen Imambild, in Einklang mit der rasanten Entwicklung unserer mobilen und globalen Welt. Dabei werde ich gerne zurückgreifen auf Begegnungen mit Kollegen, und werde mich ebenso inspirieren lassen von den vielen Eindrücken, die ich in meiner Vergangenheit im Orient und Okzident kennenlernen durfte. Kurzum, ein Versuch der Frage nachzugehen: Wie verortet sich ein Imam in Europa?</p>
<p>Nun, mein Idealbild eines Imams hört sich wie folgt an:</p>
<ul>
<li>Ein Imam einer Moschee ist Vorbild, Leiter und Vertreter seiner Gemeinde. Er zeichnet sich in seinem Umfeld durch herausragendes Wissen und Vernunft aus. Ein Imam ist nicht nur damit beauftragt, für die Gemeinde das Gebet zu leiten und die Freitagspredigt zu halten. Neben diesen obligatorischen Aufgaben hat er auch eine herausragende und federführende Rolle in der Gesellschaft zu übernehmen. Er ist die Schlüsselperson, wenn es um Probleme der einzelnen Individuen, der Familien und der Gesellschaft geht.</li>
<li>Ein Imam hinterfragt im Kontext seiner Ausbildung, ob das, was ihm vermittelt wird, im zeitlichen und räumlichen Rahmen noch relevant und anwendbar ist. Nach dem Prinzip des lebenslangen Lernens fördert er sein Wissen in allen Facetten des menschlichen Zusammenlebens. Täglich verfolgt er lokale und globale Ereignisse um und über den Islam aufmerksam mit und nimmt an Seminaren und Veranstaltungen zum einschlägigen Thema gerne teil. Darüber hinaus ist er in gleicher Weise an den Medien interessiert, die die aktuellen Nachrichten für das unmittelbare Umfeld und über das Land liefern.</li>
<li>Die höchste Auszeichnung eines Imams ist sein fundiertes Wissen über islamisch-theologische Grundlagen. Dabei konzentriert er sich nicht ausschließlich auf einige wenige Meinungen, sondern bedient sich breit gefächerter Studien von Islam-Experten, von diversen Strömungen, Denkern und Rechtsschulen, um sich so selbst einen Überblick zu verschaffen. Er besitzt auch die Fähigkeit zu unterscheiden, dass die in der Geschichte getroffenen Beschlüsse einzelner Gelehrter für bestimmte Sachlagen in bestimmten Regionen keine allgemein verbindlichen Inhalte für religiöses Leben heute darstellen. Darum kann und darf es nicht sein, dass einst vorwiegend im orientalischen Raum von Menschen getroffene Maßgaben für unanfechtbar erklärt werden. Wie jede Epoche ihre Dynamik aufweist, braucht auch unsere heutige Ära eine islamische Geisteswissenschaft, die sich als im Heute angekommen versteht. Derzeit sind islamische Rechtsgelehrte eher bekannt für ihre chaotischen Rechtsgutachten, als für ihren eigentlichen Zuständigkeitsbereich. Unbefugte und unbegabte Möchte – gern- Gelehrte drängen unter dem Deckmantel der Religion vor allem junge Menschen in die Radikalität, in den Extremismus.</li>
<li>Ein Imam greift Tabuthemen in seiner Gemeinde entschlossen auf. Religiöse Fehlentwicklungen und -interpretationen brandmarkt er offen und kritisch. Mit traditionalistischem Islamverständnis kann er wenig anfangen; er ist vielmehr ein Verfechter des wissenschaftlichen Islams.</li>
<li>Ein Imam fühlt sich nicht nur dem Islam und dem Orient verbunden, gleichermaßen empfindet er auch etwas für die westliche Kultur. Er liest westliche Klassiker – insbesondere Literatur nicht-muslimischer Autoren über Geisteswissenschaften und Philosophie bestücken sein Bücherregal. Fremde Kulturen kennt er in und auswendig und ist ihnen gegenüber aufgeschlossen.</li>
<li>Ein Imam ist auch in Lebensbereichen außerhalb seiner Moscheegemeinde aktiv. Er pflegt einen ausgewogenen und guten Kontakt mit der Gesellschaft und vertritt die Gemeinde nach Außen in sozialen und kulturellen Bereichen. Seine ständige Begleitung ist seine Ehefrau. Er hat ein großes Interesse an der Öffentlichkeit. Ebenso weiß er, wie er die Medien einbeziehen kann.</li>
<li>Ein Imam hat einen weiten Horizont, ein breites Wissen, eine ansprechende Wortwahl, ein lächelndes Gesicht, ein sympathisches Auftreten, einen vorbildlichen Charakter, ist offen für andere Kulturen, Traditionen und Brauchtum, begegnet Andersdenkenden und Andersgläubigen mit Respekt, sucht den ständigen Weg des Dialogs und Austausches mit allen Menschen. Weihnachten und Ostern sind ihm keine fremden Feste. Er ist hilfsbereit und nicht zu übertreffen in seiner Freundlichkeit und Nähe gegenüber Männern und Frauen, Jungen und Alten. Bei der Begegnung mit Frauen kann es ihm keine Schwierigkeiten bereiten, ihnen die Hand zu reichen. Auch ein gepflegtes Äußeres gehört zu seinem Erscheinungsbild.</li>
<li>Ein Imam schätzt die Ressourcen einer pluralistischen Werteordnung und begreift diese als Chance. Er ist bewandert im Judentum, Christentum, Buddhismus, Hinduismus und anderen Religionsverständnissen und steht ihnen mit Toleranz und Akzeptanz respektvoll gegenüber. Er ist sich dessen bewusst, wenn er in seinen Vorträgen und Predigten auch nur annähernd eine dieser Religionen kränkt, dass er damit gleichzeitig den Schöpfer angreift.</li>
<li>Ein Imam kennt das Grundgesetz und die Gesetzeslage des jeweiligen Landes, in dem er sich zu leben entschieden hat, den demokratischen und rechtlichen Verpflichtungen ist er ebenso verbunden. Er ist reserviert und ablehnend gegenüber allen Menschen eingestellt, die das Rechtssystem anprangern und damit das friedliche Zusammenleben der Gesellschaft in Gefahr bringen möchten. Er wird seine Stimme immer lauter erheben gegen die globalen Auswirkungen von Terror und Radikalismus, so genannte Ehrenmorde, Unterdrückung der Frauen, Gewalt in Schulen und Familien, Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung, Kriege und Ungerechtigkeit.</li>
</ul></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_2 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_12  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Fakt ist, dass die Äußerungen eines intellektuellen, modernen und mutigen Imams über die Themen, die unsere Gesellschaft derzeit beschäftigen, wie Terror, Gewalt in muslimischen Familien und Zwangsehen, zu nachhaltigerer Akzeptanz führen, als es Aufrufe von Politikern und Schlagzeilen in den Medien bewirken. Gerade deshalb ist der Stand der Imame einer der wichtigsten Bausteine, wenn es um Verständigung, Dialog und diesbezügliche Stärkung von Europa geht.</p>
<p>Was uns heute fehlt ist eine ernsthafte Debatte unter Muslimen zu Themen, die offen und ehrlich einer Klärung bedürfen. Muslime sind aufgefordert, sich der Herausforderung der Moderne zu stellen, und jenseits strikt buchstabengetreuer, traditioneller Auslegungen des Korans, moderne reformistische Interpretationen zu zu lassen, ohne dabei das geistige Erbe der Religion zu verletzen. Es besteht ein enormes Bildungs- und Informationsdefizit in Bezug auf Islam. Die Gesellschaft und die Muslime selbst sind meist mit einem Zerrbild von Islam konfrontiert.</p>
<p>Das Bild des Islam hier in Deutschland wird nach wie vor als vorwiegend “ausländisch” oder “fremd” geprägt wahrgenommen. Noch immer wird der Islam als ein Phänomen im Umfeld von Immigration verortet. Hartnäckige Vorurteile (“Fundamentalismus, heiliger Krieg, Terrorismus, Ehrenmorde”) stehen einer harmonischen und gedeihlichen Koexistenz zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen auf gemeinsamer Basis im Wege. Gefragt ist hier fachkundiges Personal, Menschen mit spezifischer Ausbildung, die diese Fragen kompetent angehen und eine entsprechende Bewusstwerdung sowohl innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Gang setzen als auch nach außen klärende Signale setzen.<br /> Das bedeutet, dass die derzeitigen Träger und Vermittler religiösen Verständnisses, die Imame, die in den islamischen Gemeinden hohe Anerkennung genießen, vorrangig in den Diskurs mit einzubinden sind. In dem Maß, in dem die Rolle der Moscheen in der Diasporagesellschaft vielschichtiger geworden ist, ist auch das Aufgabenfeld der Imame gewachsen. Moscheen sind von einfachen Gebetshäusern zum funktionalen Mittelpunkt migrantenspezifischer Aufgaben gerückt. Imame wären der treibende Motor der Integration, doch lassen sie allzu oft die Grundanforderungen wie deutsche Sprachkenntnisse und fachliche Ausbildung vermissen. Tatsache ist, dass in Deutschland zur Zeit weder staatliche noch von islamischen Organisationen getragene Ausbildungsstätten für Imame bestehen.</p>
<p>Der Bedarf von ca. 2500 Moscheegemeinden in Deutschland, in Bayern etwa 350, wird meist durch den Rückgriff auf Imame aus den Herkunftsländern gedeckt. Man schätzt die Zahl der hauptamtlichen Imame aus der Türkei auf 1500, der Rest der Gemeinden wird von ehrenamtlichen „Imamen“ begleitet, die von den Gemeinden selbst ernannt werden, häufig ohne entsprechende Qualifikation.<br /> Imame aus dem Ausland verfügen kaum über ausreichende Sprach- und Kulturkompetenz und sind deshalb der Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft ebenso wenig förderlich, wie sie den Anforderungen der Gemeinden und ihrer Mitglieder vor allem in der zweiten und dritten Generation nicht gerecht werden.</p>
<p>Das Schicksal der Imame in Deutschland ist in die Hände der einzelnen Moscheevereine gelegt. Muslimische Einrichtungen sind nicht, wie es sein sollte, der Obhut eines Imams unterstellt, sondern hier dominieren Vereinsvorstände, die ihre Aufgaben auf ehrenamtlicher Basis regeln. Der Imam ist nicht in der Rolle des Führenden, er ist selbst der Geführte. Den Imamen wird aufgrund ihres begrenzten Aufenthaltsstatus ungern die Führungsrolle abgegeben. Nach dem Motto „Er ist der Gehende, wir sind die Bleibenden, und wir haben die Finanzen“, werden Imame in ihrer Autorität eingeschränkt.</p>
<p>Die islamischen Organisationen waren wie in anderen Fragen auch in dieser Sache alleine gelassen, und so schufen sie sich kurzerhand Ideen und Konzepte, um ihr Defizit an notwendigen Imamen decken zu können. So stehen gegenwärtig einige unter direkter Verbindung mit ausländischen Ministerien für Religionsangelegenheiten und somit auch unter fremdstaatlicher Garantie. Ihr Aufenthalt in Deutschland ist auf höchstens 5 Jahre beschränkt, ihre Ausbildung ist generell eine hochkarätige. Ein großer Teil der Imame lässt die Familie zurück und kommt alleine, weshalb sie dann sehr oft hin und her pendeln und damit für einige Zeit ausfallen. In den letzten zwei Jahren werden einige der Imame verpflichtet, 600 Stunden deutschen Sprachkurs zu absolvieren, bevor sie eine Stelle in Deutschland neu besetzen. Allerdings kann dieser Erwerb kaum umgesetzt werden. Bürokratie und andere Hürden versperren den Imamen die Kontakte zur deutschsprachigen Infrastruktur.</p>
<p>Andere Imame sind wiederum Rentner, die mit dem so genannten grünen Reisepass einreisen und einen Aufenthalt von in der Regel einem Jahr bevorzugen, weshalb viele Moscheegemeinden innerhalb von einem Jahr mehrere Imame wechseln. Deutsche Sprachkenntnisse besitzen sie kaum und sind auf die Moscheebetriebe angewiesen, ohne jegliche soziale Absicherung. Andere wiederum bilden in ihren eigenen Reihen junge Menschen zu Imamen aus, die teilweise in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Der Lehrplan, der dabei gelehrt wird, ist nicht öffentlich.<br /> Die Ausbildung der Imame ist und muss ein Kernanliegen, in erster Linie der Muslime in unserem Land, sein. Meine Absicht ist es nicht, die Spitzenorganisationen in ihrer Arbeit zu kritisieren und ihr bisheriges Jahrzehnte langes Wirken in den Schatten zu stellen. Aus mehreren Gesprächen über die Situation der muslimischen Gemeinden weiß ich, dass auch diese die derzeitige Lage der Imame als unbefriedigend empfinden, fehlende Unterstützung und Hilfsmittel ermöglichen jedoch keine Abhilfe.</p>
<p>Im September war ich auf Einladung der Theodor-Heuss-Stiftung bei einem Symposium zur Nachbesprechung des Nationalen Integrationsplans. Wie ich auch dort betont habe, möchte ich nochmals erwähnen: Die Initiative zur Imam-Ausbildung auf europäischem und deutschem Boden muss zunächst von uns Muslimen selber kommen. Wir debattieren und setzen unsere verstärkte Energie in die Errichtung von Moscheebauten. Haben wir auch darüber nachgedacht, wer den Geist dieser Räume füllen wird? Geben wir zu: wir haben es nicht! Unser vordringliches Anliegen sollte deshalb die Schaffung von Ausbildungseinrichtungen für Männer zu Imamen und für Frauen zu so genannten Murschidas sein. Bislang haben wir in dieser Kontroverse einem essentiellen Bereich, dem der weiblichen Gelehrtenausbildung, keine Bedeutung zugeschrieben. Obwohl die Entwicklung der Rechtsgelehrtinnen in der islamischen Geschichte eine herausragende Rolle besitzt, sind weltweit heutzutage Frauen in einer kleinen Minderheit, was dieses Amt anbelangt. Auch in dieser Entwicklung wird Europa seine Vorreiterrolle übernehmen.</p>
<p>Ich glaube fest an die Möglichkeit und Verwirklichung in progressiven Schritten, eine etablierte Imamausbildung in Deutschland zunächst in drei Etappen zu mobilisieren:</p>
<ul>
<li>Schritt 1 wäre zunächst eine Art Fort- und Weiterbildung für die derzeitigen, wenn auch zeitlich begrenzt anwesenden Imame in den Moscheegemeinden anzubieten.</li>
<li>Schritt 2 könnte eine anerkannte Islamische Theologische Hochschule sein, die sich nach ihrer Bewährung dann im weiteren</li>
<li>Schritt 3 an einer deutschen Universität mit dem Studiengang Islamische Theologie etabliert.</li>
</ul>
<p>Nicht weit von Westeuropa haben Länder wie die Türkei oder Bosnien-Herzegowina Hochschulen und Theologische Fakultäten fest in ihrem Bildungsprogramm, die durchaus auch für uns von Relevanz sein können. Darüber hinaus haben wir im deutschsprachigen Länderdreieck Deutschland, der Schweiz und Österreich zahlreiche Professoren und Gelehrte, die einen solchen Studiengang konzipieren, aufbauen und leiten können.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_3 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_13 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die vergangenen Debatten um ein Zentrum, das auch eine akademische Ausbildung für Imame vorsieht und als dessen Initiatoren meine Person und etwa ein Dutzend aktive Muslime aus dem Raum München fungieren, haben viele Fragen auf beiden Seiten aufgeworfen. Dennoch sind wir entschlossen, vor allem angesichts der zahlreichen Solidaritätsbekundungen gerade von Nicht-Muslimen, weiterhin an diesem Projekt zu arbeiten. Denn wir möchten die Menschen, die ihre Hoffnung und Zuversicht in diesem Projekt sehen, nicht enttäuschen.</p>
<p>Erlauben sie mir an dieser Stelle einen Auszug unseres Konzeptes zu ZIEM – dem Zentrum für Islam in Europa – München, vorzutragen:<br /> Die Sorgen der Bevölkerung sind nicht loszulösen von dem nach wie vor verbreiteten, negativen Image der Muslime: Zum einen wird „Islam“ von Vielen als problematisch für europäisches Werteverständnis und die deutsche Gesellschaftsordnung wahrgenommen. Und zum anderen gelten Muslime noch immer weitestgehend als „fremd“ und, trotz in Bayern geborener Generationen, kaum als beheimatet.</p>
<p>ZIEM möchte hier gegensteuern und einen so dringend notwendigen, effektiven Beitrag leisten, um die weitere Entwicklung auf für alle Seiten verträglichere Bahnen zu lenken. Keineswegs darf ZIEM als eine Art Vorposten für eine vermeintliche „Islamisierung“ Europas missverstanden werden! ZIEM will ganz im Gegenteil einen wirksamen Mechanismus gegen die Fehlentwicklungen einer bisher nicht geglückten Integration, und gegen eine weitere Ausbreitung aggressiver und traditionalistischer Richtungen in Deutschland und Europa, in Gang setzen. ZIEM möchte auch hier ansetzen und eine Ausbildungsstätte für Imame und andere Multiplikatoren wie Religionspädagoginnen und Religionspädagogen, Seelsorgerinnen und Seelsorger und den funktionalen Gemeindevorstehern anbieten.</p>
<p>Eine Imamausbildung im Inland würde nicht nur eine wünschenswerte Dynamik in die Entwicklung einer Theologie des Islams in Europa bringen, sondern auch gleichzeitig auf das religiöse Leben der Muslime reagieren, insbesondere der heranwachsenden Generation, ihre Religion in den europäischen Kontext einbinden, und dem Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft nach Aufklärung und Integration durch kundige Muslime entgegenkommen.</p>
<p>Die Islamische Fakultät in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina, betreibt seit drei Jahrzehnten Bildungsarbeit für Muslime auf europäischem Boden.</p>
<p>Kürzlich eingerichtete Lehrstühle wie in Münster, Erlangen und Osnabrück für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern, könnten Grundlagen für eine Imamausbildung vor Ort sein. Langfristig soll ein in Deutschland einheitlicher, kulturell unabhängiger Lehrplan für einheitliche Standards auf hohem wissenschaftlichen Niveau sorgen und politisch motivierte Religionsauslegung verhindern helfen.</p>
<p>Der Lehrplan wird dem bayerischen Bildungssystem angepasst, die Kooperation mit dem Kultusministerium und mit islamischen Einrichtungen bilden die Grundvoraussetzung für einen harmonischen Abschluss dieser bisher innovativen Form für Imamausbildung in Europa. Angedacht ist eine akademische Ausbildung in Bachelor- und Masterstudiengängen für Studierende aus dem In- und Ausland. Europäische Austauschprogramme mit den Universitäten in der islamischen Welt sollen mit positiven Impulsen auch nach außen wirken und eine Brückenfunktion zwischen West und Ost übernehmen.</p>
<p>Getragen von fundiertem Verständnis für historisches und modernes Islamdenken, begleitet von Wissenschaftsprogrammen und einem facettenreichen Studienprogramm soll der Lehrplan grundsätzlich in deutscher Sprache folgende Fächer für die theologische Ausbildung umfassen: Koranexegese, Islamisches Recht, Islamische Geschichte, Islamische Kultur und Zivilisation (auch in der Neuzeit), Islamische Mystik, Menschenrechte, Logik, Kommunikation und Verwaltung in Islamischen Einrichtungen.<br /> Weitere verbindende Fächer sollen sein: Rechtswissenschaften, Politik, Wirtschaft, Germanistik, Anthropologie, Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Religionswissenschaften der Weltreligionen, Geographie, Kunst, Musik, Deutsche Geschichte und Archäologie.<br /> Ziel ist die Erlangung eines einheitlichen Fachwissens auf der Basis der muslimischen Quellen und empirischer Pädagogik. Eine essentielle Grundvoraussetzung für einen gleichberechtigten Dialog ist der begleitende theologisch-fachwissenschaftliche, praktische und spirituelle Ansatz der Ausbildung.</p>
<p>Von in Deutschland in deutscher Sprache ausgebildeten Imamen profitieren die Gemeinden dadurch, dass die Voraussetzungen für die Entwicklung eines modernen, westlichen Islam – eines Islam in Europa – geschaffen werden. Der “Integrationsmotor” Imam wird seine in der Akademie erworbenen Kenntnisse für das Zusammenwachsen der Gesellschaft fruchtbar einsetzen können. Damit können gleichzeitig negative Begleiterscheinungen der Integration mit bekämpft werden.</p>
<p>Im Bewusstsein, dass diese Einrichtung nur in längerfristigen Schritten ins Leben gerufen werden kann, wird zunächst, bis zum Erreichen dieses Zieles, daran gedacht, bereits tätige Imame in Deutschland an die Modalitäten in praktischer und theoretischer Ausbildung heranzuführen. In Form von Fortbildungen und periodischen Seminaren sollen folgende Schwerpunkte angeboten werden:<span style="font-size: 16px;"> </span></p>
<ul>
<li>Erwerb der deutschen Sprache und Erweiterung der kulturellen Kompetenz</li>
<li>Geschichte Deutschlands und Europas</li>
<li>Nationalsozialismus und Antisemitismus</li>
<li>Einführung in Demokratie, Säkularisation und Menschenrechte</li>
<li>Einführung in die Rolle der Imame in Europa – Herausforderungen / Chancen</li>
<li>Christentum, Judentum und andere Religionen und Glaubensgemeinschaften – Dialoggespräche</li>
<li>Verwaltung und Führung von Moscheegemeinden</li>
<li>Pädagogik und Didaktik im Religionsunterricht in Moscheen</li>
<li>Bildung von Architekturgremien ausschließlich zur Beratung von neu zu erbauenden Gebetshäusern</li>
<li>Plattform vor allem für Akademiker, Lehrbeauftragte an den Universitäten, Studentinnen und Studenten und allen Interessierten bei Seminaren, Konferenzen, Symposien, Diskussionsveranstaltungen und Workshops in Zusammenarbeit mit ähnlichen Einrichtungen und Institutionen</li>
<li>Regelmäßige Presseerklärungen und Einbindung der Medien in den Prozess</li>
</ul></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_4 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_14 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Ausführungen beende ich mich den Worten von Erich Kästner, der einmal gesagt hat, von einem wirklichen Fortschritt der Menschheit könne erst dann die Rede sein, „wenn die Mutigen klug und die Klugen mutig geworden sind“. Das lässt sich auch auf das Verhältnis zwischen Muslimen und hiesiger Gesellschaft übertragen, wobei mehr Mut manchmal beiden Seiten gut tun würde. </p>
<p>Von den Muslimen wünsche ich mir den Mut, dass sie ihre Gedanken und Ideen offen und ehrlich vertreten auch gegenüber denjenigen Muslimen, die vielleicht immer noch etwas anderes hören möchten. Und von der Gesellschaft wünsche ich mir den Mut, dass sie den als richtig erkannten Weg des Dialoges auch weiterhin fortsetzt, auch wenn manchmal die Enttäuschung groß ist.</p>
<p>Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_7 box-710">
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			</div>
				
				
			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/ausbildung-von-imamen-in-deutschland/">Ausbildung von Imamen in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Muslime in Europa – Vier Gruppen</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/muslime-in-europa-vier-gruppen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2014 14:58:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Europa seine muslimischen Bürger nicht länger als „die Anderen“ betrachtet und behandelt, dann wird es, wie früher, auch in Zukunft auf der Grundlage jüdisch-christlich-muslimischer Einigkeit sicher und selbstbewusst sein. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/muslime-in-europa-vier-gruppen/">Muslime in Europa – Vier Gruppen</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_7 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Hier &amp; Heute | <a href="/blog/">IGP Blog</a></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Integration &amp; Bildung</h1></div>
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					<h2 class="entry-title">Muslime in Europa – Vier Gruppen</h2>
				</div>
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Muslime in Europa wurden nicht nur von der Inquisition verfolgt. Zuletzt litten sie unter der Aggression der Kriege in Bosnien und im Kosovo, deren tragischen Höhepunkt die Massaker von Srebrenica markierten. Dennoch ist der Wunsch nach einem gemeinsamen Zuhause mit Christen, Juden und auch religionsfernen Menschen gerade bei Muslimen groß, vielleicht sogar besonders groß. Die trotz Jahrhunderte langer Kriege kontinuierlich in Osteuropa beheimateten Muslime, sowie die ab der Mitte des 20. Jahrhunderts auf der westeuropäischen Bühne sichtbar werdenden Muslime, können wir in vier Gruppen gliedern:
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_18  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Autochthone Muslime</strong><br /> Europäische Muslime, deren Vorfahren vor Hunderten von Jahren hierher kamen, die also hier geboren und seit vielen Generationen hier beheimatet sind. Sie sind nach ihrer geographischen und ihrer religiösen Zugehörigkeit mit Europa zu identifizieren. Diese Gruppe umfasst rund 10 Millionen Menschen in Bulgarien, Rumänien, Griechenland (West-Thrakien), Albanien, Mazedonien, Kosovo, Serbien, Montenegro, Bosnien, Kroatien und Slowenien. In diesen Ländern existieren längst feste religiöse Strukturen. Langjährige Erfahrungen im Bereich theologischer Ausbildung auf schulischer und universitärer Ebene haben besonders Bosnien, Kosovo, Kroatien und Mazedonien aufzuweisen.</p>
<p>Bosniakische und albanische Muslime, die aus diesen Ländern aufgrund von Verfolgung oder aus wirtschaftlichen Motiven nach Westeuropa migriert sind, bilden in der Schweiz und in Schweden die größte, in Deutschland und Österreich die zweitgrößte Gruppe der Muslime. Für sie liegt sowohl ihre alte, wie ihre neue Heimat in Europa. Wenn ein in Deutschland lebender und arbeitender Muslim aus Bosnien, dem Kosovo oder aus Griechenland im Urlaub in sein Herkunftsland fährt, dann begibt er sich lediglich vom westlichen Teil Europas in den östlichen. Mit beiden Beinen steht er in Europa, mit seinem Denken und seiner Seele – er kann europäischer Kultur gar nicht fremd sein. Nicht anders als Franzosen, Briten oder Deutsche sind Bosniaken, Albaner, Kosovaren oder West-Thraker Hausherren in Europa.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_19  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong> Migrierte Muslime</strong><br /> Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich aus unterschiedlichen Motiven – Suche nach Arbeit, Flucht vor Verfolgung, Streben nach Bildung – Muslime aus der Türkei, dem Nahen Osten, Asien oder Afrika in westeuropäischen Ländern wie Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Belgien, der Schweiz, Italien, Spanien und den skandinavischen Ländern niedergelassen. Der wohl größte Teil dieser Migranten lebt mit einem Bein an ihrem neuen Wohnort, mit dem anderen aber weiterhin in ihrem Geburtsland.</p>
<p>Physisch befinden sie sich in den Ländern, in denen sie jetzt leben und arbeiten, mit ihren Gedanken und Empfindungen aber sind viele von ihnen dort geblieben, wo sie geboren wurden und aufgewachsen sind. Ihr Leben spielt sich in eigenen Welten, in so genannten Parallelgesellschaften, ab, in überwiegend einer Kultur und einer Sprache, welche beide dem Umfeld, in dem sie leben, fremd sind. Häufig stammen solche Muslime, die die große Mehrheit der ersten und oft auch noch zweiten Generation der Muslime in Westeuropa umfassen, aus ländlichen Regionen der Herkunftsländer oder aus dem Arbeitermilieu, mit entsprechend niedrigem Bildungsstand.</p>
<p>Durch sowohl eigene, wie auch staatliche und gesellschaftliche Versäumnisse bedingt, haben diese Kreise bis heute die größten Schwierigkeiten, wirklich heimisch zu werden. Nachdem sie zu einem erheblichen Teil zum wirtschaftlichen Erfolg und steigenden Wohlstand Europas beigetragen haben und nun eigentlich ein geruhsames Rentnerdasein genießen sollten, fehlt es weitgehend an geeigneter Betreuung. Während ihre Sterberaten täglich ansteigen, haben weder die muslimischen Organisationen noch der Staat bisher Antworten auf die Erwartungen und Bedürfnisse dieser Menschen gefunden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_20  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong> In Europa geborene Muslime</strong><br /> Die neue und junge, dritte Generation der Muslime in Westeuropa wächst überwiegend mit zwei Kulturen und Sprachen auf. Viele von ihnen haben die Staatsbürgerschaft des Landes erworben, in dem sie selbst geboren sind. Wiewohl sie alle ähnliche Voraussetzungen mitbringen, empfinden es einige von ihnen als Dilemma, sich weder mit der sie umgebenden Kultur noch mit der der Eltern und Großeltern vollständig identifizieren zu können. Manche fühlen sich der östlichen Kultur näher. Viele aber verstehen sich selbst nicht mehr als fremd, sondern sind mit (west-)europäischen Sprachen und westlicher Lebensart vertraut und glücklich mit ihrer europäischen Identität.</p>
<p>Erhebliche Unterschiede sind oft zwischen dieser dritten Generation muslimischer Jugendlicher und der ersten und zum Teil zweiten Generation, die andere Sozialisierungsprozesse erlebt haben, in Bezug auf die Lebensweise und auf religiöse Einstellungen auszumachen. Viele Jugendliche zeigen gute und sehr gute Leistungen in Schule und Beruf und sind erfolgreich in die Gesellschaft integriert. Wenn andere, die durch falsche Erziehung im Elternhaus, schulische Überforderung, negative Beeinflussung durch ihr Lebensumfeld, und verstärkt durch das Gefühl von Ausgrenzung und Diskriminierung durch die Gesellschaft zum Problem werden, verdecken sie in der öffentlichen Wahrnehmung leicht die Leistungen und Erfolge der Mehrheit. Das Potential der Jugendlichen, die sich zum Nutzen aller in die Gesellschaft einbringen wollen und können, die zwei Kulturen und Sprachen verbinden, ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit noch kaum präsent. Als geborene und gewachsene Brückenbauer können sie in Zukunft zwischen West und Ost in Wirtschaft, Kultur und Politik produktiv wirken.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_21  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Neue autochthone Muslime</strong><br /> In der Vergangenheit sind muslimische Gemeinschaften in Osteuropa als Folge zunächst militärischer Eroberungen, dann oft auch kultureller und gesellschaftlicher Anziehungskraft entstanden und gewachsen. Ganz anders ist heute eine in die Hunderttausende gehende Zahl von Europäern motiviert, die ohne oder eher entgegen gesellschaftlicher Vorgaben den Islam als ihre neue Religion gewählt haben, sei es durch Kontakte mit anderen Muslimen, bedingt durch Heirat, oder schlicht als Ergebnis eigener Suche. Viele von ihnen fühlen sich nun einerseits ihrer weitgehend säkular oder religiös anders geprägten Gesellschaft in gewisser Weise entfremdet, andererseits sprechen die bestehenden muslimischen Organisationen, die als Migrantenverbände auf fremden nationalen, ideologischen oder politischen Fundamenten aufbauen, sie nicht an. In dem hier entstehenden Vakuum wird die Gefahr religiöser Desorientierung im Sinne eines Abdriftens in fragwürdige und extremistische Strömungen in Einzelfällen relevant. Andererseits haben Kreise der neuen, einheimischen Muslime angesichts ausbleibender Initiativen sowohl der Verbände wie der Behörden, selbst mit dem Aufbau neuer Strukturen begonnen. Indem ihre Religion nicht mit jahrhundertealten Traditionen anderer Länder vermischt, bzw. belastet ist, sie uneingeschränkt hier zuhause sind, und zudem häufig über einen hohen Bildungsstand verfügen, werden sie – englische, deutsche oder französische Muslime – in Zukunft zweifellos bei der Gestaltung des Islams in Europa maßgebliche Rollen übernehmen.</p>
<p>Europa hat in der jüngsten Vergangenheit den Genozid an Muslimen im ehemaligen Jugoslawien zugelassen, hat jahrzehntelang kein ernsthaftes Interesse an der Integration muslimischer Arbeiter mit Migrationshintergrund aufgebracht, zeigt noch immer den Erwartungen und Bedürfnissen der neuen muslimischen Generation und der eigenen muslimisch stämmigen Bürger kein ausreichendes Entgegenkommen, ergreift keine überzeugenden Maßnahmen zur Verhinderung islamfeindlicher Aktivitäten. Europa macht heute eine Prüfungsphase vor seiner Geschichte durch. Wenn Europa getreu seinen tief verwurzelten Traditionen und Werten seine muslimischen Bürger nicht länger als „die Anderen“ betrachtet und behandelt, dann wird es, wie früher, auch in Zukunft auf der Grundlage jüdisch-christlich-muslimischer Einigkeit sicher und selbstbewusst sein. Davon wird der Verlauf des 21. Jahrhunderts maßgeblich abhängen.</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_11 box-710">
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			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/muslime-in-europa-vier-gruppen/">Muslime in Europa – Vier Gruppen</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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		<title>Die Institutionalisierung des Islams in Deutschland – ein Vorschlag</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/die-institutionalisierung-des-islams-in-deutschland-ein-vorschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2014 14:12:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn der Islam in Deutschland sich institutionalisiert und den Status einer Körperschaft im Sinne einer anerkannten Religionsgemeinschaft erreicht, dann wird sich das sowohl zum Wohle der Muslime wie auch zu Gunsten von Staat und Gesellschaft auswirken.</p>
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					<h2 class="entry-title">Die Institutionalisierung des Islams in Deutschland – ein Vorschlag</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wenn der Islam in Deutschland sich institutionalisiert und den Status einer Körperschaft im Sinne einer anerkannten Religionsgemeinschaft erreicht, dann wird sich das sowohl zum Wohle der Muslime wie auch zu Gunsten von Staat und Gesellschaft auswirken. Möglich wird dies nur in gegenseitigem Respekt und in Kooperation sein. Auch der Staat ist gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen zu bereiten, auf die Muslime zuzugehen und ihnen bei ihren Bemühungen die Hand zu reichen. Die Muslime ihrerseits müssen jetzt damit anfangen, eine effektive und konstruktive, transparente gemeinsame Plattform zu bilden, den Prozess entschlossen anzugehen und ihn anhand eines strukturierten Programms zu verwirklichen. Die am Ende dieses Prozesses auf Konsensgrundlage entstehende Formation wird qualifiziert und dazu bestimmt sein, als staatlich anerkannte Körperschaft den Islam in Deutschland, bzw. über Staatsverträge in den einzelnen Ländern, zu repräsentieren. Sie wird selbstverständlich demokratisch strukturiert sein.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Islam ist, wie der Architekt der Deutschen Islamkonferenz Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble es formulierte, auch ein Teil Deutschlands. Die Relevanz dieser neuen, unübersehbar gewordenen Realität steht in der demokratischen, den Religionen gegenüber neutralen und toleranten Struktur Deutschlands nicht mehr in Frage. Wenn auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Islam und seine Kultur, genauso wie andere Religionen, als eine hierher gehörende, wertvolle Weltanschauung begriffen werden soll, dürfen auch die muslimischen Bürger seitens der Gesellschaft Achtung und Respekt erwarten. Diskriminierungen, wie sie sie leider noch erleben, müssen aufhören, die volle Gleichstellung mit anderen Religionen und Konfessionen muss verwirklicht werden. Dazu müssen die Muslime selbst nicht nur in Worten sondern auch in der Praxis ihre Treue zur Verfassung, ihre Zugehörigkeit zu diesem Land, ihr Bekenntnis zum Rechtsstaat, zu den Menschenrechten, zur Meinungsfreiheit, zur Gleichstellung von Mann und Frau unter Beweis stellen, und zwar nicht nur, weil dies opportun für alle wäre, sondern weil ihr Glaube das so vorsieht.</p>
<p>Noch haben die Muslime ihren Beitrag nicht vollständig geleistet. Ihre Zersplitterung in eine Fülle verschiedener Organisationen, von denen nicht wenige direkt oder indirekt an anderen Ländern ausgerichtet sind, blockiert die Köpfe der Menschen. Solche Strukturen sind oft ohne Vertrautheit mit den hiesigen Verhältnissen gewachsen. Auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene beklagen die öffentlichen Institutionen seit vielen Jahren das Fehlen repräsentativer muslimischer Stimmen. Eine organisierte Gesellschaft und eine funktionierende Verwaltung braucht eine organisierte und kompetente Institution als Ansprechpartner. Obwohl ein Klerus im Sinne einer Priesterschaft dem Islam fremd ist, gibt es doch keine religiösen Vorbehalte gegen ein organisiertes islamisches Leben.</p>
<p>Die bisherigen Ansätze der bestehenden Einrichtungen sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Erzielt wurden gewisse Koordinierungen zwischen den großen Organisationen, aber nicht mehr. Mehr als gemeinsame Erklärungen ist unter diesen Bedingungen nicht zu erreichen. Die gemeinsamen Verlautbarungen der Dachverbände beschränken sich auf Rechtfertigungen gegenüber Anschuldigungen und auf Reaktionen gegenüber Kritik. Es bleibt ein Zeichen von Ohnmacht, wenn man sich nur darüber beklagt, dass man missverstanden und in einem falschen Licht dargestellt wird. Wenn man ununterbrochen Anforderungen an den Staat und die Gesellschaft richtet – und seien sie noch so berechtigt – vergisst man leicht die eigenen Pflichten sich selbst und anderen gegenüber. Die islamischen Verbände in Europa haben in den teilweise vier Jahrzehnten ihres Bestehens weder funktionierende Strukturen im Sinne einer hierarchischen Organisation mit kompetenten, leitenden Kräften aufgebaut, noch tragfähige Visionen entwickelt.</p>
<p>Wenn der Islam in Deutschland sich institutionalisiert und den Status einer Körperschaft im Sinne einer anerkannten Religionsgemeinschaft erreicht, dann wird sich das sowohl zum Wohle der Muslime wie auch zu Gunsten von Staat und Gesellschaft auswirken. Möglich wird dies nur in gegenseitigem Respekt und in Kooperation sein. Auch der Staat ist gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen zu bereiten, auf die Muslime zuzugehen und ihnen bei ihren Bemühungen die Hand zu reichen. Die Muslime ihrerseits müssen jetzt damit anfangen, eine effektive und konstruktive, transparente gemeinsame Plattform zu bilden, den Prozess entschlossen anzugehen und ihn anhand eines strukturierten Programms zu verwirklichen. Dabei sollen sowohl die wichtigen islamischen Institutionen, unabhängige muslimische Intellektuelle, staatliche Behörden, wie auch die bestehenden Religionsgemeinschaften eingebunden werden. Die am Ende dieses Prozesses auf Konsensgrundlage entstehende Formation wird qualifiziert und dazu bestimmt sein, als staatlich anerkannte Körperschaft den Islam in Deutschland, bzw. über Staatsverträge in den einzelnen Ländern, zu repräsentieren. Sie wird selbstverständlich demokratisch strukturiert sein.</p>
<p>Das kleine EU-Land Slowenien beispielsweise hat bereits einen vergleichbaren Weg beschritten. Der Obermufti des Landes Nedžad Grabus hat als Repräsentant der Muslime in Slowenien am 9. Juli 2007 mit Justizminister Lovro Šturm als Repräsentant der Regierung ein bilaterales Protokoll über die Stellung der „Islamischen Union Sloweniens“ unterzeichnet. Ähnliches gilt für das EU-Anwärterland Kroatien, in dem Muslime nur 2,2 % der Bevölkerung ausmachen. Solche Reglementierungen widersprechen weder dem rechtsstaatlichen, noch dem gesellschaftlichen, noch dem religiösen Selbstverständnis eines Landes bzw. der Betroffenen.</p>
<p>Der Islam ist, wie der Architekt der Deutschen Islamkonferenz Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble es formulierte, auch ein Teil Deutschlands. Die Relevanz dieser neuen, unübersehbar gewordenen Realität steht in der demokratischen, den Religionen gegenüber neutralen und toleranten Struktur Deutschlands nicht mehr in Frage. Wenn auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Islam und seine Kultur, genauso wie andere Religionen, als eine hierher gehörende, wertvolle Weltanschauung begriffen werden soll, dürfen auch die muslimischen Bürger seitens der Gesellschaft Achtung und Respekt erwarten. Diskriminierungen, wie sie sie leider noch erleben, müssen aufhören, die volle Gleichstellung mit anderen Religionen und Konfessionen muss verwirklicht werden. Dazu müssen die Muslime selbst nicht nur in Worten sondern auch in der Praxis ihre Treue zur Verfassung, ihre Zugehörigkeit zu diesem Land, ihr Bekenntnis zum Rechtsstaat, zu den Menschenrechten, zur Meinungsfreiheit, zur Gleichstellung von Mann und Frau unter Beweis stellen, und zwar nicht nur, weil dies opportun für alle wäre, sondern weil ihr Glaube das so vorsieht.</p>
<p>Noch haben die Muslime ihren Beitrag nicht vollständig geleistet. Ihre Zersplitterung in eine Fülle verschiedener Organisationen, von denen nicht wenige direkt oder indirekt an anderen Ländern ausgerichtet sind, blockiert die Köpfe der Menschen. Solche Strukturen sind oft ohne Vertrautheit mit den hiesigen Verhältnissen gewachsen. Auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene beklagen die öffentlichen Institutionen seit vielen Jahren das Fehlen repräsentativer muslimischer Stimmen. Eine organisierte Gesellschaft und eine funktionierende Verwaltung braucht eine organisierte und kompetente Institution als Ansprechpartner. Obwohl ein Klerus im Sinne einer Priesterschaft dem Islam fremd ist, gibt es doch keine religiösen Vorbehalte gegen ein organisiertes islamisches Leben.</p>
<p>Die bisherigen Ansätze der bestehenden Einrichtungen sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Erzielt wurden gewisse Koordinierungen zwischen den großen Organisationen, aber nicht mehr. Mehr als gemeinsame Erklärungen ist unter diesen Bedingungen nicht zu erreichen. Die gemeinsamen Verlautbarungen der Dachverbände beschränken sich auf Rechtfertigungen gegenüber Anschuldigungen und auf Reaktionen gegenüber Kritik. Es bleibt ein Zeichen von Ohnmacht, wenn man sich nur darüber beklagt, dass man missverstanden und in einem falschen Licht dargestellt wird. Wenn man ununterbrochen Anforderungen an den Staat und die Gesellschaft richtet – und seien sie noch so berechtigt – vergisst man leicht die eigenen Pflichten sich selbst und anderen gegenüber. Die islamischen Verbände in Europa haben in den teilweise vier Jahrzehnten ihres Bestehens weder funktionierende Strukturen im Sinne einer hierarchischen Organisation mit kompetenten, leitenden Kräften aufgebaut, noch tragfähige Visionen entwickelt.</p>
<p>Wenn der Islam in Deutschland sich institutionalisiert und den Status einer Körperschaft im Sinne einer anerkannten Religionsgemeinschaft erreicht, dann wird sich das sowohl zum Wohle der Muslime wie auch zu Gunsten von Staat und Gesellschaft auswirken. Möglich wird dies nur in gegenseitigem Respekt und in Kooperation sein. Auch der Staat ist gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen zu bereiten, auf die Muslime zuzugehen und ihnen bei ihren Bemühungen die Hand zu reichen. Die Muslime ihrerseits müssen jetzt damit anfangen, eine effektive und konstruktive, transparente gemeinsame Plattform zu bilden, den Prozess entschlossen anzugehen und ihn anhand eines strukturierten Programms zu verwirklichen. Dabei sollen sowohl die wichtigen islamischen Institutionen, unabhängige muslimische Intellektuelle, staatliche Behörden, wie auch die bestehenden Religionsgemeinschaften eingebunden werden. Die am Ende dieses Prozesses auf Konsensgrundlage entstehende Formation wird qualifiziert und dazu bestimmt sein, als staatlich anerkannte Körperschaft den Islam in Deutschland, bzw. über Staatsverträge in den einzelnen Ländern, zu repräsentieren. Sie wird selbstverständlich demokratisch strukturiert sein.</p>
<p>Das kleine EU-Land Slowenien beispielsweise hat bereits einen vergleichbaren Weg beschritten. Der Obermufti des Landes Nedžad Grabus hat als Repräsentant der Muslime in Slowenien am 9.&nbsp;Juli&nbsp;2007 mit Justizminister Lovro Šturm als Repräsentant der Regierung ein bilaterales Protokoll über die Stellung der „Islamischen Union Sloweniens“ unterzeichnet. Ähnliches gilt für das EU-Anwärterland Kroatien, in dem Muslime nur 2,2&nbsp;% der Bevölkerung ausmachen. Solche Reglementierungen widersprechen weder dem rechtsstaatlichen, noch dem gesellschaftlichen, noch dem religiösen Selbstverständnis eines Landes bzw. der Betroffenen.
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				<div class="et_pb_text_inner"><strong>Acht Postulate</strong></p>
<p>Von Seiten der Muslime sollte nun weitgehende Einigkeit über Folgendes erreicht werden:</p>
<ol>
<li>Ganz gleich aus welchem Land wir kommen und mit welchen Traditionen im Rücken wir unsere Gemeinden gegründet haben, wir werden uns loslösen müssen von in den früheren Heimatländern bestehenden Ausrichtungen und uns für die Zugehörigkeit des Islams in Deutschland und Europa entscheiden.</li>
<li>Die bestehenden Dachorganisationen und Moscheevereine müssen daran interessiert sein, auf Konsensbasis in einer neuen Gemeinschaft aufzugehen. Das wird keinen Abbruch religiöser Beziehungen zu islamischen Ländern bedeuten, sondern das Ansehen und den Einfluss der deutschen und europäischen Muslime gegenüber der etablierten islamischen Welt, ohne gegenseitige Einmischungen, begründen und stärken.</li>
<li>Eine solche Gemeinschaft könnte z.B. die Bezeichnung „Islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland (IRD)“ führen und ihren Hauptsitz in Berlin etablieren. Die verwirrende Präsenz von Bezeichnungen wie DITIB, ZDM, Islamrat, IGMG, VIKZ, ATIB, IGD, IGBD, UIAZD, IGSGD u.ä. wird Geschichte sein; an ihre Stelle tritt der Name einer einzigen verbindlichen Institution mit dem entsprechendem Logo. Mit der Verschmelzung der Vereine und Verbände in die IRD wird die Anerkennung, Zusammenarbeit mit dem und Unterstützung durch den Staat untrennbar verbunden.</li>
<li>An die Stelle von Ernennungen und Einmischungen von außen tritt ein demokratisch strukturiertes und hierarchisch gegliedertes System mit funktionierenden Wahlen. An der Spitze der IRD steht ein gewählter Großmufti oder Präsident mit theologischer Ausbildung und sowohl geistlicher wie wissenschaftlicher Kompetenz.</li>
<li>Die IRD als unabhängige Organisation mit besonderen Beziehungen zu Bund und Ländern wird direkter Interessenvertreter der Muslime und Ansprechpartner für Staat und Gesellschaft in allen relevanten Bereichen.</li>
<li>In allen Bundesländern unterhält die IRD Vertretungen. Ggf. erhalten die Bezirke unterhalb der Landesebenen zuständige Oberimame. Die Moscheegemeinden selbst werden von der IRD dauerhaft mit entsprechend qualifizierten Imamen versorgt.</li>
<li>Die Hauptaufgaben der IRD liegen in der Organisation und Optimierung der religiösen, sozialen, erzieherischen und kulturellen Belange der Muslime. Dazu gehören u.a. die Ernennung und Akkreditierung von geeigneten Imamen, die Festsetzung einer für alle Gemeinden einheitlichen Regelung der islamischen Feiertage mit verbindlichem Kalender und einheitlichen Gebetszeiten für das ganze Jahr, die Hausordnung von Moscheen, die grundsätzliche Abstimmung der Freitagspredigten, gemeinsame Wohltätigkeitsinitiativen im Ramadan, die Sammlung und Verteilung der Armenabgabe, die Durchführung der Opfer, die Organisation der Wallfahrt nach Mekka, religiöse Erziehung, religiöse Trauungen, Bestattungen und der Unterhalt von Friedhöfen, die Erstellung religiöser Gutachten (Fatwas).</li>
<li>In Kooperation mit den zuständigen Ministerien unterhält die IRD Bildungseinrichtungen, die Islam-Unterricht an Moscheen und islamischen Religionsunterricht an den Schulen anbieten. Ebenso werden Lehrer für den Religionsunterricht qualifiziert, sowie Imame in deutscher Sprache ausgebildet. Die Aus- und Weiterbildung an Hochschulen wären dringende Aufgaben.<br />
Den Reichtum ihres Spektrums sollte die IRD in der Vielfalt ihrer unterschiedlichen muslimischen Prägungen und Ethnien sehen. Drei elementare Faktoren sind es, die sie zusammenschweißen:</p>
<ul>
<li><strong>1. Islam</strong> – fernab von nationalen, politischen und ideologischen Einflüssen eines aus anderen Regionen exportierten Religionsverständnisses, eine gemäßigte, ort- und zeitgemäße islamische Lebenshaltung zu verwirklichen.</li>
<li><strong>2. Deutschland</strong> – das Land, an dem sich die Identität ausrichtet, zu kennen und zu schätzen, das Grundgesetz und die gesellschaftlichen Werte sich zu eigen zu machen und sich aktiv in der Gesellschaft einzubringen.</li>
<li><strong>3. Deutsch</strong> – anzuerkennen, dass die Sprache unabdingbarer Faktor des Gemeinsamen ist und Deutsch als verbindende Kommunikation und gemeinsame Verkehrssprache in diesem Land einzusetzen ist. Islamische Fachtermini sind in deutscher Sprache zu entwickeln.</li>
</ul>
</li>
</ol></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Nachdem aus mehreren europäischen Ländern bereits entsprechende Erfahrungen vorliegen, ist die Zeit gekommen, auch in Deutschland ein geeignetes Konzept auf den Weg zu bringen. Obwohl häufig das Gegenteil behauptet wird, kann an der Akzeptanz eines solchen Vorgehens, ja an dem dringenden Wunsch danach, durch die große Mehrheit der Muslime in Deutschland kein ernsthafter Zweifel bestehen. Die bestehenden Verbände werden dazu politische, ideologische und persönliche Interessen beiseite schieben müssen, damit wir unter dem Leitwort „dem Wohl der Menschen dienen“ den gemeinsamen Weg in die Zukunft einschlagen können.</p>
<p>Als Ergebnis unserer Überlegungen können wir die Frage, wann und wie sich der Islam in Deutschland integriert haben wird, beantworten: Wenn die deutschen Muslime europäische Werte als ihre eigenen akzeptieren und sich selbst aktiv für den Erhalt dieser Werte einsetzen, wenn Deutschland die Existenz und die Zugehörigkeit des Islams verinnerlicht und die Institutionalisierung dieser Religion als organisierte religiöse Gemeinschaft verwirklicht – dann wird der Islam in Deutschland seine momentane, mit vielen Problemen behaftete Übergangsphase überwinden.</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_15 box-710">
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					</a>
				</span>
			
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			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/die-institutionalisierung-des-islams-in-deutschland-ein-vorschlag/">Die Institutionalisierung des Islams in Deutschland – ein Vorschlag</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Anerkennung von Islamischen Feiertagen</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/anerkennung-von-islamischen-feiertagen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Sep 2012 10:51:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://wordpress-202004021733.p540096.webspaceconfig.de/?p=9860</guid>

					<description><![CDATA[<p>Imam Idriz begrüßt die Initiative der Bundesjustizministerin zur Anerkennung von islamischen Feiertagen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/anerkennung-von-islamischen-feiertagen/">Anerkennung von Islamischen Feiertagen</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_13 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Hier &amp; Heute | <a href="/blog/">IGP Blog</a></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Integration &amp; Bildung</h1></div>
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				<div class="et_pb_title_container">
					<h2 class="entry-title">Anerkennung von Islamischen Feiertagen</h2>
				</div>
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wir Muslime erkennen an, dass Bayern eine christliche Geschichte und Tradition hat, die zu einer Vielzahl gesetzlicher Feiertage mit ausschließlich christlichem Hintergrund geführt hat. Wir begrüßen ausdrücklich, dass auf diese Weise Grundpfeiler religiöser Identität auch dann vorgegeben bleiben, wenn immer weitere Kreise der Bevölkerung ihren eigenen Bezug dazu zu verlieren scheinen.</p>
<p>Wir streben als zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Bayern nach dem Christentum keine Gleichbehandlung in dem Sinn an, dass zu den 12 gesetzlichen Feiertagen (von denen 9 christlichen Ursprungs sind; in überwiegend katholischen Gegenden kommt Mariä Himmelfahrt noch dazu), muslimische Feiertage als Pflichtfeiertage für die ganze bayerische Bevölkerung hinzukämen. Davon ist keine Rede, auch wenn in der öffentlichen Diskussion bewusst oder unbewusst ein entsprechender Eindruck geschürt wird. Wir stellen uns vielmehr eine Gleichbehandlung mit den Israelitischen Kultusgemeinden vor, deren Feiertage in Artikel 6 des bayerischen Feiertagsgesetzes in besonderer Weise geschützt sind (11 Tage).</p>
<p>Aus unserer Sicht kommen dafür vorrangig in Frage: Islamisches Neujahrsfest (1 Tag), Aschura (1 Tag) Fastenbrechen (3 Tage), Opferfest (4 Tage),<br /> Wir halten es für richtig, dass die bekenntniszugehörigen Schüler an den Schulen aller Gattungen an diesen Tagen unterrichtsfrei haben.</p>
<p>Wir halten es weiter für richtig, dass an den genannten Feiertagen den bekenntniszugehörigen Arbeitnehmern sämtlicher öffentlicher und privater Betriebe und Verwaltungen das Recht zusteht, von der Arbeit fernzubleiben. Dies gilt – wie im Feiertagsgesetz geregelt – nicht für Arbeiten, welche nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung auch an gesetzlichen Feiertagen vorgenommen werden dürfen und für solche Arbeiten, die zur Aufrechterhaltung des Betriebs und zur Erledigung unaufschiebbarer Geschäfte bei den Behörden notwendig sind. Weitere Nachteile als ein etwaiger Lohnausfall für versäumte Arbeitszeit dürfen den betreffenden Arbeitnehmern aus ihrem Fernbleiben nicht erwachsen.</p>
<p>In Bayern leben ca. 700.000 Muslime. Die meisten davon sind bereits deutsche Staatsbürger. Die Forderung von Frau Bundesjustizministerin Leutheusser–Schnarrenberger drückt den im Grunde selbstverständlichen Respekt des Freistaats vor der Wertschätzung aller seiner Bürger aus. Der Freistaat ist religiös ungebunden. Natürlich muss und wird er die zentralen religiösen Bedürfnisse aller seiner Bürger in geeigneter Weise schützen.</p>
<p>Wir freuen uns, dass zahlreiche führende Politiker verschiedener Parteien wie auch Repräsentanten der Kirchen eine entsprechende Regelung unterstützen. Vor dem Hintergrund der wiederholt gegen Muslime gerichteten Ausbrüche von Intoleranz und Gewalt (Oslo, NSU-Terror, islamfeindliche Agitationen in München, bis hin zu manchen Auswüchsen der Beschneidungs-Debatte) wäre ein Vorschlag wie der von Frau Leutheusser-Schnarrenberger von wichtiger Symbolkraft. Die Muslime in Bayern sehnen sich nach solchen Zeichen.</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_19 box-710">
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			</div>
				
				
			</div></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gehört der Islam zu Deutschland?</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/gehoert-der-islam-zu-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 12:27:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://wordpress-202004021733.p540096.webspaceconfig.de/?p=9877</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Sie sollten verstehen, dass in unserer Religion Flexibilität vorherrscht. Zu einer toleranten Glaubensgemeinschaft bin ich gesandt worden.“</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_16 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Gehört der Islam zu Deutschland?</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Schafft sich Deutschland dadurch ab?</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vortrag von Imam Benjamin Idriz in der Evangelischen Akademie Tutzing am 19.03.2011</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Grüß Gott, meine sehr geehrten Damen und Herren!</p>
<p>Ein Ausspruch des Propheten Muhammad lautet<br /> (فاليعلموا أن في ديننا فسحة إني بعثت بحنيفية سمحة ), in die Sprache unserer Zeit übersetzt: „Sie sollten verstehen, dass in unserer Religion Flexibilität vorherrscht. Zu einer toleranten Glaubensgemeinschaft bin ich gesandt worden.“</p>
<p>Es sind diese und viele weitere Quellen meiner Religion, die mich motivieren, auf andere zuzugehen, auch auf die, die selbst nicht zur Toleranz bereit sind. Toleranz erfordert Mut, und wenn wir den gemeinsam aufbringen, wird die Feigheit der Intoleranz für alle sichtbar. Toleranz ist der höchste Grad von Stärke und Intoleranz das erste Zeichen von Schwäche.</p>
<p>Das sind meine Gründe, weshalb ich heute hier zu Ihnen spreche – trotz der schweren Bedenken, die Ihnen allen ja bekannt geworden sind.<br /> Der Gründer von „Grünhelme“ Rupert Neudeck, nannte das Buch, dem hier nun ein weiteres Mal ein Forum geboten wird, (Zitat) „ein grandios schlechtes Buch, Ausdruck einer verkommenen Buch und Medienkultur in Deutschland. (..) Das Buch ist sehr ärgerlich, weil es so tut, als sei es über unser gemeinsames Land besorgt und biete Lösungen an, ernsthafte und Menschen- und Bürgerfreundliche. Das aber genau tut das Buch nicht.“ (Zitat Ende)</p>
<p>Seitdem das Buch erschienen ist, ist viel Zeit vergeudet worden für Debatten über die Provokationen und xenophobische Thesen, die dem Werk und seinem Autor zu so unglaublich viel Aufmerksamkeit verholfen haben. Hätte man alle diese Energie und Leidenschaft in seriöse Integrationsarbeit investiert, dann wären wir alle ein Stück weiter vorangekommen. Lassen Sie mich deshalb an dieser Stelle abbrechen, davon zu reden, was nicht sein soll. Reden wir darüber, was sein soll.</p>
<p>Meine Damen und Herren, ich sprach gerade davon, dass die Quellen der Religion in die Sprache unserer Zeit übertragen werden müssen.<br /> Ich habe, wie vielen von Ihnen bekannt ist, mich schon häufig und ausführlicher, als das heute hier Platz hat, dafür eingesetzt, dass der Islam auf die Fragen unserer Zeit und unserer Kultur Antworten bieten muss. Eine Religion wäre tot, wenn sie nicht dynamisch die Menschen begleiten würde auf ihren vielen verschiedenen Wegen durch die Zeiten und Kulturen.<br /> Das steht in keinem Widerspruch damit, dass die Quellen der Religion ewig sind; denn sie kommen von Gott. Diejenigen, die aber nicht willens oder nicht fähig sind, aus diesen unveränderlichen Quellen immer wieder neue Antworten zu schöpfen, sind die Totengräber der Religion. Solche Phasen hat es in islamischen Kulturräumen leider viel zu lange gegeben; es gibt sie sogar heute noch. Aber heute nicht anders als in der Vergangenheit hat sich der Islam immer dann als vitale Religion erwiesen, wo sich die Muslime nicht an die Traditionen anderer Kulturräume und vergangener Epochen gekettet haben, sondern neue Antworten für ihre Lebenswirklichkeit suchten und fanden. Nicht nur die islamische Lehre, sondern alle göttlichen Offenbarungen und Lehren und die aus ihnen hervorgegangenen Regeln und Gesetze sind im Laufe der Geschichte nur mit dem Zweck entstanden, die Grundrechte wie Gerechtigkeit unter den Menschen, Frieden, und Freiheit zu erzielen und zu schützen.</p>
<p>Diese historisch bis heute gewachsenen Werte und Rechte sind nicht das Produkt einer bestimmten Gesellschaftsordnung und Philosophie, sondern universelle Werte, die als Allgemeingut der ganzen Menschheit gelten sollten.</p>
<p>Der Islam besitzt einen universellen Charakter und hat die Fähigkeit, sich an jede Epoche und an jeden Ort anzupassen. Natürlich gilt das auch für Deutschland. Nur für ein erstarrtes, extremistisches Islamverständnis, dem die universellen Werte fehlen, gilt dies nicht. Ein solches Islamverständnis ist – das ist für jeden deutlich – nicht integrierbar, nicht einmal im Orient, geschweige denn im Westen. Wenn hier in Europa, hier in Deutschland, eine islamische Theologie etabliert werden soll – und dieser Prozess hat bereits begonnen – so muss meines Erachtens die klassische Theologie zugunsten einer anthropologischen Theologie verabschiedet werden. Das bedeutet den Übergang von einer gottzentrierten Kultur zu einer menschzentrierten. Obwohl der Koran Offenbarung ist, also Gottes Wort, handelt er vom Menschen. Daher hat eine vom Koran abzuleitende Wissenschaft keine Theologie zu sein, die sich auf Gott konzentriert, sondern eher eine Anthropologie, die den Menschen, mit seiner Würde, seinen Rechten, seinen Stärken und Schwächen, seinen Fehlern und Hoffnungen, in die Mitte rückt.</p>
<p>Hier in Europa hat, wie in jeder geographischen Region der Welt, die Kultur die Religion beeinflusst – also auch den Islam, denn der Islam hat schon immer auch zu Europa gehört. Die in Europa entwickelten Werte wie Freiheit, Demokratie, pluralistische Gesellschaft, Gleichberechtigung etc. beeinflussen ganz zwangsläufig das Islamverständnis der europäischen Muslime. Die Muslime sind gefordert, ihr Religionsverständnis neu zu hinterfragen, die Quellen des Glaubens aus der Perspektive der universellen Werte, wie etwa Liebe, Freiheit und Menschenwürde zu betrachten, Vernunft und rationale Kritik überall zuzulassen und sie in den Vordergrund zu rücken.</p>
<p>Deutschland und Europa können den Muslimen günstige Bedingungen bieten, einen neuen Prozess der islamischen Aufklärung einzuleiten.<br /> Die Muslime rufe ich auf, ihre Verbundenheit mit der Demokratie und mit Deutschland im täglichen Leben und in gesellschaftlichem Engagement zu demonstrieren. Wir müssen es nicht nur uns selbst, sondern auch anderen beweisen, dass diese Werte nicht nur den Christen, Juden, den Angehörigen anderer Religionen oder den Atheisten gehören, sondern nicht weniger auch den Muslimen. Muslime müssen Selbstkritik als ein Zeichen der Stärke begreifen und vehement gegen Tabuthemen vorgehen.<br /> Muslime müssen an vorderster Front gegen jede Radikalisierung der Religion vorgehen und religiösen und nationalistischen Fanatismus bekämpfen, der Unterdrückung und Gewalt entschieden entgegentreten, indem wir uns dazu bekennen, dass Terror niemals eine Lösung, aber immer eine Sünde ist.</p>
<p>Gleichzeitig ist mir selbst nur allzu bewusst, dass trotzdem immer wieder Stimmen alle Schuld bei den Muslimen suchen werden, ganz egal, wie sie sich verhalten. Einfach nur, weil wir Muslime sind. Wenn wir uns zu Deutschland bekennen, werfen sie uns „Verschleierung“ vor; tun wir es nicht, dann neigen wir zu Abschottung und Parallelgesellschaften.<br /> Als Europa nach bittersten Erfahrungen Menschenrechte und Grundfreiheiten im Wertesystem und in den Verfassungen verankerte, hatte man Muslime noch nicht im Blick. Heute wollen nicht wenige den Muslimen eben diese Rechte und Werte vorenthalten. Damit geht die europäische Demokratie selbst in Bezug auf ihre Haltung gegenüber den Muslimen durch eine Prüfung.<br /> Alle Demokraten müssen die Mitverantwortung übernehmen, damit die Demokratie diese Prüfung bestehen kann.<br /> Nur im gemeinsamen Schulterschluss kann sich die Demokratie bewähren und gestärkt aus dieser Herausforderung hervorgehen. Aber nehmen wir diese Bedrohung unseres gemeinsamen europäischen Selbstverständnisses durch die Islamophobie überhaupt ernst genug? Nehmen wir sie überhaupt wahr?</p>
<p>Viele von Ihnen wissen gut, dass meine Gemeinde in Penzberg wie auch meine Person – obwohl wir uns seit vielen Jahren in vorbildlicher Weise für Integration einsetzen – oder womöglich eben gerade deshalb! – zur Zielscheibe von Kräften geworden sind, die dem Islam per se extremistische Züge, Gewaltaffinität und so weiter und so fort zuschreiben. Dieses Vorgehen ist für die gemeinsame Zukunft in unserem Land nicht weniger verheerend, wie es die Verbreitung rassistischer Bestseller, konfrontativer Ideologien und Fundamentalismen jeglicher Art sind.<br /> Es gibt ja leider tatsächlich Muslime, die Dschihad mit Gewalt und Terror verwechseln, unter Scharia mittelalterliche Körperstrafen verstehen und einen Konflikt zwischen Islam und sogenannter westlicher Kultur propagieren. Aber es gibt auch Nicht-Muslime, die ihnen in all dem zu folgen bereit sind. Deren Ideologie, die im Europa des 21. Jahrhunderts eine große Minderheit wegen ihrer Religion pauschal diffamiert und ausgrenzt, stellt heute die wohl meistverbreitete Form von Extremismus dar, mit der unsere Gesellschaft insgesamt konfrontiert ist.</p>
<p>Islamfeindliche Agitation nimmt zunehmend alarmierende Dimensionen an; die Gesellschaft und ihre öffentlichen Repräsentanten müssen sich dazu durchringen, diese Form von Extremismus als solchen wahrzunehmen und zu brandmarken.<br /> Deutschland, das Land, dessen Geschichte die Geschichte meiner Kinder sein wird, die sich mit der deutschen Geschichte, mit ihrer Geschichte, auseinanderzusetzen haben und die Verantwortung dafür zu teilen haben, dieses Land hat sich nicht dadurch abgeschafft, weil Teile seiner Bevölkerung eine andere Religion hatten – von anderen Genen möchte ich ganz entschieden nicht sprechen. Sondern es hat einen Zivilisationsbruch von unaussprechlichen Ausmaßen verschuldet, weil zu wenige da waren, die früh genug, entschlossen genug und laut genug gerufen hätten: So nicht!</p>
<p>Ich bin mir bewusst, dass die historische Situation in vielerlei Hinsicht eine ganz andere war. Aber sind Sie sich auch bewusst, dass Muslime heute große Sorge um ihre Zukunft in Deutschland haben, bis hin zu einer Angst vor Gewalttaten, die ja jeden Moment, jeden Tag, geschehen können?<br /> Wie lange wird es dauern, bis sich wieder „geistig verwirrte“ Täter, wie es dann heißen wird, finden werden, die aus den Büchern und aus den Äußerungen mancher Politiker lediglich die aus ihrer Sicht gebotenen Konsequenzen ziehen? Während die einen weiter ihre Buchtantiemen und die anderen ihre Wählerstimmen zusammenzählen.</p>
<p>Die Stimmungsmache der letzten Monate hat uns fassungslos gemacht. Dass es einfacher ist, populistische Parolen in den Raum zu werfen, wer oder was „dazu gehört“ oder nicht dazu gehört, als an seriöser Aufklärung zu arbeiten, als zum tagtäglichen Miteinander beizutragen, wissen wir alle.<br /> Ich will deshalb auch nicht ausführlich all die Beiträge aufzählen, die das Geflecht der Kulturen in Europa von Christen, Juden und Muslimen durch alle Jahrhunderte zum Selbstverständnis der Gegenwart beigesteuert hat.</p>
<p>Dass ein deutscher Innenminister eine Institution unter dem Namen „Deutsche Islam Konferenz“ ins Leben gerufen, und bei ihrer Konstituierung in aller Deutlichkeit das Nötige dazu ausgesprochen hat, spricht für sich und soll hier genügen. Unwiderrufbare Realität spricht der Bundespräsident wenn er sagt: “Der Islam gehört zu Deutschland”. Wer dies leugnet, leugnet die eigens initiierte Deutsche Islam Konferenz, dessen mittleres Wort – Islam – alles aussagt. Solange es Deutschland und auch den Islam geben wird, wird der Islam zu Deutschland gehören und die Menschen dieses Landes sollen von „Deutschland schafft sich ab“ Verschwörungstheorien endlich befreit werden. Natürlich kann man davon träumen – viele tun das wirklich – dass die Muslime wieder verschwinden oder gar nicht erst gekommen wären, dass die Kinder je blonder je bessere Abiturnoten erzielen, unter besten Berufschancen wählen und ihre Eltern unbesorgt und wohlversorgt den Ruhestand genießen – ohne dass andere das Traumbild stören. Realitätsverweigerung bringt aber niemanden voran. Die Geschichte ist unumkehrbar. Muslime leben hier und werden bleiben und – das macht den Befund „noch schlimmer“: die realen Verteilungsprobleme, die Bildungsnot, soziale Ungerechtigkeiten existieren davon unabhängig und müssen bewältigt werden, ohne dass noch so glühender Islamhass dazu irgendetwas beitragen wird.</p>
<p>Meine Quintessenz lautet deshalb: Deutschland bietet fruchtbaren Boden, gerade in Übereinstimmung mit seinem Grundgesetz, eine führende globale Zivilisationspolitik auszustrahlen, wenn sie Vielfalt als Chance ergreift und die gleichberechtigte Teilhabe der Religionen zulässt.</p>
<p>Meine Damen und Herren, wir sind uns alle einig, dass wir die realen Probleme und Herausforderungen nicht verdecken und nicht herunterspielen dürfen, sondern sie klug und überlegt, mutig und entschlossen angehen müssen. Aber das müssen wir gemeinsam tun, und das geschieht nicht, solange sich in einer Gesellschaft eine Stimmung breit macht, oder breit gemacht wird, dass „die anderen“ an allem schuld seien. Der Rechtsruck in unserer Gesellschaft wird ja nicht nur von Muslimen bedauert, sondern auch von vielen nichtmuslimischen Deutschen. Immer mehr von ihnen sind entsetzt, wohin dieses Land treibt, ihre Stimmen vermischen sich zunehmend mit muslimischen oder anderen Deutschen mit so genanntem Migrationshintergrund.</p>
<p>Lassen Sie uns die richtigen Fronten ziehen. Nicht zwischen Ost und West oder Nord und Süd und nicht zwischen Ethnien oder Religionen. Sondern zwischen solchen Menschen auf der einen Seite, die die Achtung vor der Würde des Menschen hochhalten und gemeinsam an zukunftsorientierten Lösungen arbeiten, und solchen, die ihre Religion, ihre Ideologie, ihre Rasse für überlegen halten und nichts zu bieten haben, als Konfrontation und Perspektivlosigkeit.</p>
<p>Ein so definiertes Deutschland wird allen „Abschaffungstendenzen“ Stand halten können.</p></div>
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		<title>Treue zur demokratischen Verfassung ist ein islamisches Gebot</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/treue-zur-demokratischen-verfassung-ist-ein-islamisches-gebot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 14:03:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Verfassung Deutschlands stellt mit ihrer Synthese aus theologisch-ethischer Lehre und menschlichem Erfahrungswissen die höchste Autorität dar und bietet ihren Bürgern somit eine gemeinsame Grundlage.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/treue-zur-demokratischen-verfassung-ist-ein-islamisches-gebot/">Treue zur demokratischen Verfassung ist ein islamisches Gebot</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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					<h2 class="entry-title">Treue zur demokratischen Verfassung ist ein islamisches Gebot</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Gott befahl es, den gewählten Herrschern <i><nobr>(ulu-l-amr)</nobr></i> zu gehorchen, damit keine Anarchie in der Gesellschaft aufkommen kann. <i>»O ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Gebt acht auf Gott und gebt acht auf den Gesandten und auf jene von euch, die mit Autorität betraut worden sind. <nobr>(ulu-l-amr)</nobr>.«</i> (Koran:&nbsp;4/59). Moderne Koranexegeten wie Rashid Rida, Muhammad Abduhu, İhsan Eliaçık und viele andere sind sich darin einig, dass mit <i>ulu-l-amr</i> die gewählte (politische) Führung gemeint ist und dieser Vers den Gläubigen den Respekt vor deren Autorität und die Befolgung der Verfassung gebietet. So lautet der Sinn des Verses: »Gehorcht denen, die ihr als kompetent für eure Vertretung angesehen und durch eure Wahl eigenhändig mit Verwaltungsmacht betraut habt.«</p>
<p>Also wird zum einen befohlen, den Geboten Gottes und der Propheten Folge zu leisten, aber auch der politischen Führung, die unser Land gemäß dem Grundgesetz regiert. Dies sind keine konkurrierenden Systeme, sie sollten sich vielmehr wechselseitig ergänzen und bereichern. Folglich stellt der Koran mit seinen ethischen Unterweisungen für das Leben eines Muslims eine geistig-moralische Orientierung dar, das Grundgesetz mit seinen Rechten und Pflichten eine weltliche.</p>
<p>So erklärten muslimische Gelehrte am 9.&nbsp;Juli&nbsp;2006 Folgendes: »Muslime, die laut Vertrag die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Landes besitzen, sind nach der Sure&nbsp;5/1 <i>»O ihr, die ihr glaubt, erfüllt die Verträge«</i> den Gesetzen des Landes verpflichtet. Wer kein Staatsbürger ist, aber eine vertraglich bestätigte Aufenthaltsgenehmigung besitzt, ist nach Sure&nbsp;17/34 <i>»Und haltet die Verpflichtung ein; denn über die Verpflichtung muss Rechenschaft abgelegt werden« </i>ebenfalls an die Gesetze des Landes gebunden. Wer Gesetze und Vereinbarungen übertritt, wird dazu auch vom Propheten verurteilt: <i>»Wer vertrauensunwürdig handelt, kann keinen Glauben und wer sein Wort bricht, kann keine Religion besitzen.«</i></p>
<p>Die Verfassung Deutschlands stellt mit ihrer Synthese aus theologisch-ethischer Lehre und menschlichem Erfahrungswissen die höchste Autorität dar und bietet ihren Bürgern somit eine gemeinsame Grundlage. Treue zu unserer Verfassung, die auf den Prinzipien des Rechts und der sozialen Gerechtigkeit aufgebaut ist, liegt in unser aller Interesse und ist ein Gebot des Korans. Das demokratische System nimmt sich das positive Recht zur Grundlage und unterscheidet sich dadurch sowohl vom theokratischen System, das auf religiösen Prinzipien beruht, als auch vom totalitären System, das die Religion und den Glauben ausschließt. Da die Demokratie das System ist, das nicht nur den Prinzipien und Lehren des Islam am nächsten kommt, sondern auch dasjenige, das der mensch­lichen Logik am meisten entspricht, sollten wir um seinen Fortbestand bemüht sein, es innerlich akzeptieren, vorbehaltlos verteidigen und mit Leben füllen. Ein Blick auf die Länder, in denen Despotie und Totalitarismus herrschen, genügt, um festzustellen, welche Verwüstung ein Mangel an demokratischer Kultur verursacht hat, und wie wichtig die vom Westen entwickelte demokratische Ordnung mit ihrem Freiheitsverständnis ist. Die Muslime sollten die »Überlegenheit der Verfassung und des Rechts« in weltlichen Dingen zur Sprache bringen und ihre innige Verbundenheit mit der Demokratie und mit diesem Land in aller Deutlichkeit zu erkennen geben. Sie sollten größte Sorgfalt darin üben, Distanz zu solchen Diskursen und Aktionen zu bewahren, die der Ordnung des demokratischen Rechtsstaates widersprechen. Es müssen sehr ernsthafte Schritte unternommen werden, damit alle erkennen, dass es nicht nur Lippenbekenntnisse ohne Auswirkungen auf Denken und Handeln sind, die die Muslime bezüglich der Treue zur Verfassung und zum Land abgeben. Wir müssen noch viel unternehmen, um das gewünschte Niveau an Verfassungstreue und Identifikation mit diesem Land zu erreichen.</p>
<p><b>Wir können nie genug unsere Verfassungstreue in Wort und Tat erkennbar machen, um Vorurteile zu widerlegen. Was zählt, sind nicht die Voreingenommenheiten anderer, sondern unsere eigene Bindung zur Demokratie. Obwohl ich einer der Imame bin, die die Treue zur Demokratie in Schrift und Wort am meisten verteidigen, bekam ich von staatlichen Stellen statt einer Würdigung etliche Hindernisse in den Weg gelegt, was aber meinen Glauben an die Demokratie noch verstärkt hat. Denn die Demokratie und der Rechtsstaat ist nicht das Werk einzelner Personen, sondern das gemeinsame Werk von uns allen, unser gemeinsames Schiff in eine bessere Zukunft. Es gibt Menschen in Europa, die sich an den Muslimen in diesem Schiff stören. Sie können diese unliebsamen Fahrgäste derzeit aber weder über Bord werfen noch sind sie willens, mit ihnen weiterzufahren. Es ist eine Aufgabe, die den Muslimen zufällt, diese Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass sie uns alle in Gefahr bringen, wenn das Schiff zu sinken droht. Der beste Weg, den Vorwurf, wir seien »Feinde der Demokratie«, auszuräumen, besteht darin, uns immer wieder zur Demokratie zu bekennen. Wir müssen die Wörter »Demokratie« und »Verfassung« so lange wiederholen, so lange aktive Rollen zum Schutz und zur Lebendigkeit dieser Werte übernehmen, bis das Ziel erreicht ist. In unserer Zeit wird die Demokratie von den Muslimen nicht infrage gestellt, geschweige denn bedroht. Ganz im Gegenteil: Die Demokratie selbst geht in Bezug auf ihre Haltung den Muslimen gegenüber durch eine Prüfung. Daher müssen nun die Muslime zusammen mit anderen Demokraten die Mitverantwortung übernehmen, damit die Demokratie diese Prüfung besteht. Sonst laufen die demokratischen Werte in Europa Gefahr, im Laufe der Zeit zu verderben und zu verschwinden. Wir müssen es nicht nur uns selbst, sondern auch anderen beweisen, dass diese Werte nicht nur den Christen, Juden, Atheisten oder Angehörigen anderer Religionen gehören, sondern auch den Muslimen und dass wir genau dasselbe Recht auf ihre Nutzung haben. So kann die Demokratie der europäischen Zukunft im Schulterschluss mit den demokratischen Muslimen eine neue Beschleunigung erleben.</b></p>
<p>Europa schaffte es nach bitteren Erfahrungen, Menschenrechte und Grundfreiheiten in ihren Werten zu etablieren und in der Verfassung zu verankern. Damals hatte man die Muslime noch nicht im Blick. Heute stören sich einige an den Vorteilen, die sich auch für die Muslime daraus ergeben. Eine Vielzahl der in Europa be­heimateten Muslime stammen aus despotisch regierten Ländern, denen Menschenrechte und Freiheit der Person fremd sind. Das mag auch der Grund dafür sein, warum Muslime in Europa der Demokratie mehr beimessen als manch ein Europäer. Meine Freitagspredigt anlässlich der Feierlichkeiten zum 60.&nbsp;Geburtstag unseres Grundgesetzes fand nicht nur unter Tausenden von Muslimen in Deutschland großen Zuspruch, auch weit darüber hinaus wurde ich hierzu beglückwünscht. Und ich werde mich auch in Zukunft dem Gemeinwohl unserer Gesellschaft widmen, auch wenn Gegenteiliges berichtet wird. Wie auch immer wir uns verhalten, wird es Stimmen geben, die uns beschuldigen: Wenn wir, wie es der Großteil der Bevölkerung erwartet, die Muslime dazu aufrufen, sich in die Gesellschaft zu integrieren und sich mit dem Grundgesetz zu identifizieren, werden uns dennoch »verschleiernde islamistische Expansionsbestrebungen« unterstellt. Tun wir es nicht, ergeht der Vorwurf der Abschottung und Errichtung einer Parallelgesellschaft. Der Integration und dem friedlichen Zusammenleben wird auf diese Weise immenser Schaden zugefügt. Leider gibt es in der Mehrheitsgesellschaft Kräfte, die eine erfolgreiche Integration von Muslimen zu verhindern versuchen. Staat und Gesellschaft müssen dem gemeinsam entschlossen entgegenwirken.</p>
<p><b>Die Geschichte kennt genügend Beispiele von Gewalt und Unrecht im Namen Gottes, um in der aufgeklärten Welt den Glauben von Rechtsprechung und Justiz fernzuhalten. Genau für diesen Fall haben wir ein Grundgesetz. Darin sind die Grundwerte dokumentiert, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Darüber kann es keine Debatte geben.</b></p></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/treue-zur-demokratischen-verfassung-ist-ein-islamisches-gebot/">Treue zur demokratischen Verfassung ist ein islamisches Gebot</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Islam in Europa: Integration und Identität</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/islam-in-europa-integration-und-identitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Nov 2007 13:19:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Auditorium Maximum der LMU war beim Vortrag von Dr.&#160;Mustafa Ceric am 23.&#160;November&#160;2007 voll.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/islam-in-europa-integration-und-identitaet/">Islam in Europa: Integration und Identität</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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					<h2 class="entry-title">Islam in Europa: Integration und Identität</h2>
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				<span class="et_pb_image_wrap has-box-shadow-overlay"><div class="box-shadow-overlay"></div><img fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="400" src="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2020/07/Auditorium-Maximum-LMU-Vortrag-Ceric.jpg" alt="Vortrag an der LMU von Dr. Mustafa Ceric" title="Vortrag an der LMU von Dr. Mustafa Ceric" srcset="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2020/07/Auditorium-Maximum-LMU-Vortrag-Ceric.jpg 600w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2020/07/Auditorium-Maximum-LMU-Vortrag-Ceric-480x320.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 600px, 100vw" class="wp-image-23978" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das Auditorium Maximum der LMU war beim Vortrag von Dr.&nbsp;Mustafa Ceric am 23.&nbsp;November&nbsp;2007 voll</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_42  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vortrag von Dr. Mustafa Cerić, LMU 23.11.2007</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_43  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Großmufti von Bosnien und Herzegowina</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Drei wichtige Fragen:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_45  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Welche zentralen Probleme beeinträchtigen die interreligiöse Verständigung zu Beginn des 21.&nbsp;Jahrhunderts? </strong></p>
<p>“[..] Was ich vom Freidenker erwarte ist, dass er der Religion mit derselben geistigen Einstellung begegnet, wie der Gläubige [..] Wer beim Studium von Religion nicht eine Art von religiösem Gefühl einbringt, kann nicht darüber sprechen! Er gleicht einem Blinden, der über Farbe zu sprechen versucht.“ „Es kann keine rationale Interpretation von Religion geben, die selbst areligiös wäre; eine areligiöse Interpretation von Religion wäre eine Interpretation, die das Phänomen leugnet, das sie erklären möchte.“ <a href="#fuss-01">(1)</a></p>
<p>Diese Äußerungen von Emile Durkheim <nobr>(1858-1917)</nobr> sind heute so relevant, wie zu der Zeit, als sie getroffen wurden. Sie sind heute sogar noch relevanter im Hinblick auf die Fragestellung nach den „zentralen Problemen, die die interreligiöse Verständigung zu Beginn des 21. Jahrhunderts beeinträchtigen.“</p>
<p>Erstens, kann ich aus meiner Erfahrung aus Bosnien bezeugen, dass der Ausdruck religiöser Intoleranz nicht das Ergebnis tiefer und aufrichtiger Religiosität ist, sondern vielmehr eines Mangels hiervon. Wer religiösen Glauben frei und fortschreitend entwickelt, wird ihn fortschreitend und friedlich zum Ausdruck bringen. Wem aber das Recht vorenthalten wird, religiösen Glauben frei und fortschreitend nach Art seiner Familie oder gemeinschaftlichen Tradition zu erlernen, tendiert später, wenn er seine religiösen Wurzeln entdeckt, zu Ungeduld in seinem Verlangen, das Versäumte aufzuholen. Diese Beobachtung kann für nahezu alle postkommunistischen Gesellschaften gelten, die auf einer völligen oder teilweisen Verneinung von Religion basierten.</p>
<p>Der kommunistischen Einstellung gegenüber Gott und Religion als „Opium“ nach Karl Marx, entspricht in der Anwendung die staatlich erzwungene Aussetzung von Religionsfreiheit. Wir müssen jedoch beobachten, dass die Gott-lose Bewegung, speziell in Europa in den vergangenen Jahrhunderten, auch für das mangelnde religiöse Bewusstsein verantwortlich ist, worin, so meine ich, die heutigen Probleme mit interreligiösem Missverstehen begründet sind. Wir haben heute Generationen, die mit der Annahme groß geworden sind, dass Gott nicht existiere; dann entdecken sie aber plötzlich, dass Gott doch existiert und dass „Religionen ‚das Wirkliche‘ ausdrücken und auf ihm gründen“, wie Emile Durkheim behauptet. <a href="#fuss-02">(2)</a></p>
<p>Wie wir sehen, kann die Gleichgültigkeit gegenüber der Frage nach Gott und den Religionen nicht weiter bestehen. Die Menschen werden mit „dem Wirklichen“ der Religionen konfrontiert, doch verfügen sie weder über die religiöse Erfahrung noch über die religiösen Kenntnisse, um mit „dem Wirklichen der Religionen“ zurecht zu kommen. Diese Unwissenheit bringt Ängste mit sich. Und Angst ist der mächtigste Feind der Vernunft, der häufig zu Intoleranz und Gewalt führt. Man sagt zu Recht: „Die Männer fürchteten Hexen und verbrannten Frauen.“</p>
<p>Zweitens, bin ich mir bewusst, dass die Feststellung, Unwissenheit sei die Hauptursache für interreligiöses Missverstehen, nicht neu ist, aber es wäre wahrscheinlich neu, wenn ich sage, dass einige Erkenntnisse und bestimmte intellektuelle Vorstellungen auch der Grund für zwischenmenschliches Missverstehen sein könnten. Es wurde schon bemerkt, dass das cartesianische Konzept vom Menschen (nach Descartes, 1596-1650) Viele zu der Anschauung geführt hat, dass „wir von der Erde gesondert seien, und berechtigt, in ihr nicht mehr zu sehen als eine unbeseelte Ansammlung von Ressourcen, die wir nach Belieben ausbeuten können … Die alte Erzählung vom Bund Gottes mit der Welt und der Menschheit, und von der Zuweisung der Rolle guter Sachwalter und treuer Diener der Welt an die Menschen, war – ehe sie im Dienst der cartesianischen Weltanschauung fehlinterpretiert und verdreht wurde – eine starke, würdige und richtige Erklärung für unsere Bezogenheit auf Gottes Erde. Was wir heute brauchen ist ein aufgefrischtes Erzählen unserer Geschichte, ohne Entstellungen.“<a href="#fuss-03"> (3)</a></p>
<p>Physik beschreibt die physikalische, Chemie die chemische, Biologie die lebensbezogene, Psychologie die innermenschliche und Soziologie die zwischenmenschliche Dimension unseres Lebens, während Religion eine umfassende Erklärung der Ganzheit des Lebens zu bieten versucht. Religion ist auf Absolutheit angelegt, im Sinne unbegrenzter Wahrheitsansprüche. So werden wir Menschen uns zunehmend bewusst, dass unsere Aussagen über „den Endzweck des Lebens“ beschränkt sind. Wer jedoch seine Aussagen mit „unbegrenztem Wahrheitsanspruch“ versehen möchte, nimmt gern eine religiöse Position ein. Dadurch wird Religion zu einem Teil des Problems gemacht, anstatt zu einem Teil der Lösung durch umfassende Kenntnis. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Information und Wissen. Man mag gut informiert sein, aber damit nicht notwendigerweise kenntnisreich. Somit stellen Unwissenheit und mangelnde Kenntnis zwei Probleme dar, die die interreligiöse Verständigung zu Beginn des 21. Jahrhunderts beeinträchtigen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_7 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_46  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Können Vernunft und Erfahrung, abgeleitet aus der Aufklärung und dem säkularen Leben, eine gemeinsame Grundlage für Menschen mit unterschiedlichem Glauben bieten, oder stellen sie zwingend ein Hindernis dar, das sie auseinander führt?</strong></p>
<p>Ich halte die Aufklärung und ein säkulares Leben nicht für zwei Seiten derselben Medaille. Weder ist die moderne Aufklärung als Ergebnis des säkularen Lebens entstanden, noch brachte die Aufklärung das moderne säkulare Leben hervor. Im Gegenteil, diese beiden modernen Erscheinungen sind aus einem tiefen Glauben <a href="#fuss-04">(4)</a> an und einem aufrichtigen Suchen nach menschlicher Moral entstanden. Weder die Aufklärung, noch das säkulare Leben, schließen doch die Erfahrung von Glauben und religiösem Leben aus.</p>
<p>Es ist tatsächlich falsch anzunehmen, dass man um „aufgeklärt“ zu sein, frei von religiösem Empfinden sein müsse, was nicht nur zu einem Mangel an interreligiösem Verstehen, sondern auch zur Krise der interkulturellen Kommunikation beigetragen hat. Und es ist ein falsches Verständnis des säkularen als eines gottlosen Lebens, das die Spannung zwischen Staat und Kirche geschaffen hat.</p>
<p>Ich glaube, dass wir uns heute an der interessantesten Schnittstelle des Austausches zwischen religiösem und säkularem, ebenso wie rationalem und spirituellem Leben befinden, weil wir uns bewusst werden, dass Religion ohne Vernunft ihrer Aufgabe nicht gerecht wird, aber auch wissen, dass Vernunft ohne Glaube nicht zum Ziel führen kann. Auf dieselbe Art und Weise, in der sich säkulares Denken an der rationalen Unfähigkeit religiöser Menschen stört, sind religiöse Denker vom moralischen Verfall Säkularer irritiert. Historisch betrachtet, war rationales Denken in der Lage, das religiöse Leben in den vergangenen Jahrhunderten umzugestalten. Es bleibt abzuwarten, ob religiöses Denken fähig wird, dem säkularen Leben die verlorene Spiritualität zurückzugeben.</p>
<p>Wir brauchen eine neue Aufklärung, wirklich – wir müssen „die Aufklärung“ aufhellen („to enlighten ‚the Enlightenment&#8217;“) und sie mit dem Geist von Moral und Anstand versehen. Wir brauchen ein neues „Westfalen“, wo sich Vernunft und Glaube in gegenseitigem Vertrauen und Demut begegnen. Der Glaube sollte der Vernunft ein starkes Vertrauen in der Suche nach dem Sinn des menschlichen Lebens mitgeben, und die Vernunft sollte dem Glauben die rechte Ausgewogenheit verleihen in seinem Streben, die Verbindung zwischen der spirituellen und der physischen Welt zu finden.</p>
<p>Unsere Zeit ist nicht eine Zeit der Trennung wesentlicher Bestandteile des sozialen Lebens. Unsere Zeit ist eine Zeit der Einheit in Verschiedenheit. Daher ist der Glaube zu wichtig, um ihn den Theologen allein zu überlassen, und die Politik ist zu wichtig, um sie den Politikern allein zu überlassen. Es gibt keine monokausale Lösung für unsere heutigen Probleme, und es kann keine monoreligiöse Vorherrschaft für unsere heutigen Bedürfnisse geben. Die drei abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – müssen die Tatsache akzeptieren, dass sie dieselbe Vorstellung vom Anfang und Ende der Welt teilen; dass sie den selben Ort der Verbindung zwischen Himmel und Erde teilen: Jerusalem; dass sie die Gebote desselben Gottes vom Sinai teilen: Du sollst den Einen Gott verehren, Du sollst gut zu Deinen Eltern sein, Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen…</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_8 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_47  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Können Möglichkeiten zu religionsübergreifender Kooperation entwickelt werden, oder sind die Hoffnungen, dass Toleranz und Versöhnung die Religionsgrenzen überwinden könnten, schlicht unrealistisch?</strong></p>
<p>Ich komme aus einem Land mit einer langen Tradition religionsübergreifender Kooperation. Aber, ich komme auch aus der Stadt Sarajevo, die bekannt ist für Krieg am Anfang und am Ende des vergangenen Jahrhunderts. Ich möchte Ihnen sagen, dass das 21.&nbsp;Jahrhundert ohne Krieg in Sarajevo begonnen hat. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass dieses ganze Jahrhundert auch ohne Kriege auf dem Balkan, in Europa und in der Welt zu Ende gehen wird. Schließlich hat Sarajevo verdient, Symbol des Friedens, Stadt der Toleranz und Inspiration für Versöhnung zu sein.</p>
<p>Die Tatsache, dass die Nachkriegszeit oder die Zeit nach dem Friedensabkommen in meinem Land keine Gewalt und keine Rache für den Völkermord gesehen hat, zeigt, dass die Aggression gegen mein Land und mein Volk nicht religiös motiviert war. Im Gegenteil, der Krieg gegen Bosnien und Herzegowina war gegen alle Religionen und alle moralischen Werte gerichtet. Es ist das Böse im Menschen, das die Religion nicht kontrollieren kann, das manche Menschen zu Gewalttätern im Namen der Religion macht. Aber diejenigen, die unschuldige Menschen im Namen Gottes töten, sind nicht Männer Gottes. Sie sind Männer des Bösen.</p>
<p>Es ist also die Stimme der reinen Vernunft aufgrund derer diejenigen, die Wahrheit und Gerechtigkeit statt Rache wollen, und die für Versöhnung arbeiten anstatt den Konflikt fortzusetzen, belohnt gehören und nicht bestraft. Ich sage das, weil es für uns Bosnier wirklich erniedrigend ist, wie wir uns an den europäischen Botschaften in Sarajevo um Visa anstellen müssen. Die guten Bosnier sagen jetzt, dass die humanitäre Hilfe, die während der vier Jahre der Belagerung von Sarajevo aus Europa kam, durch Visagebühren zurückgenommen wird. Aber es geht nicht um Geld. Es geht um Würde und Respekt.</p>
<p>Ich glaube, dass die Bosnier der ganzen Welt gezeigt haben, dass sie Respekt verdienen für ihre religionsübergreifende Kooperation und Toleranz. Denn Sarajevo ist nicht nur ein Symbol der ewigen Stadt der Toleranz, sondern auch ein Zeichen der europäischen Einheit in der Verschiedenheit der Religionen und Kulturen.</p>
<p>So sollten wir, wenn das letzte Jahrhundert mit Krieg in Sarajevo begonnen hat und endete, hier und jetzt erklären, dass Krieg niemals mehr, nirgends und niemandem zustoßen darf. Bosnien ist nicht nur das Herz des Balkan, sondern die Seele Europas. Und die Seele Europas wird ihren Frieden nicht finden, bis Bosnien seinen Platz in der europäischen Familie der Nationen eingenommen hat. Dies müsste Europa jetzt besser als je zuvor verstehen. Denn Europa sollte sich nie mehr täuschen lassen von solchen, die das menschliche Leben nicht achten.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_9 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_48 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Ein Gebet aus Bosnien</strong><br /> Manchmal bricht Gott unseren Geist, um unsere Seele zu retten!<br /> Manchmal bricht Gott unser Herz, um uns zu heilen!<br /> Manchmal lässt Gott den Schmerz zu, dass wir stärker werden!<br /> Manchmal lässt Gott uns scheitern, damit wir Demut lernen!<br /> Manchmal lässt Gott Krankheit zu, damit wir besser auf uns achten!<br /> Manchmal nimmt uns Gott alles, damit wir alles schätzen, was er uns gegeben hat!</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_10 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_49 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Übs.: Dr. Stefan J. Wimmer<br />
<a href="https://www.freunde-abrahams.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.freunde-abrahams.de</a></p></div>
			</div><div id="fuss-01" class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_50  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>(1) Emile Durkheim, „Contribution to discussion ‚Religious Sentiment at the Present Time“, aus: W.S.F. Pickering, Durkheim on Religion: A Selection of Readings with Bibliographies, Routlege, London 1975, S. 184</p></div>
			</div><div id="fuss-02" class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_51  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner">(2) Karen E. Fields, „Religion as an Eminently Social Thing“, Einführung der Übersetzerin zu Emile Durkheim, The Elementary Forms of Religious Life, The Free Press, London&nbsp;1995, S.&nbsp;xvii</div>
			</div><div id="fuss-03" class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_52  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner">(3) Al Gore, Earth in Balance – Ecology and the Human Spirit, New&nbsp;York&nbsp;2006, S.&nbsp;218</div>
			</div><div id="fuss-04" class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_53  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>(4) Mit „Glaube“ („faith“) meine ich die Gabe Gottes einer persönlichen Hinwendung („personal belief“); mit „Moral“ meine ich das dem Menschen eigene Unterscheiden zwischen Gut und Böse; und mit „Religion“ meine ich eine Theologie als „Lehre von Gott und seinem Verhältnis zur Welt, insbesondere durch die Analyse des Ursprungs und der Lehren einer organisierten religiösen Gemeinschaft“. Somit beinhaltet Moral eine Art von Religiosität, aber Religiosität ist nicht unbedingt an Moral gebunden.</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
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		<title>Muslimisches Leben in Deutschland</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/muslimisches-leben-in-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2007 12:13:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Muslimisches Leben in Deutschland – zukunftsgerichtet, interkulturell und dialogbereit - gegen kulturellen oder auch politischen Import und gegen islamistische Bestrebungen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/muslimisches-leben-in-deutschland/">Muslimisches Leben in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Integration &amp; Bildung</h1></div>
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					<h2 class="entry-title">Muslimisches Leben in Deutschland</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vortrag von Imam Benjamin Idriz im BallhausForum, Unterschleißheim am 23.10.2007 </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Muslimisches Leben in Deutschland – zukunftsgerichtet, interkulturell und dialogbereit &#8211; gegen kulturellen oder auch politischen Import und gegen islamistische Bestrebungen
</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Politische Entwicklungen und Ereignisse weltweit, hitzige Debatten rund um das Stichwort „Integration“ und die Zunahme der muslimischen Bevölkerung stellen Europa vor neue Herausforderungen im Sinne eines gelingenden Zusammenlebens. Sowohl die christliche Gesellschaft als auch Muslime sind vor neu zu definierende Aufgaben gestellt. In nie zuvor gekanntem Maße stellen Politik, Wirtschaft, Kirchen, Wissenschaft, Kunst und Kultur, Medien und Publizisten heute die Zukunft eines Europas mit Muslimen zum Diskurs.</p>
<p>Dabei ist der Islam in Europa nicht erst ein Phänomen des 20. und 21.&nbsp;Jahrhunderts. Seine Wurzeln liegen im Orient, genau wie bei Christentum und Judentum. Der frühe Islam brachte im Westen und Süden Europas blühende Kulturen hervor. In den Balkanländern sind muslimische Gemeinschaften seit Jahrhunderten fest strukturiert. Jahrhunderte des Friedens und des fruchtbaren Zusammenlebens zwischen Muslimen, Christen und Juden gehören zur islamischen und westlichen Kultur Europas – zur europäischen Geschichte.</p>
<p>Das deutsche und europäische Wirtschaftswunder zog in den sechziger Jahren viele ausländische Arbeitskräfte an. Mit den so genannten Gastarbeitern kamen auch viele Muslime nach Europa. Heute leben in Gesamteuropa schätzungsweise 54 Millionen Muslime. In den Staaten der Europäischen Union wird ihre Zahl auf 15 Millionen geschätzt. Hiervon verteilt sich etwa die Hälfte auf Frankreich, gefolgt von Deutschland mit rund 3,2 Millionen Menschen muslimischer Herkunft. Unterdessen gibt es schätzungsweise mehr als 100.000 deutschstämmige Muslime. Jährlich erwerben mehr als 20.000 ausländische Muslime die deutsche Staatsbürgerschaft, derzeit besitzt sie etwa eine halbe Million Muslime. Eine Mehrheit richtet sich auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ein, für Viele ist Deutschland längst zur neuen – zu ihrer – Heimat geworden.</p>
<p>Erneut ist also der Islam in Europa und nun auch in Deutschland heimisch geworden. Aus den anfänglichen islamischen Initiativen und Selbsthilfegruppen bildeten sich ortsansässige islamische Gemeinden, die mittlerweile von einer in Europa geborenen und herangewachsenen, zweiten und dritten Generation getragen werden.</p>
<p>Heute sehen sich Muslime in Europa vor gesellschaftliche, kulturelle, zeitliche und räumliche Herausforderungen gestellt. Herausforderungen, die die Muslime veranlassen müssten, die eigenen Werte und ihr Selbstverständnis neu zu überdenken. Begriffe wie Identität, Integration, Herkunft, Kultur, müssen neu abgestimmt und angepasst formuliert werden. Das Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus, und die entschiedene Verurteilung von Extremismus und Fanatismus, stellen grundlegende Glaubensprinzipien von Muslimen dar. Dies gilt es deutlich und plakativ herauszustellen.</p>
<p>Gleiches gilt für muslimische Positionen zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, zur Verantwortung für Natur und Umwelt, zur Freiheit des Lebens und der damit verbundenen Verantwortung des individuellen Handelns und Wirkens als Mensch. Das Streben nach Wissen und Bildung, der Fortschritt und die damit verbundene Mobilität, können Wege in diese Richtung, hin zu notwendigen Neuorientierungen, aufzeigen. Den Moscheegemeinden und vergleichbaren islamischen Einrichtungen kommt ein wesentlicher Anteil am muslimischen Gemeindeleben zu, zumal etwa 25% der Muslime hier zu Lande organisiert sind.</p>
<p>Eine besondere Rolle kommt den Vermittlern des Glaubens zu: Den Imamen und Religionspädagogen, den Vermittlern von Wissen und Bildung, den einzelnen Funktionären, die wichtige Multiplikatoren in den islamischen Gemeinden sind. Hier wäre eine qualifizierte und durchdachte, auf europäischem Boden beheimatete, institutionalisierte Ausbildung der Vorreiter für offenes, transparentes und modernes Islamleben in Europa. Das entsprechend kompetent vermittelte Wissen könnte, in der Praxis, als Grundlage für übergreifende Zusammenarbeit in facettenreichen Gebieten des gesellschaftlichen Zusammenlebens dienen.</p>
<p>Damit ist eine Herausforderung angesprochen, die Muslime in diesem Land auch emotional bewegt; und dabei eine echte Chance für beide Seiten bietet, die Zukunft Europas gemeinsam zu gestalten, auf der Grundlage einer vertrauensvollen und respektvollen Annäherung. Bestehende Vorurteile und Klischeedenken gilt es aufzuarbeiten, fundierte Informationen und Begegnungen, Austausch, Kontakte auf allen Ebenen zum Abbau von Hemmschwellen und Hindernissen sind zu fördern. Durchdachte und pädagogisch ausgereifte Konzepte müssen erarbeitet und zentral gefördert werden, selbstverständlich in Kooperation und Vernetzung mit anderen muslimischen und nichtmuslimischen Einrichtungen, vor allem zur Stärkung und Stabilisierung der jungen zweiten und heranwachsenden dritten Generation, die immer mehr Brückenbaufunktionen übernehmen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_11 et_pb_divider_position_bottom et_pb_divider_position_center_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_59  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Islam und Wissenschaft</strong></p>
<p>Der Islam bestärkt und fördert in seiner Kernbotschaft die ständige Suche nach Wissenschaftlichkeit und in seinem Bildungsgebot den immerwährenden Fluss der Aufklärung und der Dynamik seiner Spiritualität. Dies verpflichtet uns, Musliminnen und Muslime in Europa, zu einem ernsthaften Prozess der geistlichen Umstrukturierung. Die eigene Identität steht unmittelbar zur Debatte. Wir bedürfen einer Bestimmung unseres Verhältnisses zur Welt und zu der Gesellschaft, für die wir uns entschieden haben und mit der wir uns identifizieren.</p>
<p>Dabei geht es nicht um ein Aufgeben der religiösen Identität, sondern darum, im Einklang mit der Umgebung überzeugter, praktizierender Muslim und gleichzeitig angekommener Europäer zu sein. Das ist Voraussetzung und notwendig, denn es geht hier um unsere konstruktive Verantwortung für die hiesige Gesellschaft – also darum, als engagierte Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens für ein friedliches Zusammenleben in Pluralität einzutreten, für soziale Gerechtigkeit, für Menschenwürde, für Bildung und Erziehung und für unseren gemeinsamen Rechtsstaat.</p>
<p>Muslim sein in Europa bedeutet, die Offenbarung auf den Kontext des Hier und Jetzt zu projizieren, sie offen und dynamisch zu verstehen. Im Verbalen und Nonverbalen, im Handeln und im Tun, bedürfen wir einer durchgreifenden Reform, um die Normen und Werte des Islam auf das Hier und Jetzt abzustimmen ohne dabei seinen Geist zu verletzen.<br /> Zwischen Muslimsein und Bürgersein darf kein Widerspruch bestehen! Der Islam fordert eine auf die Gesellschaft und auf die Gemeinschaft hin ausgerichtete Identität und verlangt von seinen Anhängern, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Bereitschaft zur Partizipation</strong></p>
<p>An dieser Stelle möchte ich zu einigen Punkten, die Sie an der Präsentation unter den jeweiligen Stichpunkten finden, Position beziehen. Persönliche Bereitschaft zur Partizipation und die Mitverantwortung für das gesellschaftliche Gefüge, sind Grundprinzipien.</p>
<p>Muslime sind verpflichtet, ihren Kurs in religiösen Angelegenheiten stets neu zu formieren und zu überdenken. Eine klare Differenzierung zwischen Religion und Tradition ist dabei Voraussetzung für eine konstruktive Integration. Musliminnen und Muslime sind verpflichtet, sich aktiv auf allen Ebenen des sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Geschehens bereichernd einzubringen. Der Zugang hierfür führt über die deutsche Sprache. Ihrem Erwerb muss folglich allererste Priorität zukommen. Denn nur wer die Sprache beherrscht, kann sich auch als in der Gesellschaft angenommen und anerkannt fühlen und dazu zählen.</p>
<p>Es steht außer Zweifel, welche Frage heute die meiste Polemik zum Thema Islam hervorruft, die Frage der Frau, ihrer Behandlung und ihrer Situation in der muslimischen Gesellschaft. Mann und Frau sind vor Gott absolut gleichwertig. Dabei ist es nach islamischem Verständnis selbstverständlich, dass Frauen in ihrem Handeln und Wirken ebenso mündig sind wie Männer. Frauen haben das Recht am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben, das Recht zu Lernen und zu Lehren, das Recht auf finanzielle und soziale Unabhängigkeit, das Recht zu wählen und gewählt zu werden, das Recht auf Selbstbestimmung.<br /> Jede Form von Verletzung, sei es körperlich, psychisch oder mental, ist auf das Schärfste zu verurteilen. Zwangsehen, so genannte Ehrenmorde und familiäre Gewalt haben keinerlei Grundlage in der Religion. Jede Frau ist selbst mündig für ihre Entscheidung zum Kopftuch. Das Tragen dieses Kleidungsstückes darf nicht Symbol für Unterdrückung und Zwang, und darf nicht politisches Zeichen für eine extremistische Ausformung des Islam sein.</p>
<p>Eine stärkere Differenzierung zwischen Religion und Tradition ist notwendig, da die Tradition häufig Frauen benachteiligt und dies fälschlich dem Islam als Religion zugeschrieben wird. Auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft besteht hier akuter Aufklärungs- und Handlungsbedarf. Mehr Bewusstseinsbildung gegen den Missbrauch von Religion muss gefördert werden. Gerade im Bereich Ehe und Familie müssen neue Wege der Moderne aufgezeigt werden, die im Einklang mit theologischem Grundverständnis ohne Zweifel bestehen.</p>
<p>Frauen genießen im Islam vorzügliche Rechte, deren Einforderung nicht Theorie bleiben darf. Es gilt hier, sie in allen Ausprägungen umzusetzen. Ein wesentliches Kriterium für die Verbesserung der Sozialisation der Frau und für ihre gleichberechtigte Aufnahme auch in die hiesige Gesellschaft ist ihre Einbindung in unterschiedlichste Bereiche des Lebens. Mehr Teilhabe und öffentliche Einbringung muslimischer Frauenperspektiven ist gefordert.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Zum Thema Extremismus</strong></p>
<p>Der Kernsatz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht am Anfang des Grundgesetzes. Der Schutz menschlichen Lebens und seiner Würde ist auch Glaubensfrage und zugleich Existenzfrage in einer menschenwürdigen Gesellschaft. Diese Erkenntnis teilt unsere Verfassung mit dem tradierten Werteverständnis der monotheistischen Religionen, die den Generationen vor uns Orientierung boten. Den drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gilt jedes menschliche Leben als einzigartig und unantastbar. Der Koran sieht den Menschen als Stellvertreter Allahs. Ein Menschenleben ist daher unendlich kostbar. Wenn einer ein Menschenleben rettet, so heißt es im Koran, „ist es, als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.“ (5,32)</p>
<p>Der Islam stellt das Leben als höchste Gabe Gottes an seine Geschöpfe dar, deshalb steht auch jede Form von Selbstmord im Widerspruch zum Grundsatz des geheiligten Lebens. Die Vereinbarkeit der demokratischen Gesellschaftsordnung und der Rechtsstaatlichkeit mit dem Islam muss deutlich unterstrichen werden. Zur religiösen Pflicht jedes Muslims gehört es, sich aktiv für den Frieden und für die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung einzusetzen, in dem er lebt.</p>
<p>Wir verurteilen alle extremistischen und fundamentalistischen Gewaltakte auf der Welt. Sie dienen zu nichts anderem, als dazu, Religion zu Gunsten eigener Machtinteressen auszunutzen.</p>
<p>Mittlerweile dürfte ihnen ein angestrebtes Projekt in München mit dem Namen ZIEM, ausgesprochen Zentrum für Islam in Europa – München, bekannt sein. Ziel dieses Projektes ist es für das Wohlergehen Aller eine zukunftsweisende, auf die Menschenwürde ausgerichtete Perspektive zu schaffen. In diesem Sinne versteht sich ZIEM als innovativer Organisationsansatz in Deutschland. In erster Linie richtet ZIEM den Fokus auf die Identifizierung der muslimischen Gesellschaft mit der Mehrheitsgesellschaft, nach dem Leitziel: Deutsch, Deutschland und der Islam stehen nicht im Widerspruch zueinander!</p>
<p>Islam – fernab von traditionellen, nationalen, politischen, ideologischen und räumlichen Einflüssen eines aus anderen Regionen exportierten Religionsverständnisses zu sehen und eine gemäßigte und zeitgemäße islamische Lebenshaltung zu fördern.</p>
<p>Deutschland – das Land, an dem sich die neue Identität ausrichtet, zu kennen und zu schätzen, das Grundgesetz und die gesellschaftlichen Werte sich zu eigen zu machen und sich aktiv in der Gesellschaft einzubringen.</p>
<p>Deutsch – anzuerkennen, dass die Sprache unabdingbarer Faktor des Gemeinsamen ist und Deutsch als verbindende Kommunikation in diesem Land einzusetzen ist.</p>
<p>Die Sorgen der Bevölkerung sind nicht loszulösen von dem nach wie vor verbreiteten, negativen Image der Muslime: Zum einen wird „Islam“ von Vielen als problematisch für europäisches Werteverständnis und die deutsche Gesellschaftsordnung wahrgenommen. Und zum anderen gelten Muslime noch immer weitestgehend als „fremd“ und, trotz in Bayern geborener Generationen, kaum als beheimatet. ZIEM möchte hier gegensteuern und einen so dringend notwendigen, effektiven Beitrag leisten, um die weitere Entwicklung auf für alle Seiten verträglichere Bahnen zu lenken. Keineswegs darf ZIEM als eine Art Vorposten für eine vermeintliche „Islamisierung“ Europas missverstanden werden! ZIEM will ganz im Gegenteil einen wirksamen Mechanismus gegen die Fehlentwicklungen einer bisher nicht geglückten Integration, und gegen eine weitere Ausbreitung aggressiver und traditionalistischer Richtungen in Deutschland und Europa, in Gang setzen.</p>
<p>In diesem Sinne soll ZIEM, auch in seiner Außenwirkung, als Beitrag zu einem gerade nicht überfremdeten, sondern zu einem noch intakteren, ebenso bodenständigen wie bunten München verstanden werden. Effektiver, als das bisher und anderswo der Fall ist, soll Ghettoisierung oder Parallelgesellschaften entgegengewirkt werden. In den Vordergrund seiner Arbeit stellt ZIEM die Einrichtung eines „Zentrums für soziale Integration“. Oberstes Ziel der konzeptionellen Überlegungen ist die Förderung der Integration muslimischer Familien, ein dauerhaft ausgerichtetes, qualifiziertes Angebot, und dabei die Einbeziehung der Mehrheitsgesellschaft. Untersuchungen verweisen auf einen großen Bedarf nach Förderung einer strukturellen, kulturellen und sozialen Integration der muslimischen Familien.</p>
<p>Beim strukturellen Integrationsprozess zeigen sich insbesondere Benachteiligungen im Bezug auf die Bereiche Bildungswesen und Arbeitsmarkt. Kinder mit Migrationshintergrund wachsen mit mangelnder außerschulischer Förderung auf, oftmals bedingt durch geringe kulturelle und ökonomische Ressourcen der Eltern. Zudem wirken sich die erhöhten Anforderungen an die Erziehungskompetenz der Eltern nachteilig auf die außerschulische Förderung der Kinder aus. Die mangelnden Bildungserfolge der Kinder und der Jugendlichen bewirken wiederum geringe Erfolge auf dem Arbeitsmarkt.</p>
<p>Einen weiteren essentiellen Baustein von ZIEM wird das „Zentrum für Dialog und Information“ bilden.<br /> Der interreligiöse Dialog hat an Bedeutung gewonnen und wird in jüngster Zeit vermehrt von allen Seiten gefordert und gefördert.<br /> Der Islam lehrt die Einheit der gesamten Menschheit und betrachtet die Menschen als Geschöpfe des Einen Schöpfers. Die Diversität der Menschen ist von Gott gewollt. Hierzu sagt der Koran im Vers 49:13 folgendes: „Oh ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen lernt.“</p>
<p>Der Koran verpflichtet die Muslime, mit Andersgläubigen den Dialog auf beste Art und Weise zu führen, im Sinne einer Kultur des Diskurses und des gegenseitigen Lernens. Einen großen Anstoß für die heutigen Dialoggespräche gab ohne Frage das II. Vatikanische Konzil, das zu einem intensiven Dialog zwischen den Religionen aufgerufen hat. Papst Johannes Paul II. arbeitete unermüdlich für den interreligiösen Dialog. Er argumentierte überzeugend, dass Spannungen zwischen Islam und Christentum nur durch Dialog abgebaut werden können. Echter Dialog, gegenseitiger Respekt und Toleranz unter den verschiedenen Religionen, seien wesentliche Voraussetzungen, um einen rechtmäßigen Platz als Ebenbürtiger unter anderen Kulturen einzunehmen.</p>
<p>Wo im Zeitalter der Globalisierung Menschen aus einer diffusen Angst vor „dem Fremden“, aber auch aus begründeter Angst vor religiös motivierter Gewalt, ihre eigene Identität gefährdet sehen, kann der Dialog zum Abbau von Ängsten und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts führen. Durch die Auseinandersetzung mit dem Anderen aus der eigenen Sicht kann es zu einer Reflexion und Vertiefung des Eigenen vor dem Hintergrund des Fremden kommen. In diesem Fall würden fremde Religionen als Wirkungsbereich Gottes gesehen werden, der zur Vertiefung des Glaubens oder sogar erst zur eigenen Identitätsfindung im Glauben führen kann.</p>
<p>Für dringend notwendig erachten wir in diesem Zusammenhang auch verstärkte Bemühungen, unter Muslimen selbst für mehr Offenheit und Dialogbereitschaft zu werben. Von den in Deutschland lebenden Musliminnen und Muslimen sollte mit vollem Recht die Aneignung eines gewissen Grundwissens über die anderen hier beheimateten Religionen und Konfessionen erwartet werden.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Und nun zum letzten und wohl spannendsten Punkt.<br /> <strong>Zu einer Imamausbildung, beheimatet auf europäischem Boden, in einheitlicher verbindlicher Landessprache Deutsch.</strong></p>
<p>Es besteht ein enormes Bildungs- und Informationsdefizit in Bezug auf den Islam. Die Gesellschaft und die Muslime selbst sind meist mit einem Zerrbild über den Islam konfrontiert. Das Bild des Islams hier in Deutschland wird nach wie vor als vorwiegend “ausländisch” oder “fremd” geprägt wahrgenommen. Noch immer wird der Islam als ein Phänomen im Umfeld von Immigration verortet. Hartnäckige Vorurteile (“Fundamentalismus, heiliger Krieg, Terrorismus, Ehrenmorde”) stehen einer harmonischen und gedeihlichen Koexistenz zwischen Muslimen und Nichtmuslimen auf gemeinsamer Basis im Wege.</p>
<p>Gefragt ist hier fachkundiges Personal, Menschen mit spezifischer Ausbildung, die diese Fragen kompetent angehen und eine entsprechende Bewusstwerdung sowohl innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Gang setzen als auch nach außen klärende Signale setzen. Das bedeutet, dass die derzeitigen Träger und Vermittler religiösen Verständnisses, die Imame, die in den islamischen Gemeinden hohe Anerkennung genießen, vorrangig in den Diskurs mit einzubinden sind. In dem Maß, in dem die Rolle der Moscheen in der Diasporagesellschaft vielschichtiger geworden ist, ist auch das Aufgabenfeld der Imame gewachsen. Moscheen sind von einfachen Gebetshäusern zum funktionalen Mittelpunkt migrantenspezifischer Aufgaben gerückt. Imame wären der treibende Motor der Integration, doch lassen sie allzu oft die Grundanforderungen wie deutsche Sprachkenntnisse und fachliche Ausbildung vermissen.</p>
<p>Tatsache ist, dass zur Zeit in Deutschland weder staatliche noch von islamischen Organisationen getragene Ausbildungsstätten für Imame bestehen. Der Bedarf von ca. 2500 Moscheegemeinden in Deutschland, in Bayern etwa 350, wird meist durch den Rückgriff auf Imame aus den Herkunftsländern gedeckt. Imame aus dem Ausland verfügen kaum über ausreichende Sprach- und Kulturkompetenz und sind deshalb der Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft ebenso wenig förderlich, wie sie den Anforderungen der Gemeinden und ihrer Mitglieder vor allem in der zweiten und dritten Generation nicht gerecht werden.</p>
<p>ZIEM möchte auch hier ansetzen und eine Ausbildungsstätte für Imame und andere Multiplikatoren wie Religionspädagoginnen und Religionspädagogen, Seelsorgerinnen und Seelsorger und den funktionalen Gemeindevorstehern anbieten.<br /> Eine Imamausbildung im Inland würde nicht nur eine wünschenswerte Dynamik in die Entwicklung einer Theologie des Islams in Europa bringen, sondern auch gleichzeitig auf das religiöse Leben der Muslime reagieren, insbesondere der heranwachsenden Generation, ihre Religion in den europäischen Kontext einbinden, und dem Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft nach Aufklärung und Integration durch kundige Muslime entgegenkommen.</p>
<p>Von in Deutschland in deutscher Sprache ausgebildeten Imamen profitieren die Gemeinden dadurch, dass die Voraussetzungen für die Entwicklung eines modernen, westlichen Islam – eines Islam in Europa – geschaffen werden. ZIEM trägt – und dies spreche ich hier auch im Namen der Mitinitiatoren und Unterstützer des Projektes – einen anspruchsvollen, aber durchaus optimistischen Charakter.<br /> Optimistisch deshalb, weil es jenseits der Differenzen, derer wir uns bewusst sein müssen, eine Reihe von Werten besitzen, die unser Gemeinsam sind und uns zusammenführen. In deren Namen wir uns für das einheitliche Ziel, nämlich die Wahrung und Verteidigung der Würde aller Menschen engagieren wollen. Die Herausforderung des Pluralismus richtet sich an unsere Vernunft und unser Bewusstwerden und appelliert an den Sinn für unsere Verantwortung. Pluralität und Vielfalt der Zivilisationen und Kulturen verlangt eine beständige Anstrengung des Verstehens, des Dialoges, des Miteinander Wirkens und Handelns.</p>
<p>Es ist mehr als denn je nötig, dass wir Muslime uns den Herausforderungen der Zeit zu stellen haben, mit dem guten Gewissen, dass nichts im Islam gegen ein Engagement, gegen soziale Reform, gegen Fortschritt und Wohlergehen, das letztendlich zu einer Verbesserung im Leben der Menschen beitragen wird, entgegen steht.</p>
<p>Auf die Zusammenarbeit und Partnerschaft der bayerischen Staatsregierung, der Landeshauptstadt München, der Münchnerinnen und Münchner und der regionalen Zivilgesellschaft hoffend, sind wir bereit dieses anspruchsvolle Vorhaben in München mit Vorbildfunktion für ganz Deutschland und weit darüber hinaus ins Leben zu rufen.</p>
<p>Wir sind zuversichtlich in unserem Vertrauen, auf diese Unterstützung setzen zu können.<br /> Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.</p></div>
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			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/muslimisches-leben-in-deutschland/">Muslimisches Leben in Deutschland</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Was ist Integration?</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/was-ist-integration/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Dec 2006 11:44:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Integration & Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zur Integration gehören immer mindestens zwei Parteien: eine grundsätzlich offene Aufnahmegesellschaft und die gleichermaßen kooperativen Migranten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/was-ist-integration/">Was ist Integration?</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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					<h2 class="entry-title">Was ist Integration?</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Imam Benjamin Idriz mit Bayerns Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer und Landtagspräsident a.D.&nbsp;Alois Glück in der Penzberger Moschee am 07.11.2006</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Mancherorts bekommen wir das Gefühl, dass der Terminus „Integration“ nun langsam für Einige zu viel wird. Tatsache ist aber, dass wir nicht nur aktuell, sondern auch sehr rege darüber im Diskurs sind. Das kann man nun unterschiedlich bewerten. Entweder wollen wir keine Integration oder wir haben sie bereits abgeschlossen. Wie auch immer. Wir glauben: Integration beginnt im Kopf und am Ort. Und deshalb glauben wir auch fest daran, dass wir nur dann sichtbare Erfolge verbuchen, wenn wir die Betroffenen dort abholen, wo sie stehen, am Fuße des Integrationsgipfels. Und dies wiederum wird nur dann fruchten, wenn wir in unsere Bemühungen muslimische Führungskräfte einbeziehen und die Plätze der Interaktion von Muslimen aufsuchen, in Moscheen, in Wohnungen, in Cafes und auf den Spielplatz gehen. Integration muss zu einer Aktion wachsen, die von Muslimen selber kommt. Es ist nun mal so, dass ein Imam oder ein angesehener Muslim, in seinen eigenen Reihen mehr bewirken kann – diese Erfahrung haben wir durchaus gemacht – als ein Minister, ein Politiker oder ein Autor, der hier und da mal in den Medien auftritt und zum Thema, manchmal nicht unbedingt qualifizierte und konstruktive Stellungnahmen abgibt.</p>
<p>Spätestens jetzt sollte die Frage gestellt werden. <b>„Was heißt Integration und vor allem wo und wie beginnt und endet sie“?   </b></p>
<p>Nach unserem Ermessen beginnt sie zunächst bei der sprachlichen Integration, die wie ein Schlüssel alle weiteren Schritte öffnet, führt über das kulturelle Verständnis und die Anerkennung des europäischen Grundwertekonsens bis hin zum Erwerb der Staatsbürgerschaft.</p>
<p>Integration ist – im wahrsten Sinne des Wortes – teuer. Die Bertelsmann Studie hat sie jährlich auf 16&nbsp;Milliarden&nbsp;Euro beziffert. Natürlich ist es besser, in Integration zu investieren, denn nachzuholende Integration oder gar verfehlte Integration ist immer teurer, besonders im Hinblick jeder einzelnen Lebensperspektive.</p>
<p>Wenn wir heute über Integration sprechen, dann eigentlich unweigerlich über die Integration von Muslimen und dem Islam. Bisher gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die sich mit den Defiziten, aber auch Erfolgsgeschichten der Integration beschäftigen. Die letzte Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung spiegelt leider größtenteils die öffentliche und politische Meinung wieder.</p>
<p>In unserer heutigen Weltordnung entscheiden Bildung und Ausbildung den Zugang zur zentralen gesellschaftlichen Partizipation.</p>
<p>In der frühkindlichen Erziehung angefangen fehlt es oftmals den Eltern an Hilfestellungen in sprachlicher und kultureller Hinsicht. Die Kinder wachsen mit mangelnder außerschulischer Förderung auf, bedingt durch geringe kulturelle und ökonomische Ressourcen der Eltern. Zudem wirken sich die erhöhten Anforderungen an die Erziehungskompetenz der Eltern nachteilig auf die außerschulische Förderung der Kinder aus. Die mangelnden Bildungserfolge der Kinder und der Jugendlichen bewirken wiederum geringe Erfolge auf dem Arbeitsmarkt. Hilfe gäbe es zu Genüge, aber der Mangel an Wissen im Bezug auf die vorhandene soziale Infrastruktur, ist ebenso groß, wie häufig die Hemmschwelle, solche aufzusuchen, da Manches als nicht kompatibel mit islamischer Lebensweise angesehen wird. Eine Anlaufstelle soll Muslime ermutigen und unterstützen, an den zur Verfügung stehenden Ressourcen und Angeboten von Staat und Gesellschaft bewusst teilzuhaben. Insbesondere ist es wichtig an der Akzeptanz der bereits existierenden Beratungsstellen zu arbeiten und  Familien auf dem Weg in die hiesige Gesellschaft beratend und begleitend bei Seite zu stehen. Denn in den Familien beginnen die Problemansätze vor allem der heranwachsenden jungen Generation, die nicht alleine aus dem Gesamtgesellschaftlichen Leben, in der Schule, im Beruf oder im Freundeskreis entstehen.</p>
<p>Unzureichende Bildung- und Ausbildung, die sich wiederum in der hohen Jugendarbeitslosigkeit niederschlagen, damit mangelnde Zukunftsperspektiven, soziale Ausgrenzung und Diskriminierungen in der Familie und im öffentlichen Raum, diese meist geballt in den problembelasteten und ethnisch verdichteten Stadtteilen, aber auch die zunehmende Globalisierung der Konfliktherde weltweit, sind Erfahrungen Jugendlicher in der schwierigen Phase ihrer Identitätsbildung. Muslimische Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sehen sich häufig als Verlierer dieser Gesellschaft. Sie werden als potenzielle Gefahrenquelle angesehen, als nicht integrierbar in die pluralistische europäische Gesellschaft. Es herrschen Ratlosigkeit und Stagnation, mangelndes Wissen oder verzerrte Vorstellungen um die eigenen religiösen Wurzeln und Zukunftsangst.</p>
<p>Die Muslime sollen diesen Jugendlichen ein Forum bieten, um über ihren Glauben im europäischen Kontext neu nachzudenken und sich mit den Fragen der Zukunft zu befassen. Insbesondere muslimische Mädchen ermutigen, Anstrengungen auf sich zu nehmen, an sich zu arbeiten und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Im Sinne einer islamischen Lebenshaltung müssen sie in Achtung vor den unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens Verantwortung übernehmen und sich den Herausforderungen der Gesellschaft stellen damit sie gemeinschaftsfähige, engagierte und konstruktive Bürger dieser Gesellschaft werden.</p>
<p>Zur Integration gehören immer mindestens zwei Parteien: eine grundsätzlich offene Aufnahmegesellschaft und die gleichermaßen kooperativen Migranten. Die Integration der Muslime in Europa ist im Gange und wird weiterhin vorangetrieben werden. Hierzu sind allerdings alle aufgerufen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen nach dem Motto:</p>
<p><b>Kommunikation + Kooperation + Kompromiss = INTEGRATION</b></p>
<p>Unsere Hoffnung und Zuversicht liegt vor allem in dieser Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen. Deutsche selbstbewusste Muslime, die sich mit dem Land und mit seinen freiheitlichen demokratischen Grundordnung identifizieren, werden Sprachrohre der offiziellen Leitlinien eines Islam in Europa in der Praxis sein, und werden dadurch dem islamischen Leben in Deutschland einen konstruktiven Weg des gemeinsamen Lebens und Gestaltens ebnen.</p>
<p>Die Bayerische Staatsregierung hat am 10.&nbsp;Juni&nbsp;2008 die Aktion Integration beschlossen. Sie umfasst Integrationsleitlinien, ein Zehn-Punkte-Programm sowie das Integrationskonzept. In der Broschüre wird eine kompakte Zusammenstellung der Aktion Integration vorgestellt.</p></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/was-ist-integration/">Was ist Integration?</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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