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		<title>Verleihung des Thomas-Dehler-Preises 2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2025 20:31:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rede von Imam Benjamin Idriz anlässlich der Verleihung des Thomas-Dehler-Preises 2025.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/verleihung-des-thomas-dehler-preises-2025/">Verleihung des Thomas-Dehler-Preises 2025</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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					<h2 class="entry-title">Verleihung des Thomas-Dehler-Preises 2025</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Künstlerhaus München – 29.&nbsp;Oktober&nbsp;2025</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Verehrte Frau Bundesministerin a.D.&nbsp;Sabine Leutheusser-Schnarrenberger,<br />
sehr geehrter Herr Thomas Hacker, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung,</p>
<p>sehr geehrter Herr Staatsminister a.D.&nbsp;Dr.&nbsp;Wolfgang Heubisch,<br />
verehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Religion, Wissenschaft und Kultur, liebe Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Salam, schalom und Friede sei mit uns allen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Verehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,</strong></p>
<p>ich bin tief bewegt von Ihren Worten. Ich&nbsp;danke Ihnen von Herzen für Ihre beeindruckende, herzliche und zugleich tiefgründige Laudatio. Ihre Worte sind für mich eine große Ehre – und eine Ermutigung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,</strong></p>
<p>als ich den Brief der Stiftung erhielt, dass ich in diesem Jahr für den Thomas-Dehler-Preis nominiert bin, war ich überrascht – im schönsten und besten Sinne des Wortes.</p>
<p>Ich hatte mit dieser Auszeichnung nicht gerechnet. Denn wir, die wir uns seit vielen Jahren für Dialog, Verständigung und ein friedliches Miteinander einsetzen – wir, das heißt: praktizierende Muslime, die sich aktiv in die Gesellschaft einbringen – wir sind es nicht gewohnt, mit Preisen zu rechnen. Wir&nbsp;sind es gewohnt, mit Vorurteilen umzugehen, uns zu erklären, uns zu rechtfertigen – oft für Dinge, die wir gar nicht sind. Wir&nbsp;sind damit beschäftigt, Hindernisse zu überwinden, Missverständnisse auszuräumen, Vorwürfe zu entkräften – und trotz mancher Anfeindungen und manchmal fast unerträglichen Drucks weiterzumachen. Nicht&nbsp;aus Erwartung, sondern aus Überzeugung. Nicht um Anerkennung zu erlangen, sondern um Verantwortung zu übernehmen – <em>fī sabīlillāh</em>, auf dem Weg Gottes.</p>
<p>Darum ist dieser Preis für mich eine große, unerwartete und zugleich sehr schöne Überraschung. Ich&nbsp;nehme ihn mit Freude entgegen – aber nicht für mich persönlich.</p>
<p>Heute sind zahlreiche Menschen von weit her gekommen – aus Penzberg, Ulm, Heilbronn und anderen Städten, und einige Freunde sind sogar eigens aus Bosnien angereist –, um diese Freude mit mir zu teilen. Ich&nbsp;danke Ihnen allen von Herzen für Ihre Verbundenheit und Ihre Unterstützung. Ich&nbsp;nehme diesen Preis entgegen im Namen all jener, die diesen Weg mit mir gegangen sind – in Freundschaft, im Vertrauen und im <strong>gemeinsamen Glauben an die Kraft des Dialogs.</strong></p>
<p>Allen voran danke ich <strong>meiner Frau Nermina und unseren Söhnen – </strong>meiner Familie, die all die Jahre mitgetragen, ertragen und beständig gestützt hat. Ohne ihre Geduld, ihre Liebe und ihr Vertrauen wäre dieser Weg nicht möglich gewesen. Ich&nbsp;nehme ihn an im Namen meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter, Wegbegleiter und treuen Freunde, allen voran <strong>Gönül</strong>, Vize-Direktorin des Forums und ihrem Ehemann <strong>Bayram</strong>, dem langjährigen Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde Penzberg, und aller Vorstandsmitglieder, im Namen unserer mehr als zweitausend Mitglieder, im Namen des Architekten unserer Moschee, <strong>Alen Jasarević</strong>, dessen beeindruckende Architektur bereits über 100.000 Besucherinnen und Besucher nach Penzberg geführt hat. Ich&nbsp;nehme ihn an im Namen der unzähligen <strong>Ehrenamtlichen</strong>, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihr Herz in unsere Arbeit investieren.</p>
<p><strong>Glaube muss sich in Schönheit zeigen.</strong> Darum&nbsp;spiegelt sich in der Architektur unserer Moschee nicht nur Religion, sondern auch Ästhetik wider. Das&nbsp;Schöne, das uns der Glaube lehrt, soll in allem sichtbar sein – in unseren Gebäuden, Worten und Taten. Dass&nbsp;uns diese Moschee ermöglicht wurde, verdanken wir vielen Unterstützern. Besonders danken möchte ich <strong>Scheich Dr. Sultan bin Mohammad Al-Qaismi</strong>, dem Herrscher von Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, für seine großzügige Unterstützung.</p>
<p>Diesen heutigen Preis nehme ich daher auch <strong>im Namen unserer Moschee</strong> und all jener entgegen, die den Bau und die Gemeinschaft ermöglicht haben. Er&nbsp;ist&nbsp;eine Anerkennung für all jene Muslime, die sich Tag für Tag für ein friedliches Zusammenleben einsetzen, die ihre Religion als Teil dieser Gesellschaft leben – als Teil Deutschlands. Er&nbsp;ist&nbsp;ein Zeichen dafür, dass sich Offenheit, Geduld und Beharrlichkeit am Ende lohnen – dass Vertrauen wachsen kann, wo Menschen einander mit aufrichtigem Herzen begegnen.</p>
<p>Ich nehme ihn an im Namen der <strong>Penzberger Bürgermeister,  der früheren Hans Mummert, Elke Zehetner und der heutigen Stefan Korpan</strong>, die heute hier sind, um diese Freude mit mir zu teilen – denn diese Freude ist zugleich ihre Freude, die Freude einer Stadt, die seit Jahrzehnten zeigt, dass Zusammenleben in Vielfalt möglich ist. Und&nbsp;ich nehme ihn an im Namen all jener, die mich in den letzten drei Jahrzehnten begleitet, gestützt und ermutigt haben – Pfarrerinnen und Pfarrer der katholischen und evangelischen Kirchen, Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften in München  und darüber hinaus, Freunde aus der katholischen, evangelischen und jüdischen Gemeinschaft, Rabbiner und Imame, die diesen Weg des Dialogs und der Freundschaft mit mir gegangen sind –  oft leise, aber stets treu und überzeugt. Ich&nbsp;nehme den Preis auch <strong>im Namen all jener an</strong>, die in schwierigen Zeiten der Verleumdung und der Propaganda zu uns gestanden haben – darunter Menschen, die heute nicht mehr leben, wie <strong>Alois Glück</strong>, aber auch Persönlichkeiten wie <strong>Christian Ude</strong>, <strong>Landesbischof Johannes Friedrich</strong>, <strong>Heinrich Bedford-Strohm</strong>, <strong>Prof.&nbsp;Stefan Jakob Wimmer</strong> und viele andere, die Mut gezeigt haben, als es nicht selbstverständlich war.</p>
<p>Ganz besonders erwähnen möchte ich Sie, <strong>verehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger</strong> – Sie haben sich stets für Gerechtigkeit eingesetzt und oft im Hintergrund für uns gekämpft. Dafür danke ich Ihnen im Namen meiner Gemeinde von Herzen.</p>
<p>Mein Dank gilt auch dem Bayerischen <strong>Innenminister Joachim Herrmann, </strong>der sich in besonderer Weise für eine konstruktive Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften in Bayern einsetzt. Ebenso&nbsp;danke ich dem <strong>Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, </strong>der durch seinen Besuch in unserer Moschee in Penzberg ein sichtbares Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens in unsere Arbeit gesetzt hat. Und&nbsp;schließlich möchte ich einem Menschen danken, dessen ehrenamtliches Engagement ich ganz besonders schätze: Rechtsanwalt und ehemaliger Bundestagsabgeordneter <strong>Hildebrecht Braun</strong>. Lieber Hildebrecht, dein unermüdlicher Einsatz für Recht und Gerechtigkeit, deine klare Stimme für die Religionsfreiheit und dein Vertrauen in uns Muslime haben uns über viele Jahre getragen und gestärkt.</p>
<p>Nicht zuletzt möchte ich diesen Preis auch im Namen meiner Kollegen – der <strong>Imame</strong> – annehmen, von denen einige heute hier sind, um diese Freude mit mir zu teilen. Die Imame leisten einen unverzichtbaren, oft stillen Beitrag für den Frieden in unserer Gesellschaft – einen Beitrag, der leider viel zu selten die Anerkennung erhält, die er verdient.</p>
<p>Dieser Preis gilt also nicht mir allein. Er gilt einer gemeinsamen Idee – einem gemeinsamen Weg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>im Juli des vergangenen Jahres stand hier <strong>Frau Dr.&nbsp;Mirjam Zadoff</strong>, die Leiterin des NS-Dokumentationszentrums, die zugleich Mitglied des Kuratoriums des Münchner Forum für Islam ist. Dass die Stiftung im vergangenen Jahr <strong>eine Jüdin</strong> geehrt hat, war ein deutliches Signal der <strong>Solidarität mit den Jüdinnen und Juden.</strong> Und&nbsp;dass&nbsp;sie heute <strong>einen Muslim</strong> auszeichnet, ist ein ebenso starkes Zeichen an die muslimischen Bürgerinnen und Bürger – <strong>ein Signal der Anerkennung und des Vertrauens, zur richtigen Zeit.</strong></p>
<p>Ich gratuliere der Stiftung zu dieser <strong>mutigen und richtigen Entscheidung</strong>. Damit sendet die Stiftung ein <strong>starkes und wichtiges Signal</strong> an unsere Gesellschaft: Sie ehrt Menschen, die <strong>Brücken bauen</strong>, die sich für <strong>Dialog, Freiheit und gegenseitigen Respekt</strong> einsetzen – und sie lehnt <strong>Judenhass und Islamhass gleichermaßen</strong> entschieden ab.</p>
<p>Gerade in einer Zeit, in der Spannungen zunehmen und Misstrauen wächst, brauchen wir in unserem Land <strong>solche klaren Zeichen der Vernunft und des Mutes</strong>.</p>
<p>Die Thomas-Dehler-Stiftung zeigt damit, was unser demokratisches Deutschland stark macht: <strong>die Anerkennung des Anderen als gleichwertigen Teil dieser Gesellschaft.</strong> Viele Institutionen in unserem Land können sich an dieser Haltung ein Beispiel nehmen. Denn wer Brücken baut, stärkt das Fundament, auf dem wir alle gemeinsam stehen. Sowohl&nbsp;die Stiftung als auch ich haben in den letzten Tagen Anfeindungen erlebt – von rechts wie von links. Doch wir, die in der Mitte dieser Gesellschaft stehen und uns dem Dialog sowie der Völkerverständigung verpflichtet wissen, sind standhaft geblieben.</p>
<p>Ich kann nicht akzeptieren, dass mein Wirken in den letzten drei Jahrzehnten – stets im Dienste des Friedens und der Gemeinschaft – <strong>durch Verleumdungen oder mediale Angriffe beschädigt oder infrage gestellt wird.</strong> Das ist ein schwerwiegendes Unrecht, dem ich mit aller Entschiedenheit widerspreche. Alle&nbsp;Menschen guten Willens wissen: Wir – ich, meine Gemeinde und meine Wegbegleiter – sind verlässliche Partner des Dialogs. Wer uns jedoch diffamiert, wird auf diese Brücke des Vertrauens und der Zusammenarbeit nicht zählen können.</p>
<p><strong>Heute möchte ich allen, die wirklich wissen wollen, wie ich denke und wofür ich stehe, eine klare Antwort geben.</strong></p>
<p><strong>Zur selben Zeit, als in Deutschland Synagogen brannten</strong> und jüdische Mitmenschen brutal verfolgt wurden, standen in Bosnien und Herzegowina viele Muslime auf der Seite der verfolgten Jüdinnen und Juden. Diese Geschichten aus Heimat meiner Frau sind bis heute eine Quelle der Inspiration – erlauben Sie mir, einige davon zu erzählen:</p>
<p>Der islamische Gelehrte und Mufti der Stadt Travnik, <strong>Derviš Korkut</strong>, rettete während der deutschen Besatzung die jüdische <em>Haggada</em>, ein heiliges Gebetsbuch, indem er sie zwischen den Exemplaren des Korans in einer Moschee versteckte – damit die Soldaten sie nicht fanden und vernichteten. Ebenso bewegend ist die Geschichte des muslimischen Ehepaares <strong>Mustafa und Zejneba Hardaga</strong>, die ihr eigenes Leben riskierten, um ihre jüdischen Nachbarn <strong>Josef und Rifka Kabiljo</strong> vor der Gestapo zu schützen. Zejneba Hardaga verbarg unter ihrem Schleier den Davidstern ihrer Freundin Rifka – ein stilles, aber unübersehbares Zeichen von Menschlichkeit, Mut und Geschwisterlichkeit. Und&nbsp;die Geschichte ging weiter: Als Jahrzehnte später in Bosnien der Krieg ausbrach, waren es die Nachkommen der Familie Kabiljo, die Zejneba Hardaga und ihre Familie nach Israel holten und ihr das Leben retteten.</p>
<p>Diese Geschichten zeigen: Unsere religiösen Wurzeln sind tief miteinander verbunden durch gemeinsame Werte – <strong>Mut, Mitgefühl, Solidarität und die Verpflichtung, Unrecht zu verhindern.</strong></p>
<p>Juden und Muslime in Europa brauchen einander. Historisch waren sie auf gegenseitige Hilfe angewiesen: Bosnien, Albanien und die Türkei boten jüdischen Vertriebenen Schutz und Heimat. Und in den Kriegsjahren in Bosnien leisteten jüdische Gemeinden humanitäre Hilfe für muslimische Familien.</p>
<p>Das ist das wahre Gesicht unserer Religionen: nicht Spaltung und politische Instrumentalisierung, sondern gelebte Menschlichkeit.</p>
<p>Wir Muslime teilen ein ähnliches Schicksal in Europa: Wir erleben Feindschaft, Ausgrenzung und Diskriminierung durch destruktive Kräfte. Es liegt daher im <strong>gemeinsamen Interesse von Juden und Muslimen</strong>, sich gegenseitig zu unterstützen.</p>
<p>Und deshalb sage ich heute: In einer Zeit, in der manche Jüdinnen und Juden sich wieder fürchten, eine Kippa zu tragen oder den Davidstern zu zeigen, sind Menschen wie <strong>Derviš Korkut</strong> und <strong>Zejneba Hardaga</strong> für uns Muslime Vorbilder. Sie&nbsp;stehen in einer Linie mit unseren Vorfahren – mit den Muslimen des Osmanischen Reiches und mit dem Propheten Muhammad, der die Juden seiner Zeit anerkannte und ihnen Schutz gewährte.</p>
<p>Das sogenannte <strong>„Abkommen von Medina“</strong> des <strong> </strong>Propheten Muhammad aus dem Jahr 622 n.&nbsp;Chr. und die <strong>„Resolution von Sarajevo“</strong> aus dem Jahr 1941 sind – in ihrem jeweiligen historischen Kontext – Zeugnisse gelebten Schutzes, des Einsatzes für Religionsfreiheit und gegenseitiger Verantwortung. Vor dem Hintergrund dieser Traditionen und angesichts der stockenden Dialoge heute erlaube ich mir, eine neue Initiative anzustoßen: eine <strong>gemeinsame Resolution oder ein Abkommen</strong>, in dem sich Jüdinnen und Juden sowie Musliminnen und Muslime in Deutschland gegenseitig verpflichten, einander in ihren Rechten und in ihrem Leben zu schützen, jeden Ausdruck von Judenhass und Islamhass entschieden zu bekämpfen, und jeden Angriff auf die eine Gemeinschaft als Angriff auf die andere zu verstehen</p>
<p>Wir sollten gemeinsam für gegenseitige Wertschätzung eintreten – für Vertrauen, Versöhnung und Zusammenarbeit.</p>
<p>Dieses Abkommen könnte den Namen. <strong>„Münchner Abkommen für jüdisch-muslimische Zusammenarbeit“</strong> tragen – ein Symbol der Verantwortung und der Hoffnung, die von dieser Stadt ausgeht.</p>
<p><strong>Für uns Muslime gilt:</strong> Judenhass ist ein absolutes <strong>No-Go</strong>. Kippa, Davidstern, Tora oder Synagoge – sie sind für uns ebenso <strong>heilig und schützenswert</strong> wie das Kopftuch, der Koran und die Moschee.</p>
<p>Kein jüdisches und kein muslimisches Leben darf in unserem Land jemals wieder in Frage gestellt werden.<strong> Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus</strong> müssen gleichermaßen entschieden abgelehnt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>Freiheit und Würde ruhen auf einem Fundament, das gleichermaßen zur <strong>Philosophie</strong> der Thomas-Dehler-Stiftung, zur <strong>Essenz</strong> der Demokratie und zur <strong>DNA</strong> des Islam gehört. In einer Zeit, in der Menschen sich gegenseitig zu Herren über andere machten, trat der Prophet des Islam mit einem revolutionären Ruf auf:</p>
<p>وَلَا يَتَّخِذَ بَعْضُنَا بَعْضًا أَرْبَابًا مِّن دُونِ اللَّهِ</p>
<p><strong>„O ihr Juden und Christen…</strong></p>
<p><strong>lasst uns einander nicht zu Herren neben Gott machen.“</strong> (Koran,&nbsp;3:64)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>وَمَا أَدْرَاكَ مَا الْعَقَبَةُ فَكُّ رَقَبَةٍ</p>
<p>„Was lässt dich wissen, was „der steile Weg“ ist?</p>
<p>Es ist die Befreiung aus jeglicher Knechtschaft.“ (Koran,&nbsp;90:12–13)</p>
<p>Der Islam kam, um den Menschen von seinen Ketten zu befreien – von geistiger, sozialer und politischer Unterdrückung. Mit&nbsp;dieser befreienden Botschaft steht der Islam in einer Linie mit der universellen Sehnsucht nach Freiheit, die allen großen ethischen und demokratischen Traditionen innewohnt.</p>
<p>Der zweite Kalif, <strong>ʿUmar </strong>brachte diese Philosophie des Korans in einem Satz auf den Punkt: „Wie könnt ihr Menschen zu Sklaven machen, wo doch ihre Mütter sie frei geboren haben?“ Jahrhunderte später fasste <strong>Jean-Jacques Rousseau</strong> denselben Gedanken in die Worte: „Der Mensch ist frei geboren, und doch liegt er überall in Ketten.“</p>
<p>Auch im 21. Jahrhundert – auch in einer Demokratie – liegt der Mensch nicht selten in unsichtbaren Ketten: <strong>Ketten der Angst, der Erwartung, der Anpassung. </strong>Diese Ketten sind nicht aus Eisen – aber sie fesseln die Seele. Sie rauben dem Menschen den Mut, authentisch zu sein, Verantwortung zu übernehmen, aufrecht und frei zu leben.</p>
<p>Ich persönlich spüre es, wenn ich nicht in das vorgegebene Schema passe, wenn ich anders denke – werde ich schnell verdächtigt oder gar diffamiert, <strong>als „Antisemit“ oder „Islamist“ abgestempelt. </strong>Und ich bin nicht der Einzige, der diese Erfahrung macht. Mir&nbsp;wurden oft Steine in den Weg gelegt, Hetze und Verleumdungen verbreitet, um meine Stimme zu schwächen und Anerkennung zu verhindern. <strong>Manchmal frage ich mich, in welche Richtung sich unser Land entwickelt. </strong>Sind wir auf dem Weg, die Freiheit und Würde des Einzelnen zu schützen, oder riskieren wir, dass Angst, Verdächtigungen und Vorurteile unsere Gesellschaft lähmen?</p>
<p><strong>Die Demokratie lebt von Kontroversen; ich bin jederzeit bereit für eine sachliche Diskussion. Verleumdungen und Unterstellungen jedoch sind völlig inakzeptabel.</strong> Und die Würde des Menschen – so sagt unser Grundgesetz – <strong>ist unantastbar.</strong> Für diese Würde haben unsere Vorfahren ihr Leben gegeben, damit ihre Kinder in Freiheit leben können. Diese&nbsp;Würde ist die Grundlage jeder Freiheit. In dieser Freiheit liegt unsere Größe – aber auch unsere Prüfung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>Deutschland hat mein Leben und meine Denkweise nachhaltig geprägt. Ich bin dankbar für dieses Land, für seine Menschen und für die Unterstützung, die mir bei meinem Wirken zuteilwurde. Wenn&nbsp;wir in <strong>Penzberg und darüberhinaus</strong> etwas erreicht haben, dann verdanken wir das der <strong>Freiheit</strong> – der Freiheit, Themen selbst zu wählen, der Freiheit, unsere Arbeit eigenständig zu gestalten, der Freiheit, zu denken – ohne Angst, von Dogmatikern als Abtrünnige abgestempelt zu werden.</p>
<p>Freiheit bedeutet für mich, die Kraft der Vernunft kreativ, mutig und verantwortungsvoll zu nutzen. Ich habe den Glauben stets von Ideologien und fremden Interessen befreit.  Ich habe mich geweigert, den Islam für politische Zwecke zu instrumentalisieren.  Meine theologischen Überlegungen sind <strong>frei von Dogmen – kritisch, reflektiert, eigenständig.</strong> Wer&nbsp;meine Werke liest, mir begegnet und unsere Gemeinde besucht,  kann mich und mein Wirken gut einordnen. Diejenigen jedoch, die sich nicht die Mühe machen, sich ein objektives Bild von mir und unserer Gemeinde zu verschaffen, <strong>konstruieren Geschichten über Dritte und versuchen, mich in ideologische Ecken zu drängen, in die ich nicht gehöre.</strong></p>
<p>Doch ich stehe hier – unbeirrt, klar in meinen Überzeugungen und unerschütterlich im Dienst des Landes, des Friedens und der Vernunft.</p>
<p>In meinem Wirken habe ich meine theologischen Überzeugungen nicht nur vermittelt –  ich habe versucht, sie zu leben. <strong>Wer sehen möchte, wie Überzeugung praktisch gelebt wird, </strong> <strong>ist in unserer Moschee in Penzberg jederzeit herzlich willkommen.</strong></p>
<p>Wenn wir als Imame von der ersten Moschee des Propheten berichten – einem Ort, an dem Männer und Frauen <strong>im selben Raum</strong> beteten, <strong>ohne Vorhänge, ohne Barrieren, </strong>in einem Geist des Vertrauens, der Würde und der Spiritualität – und dann sehen, dass 1.400 Jahre später, hier in Deutschland, mancherorts Mauern zwischen ihnen errichtet werden, und das sogar mit Zustimmung mancher Theologen, dann müssen wir ehrlich sagen: <strong>Das ist ein Islam, der nicht nur diesem Land fremd ist, sondern auch sich selbst.</strong> Um&nbsp;dieser Entfremdung entgegenzuwirken, haben wir Maßnahmen ergriffen, die Diskriminierung von Frauen in der Moschee zu beenden. Ich bin besonders stolz darauf, dass heute <strong>Frauen an der Spitze unseres Vorstandes stehen</strong>. Ich wollte zeigen: <strong>Tradition und Innovation sind keine Gegensätze –</strong> <strong>sie sind zwei Flügel derselben Wahrheit.</strong></p>
<p>Ein Islam, der aus seiner Quelle verstanden wird, bedeutet nicht Stillstand, sondern <strong>Bewegung</strong> – nicht Rückzug, sondern <strong>Begegnung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>ich begann meine Arbeit in Deutschland in einer Zeit, in der die meisten Moscheen ethnisch geprägt waren – in einer Zeit, in der strukturelle Ausgrenzung, bewusst oder unbewusst, alltäglich war. Ich&nbsp;habe&nbsp;die Unterschiede von Nationalitäten, Sprachen und Glaubensrichtungen immer als <strong>Bereicherung</strong> empfunden – nicht als Problem, das man verwalten muss, sondern als Geschenk, das man <strong>würdigen</strong> darf. In unserer Gemeinde hat jeder seinen Platz – unabhängig von Herkunft, Denkweise oder Geschlecht.</p>
<p>Wir haben ein neues Rezept entwickelt: <strong>Spiritualität und menschliche Werte stehen über unserer Vielfalt. </strong>Alle Unterschiede verschmelzen in diesen Werten, denn der Mensch selbst ist das verbindende Medium. Menschen verschiedenster Herkunft tragen Verantwortung, gestalten, führen – so, wie es dem Geist des Islam entspricht.</p>
<p>Was uns eint, ist dieses Land <strong>– Deutschland –</strong> <strong>seine demokratischen Werte, sein Grundgesetz</strong> und unsere gemeinsame Zukunft im Hier und Jetzt. Darüber hinaus gilt: <strong>Die Sprache des Landes kann auch die Sprache des Glaubens sein.</strong> Unsere&nbsp;Predigten und Vorträge finden auf Deutsch statt. Auch unser islamischer Religionsunterricht wird auf Deutsch gehalten – mit Lehrerinnen und Lehrern, die hier sozialisiert sind, mit deutschen Lehrmaterialien und mit Werten, die Integration bei Kindern und Jugendlichen fördern. Und&nbsp;wissen&nbsp;Sie, was wir unseren Kindern beibringen? <strong>Menschen zu lieben, Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen zu schätzen und keinen Hass gegen andere in ihren Herzen zu tragen. </strong>Und das tun wir seit 30 Jahren – ohne einen Cent staatlicher Unterstützung.</p>
<p><strong>Sprache, Offenheit und Lernbereitschaft sind die Schlüssel des Dialogs.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>von Beginn an war mir der interreligiöse Dialog ein zentrales Anliegen. Wir haben Bischöfe, Rabbiner, Priester, Imame, Wissenschaftler, Staatsmänner, Diplomaten, Künstler und Sportler empfangen – und ihnen allen einen Platz in unserer Moschee gegeben.</p>
<p>Vor drei Wochen hielt der <strong>Regionalbischof Prieto Peral</strong> nach dem Freitagsgebet eine Rede in unserer Moschee – ein Zeichen, das früher undenkbar schien, heute aber selbstverständlich sein sollte. Und&nbsp;heute, am selben Tag, an dem im Vatikan eine Gedenkfeier zur Verabschiedung der Konzilserklärung <em><strong>Nostra aetate</strong></em> vor genau 60 Jahren stattfand, waren auch die Muftis von Kroatien und Slowenien anwesend. Der Papst betonte: „Vor 60 Jahren wurde ein Samenkorn der Hoffnung für den Dialog gesät, das heute Früchte der Verständigung, Freundschaft und Zusammenarbeit trägt.“</p>
<p><strong>Penzberg ist zu einem Modell des gelebten Miteinanders geworden – ganz im Geist von <em>Nostra aetate</em> –</strong> ein Ort, an dem Menschen auf Augenhöhe leben, lernen, feiern und glauben. <strong>Dieses Bild des wachsenden Baums der Verständigung zeigt eindrucksvoll, dass der interreligiöse Dialog lebendig, wirksam und heute wichtiger denn je ist.</strong></p>
<p>Ich habe nie gezögert, auch zu gesellschaftlichen und politischen Themen klar Stellung zu beziehen – ob gegen Gewalt, Terror oder Krieg.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>ich habe jede Form von Extremismus scharf verurteilt und immer wieder Religionsvertreter dazu aufgerufen, eine gemeinsame moralische Haltung einzunehmen. Nach dem Überfall der Hamas am 7.&nbsp;Oktober habe ich diese Tat klar verurteilt. <strong>Das war meine moralische Pflicht.</strong></p>
<p>Was hätten Sie anderes von mir erwartet?  Schweigen, während unschuldige Menschen getötet und verschleppt werden?  Schweigen wäre Verrat an der Menschlichkeit gewesen.</p>
<p>Gleichzeitig habe ich das Vorgehen der israelischen Regierung kritisiert<strong>. Viele Menschen weltweit teilen diese Einschätzung. </strong>Was hätte ich sonst tun sollen – <strong>schweigen, während tausende unschuldige Menschen, darunter viele Kinder, sterben oder unter Hunger leiden?</strong></p>
<p>Ich möchte nicht in die Geschichte eingehen, indem ich angesichts von Verbrechen gegen die Menschlichkeit schweige. Ich hätte mir gewünscht, dass auch <strong>manche Religionsgemeinschaften den Mut finden, auch das Leid der Menschen in Gaza ansprechen und das Vorgehen der Regierung offen zu verurteilen. </strong>Denn nur, wenn wir <strong>den Schmerz des anderen anerkennen, kann Frieden beginnen.</strong></p>
<p>Wer nur mit einem Auge sieht und das Leid der anderen Seite ignoriert, wird niemals echten Frieden oder dauerhafte Gerechtigkeit schaffen – er nährt nur weiteren Konflikt.</p>
<p>Ich habe niemals die Existenz Israels infrage gestellt – ich habe ausschließlich das Handeln der jeweiligen Regierung kritisiert. Mich als <strong>„Israelhasser“ zu diffamieren,</strong> dient nicht der sachlichen Auseinandersetzung, sondern der Diskreditierung eines religiösen Autorität und Dialogpartners. Wer mich kennt, weiß: <strong>Hass ist mir fremd.</strong> In meinem Herzen gibt es keinen Platz für Hass. Was ich verabscheue, sind <strong>Taten</strong> – Hetze gegen Juden, Gewalt, Terror, Krieg und Menschenverachtung – ebenso wie <strong>Besatzung und die Demütigung des palästinensischen Volkes</strong>.</p>
<p><strong>Nicht Menschen, nicht Länder, sondern das, was Unrecht und Leid bringt.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>nach dem 7. Oktober habe ich im Namen der Muslime ein <strong>Friedensgebet</strong> initiiert.</p>
<p>Trotz Absagen anderer habe ich den <strong>Dialog in den letzten zwei Jahren nie abgebrochen</strong> – im Gegenteil, ich habe ihn bewusst fortgesetzt. Ich&nbsp;habe religiöse <strong>Würdenträger aufgerufen</strong>, gemeinsam unsere Stimme für den Frieden zu erheben.</p>
<p>Ich habe mich für die <strong>Freilassung aller Geiseln eingesetzt – ebenso für eine gerechte Lösung des Konflikts und die Umsetzung einer Zwei-Staaten-Lösung.</strong></p>
<p>Mitten im Krieg habe ich <strong>Synagogen besucht</strong> und das Gespräch mit Oberrabbinern gesucht – um Brücken zu bauen, nicht Mauern zu errichten.</p>
<p>Ich habe die <strong>Europäische Rabbinerkonferenz</strong> in München besucht.</p>
<p>Ich habe das Festival <em><strong>ausARTen</strong></em><strong> im Münchner Forum für Islam unterstützt, </strong> das in enger Zusammenarbeit mit Jüdinnen und Juden stattfindet.</p>
<p>Ich habe den jüdischen Stadtrat Marian Offman bei seiner Initiative zur <em><strong>Charta für Völkerverständigung, gegen Antisemitismus und gegen Islamfeindlichkeit</strong></em> unterstützt. Für das herausragende Engagement von <strong>Marian Offman</strong> und der <strong>Bürgermeisterin Verena Dietl</strong> möchte ich mich an dieser Stelle ganz besonders herzlich bedanken. Am&nbsp;23.&nbsp;November werden wir gemeinsam diese Charta vorstellen und diskutieren – zusammen mit Rabbinern und anderen Religionsvertretern.</p>
<p>Und heute bringe ich eine neue Initiative auf den Weg – für ein <strong>„Münchner Abkommen für jüdisch-muslimische Zusammenarbeit“</strong>, wie ich es zu Beginn meiner Rede angekündigt habe.</p>
<p>Schon vor dem 7. Oktober habe ich in meinen Publikationen – unter anderem in meinem Buch <em>„Wie verstehen Sie den Koran, Herr Imam?“</em> – die Genozide an Juden in der Shoah, den Genozid von Srebrenica und alle Verbrechen gegen die Menschlichkeit verabscheut.</p>
<p>Wer all diese Bemühungen ignoriert, zeigt sein wahres Gesicht.<br />
Diese Hetze und Verleumdungen, die ich und viele Muslime erleben, <strong>sind Ausdruck eines tief sitzenden antimuslimischen Rassismus.</strong></p>
<p>Wer mich – und mit mir viele friedliebende Muslime – in eine antisemitische Ecke drängen will, verdreht Tatsachen und Geschichte. Damit wird die öffentliche Debatte in eine völlig falsche Richtung gelenkt. <strong>Dem werden wir mit aller Deutlichkeit entgegentreten – </strong> <strong>denn das ist für uns inakzeptabel.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p><strong>meine Hand ist jedem ausgestreckt, der sich für Gerechtigkeit, Frieden und Dialog auf Augenhöhe einsetzt – </strong>gleich welcher Religion oder Herkunft.</p>
<p>Ich achte auf meine Sprache – denn Worte können heilen oder verletzen. <strong>Selbst gegenüber jenen, die uns hassen, dulde ich keinen Hass, keine Hetze, keine Feindschaft.</strong></p>
<p>Der Koran sagt in Sure&nbsp;41, Vers&nbsp;34: <strong><em>&#8222;Wehre das Böse mit dem Guten ab –</em></strong><em> denn wer das tut, wird den, der ihm feind war, wie einen innigen Freund finden.&#8220;</em></p>
<p>Das ist kein diplomatischer Satz – das ist ein göttliches Gebot der Menschlichkeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Meine Damen und Herren,</strong></p>
<p>Thomas Dehler kämpfte nach der Nazi-Diktatur in einer Zeit, in der die deutsche Demokratie jung, verletzlich und gefährdet war. Er setzte sich ein für Rechtsstaatlichkeit, Mut zur Freiheit und gegen Ausgrenzung – ob politisch oder religiös.</p>
<p>Heute stehen wir wieder an einer Wegscheide. Die Extreme wachsen – links wie rechts. <strong>Zwischen Angst und Wut droht die Mitte zu erlahmen.</strong> Doch Friede, meine Damen und Herren, lebt nicht vom Schweigen und von Vorurteilen, sondern vom Gespräch und vom Respekt.</p>
<p>Dialog ist kein Luxus – Dialog ist Überlebensbedingung. Er ist das Werkzeug der Vernunft, die Waffe des Friedens, die Sprache der Menschlichkeit.</p>
<p>Dialog ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Zivilisation. <strong>Denn wer dem anderen zuhört, nimmt ihm nicht die Wahrheit – er gibt ihm Würde.</strong></p>
<p>Wir müssen wieder lernen, <strong>einander zu widersprechen, ohne einander zu verachten. </strong>Das ist wahre Demokratie. Das ist gelebte Religion.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zum Schluss, <strong>meine Damen und Herren:</strong></p>
<p>Europa braucht den Islam – und der Islam braucht Europa. Nicht, um sich gegenseitig zu vereinnahmen, sondern um voneinander zu lernen.</p>
<p><strong>Europa hat der Welt die Idee</strong> der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geschenkt, die Würde des Individuums, die Kraft der Vernunft.</p>
<p>Der Islam hat der Welt die Idee der <em>Vielfalt in Einheit</em> geschenkt, die Verantwortung des Menschen, Gutes zu tun, die Liebe zur Gerechtigkeit. Wenn diese beiden Ströme sich begegnen – die Vernunft Europas und die Spiritualität des Islam – entsteht ein Licht, das weit über unsere Grenzen hinausleuchtet. Ein&nbsp;Licht, das sagt: Wir können verschieden glauben und dennoch gemeinsam handeln. Wir können unterschiedliche Wege gehen und doch dasselbe Ziel haben: die Würde des Menschen zu bewahren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Was bedeutet Integration?</strong></p>
<p>Integration ist kein Akt der Anpassung, sondern der Begegnung. Es geht nicht darum, dass der eine verschwindet und der andere bleibt. <strong>Es&nbsp;geht darum, dass beide sich verwandeln – durch das, was sie voneinander lernen.</strong></p>
<p>Muslime sollen in diesem Land nicht nur Gäste sein, sondern Gastgeber – <strong>Gastgeber des Friedens, Gastgeber der Verantwortung.</strong></p>
<p>Wir haben die Pflicht, nicht Opfer der Geschichte zu bleiben, sondern Gestalter der Zukunft zu werden. Und wir haben die Chance, aus der Religion keine Grenze, sondern einen Kompass zu machen.</p>
<p>Ich stehe heute hier als Sohn einer in Nord-Mazedonien geborenen türkisch-albanischen Familie – geprägt vom Glauben, verwurzelt in Europa, lebend in Deutschland. Ich&nbsp;danke meiner Familie, meiner Frau, meinen Kindern, meiner Gemeinde und meinen Freunden. Ich danke allen, die geglaubt haben, dass Verständigung möglich ist – auch wenn der Wind manchmal von vorne kam.</p>
<p>Dieser Preis erinnert mich daran, dass Freiheit und Glaube nicht selbstverständlich sind, sondern tägliche Entscheidungen.</p>
<p>Am Ende, <strong>meine Damen und Herren,</strong> zählt nicht, wie laut unsere Stimmen waren, sondern ob wir geschwiegen haben, wenn Menschenrechte verletzt wurden.</p>
<p>Am Ende zählt nicht, wie groß unsere Taten waren, sondern wie tief sie berührt haben. Ich nehme diesen Preis nicht als Abschluss, sondern als Auftrag. Er&nbsp;erinnert mich daran, dass der Weg des Dialogs, der Vernunft und des gegenseitigen Respekts nicht immer der einfachste, aber immer der richtige Weg ist.</p>
<p>Möge dieser Preis uns gemeinsam daran erinnern, dass Dialog kein Ziel ist, sondern ein fortwährender Weg – ein Weg, den wir miteinander weitergehen sollten.</p>
<p>Lasst uns gemeinsam wirken, damit Freiheit keine Angst bedeutet, Religion nicht spaltet und Menschlichkeit nie verloren geht. Denn am Ende werden wir nicht gefragt, welche Meinung wir vertreten haben, sondern wie sehr wir geachtet, geholfen und verstanden haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vielen Dank.</strong></p></div>
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		<title>Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/kanzelrede-mit-imam-benjamin-idriz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Nov 2024 20:32:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz in der Erlöserkirche München am 03. November 2024.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/kanzelrede-mit-imam-benjamin-idriz/">Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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					<h2 class="entry-title">Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>KANZELREDE MIT IMAM BENJAMIN&nbsp;IDRIZ<br />
Erlöserkirche München, 03.&nbsp;November&nbsp;2024</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_8  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.<br />
Lob sei Gott, dem Herrn der Welten.<br />
Möge sein Segen auf allen seinen Gesandten liegen,<br />
und Frieden komme zu allen Menschen.</p>
<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p>
<p>es erfüllt mich mit Freude und Ehre, heute in dieser ehrwürdigen Kirche zu Ihnen zu sprechen. Jeden Freitag nehme ich in meiner Moschee die Kanzel ein, um Gedanken zu teilen: eine Lehre, eine Mahnung, einen Rat oder eine tröstende Botschaft. Heute fühle ich mich hier ebenso zu Hause wie dort, denn ein Ort des Gebets bleibt ein Ort der Andacht – ob Moschee, Kirche, Kloster oder Synagoge. Alle Gotteshäuser eint der Zweck, Gott zu preisen. Diese Verbundenheit wird im Koran besonders deutlich, wo im 22. Kapitel, Vers 40, Gotteshäuser in einer Reihe aufgezählt werden, wie die Perlen eines Rosenkranzes.</p>
<p>Für diese Gelegenheit möchte ich Herrn Udo Hahn, dem Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, und Frau Birgitte Grande, der Vorsitzenden des Freundeskreises der Akademie, von Herzen danken. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, meine Gedanken zum Thema „Wie wollen wir zusammenleben? – Eine muslimische Perspektive“ mit Ihnen zu teilen. </p>
<p>Unsere Gesellschaft in Deutschland ist heute in einem Maße vielfältig und komplex, wie es wohl kaum eine frühere Generation erlebt hat. Diese Vielfalt – durch kulturelle und religiöse Unterschiede geprägt – ist eine große Stärke, die uns als Gesellschaft bereichert, unseren Horizont erweitert und unser Leben vielfältiger und bunter macht. </p>
<p>Doch dieser Reichtum bringt auch Herausforderungen mit sich. Wir alle tragen die Verantwortung, diese Vielfalt zu gestalten und die Chancen zu nutzen, die sie uns bietet. Dafür braucht es Mut, den Mut, aufeinander zuzugehen, voneinander zu lernen, Respekt füreinander zu entwickeln und die Gemeinsamkeiten zu erkennen, die uns trotz aller Unterschiede verbinden.</p>
<p>Die heutige Veranstaltung ist ein wertvolles Beispiel dafür: Sie öffnet uns die Augen und das Herz für die Bedeutung dieser Begegnung. Indem wir einander kennenlernen und einander zuhören, bauen wir Vertrauen auf, überwinden Vorurteile und beseitigen Hindernisse, die uns trennen.</p>
<p>Und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, Sie herzlich auch in unsere Moschee einzuladen. Jeder von Ihnen ist dort willkommen, und es wäre mir eine große Ehre, Sie als meine Gäste begrüßen zu dürfen. Selbstverständlich steht die Einladung auch christlichen Geistlichen offen, die über das gemeinsame Zusammenleben aus christlicher Sicht sprechen möchten. </p>
<p>Diese Einladung habe ich mit großer Dankbarkeit angenommen, denn das Thema, das uns heute hier zusammenführt, liegt mir besonders am Herzen – es ist ein Thema, das unsere Zukunft maßgeblich prägen wird. </p>
<p>Wenn Muslime mich fragen, warum Christen einen Imam einladen, von ihrer Kanzel aus zu sprechen, dann ist meine Antwort einfach: Weil Christen und ihre Geistlichen Menschen sind, die uns nahe stehen, wie es der Koran in Sure 5, Vers 82 beschreibt: </p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_9  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَلَتَجِدَنَّ أَقْرَبَهُمْ مَّوَدَّةً لِّلَّذِينَ آمَنُواْ الَّذِينَ قَالُواْ إِنَّا نَصَارَى ذَلِكَ بِأَنَّ مِنْهُمْ قِسِّيسِينَ وَرُهْبَانًا وَأَنَّهُمْ لاَ يَسْتَكْبِرُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_10  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Und du wirst sicher finden, dass diejenigen, die den Muslimen am nächsten stehen, diejenigen sind, die sagen: &#8218;Wir sind Christen.&#8216; Das ist so, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie sich nicht hochmütig verhalten.“</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_11  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Diese Anerkennung und das Lob des Korans gegenüber den Christen und ihren Geistlichen beschränkt sich nicht nur auf diesen Vers. Der Koran geht weiter und beschreibt die Eigenschaften der Christen im Vers 27 der Sure 57 wie folgt:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_12  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَقَفَّيْنَا بِعِيسَى ابْنِ مَرْيَمَ وَآتَيْنَاهُ الإِنجِيلَ وَجَعَلْنَا فِي قُلُوبِ الَّذِينَ اتَّبَعُوهُ رَأْفَةً وَرَحْمَةً</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_13  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Dann ließen wir in Spuren (Abraham) unsere Gesandten folgen und ließen Jesus, den Sohn Marias, folgen und gaben ihm das Evangelium und pflanzten in die Herzen derer, die ihm folgten, Milde und Barmherzigkeit.“ (57:27)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_14  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Diese Eigenschaften – Bescheidenheit, Milde und Barmherzigkeit – werden im Koran als Merkmale der Anhänger des Evangeliums beschrieben. Gott pflanzte Milde und Barmherzigkeit in ihre Herzen, was sie zu Menschen macht, die von Mitgefühl geleitet sind und uns als Vorbilder für ein friedliches und verantwortungsbewusstes Miteinander dienen können. Diese göttliche Anerkennung lädt uns ein, die Brücke zu stärken, die unsere islamisch-christlichen Gemeinschaften verbindet.</p>
<p>Sie sollten wissen, dass wir Muslime in unserem Koran Verse zitieren, die voll des Lobes auf Jesus Christus, seine Mutter Maria und das Evangelium sind. Ich zitiere nur einen von vielen:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_15  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَقَفَّيْنَا عَلَى آثَارِهِم بِعِيسَى ابْنِ مَرْيَمَ مُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ التَّوْرَاةِ<br />
وَآتَيْنَاهُ الإِنجِيلَ فِيهِ هُدًى وَنُورٌ وَمُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ التَّوْرَاةِ وَهُدًى وَمَوْعِظَةً لِّلْمُتَّقِينَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_16  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»In ihren Spuren ließen wir Jesus folgen, Marias Sohn; er bestätigte, was vor ihm von der Thora bestand. Ihm gaben wir das Evangelium. Darin&nbsp;ist Rechtleitung und Licht, und ist Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesbewussten. « (5:46)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_17  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Diese Tradition zu pflegen, indem wir solche Verse nicht nur in unseren Gebeten und Predigten verlesen, sondern sie auch vorleben, sollte allen Muslimen Verpflichtung sein, und glücklicherweise gibt und gab es zu allen Zeiten überall Muslime, die danach leben. </p>
<p>Über das Judentum, die Thora, die jüdischen Geschwister und die Schnittmengen zwischen muslimischen und jüdischen Traditionen aus der islamischen Perspektive gibt es viele Lehren, die ich gerne einmal in einer Synagoge erklären würde, wenn ich dort eingeladen werde.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_4">
				
				
				
				
				<a href="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-2.jpg" class="et_pb_lightbox_image" title="Kanzelrede in der Erlöserkirche München, 03. November 2024"><span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="1440" height="1080" src="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-2.jpg" alt="Kanzelrede in der Erlöserkirche München, 03. November 2024" title="" srcset="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-2.jpg 1440w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-2-1280x960.jpg 1280w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-2-980x735.jpg 980w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-2-480x360.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1440px, 100vw" class="wp-image-28885" /></span></a>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>im Osten, in Ländern wie Syrien, Jordanien, dem Libanon, der Türkei, Ägypten und dem Heiligen Land, ist die islamisch-christliche Brüderlichkeit tief verwurzelt und im Alltag spürbar verankert. Gegenseitige Anerkennung und Solidarität sind dort zu einer lebendigen Tradition geworden, in der Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung Werte sind, die man teilt und pflegt.</p>
<p>In Europa hingegen hat der Zweite Weltkrieg, insbesondere der Völkermord an den europäischen Juden, tiefe Spuren hinterlassen. Die christlichen Kirchen müssen sich ihrer historischen Verantwortung stellen, angesichts der Gleichgültigkeit vieler gegenüber der Judenverfolgung und dem rassistischen Antisemitismus in Europa. </p>
<p>Diese Auseinandersetzung führte in Deutschland und Europa zu einem intensiven Dialog- und Annäherungsprozess zwischen Christen und Juden. Mit dem berechtigten Ziel, Hass und Vorurteile zu überwinden, entstand ein solides Fundament für das heutige christlich-jüdische Zusammenleben.</p>
<p>Somit existieren heute zwei starke Brücken: Im Osten verbindet die Tradition des Zusammenhalts Muslime und Christen, während im Westen der Dialog und die Solidarität, insbesondere zwischen Christen und Juden, gewachsen sind. Diese beiden Beziehungen zeigen uns, dass jede Gesellschaft ihre spezifischen Wege findet, das Miteinander zu gestalten. </p>
<p>So wie sich das westliche Europa nach den tragischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts entschlossen für ein respektvolles Verhältnis zwischen Christen und Juden eingesetzt hat, liegt es an uns, die bestehende Brücke zwischen Muslimen und Christen auch hier im Westen zu stärken und aus dem gemeinsamen Erbe eine kraftvolle Basis für eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.</p>
<p>Nach den jüdischen Pogromen im christlichen Spanien gewährten Muslime in Bosnien, Albanien und der Türkei den geflüchteten Juden Schutz. In Sarajevo wurde die Haggadah, ein berühmtes jüdisches Gebetbuch, während des verheerenden Krieges in den 90er Jahren von Muslimen bewahrt und beschützt. Auch standen die Juden während dieses Krieges an der Seite der Muslime, ebenso wie Christen in Gaza und im Libanon heute an der Seite der Muslime stehen und umgekehrt.</p>
<p>Diese unterschiedlichen Beziehungen und Erfahrungen – sei es jüdisch-christlich, christlich-muslimisch oder muslimisch-jüdisch – sind das Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Ereignisse und entstanden jeweils in einem spezifischen Kontext. Was jedoch über den Kontext von Zeit, Ort oder gesellschaftlichen Ereignissen hinausgeht, sind die Grundwerte und Prinzipien, die universell gelten sollten: </p>
<p>Wir sind Brüder und Schwestern in den Wurzeln des Glaubens, stehen auf der Seite der Opfer – unabhängig davon, wer sie sind – und lehnen jede Form der Unterdrückung ab, egal wer der Täter ist. Um über diesen Grundsatz Einigkeit zu erzielen, appelliert der Koran in der Sure Al-Imran, die nach der Familie Jesu benannt ist, an Juden, Christen und Muslime folgendermaßen:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_19  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>قُلْ يَا أَهْلَ الْكِتَابِ تَعَالَوْا إِلَى كَلِمَةٍ سَوَاء بَيْنَنَا وَبَيْنَكُمْ </p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_20  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Ihr Buchbesitzer! Kommt her zu einem Wort zwischen uns und  euch auf gleicher Basis, den wir und ihr gemeinsam haben«.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_21  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Dieser Grundsatz, den wir als Religionsgemeinschaften gemeinsam haben sollten, beinhaltet zwei Fundamente:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_22  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>أَلاَّ نَعْبُدَ إِلاَّ اللَّهَ وَلاَ نُشْرِكَ بِهِ شَيْئً<br />
وَلاَ يَتَّخِذَ بَعْضُنَا بَعْضًا أَرْبَابًا مِّن دُونِ اللَّهِ </p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_23  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>1. »Dass wir nichts anbeten sollen außer Gott, und<br />
2. dass wir uns nicht untereinander zu Herren nehmen sollen.« (3:64)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_24  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Dieser Vers ist eine kraftvolle Einladung zu einem respektvollen und konstruktiven Dialog. Er erinnert uns daran, dass wir als Menschen in unseren grundlegenden Werten und in unserer Würde verbunden sind. Keiner von uns besitzt Privilegien, die ihn über andere erheben, und niemand hat das Recht, andere zu unterdrücken oder sich über sie zu stellen. Diese Gleichheit vor Gott ist das Fundament einer gerechten Gesellschaft und fordert uns zu Bescheidenheit und Demut auf.</p>
<p>Alle Menschen sind, unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Herkunft, vor Gott gleich und in ihrer Würde unantastbar. Unser Wohlstand und unsere Sicherheit sind voneinander abhängig. In dieser Erkenntnis liegt die wahre Stärke einer Gemeinschaft – wenn Menschen in gegenseitigem Respekt und im Bewusstsein ihrer gemeinsamen Menschlichkeit zusammenstehen.</p>
<p>Dieser Vers lädt uns ein, eine Haltung der Offenheit einzunehmen und in einen Dialog zu treten, der auf Gleichwertigkeit und Respekt basiert. Eine solche Haltung ist der erste Schritt, um Vorurteile zu überwinden und den Frieden zu fördern, den wir für eine gerechte und solidarische Zukunft benötigen.</p>
<p>Überheblichkeit, Exklusivismus und Fanatismus führen zu Dunkelheit, Spaltung und Zerstörung. Solche Haltungen blockieren den Weg zur Verständigung und untergraben die Harmonie zwischen uns. Sie errichten Mauern, wo Brücken notwendig wären, und bringen Leid, wo Versöhnung möglich sein könnte.</p>
<p>Der liebe Gott möchte, dass wir Menschen mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen im Hinblick auf die Grundwerte wie Menschenwürde, Frieden und Gerechtigkeit in Einheit leben. Wir dürfen uns in dieser Kernlehre der Religionen nicht spalten und dividieren lassen. Es ist bemerkenswert, dass ein Koranvers, der vor 1450 Jahren offenbart wurde, bereits vor der Polarisierung gewarnt hat, die wir heute spüren. Ich zitiere:
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_25  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>شَرَعَ لَكُم مِّنَ الدِّينِ مَا وَصَّى بِهِ نُوحًا وَالَّذِي أَوْحَيْنَا إِلَيْكَ وَمَا وَصَّيْنَا بِهِ إِبْرَاهِيمَ وَمُوسَى وَعِيسَى<br />
أَنْ أَقِيمُوا الدِّينَ وَلا تَتَفَرَّقُوا فِيهِ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_26  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Gott hat euch von der Religion nur das verordnet, was Er Noah geboten hatte und was wir dir (o Muhammed) eingaben und was wir Abraham, Mose und Jesus geboten hatten: Haltet euch an die Religionsprinzipien, und spaltet euch ihretwegen nicht!“ (42:13)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_6">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="1440" height="736" src="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3.jpg" alt="Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz" title="" srcset="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3.jpg 1440w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3-1280x654.jpg 1280w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3-980x501.jpg 980w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3-480x245.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1440px, 100vw" class="wp-image-28897" /></span>
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				<a href="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3.jpg" class="et_pb_lightbox_image" title="Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz"><span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="1440" height="736" src="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3.jpg" alt="Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz" title="" srcset="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3.jpg 1440w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3-1280x654.jpg 1280w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3-980x501.jpg 980w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-3-480x245.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1440px, 100vw" class="wp-image-28897" /></span></a>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_27  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>in der heutigen Zeit, in der die Kluft zwischen Religionen durch politische weltweit besonders groß zu sein scheint, fordern uns unsere gemeinsamen göttlichen Lehren, unsere Vernunft und die Grundsätze unserer Demokratie dazu auf, diese vermeintlichen Trennungen zu überwinden. Der Dialog und das  Gespräch sind alternativlos. Ansonsten droht eine  Zukunft, die von Hass und Feindschaft geprägt ist. Solche Spaltungen und die Angst vor freier Meinungsäußerung schaffen Misstrauen, fördern Vorurteile und verhindern, dass wir als Gesellschaft gemeinsam wachsen.</p>
<p>Deshalb darf der Dialog niemals abgebrochen werden, auch wenn er manchmal unbequem oder herausfordernd sein mag. Es liegt in unserer Verantwortung, die nächste Generation vor den Fehlern der Vergangenheit zu bewahren und den Weg für ein friedliches Miteinander zu ebnen. Das Ziel sollte eine Gesellschaft sein, in der Menschen aller Glaubensrichtungen und Kulturen zusammenleben, in der sie voneinander lernen und gegenseitige Achtung entwickeln. </p>
<p>Lassen wir uns also nicht durch Ereignisse, die weit von uns entfernt sind, oder durch politische Machtansprüche beeinflussen, sondern bewahren und pflegen wir die zwischenmenschlichen Beziehungen hier, wo wir Tür an Tür leben. Indem wir im Alltag, in unserer Nachbarschaft, unsere Menschlichkeit und die Werte des gegenseitigen Respekts und der Solidarität pflegen, setzen wir ein starkes Zeichen des Friedens und der Verständigung. </p>
<p>In Krisensituationen ist es entscheidend, dass religiöse Führer und Vertreter ihrer Glaubensgemeinschaften besonnen und weise handeln. Sie sollten als Vorbilder für Frieden, Mitgefühl und Verständnis fungieren und sich an den Grundwerten ihrer Religionen orientieren, die unter anderem in den Zehn Geboten enthalten sind.  Diese Werte bieten eine ethische Grundlage, um konstruktiv auf Konflikte zu reagieren und den Dialog zu fördern. Indem sie ihren Einfluss nutzen, um Frieden, Gerechtigkeit und Eintracht zu fördern, können religiöse Führer helfen, Spannungen abzubauen und den Weg für eine harmonische Koexistenz zu ebnen.</p>
<p>Das stillschweigende Gutheißen von Gewalt, Terror, Krieg oder Vergeltung untergräbt die Glaubwürdigkeit religiöser Vertreter erheblich. Wenn sie Leid und Unrecht nicht offen verurteilen, verlieren ihre Worte über Frieden und Menschenrechte an Gewicht. Die moralische Integrität religiöser Führungspersönlichkeiten wird nicht nur an ihren Predigten gemessen, sondern daran, wie sie auf das Leid der Menschen reagieren. Ihre Verantwortung ist es, entschlossen für das Leben, die Würde jedes Menschen und den Frieden einzutreten – frei von politischen Einflüssen und unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen.</p>
<p>Nur wenn wir, die Vertreter der Religionen, uns konsequent für die Grundwerte unserer Religionen – Frieden, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit – einsetzen, können wir Vertrauen schaffen, Respekt gewinnen und Menschen dazu inspirieren, sich mit ihrer Religion verbunden zu fühlen. Viele Menschen wenden sich von den Religionen ab, weil sie beobachten, wie Religionen zunehmend für Machtzwecke instrumentalisiert werden. Wir können nur dann authentische Botschafter der Menschlichkeit sein, wenn wir kompromisslos für das eintreten, was das Heilige in uns anspricht und unseren Glauben ausmacht.</p>
<p>Jahwe, Gott, Allah – der eine und einzige Schöpfer, den wir in verschiedenen Sprachen und Traditionen anrufen – ist das Licht, das die Welt erhellt. Dieses göttliche Licht wurde uns nicht gegeben, um Feindschaft zu säen oder Spaltung zu schaffen, sondern um Einheit, Frieden und Orientierung zu schenken. Die Worte Gottes sollten niemals als Rechtfertigung für Gewalt, Krieg und Zerstörung missbraucht werden; vielmehr sind sie ein eindringlicher Aufruf, Kriege und Konflikte zu beenden, Brücken der Liebe und des Verständnisses zu bauen und uns aus der Dunkelheit der Intoleranz herauszuführen.</p>
<p>Unsere verschiedenen religiösen Lehren sind Leuchtfeuer, die uns den Weg zur Wahrheit und zum Guten weisen. Doch allzu oft neigen wir Menschen dazu, diese Botschaften zu verzerren und gegeneinander zu verwenden, anstatt ihr wahres Potenzial zu erkennen – nämlich ein Leben in Gerechtigkeit, Mitgefühl und Frieden zu fördern. Statt das Licht der Religion zu nutzen, um die Dunkelheit der Vorurteile zu vertreiben, wird es manchmal als Werkzeug der Spaltung und Intoleranz missbraucht.</p>
<p>Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns als Vertreter der Religionen fragen: Wann werden wir gemeinsam, entschlossen und unsere Stimme gegen den Krieg und das Leid unschuldiger Menschen erheben? Wann werden wir die Grundwerte unserer Religionen wieder in den Mittelpunkt stellen und gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben einstehen?</p>
<p>Ich werde nächste Woche einen Brief an Kardinal Marx, Landesbischof Kopp, die Präsidentin der IKG, Frau Knobloch, sowie an Oberrabbiner Goldschmidt, den Vorsitzenden der Europäischen Rabbinerkonferenz, senden. In diesem Schreiben rufe ich zu einer gemeinsamen Erklärung auf: ein eindeutiges Plädoyer</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_28  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><ul>
<li>für die Freilassung aller Geiseln,</li>
<li>für den Stopp des Krieges,</li>
<li>für die sofortige Bereitstellung humanitärer Hilfe,</li>
<li>für eine gerechte und nachhaltige Lösung des Konflikts im Heiligen Land,</li>
<li>für eine Zweistaatenlösung,</li>
<li>sowie zur gemeinsamen Bekämpfung von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit in Deutschland.</li>
</ul></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_29  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Eine vereinte Stimme aller Religionen gegen jede Form von Hass ist in der heutigen Zeit von entscheidender Bedeutung, um den Menschen in unserem Land Halt und Orientierung zu geben. Dass Millionen von Menschen von Armut und Hunger bedroht sind – mitten im weltweiten Wohlstand – ist inakzeptabel. Damit das Leid der betroffenen Menschen endet, müssen wir mehr tun. Ich weiß, dass wir damit nicht alle Probleme lösen können, aber genau diese Stimme ist es, die die Mehrheit der Menschen in unserem Land hören möchte.</p>
<p>In der jüdisch-muslimischen Erzählung wird berichtet, dass der König Nimrod den Propheten Abraham in einen Feuerofen werfen wollte, um ihn zu bestrafen. In der muslimischen Version dieser Geschichte ist eine metaphorische Erzählung entstanden, in der gesagt wird, dass eine Ameise einen Wassertropfen genommen hat und sich auf den Weg gemacht hat, um das Feuer zu löschen und Abraham zu retten. Als die Ameise dazu angesprochen wurde, ob sie tatsächlich glaube, mit nur einem Wassertropfen das riesige Feuer löschen zu können, antwortete sie: „Ich weiß, dass ich das Feuer nicht löschen kann, aber ich möchte allen zeigen, dass ich nicht tatenlos zugeschaut habe und mich bemüht habe, das Feuer zu löschen.“</p>
<p>Die unschuldigen Kinder Abrahams werden heute ermordet, und mächtige Menschen scheitern oft daran, den Mut einer Ameise zu zeigen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_8">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="1440" height="968" src="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-4.jpg" alt="Kanzelrede in der Erlöserkirche München" title="" srcset="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-4.jpg 1440w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-4-1280x860.jpg 1280w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-4-980x659.jpg 980w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2024/11/igp-Kanzelrede-Erloeserkirche-Muenchen-2024-4-480x323.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1440px, 100vw" class="wp-image-28905" /></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_9">
				
				
				
				
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			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_30  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>die wahre Kraft der Religion liegt in ihrer Fähigkeit, Herzen zu öffnen und Menschen miteinander zu verbinden. Diese Herzensöffnung beginnt mit einem schönen Wort. Der Koran lehrt uns, mit Weisheit und nur mit schönen Worten zu argumentieren und, falls es zu Diskussionen kommt, diese auf die bestmögliche Weise zu führen:
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_31  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>ادْعُ إِلَى سَبِيلِ رَبِّكَ بِالْحِكْمَةِ وَالْمَوْعِظَةِ الْحَسَنَةِ وَجَادِلْهُم بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_32  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Rufe auf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Predigt,  und streite mit ihnen auf gütigste Weise!“ (16:125)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_33  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Worte oder Parolen, die Juden, Christen, Andersgläubige oder Atheisten verletzen könnten, sind in jeglicher Form abzulehnen. Im Koran lehrt uns Gott durch das Beispiel von Moses und seinem Bruder Aaron eine tiefgründige Lektion in Respekt und Milde: Selbst als die beiden Gesandten zum Pharao geschickt wurden, der für große Verderbnis auf Erden verantwortlich war, empfahl Gott ihnen, mit „milden Worten“ zu sprechen.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_34  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>اذْهَبَا إِلَى فِرْعَوْنَ إِنَّهُ طَغَى<br />
فَقُولا لَهُ قَوْلا لَّيِّنًا لَّعَلَّهُ يَتَذَكَّرُ أَوْ يَخْشَى</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_35  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Geht hin, ihr beiden, zu Pharao: denn, wahrlich, er hat alle Grenzen der Gerechtigkeit überschritten! Aber sprecht auf milde Weise zu ihm, auf dass er sich besinnen möge« (20:44)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_36  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Diese Haltung des Respekts und der Milde – selbst gegenüber Andersdenkenden – ist ein grundlegendes Prinzip, das uns der Koran lehrt und das uns als Menschen und Gemeinschaft in der heutigen Zeit leiten sollte. Denn nicht Härte, Arroganz, Macht und Überheblichkeit gewinnen auf Dauer die Herzen, sondern das schöne Wort, Demut, Liebe und Menschlichkeit. Besonders heute brauchen wir eine Rhetorik, die verbindet und nicht trennt, eine Sprache, die alle Gesellschaftsgruppen gleichermaßen fördert und keine Gruppe ausgrenzt, sowie eine Ansprache, die auch Muslime, als marginalisierte Gruppe, lobt und anerkennt, anstatt immer wieder zu stigmatisieren. Es ist alarmierend, wie oft scharfe und spaltende Worte, die „die Anderen“ ausgrenzen oder abwerten, an Popularität gewinnen. Wir müssen uns fragen: Warum haben wir uns so sehr daran gewöhnt, mit Verachtung zu sprechen?</p>
<p>Es ist alarmierend, wie oft scharfe und spaltende Worte, die andere ausgrenzen oder abwerten, an Popularität gewinnen. Wir müssen uns fragen: Warum haben wir uns so sehr daran gewöhnt, mit Verachtung zu sprechen?</p>
<p>Das schöne Wort, das ist der Titel meines neuen Buches, das Anfang nächsten Jahres erscheinen wird. Bei der Recherche dazu bin ich auf eine Überlieferung gestoßen, die besagt, dass &#8218;Īsa ibn Maryam, Jesus, der Sohn Marias, eines Tages an einem Schwein vorbeiging und zu ihm sagte: »Gehe hin in Frieden!« Als man ihn fragte, warum er so höflich zu einem Schwein spreche, antwortete er: »Ich fürchte, dass meine Zunge sich an unhöfliche Worte gewöhnen könnte.« Diese Anekdote erinnert uns daran, dass die Art, wie wir sprechen, widerspiegelt, was wir im Herzen tragen.</p>
<p>Im selben Buch finden die Leser auch diese Überlieferung: Als einmal ein jüdischer Leichenzug durch die Straßen von Medina zog und der Prophet Muhammad, Friede sei auf ihm, aufstand, um dem Verstorbenen die Ehre zu erweisen, wurde er gefragt, warum er dies tue, obwohl der Verstorbene ein Jude war. Daraufhin antwortete der Prophet: »Ist es nicht eine Seele, die Respekt verdient? Ist er nicht ein Mensch, wie du und ich?!«</p>
<p>Diese beiden Beispiele von Jesus und Muhammad zeigen eindrücklich, wie sie die Menschen in die richtige Richtung lenken können. Die Sorge Jesu, dass seine Zunge sich an unhöfliche Worte gewöhnen könnte, erinnert uns an die Bedeutung einer respektvollen und achtsamen Sprache. Muhammads Handlung, einer jüdischen Seele Respekt zu erweisen, demonstriert, dass die Wertschätzung für das Leben und die Würde jedes Menschen unabhängig von seinem Glauben oder Hintergrund fundamental ist. </p>
<p>Besonders in unserer Zeit, in der wir aufeinander angewiesen sind, brauchen wir eine Sprache die Menschlichkeit widerspiegelt. Indem wir uns auf diesen Weg des Respekts und der Milde besinnen, schaffen wir eine Atmosphäre, die das Vertrauen stärkt. So öffnen wir die Türen zum Dialog und und ebnen den Weg für ein harmonisches Miteinander. Arroganz, Ausgrenzung und Verschlossenheit hingegen errichten Mauern und vertiefen die Spaltung zwischen uns.</p>
<p>Wenn wir über das Zusammenleben sprechen, sollten wir uns ehrlich fragen, wie wir miteinander reden und wie offen wir sind, einander wirklich zuzuhören. Vorurteile, Misstrauen und Ängste können nur dann überwunden werden, wenn wir uns ernsthaft bemühen, den anderen zu sehen und zu verstehen. Die Bereitschaft zu einem offenen Gespräch – ohne Vorurteile und ohne Unterstellungen – öffnet Türen und baut Brücken, die unsere Gesellschaft dringend brauchen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_37  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>ich glaube, dass wir uns alle bewusst sind, wie toxisch die Sprache und die Stimmung in unserer Gesellschaft und in der Welt sind. Wir sehen die gravierenden Folgen dieser negativen Stimmung: Der Antisemitismus hat derart zugenommen, dass sich manche jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht mehr sicher fühlen und ihre Kippa oder ihren Davidstern nicht ohne Angst tragen können. Als deutsche Muslime – oder Muslime in Deutschland – sprechen wir uns entschieden gegen Antisemitismus aus und dagegen aus, dass Konflikte aus anderen Regionen der Welt nach Deutschland getragen werden. Wir setzen uns für ein friedliches und respektvolles Miteinander hier ein, wo wir zuhause sind!</p>
<p>Ich appelliere an alle: Lasst uns nicht von den Wahnsinnstaten anderer, egal wo auf der Welt, beeinflussen – weder uns selbst noch den Islam. So wie wir das Christentum oder das Judentum nicht an den Taten Einzelner, Organisationen oder Regierungen messen, die Leid verursachen, muss es ebenso selbstverständlich sein, dass Extremisten, die den Islam missbrauchen, keineswegs für den Islam oder die Muslime stehen. </p>
<p>Wir müssen uns gegen die Gefahr der gesellschaftlichen Spaltung, gegen Extremismus aller Art, gegen Antisemitismus, -welcher zurecht gesellschaftlich geächtet ist-, gegen Islamfeindlichkeit, -welche dagegen oft salonfähig gemacht wird, und gegen antidemokratische Tendenzen verbünden. </p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_38  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>seit fast 30 Jahren bin ich als Imam in Deutschland tätig und halte regelmäßig Predigten. In diesen drei Jahrzehnten habe ich schätzungsweise 2500 Predigten und Vorträge gehalten, wobei stets ein zentrales Thema im Fokus stand: das friedliche Zusammenleben sowie gegenseitiger Respekt und Anerkennung. Dennoch habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich darüber nachdenke, ob sich unser Zustand heute im Vergleich zu vor dreißig Jahren verbessert hat. Als Fazit meiner Beobachtungen kann ich sagen: In den letzten 30 Jahren haben immer mehr Muslime eine stärkere Identifikation mit Deutschland entwickelt, während die deutsche Gesellschaft weiterhin Schwierigkeiten hat, sich mit ihren Muslimen zu identifizieren.</p>
<p>Es ist tatsächlich schwer zu verstehen, warum so viele Menschen negativ über den Islam und Muslime denken, obwohl die Grundwerte des Islam von Respekt, Freundschaft, guter Nachbarschaft, Gastfreundschaft und Menschlichkeit geprägt sind. Ein Grund für dieses Missverständnis liegt oft in der einseitigen Darstellung des Islam und der Muslime in den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung. Häufig werden extreme, negative Ereignisse betont, während die vielen positiven Beispiele und Beiträge von Muslimen zum Gemeinwohl kaum Beachtung finden.</p>
<p>Zudem sind viele Menschen nur oberflächlich oder gar nicht über die Lehren des Islam informiert und beziehen ihr Bild aus isolierten, aus dem Kontext gerissenen Zitaten oder extremistischen Darstellungen, die die wahre Botschaft und Werte des Islam nicht widerspiegeln. Fehlende Begegnungen und Dialogmöglichkeiten verstärken oft Vorurteile und sorgen dafür, dass falsche Bilder weiterbestehen.</p>
<p>Laut einer aktuellen Studie, die vor zehn Tagen veröffentlicht wurde, ist jede zweite Person muslimischen Glaubens in der EU im Alltag mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert – eine Zahl, die seit 2016 stark gestiegen ist. Muslimische Frauen, Männer und Kinder werden nicht nur wegen ihrer Religion zur Zielscheibe, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe, ihres ethnischen Hintergrunds oder weil sie Migrant*innen sind. Besonders betroffen sind junge Muslime, die in der EU geboren sind, sowie Frauen, die religiöse Kleidung tragen. Nahezu die Hälfte der muslimischen Personen (47 %) erlebt rassistische Diskriminierung; 2016 waren es noch 39 %. Unter den 13 untersuchten Ländern liegen Österreich (71 %) und Deutschland (68 %) an der Spitze. Diese Ergebnisse stammen aus dem jüngsten Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).</p>
<p>Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Frau Ataman, sagte dazu: „Die Muslimfeindlichkeit hat ein derart alarmierendes Ausmaß erreicht, dass wir reagieren müssen.“ Bis heute habe ich jedoch eine Stellungnahme des Kanzlers oder des Ministerpräsidenten Bayerns vermisst. Sind solche dramatischen antimuslimischen Entwicklungen in unserem Land kein Grund, öffentlich Stellung zu beziehen? Sind wir als muslimische Bürgerinnen und Bürger in diesem Land es nicht wert, dass die Politik ihre Stimme erhebt? Ein öffentliches und klares Bekenntnis seitens der Politik, die Rechte und das Wohlbefinden muslimischer Bürgerinnen und Bürger aktiv zu schützen, wäre ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung und für Solidarität.</p>
<p>Trotz der schlechten Stimmung, die uns Muslime traurig und nachdenklich macht, ermutigen die Imame die gläubigen Muslime, in jeder Freitagspredigt positiv zu denken, hoffnungsvoll zu bleiben und sich mit großem Engagement für dieses Land einzusetzen. Es ist entscheidend, dass wir nicht resignieren, sondern aktiv die Vielfalt fördern und Verantwortung als Teil der demokratischen Gesellschaft übernehmen. Für uns Muslime ist umso wichtiger, dass wir als Muslime weiterhin Brücken bauen und den wahren, respektvollen Geist des Islam durch Dialog, Bildung und unser tägliches Handeln vorleben. Nur so kann ein tiefes und differenziertes Verständnis für die Religion entstehen, das Vorurteile abbaut und Offenheit fördert.</p>
<p>Die Zukunft des Zusammenlebens in unserem Land hängt stark davon ab, wie wir als Gesellschaft auf diese Herausforderungen reagieren. Es wird entscheidend sein, wie wir Brücken bauen und nicht Mauern. Ebenso wird es darauf ankommen, wie die Politik, die jüdischen Gemeinden, die Kirchen, die Medien den Muslimen gegenüberstehen: ob sie sie als gleichberechtigte Menschen und Partner akzeptieren oder sie an den Rand drängen.</p>
<p>Der Mensch muss Respekt und Dialog erlernen. Eine Quelle von Feindseligkeiten, die gerade heute wieder traurige Aktualität gewonnen hat, muss die ganze Gesellschaft ablehnen: Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit; alle sind verbrecherische Haltungen und dürfen nicht toleriert werden.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_39  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>als Schlusswort möchte ich Folgendes sagen: Der Islam, mit seinen spirituellen und sozialen Werten, bereichert das Gemeinwohl in Deutschland und stärkt die Demokratie. Es liegt an der Politik, dies zu erkennen und die Hand zur Kooperation mit Muslimen auszustrecken. Leider mangelt es oft am nötigen Willen der höchsten politischen Repräsentanten, konstruktive muslimische Kräfte zu unterstützen. Dieses Gefühl der Ausgrenzung führt dazu, dass Muslime sich weiter zurückziehen und in Parallelwelten abdriften. Eine solche Entwicklung ist nicht nur für Muslime problematisch, sondern sie belastet auch die Politik und die Demokratie selbst. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass alle Religionen gleichermaßen respektiert und gefördert werden, um ein faires und friedliches Zusammenleben zu gewährleisten.</p>
<p>Darüber hinaus sollten wir das Potenzial der muslimischen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nicht unterschätzen, insbesondere in Hinblick auf ihre Rolle bei künftigen Wahlen.</p>
<p>Es gibt keinen Zweifel, dass das Zusammentreffen von Religionen in Deutschland eine der interessantesten konkurrierenden Ereignisse der Geschichte des Landes ist. Was hier wichtig ist, ist die Tatsache, dass Judentum, Christentum und Islam sowie unterschiedliche Weltanschauungen sich nun nicht mehr ignorieren können, sondern sich im Sinne von Selbstbetrachtung aufeinander stützen müssen. Vorurteile existieren auf allen Seiten und führen sehr leicht zu Missachtung und Fehlverhalten. Dies müssen wir alle gemeinsam überwinden. Unterschiedliche Auffassungen können kein Hindernis sein um gemeinsame Werte zu entwickeln: In Pluralität leben üben und in guten Sachen wetteifern, so der Koran:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_40  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>لِكُلٍّ جَعَلْنَا مِنكُمْ شِرْعَةً وَمِنْهَاجًا وَلَوْ شَاء اللَّهُ لَجَعَلَكُمْ أُمَّةً وَاحِدَةً وَلَكِن لِّيَبْلُوَكُمْ فِي مَا آتَاكُم<br />
 فَاسْتَبِقُوا الْخَيْرَاتِ إِلَى اللَّه مَرْجِعُكُمْ جَمِيعًا فَيُنَبِّئُكُم بِمَا كُنتُمْ فِيهِ تَخْتَلِفُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_41  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt. Und wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Gott werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins wart.« (5:48)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_42  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>So wie es in diesem Koranvers zum Ausdruck gebracht wird, sollten die Unterschiede eine Motivation sein, sich im Einsatz für das Gute zu messen. Wir können und müssen nicht die gleiche Meinung teilen; was wir jedoch können und müssen, ist, die eigenen Überzeugungen zu lieben und andere zu respektieren.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_43  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine Damen und Herren,</p>
<p>Materialismus, Wirtschaftskrise, Egoismus, Kriege, Verfall der religiösen und menschlichen Werte machen es allen Religionsgemeinschaften nicht gerade leicht, eine leitende Funktion in der Gesellschaft zu übernehmen. Trotzdem ist dies alles kein Grund zur Resignation. Durch Aktivierung des Guten, das bei jedem zu finden ist, und Motivierung des Einzelnen, sich für Recht und Gerechtigkeit und gegen Fremdfeindlichkeit einzusetzen, können die Religionen wieder eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft spielen.</p>
<p>Das Zusammenleben, wie ich es aus der Perspektive des Islam verstehe, beruht auf den Werten des Respekts, der Barmherzigkeit, der Verantwortung füreinander sowie der Bejahung des Grundgesetzes als gemeinsames Fundament für unser Miteinander. Der Glaube und das Mitgefühl dürfen nicht nur nach innen wirken, sondern müssen nach außen strahlen und aktiv gelebt werden.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_44  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Meine sehr verehrten Geschwister, </p>
<p>ich beende meine Rede mit demselben Vers, mit dem ich und alle Imame ihre Freitagspredigt beenden:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_45  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>إِنَّ اللَّهَ يَأْمُرُ بِالْعَدْلِ وَالإِحْسَانِ وَإِيتَاء ذِي الْقُرْبَى وَيَنْهَى عَنِ الْفَحْشَاء وَالْمُنكَرِ وَالْبَغْيِ يَعِظُكُمْ لَعَلَّكُمْ تَذَكَّرُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_46  et_pb_text_align_center et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Gott gebietet Gerechtigkeit und Gutes zu tun und Großzügigkeit gegenüber den Mitmenschen; und Er verbietet alles, was schmachvoll ist und Gewalttätigkeit. Er ermahnt euch. Vielleicht lasst ihr euch mahnen! « (16:90)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_47  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>LASS UNS BETEN!</strong></p>
<p><strong>Gelobt seiest Du, Herr unser Gott, Herr der Welt.</strong><br />Du bist der Erbarmer, der Barmherzige.<br />Du bist unsere einzige Zuflucht.<br />Heute stehen wir gemeinsam vor Dir und beklagen unsere Ohnmacht.<br />Wir fühlen uns hilflos, aber nicht hoffnungslos.<br />Wir danken Dir für jeden schönen Moment, den Du uns gegeben hast.<br />Möge unsere Dankbarkeit uns stärken und uns daran erinnern,<br />dass selbst in schwierigen Zeiten Deine Güte uns umgibt.<br />Führe uns auf dem Weg des Friedens und der Einheit,<br />damit wir als Gemeinschaft zusammenstehen,<br />einander unterstützen und die Werte des Mitgefühls und der Barmherzigkeit leben.<br />Mögen unsere Herzen offen sein für die Bedürfnisse unserer Mitmenschen,<br />und mögen wir die Kraft finden, für Gerechtigkeit und Verständnis einzutreten.<br />Wir bitten Dich um Weisheit,<br />um in dieser herausfordernden Zeit die richtigen Schritte zu unternehmen,<br />und um den Mut, das Gute zu fördern und das Böse zu bekämpfen.<br />Lass uns nicht in Verzweiflung verfallen,<br />sondern in der Hoffnung auf ein besseres Morgen leben.<br />Lass die Menschen in gegenseitigem Respekt und Würde leben.</p>
<p><strong>Lieber Gott,</strong><br />Heute sind wir alle eine Stimme und sprechen ein Bittgebet für eine Welt,<br />in der niemand um sein Leben bangen muss,<br />in der niemand gezwungen wird, seine Heimat zu verlassen,<br />in der keine Mutter am Verlust ihres Kindes leidet,<br />und in der die Menschen nicht zu Werkzeugen der Zerstörung des Lebens werden.<br />Erbarme Dich der unschuldigen Opfer und aller,<br />die unter schwersten Bedingungen leiden.<br />Lass uns mit Mitgefühl und Solidarität handeln,<br />um das Leid zu lindern und Frieden zu stiften.<br />Möge Deine Gnade alle erreichen, die in Not sind,<br />und möge Deine Weisheit uns leiten,<br />damit wir eine bessere Zukunft für alle Menschen aufbauen können.<br />Möge aus der heutigen Veranstaltung eine Hoffnung für morgen erwachsen!</p>
<p><strong>Amin!</strong></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_8 et_pb_equal_columns">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_1_2 et_pb_column_7  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough">
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Siehe Artikel dazu</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_49  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><ul>
<li><a href="https://www.br.de/nachrichten/bayern/imam-idriz-will-interreligioese-erklaerung-zu-nahost-frieden,UT3PCgu" target="_blank" rel="noopener">Imam Idriz will interreligiöse Erklärung zu Nahost-Frieden | BR24 </a></li>
<li><a href="https://www.sueddeutsche.de/muenchen/benjamin-idriz-kanzelrede-erloeserkirche-schwabing-evagelische-akademie-tutzing-lux.QhTW6gWYbQUrxVWER8ecRx" target="_blank" rel="noopener">Imam Benjamin Idriz hält Kanzelrede in Schwabinger Erlöserkirche &#8211; München &#8211; SZ.de </a></li>
<li><a href="https://www.sueddeutsche.de/muenchen/evangelische-akademie-muenchen-benjamin-idriz-imam-forum-fuer-islam-muenchen-kanzelrede-lux.R2N9C58EhmYmRzLnXU4FYR?reduced=true" target="_blank" rel="noopener">München: Imam Idriz hält als erster Muslim Kanzelrede in der Erlöserkirche &#8211; SZ </a></li>
<li><a href="https://www.sonntagsblatt.de/artikel/epd/imam-idriz-will-interreligioese-erklaerung-zu-nahost-frieden-anstossen" target="_blank" rel="noopener">Imam Idriz will interreligiöse Erklärung zu Nahost-Frieden anstoßen &#8211; Sonntagsblatt </a></li>
<li><a href="https://www.evangelische-zeitung.de/imam-idriz-islam-kann-demokratie-in-deutschland-staerken" target="_blank" rel="noopener">Imam Idriz: Islam kann Demokratie in Deutschland stärken &#8211; Evangelische Zeitung </a></li>
<li><a href="https://www.evangelische-zeitung.de/imam-idriz-haelt-kanzelrede-in-muenchner-kirche" target="_blank" rel="noopener">Imam Idriz will interreligiöse Erklärung zu Nahost-Frieden anstoßen &#8211; Evangelische Zeitung </a></li>
</ul></div>
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			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/kanzelrede-mit-imam-benjamin-idriz/">Kanzelrede mit Imam Benjamin Idriz</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein muslimischer Kommentar zu Fratelli tutti</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/ein-muslimischer-kommentar-zu-fratelli-tutti/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Dec 2021 22:15:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://islam-penzberg.de/?p=27076</guid>

					<description><![CDATA[<p>Artikel von Gönül Yerli in der Zeitschrift "Grüne Reihe 121 - Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft" - erschienen im August 2021.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/ein-muslimischer-kommentar-zu-fratelli-tutti/">Ein muslimischer Kommentar zu Fratelli tutti</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_11 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Ein muslimischer Kommentar zu Fratelli tutti</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><strong>Artikel von Gönül Yerli</strong><br />
Erschienen in der Zeitschrift &#8222;Grüne Reihe 121 &#8211; Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft&#8220; im August&nbsp;2021</div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Noch gut kann ich mich an jene Gefühlslage erinnern, als in den Abendnachrichten eines kühlen Frühlingstages des Jahres 2013, über die Fernsehbilder vermittelt, weißer Rauch aus dem Petersdom aufstieg und es hieß: Wir haben einen Papst! Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wurde als neues Oberhaupt der katholischen Kirche verkündet, zum ersten Mal sei ein nicht-europäischer Kardinal, ein Lateinamerikaner, zum Pontifex gewählt worden. Dann die traditionelle Loggia-Szene aus dem Petersdom: Ein greiser, einfacher Mann trat vor die jubelnde Menge. Ich sagte zu meinem Mann „der hat <em>Nur</em> (arab. für „Licht“) im Gesicht“, was im übertragenen Sinn Menschen gilt, die auf dem Weg Gottes wandeln. Bald darauf sollte die Welt erfahren, dass dieser Papst nicht in die Gemächer des Apostolischen Palasts einziehen, sondern das vergleichsweise schlichte Gästehaus des Vatikans vorziehen würde. Dass er auf das Papa-Mobil verzichtet und lieber einen unaufgeregten Kleinwagen zur Fortbewegung nutzen wird. Er schlägt mit Stilbruch auf, auch was seine Kleidung und die roten Pantoffeln betrifft – alles nicht mehr im Papst-Programm. Stattdessen wurde der gewählte Name „Franziskus“ zum Leitfaden. Erstmals in der Kirchengeschichte wagt es ein Papst aus dem Namen des Kleinen Armen aus Assisi ein Programm für eine Weltkirche im 21. Jahrhundert zu machen. Von da an war er auch „mein Papst“ und „meine Hoffnung“.</p>
<p>Ich bin mit Leib und Seele Muslima und weiß um die theologische Haltung, zumindest der sunnitischen Lehre, die die Institutionsform von höchster Autorität ablehnt, denn Gott allein ist der „Größte“ und „Höchste.“ Die Basis jeglichen Glaubens und auch Nicht-Glaubens trägt jedes Individuum selbst und damit auch die Verantwortung für Leben und Umwelt. Und dennoch hat es auch im Islam immer wieder Vorbilder gebraucht, die in Gestalt von Propheten, zuletzt durch Muhammad – Friede sei mit ihm –, als „Rechtleitung“ und „Ermahnung“ der Menschheit entsandt wurden. Das liegt nun über 1400 Jahre zurück. Wir müssen uns nichts vormachen, es hat auch in diesen Jahrhunderten Menschen gegeben, zu denen wir aufgeschaut haben, die bis heute Inspirationsquellen des Guten geblieben sind. Aktuell schmerzt die verbreitete Wahrnehmung von der muslimischen Welt. Die Bilder, die die Öffentlichkeit im Westen zu sehen bekommt, scheinen die deduktiven Denkmuster über einen rückschrittlichen Islam zu bestätigen, der geprägt sei von Gewalt, der Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen, mangelnder Bildung, schwacher Konjunktur, diktatorischen Regimen, Theokratien, kurzum einer Gesellschaftsordnung, von der wenig zu lernen wäre. Mit dem Bürgerkrieg in Syrien, der Gewaltherrschaft des sog. „I.S.“, dem internationalen Extremismus unter Berufung auf den Islam und zuletzt den Debatten um zunehmenden muslimischen Antisemitismus nehmen die Schreckensnachrichten aus der sogenannten „islamischen Welt“ kein Ende. Die muslimische Welt hat ein echtes Problem, glaubwürdig aufzutreten. Es klingt fast schon wie blanker Hohn, wenn erklärt wird, Islam bedeute Friede und Heil für alle Menschen.      </p>
<p>Natürlich schmeichelt es da, wenn unter all diesen Umständen die höchste christliche Autorität qua Inspiration einer muslimischen Seele zur Geschwisterlichkeit und zum weltumspannenden Frieden aufruft. Überhaupt nennt erstmals ein Papst einen führenden Vertreter des Islams in einer Enzyklika und meint damit den Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad Muhammad Al-Tayyeb. Die Begegnung der beiden geistlichen Führer fand Ende 2019 in Abu Dhabi statt, und das dabei unterzeichnete „Dokument über die menschliche Brüderlichkeit für Weltfrieden und Zusammenleben“ sollte wenig später in <em>Fratelli tutti</em> aufgegriffen werden.</p>
<p>„Die Botschaft meines Bruders Papst Franziskus ‚Fratelli tutti‘ ist eine Erweiterung des Dokuments über die menschliche Brüderlichkeit“, twitterte der Großimam nach der Veröffentlichung der Enzyklika. „Sie offenbart eine globale Realität, deren Positionen und Entscheidungen instabil sind. Es sind die verletzlichen und an den Rand gedrängten Menschen, die den Preis dafür zahlen.“ Papst Franziskus wende sich mit seinem Schreiben über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft ausdrücklich an alle „Menschen guten Willen und lebendigen Gewissens“, so Al-Tayyeb. Er gebe der Menschheit damit ihr Gewissen zurück.  Beide kritisieren die weltweite ungerechte Verteilung der natürlichen Ressourcen, den Missbrauch der Religionen um Gewalt und Hass in der Welt zu verbreiten. Sie setzen auf wechselseitige Wirkung der Religionen, die nur im Dialog und im gemeinsamen Agieren zu finden sei. Denn „Der Westen könnte in der Kultur des Ostens Heilmittel für einige seiner geistigen und religiösen Krankheiten finden, die von der Vorherrschaft des Materialismus hervorgerufen wurden. Und der Osten könnte in der Kultur des Westens viele Elemente finden, die ihm hilfreich sind, sich von der Schwachheit, der Spaltung, dem Konflikt und vor dem wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Abstieg zu retten“.</p>
<p>Das Datum der Begegnung war kein Zufall. Die Leitfigur des Papstes, Franz von Assisi traf im Jahr 1219 am Rande der Kreuzzüge den Sultan von Ägypten Malik al-Kamil. 800 Jahre später ist es Papst Franziskus der 2019 nach Ägypten fliegt und an dieses historische Treffen erinnert. Es wird berichtet, dass es diese Begegnung war, die den Missionar Franz von Assisi dazu brachte einen Brief an die „Lenker der Völker“ zu richten. Beeindruckt von der Erfahrung des Gebetsrufs im Islam, schlägt er einen gemeinsamen Aufruf zum Gebet der Gläubigen vor, auch in seinen Lobpreisgebeten fallen die Ähnlichkeiten der Gottesnamen mit den 99 „Esma ul-Husna“, den „schönsten Namen“ Gottes, im Islam auf. Seinerzeit verkörperte Franziskus mit seiner Haltung gegenüber dem Islam ein deutliches Gegenbild zu der in Europa allgemein polemischen Rhetorik gegenüber den Muslimen, die schließlich die Kreuzzüge anheizen sollte. Sein Verhalten war geprägt von Offenheit und Interesse gegenüber der fremden Kultur und Religion, dass auch diese Menschen Gott „Lobpreis und Dank darbringen“ und von ihm geliebt werden. Er sieht den Islam weder als Häresie, noch als Sünde, sondern als eine andere Form der Gottesverehrung, die es zu respektieren gilt und gar dem eigenen Glauben Sinn und Stärke verleihen kann. Fast ein Jahrtausend musste vergehen, ehe ein ähnliches Zugehen für ein Dialogangebot auf christlicher Seite zu finden war. Einen wichtigen Schritt stellte dabei die Antrittsenzyklika von Papst Paul VI. von 1964 dar, in der er erstmals in einem lehramtlichen Dokument überhaupt das Wort „Dialog“ verwendete und den Dialog gar zum Wesensmerkmal der Kirche erklärte: „Die Kirche muss zu einem Dialog mit der Welt kommen, in der sie nun einmal lebt. Die Kirche macht sich selbst zum Wort, zur Botschaft, zum Dialog“. Am Ende des Konzils stand die „Erklärung über die Haltung der katholischen Kirche zu den nicht-christlichen Religionen“, <em>Nostra Aetate</em>, von 1965. Tatsächlich formuliert hier die katholische Kirche ein Novum ihrer Geschichte und stellt Grundsätze ihrer Haltung zu den anderen Religionen auf. Nun wird es Papst Franziskus zu Teil, das Vermächtnis des II. Vatikanischen Konzils in vollen Zügen aufzurollen.</p>
<p>Längst geht es nicht mehr um Respekt und Anerkennung gegenüber einer anderen Glaubenswahrheit, sondern darum wie alle in einem Verbund der Glaubenden der Weltgemeinschaft mit all ihren Krisenherden zur Seite stehen kann. Ganz in diesem Sinn folgt dem ökologischen Weckruf von <em>Laudato si</em> die gesellschaftliche Ermutigung <em>Fratelli tutti</em>. Der Stil ist von vielen persönlichen Reflexionen und Erfahrungen gespeist. Die Erfahrungen von Lateinamerika scheinen an vielen Stellen durch. Die Enzyklika ist eine kräftige Stimme, nicht bei materiellen und wirtschaftlichen Fragen anzusetzen, um Lösungen für die globale, gesellschaftliche Krise zu suchen, sondern sich auf ein humanes Weltbild zu besinnen. Im Dialog mit den Traditionen anderer Glaubenserfahrungen können Wege in eine solidarische und geschwisterliche Weltgemeinschaft gegangen werden, darauf setzt der Heilige Stuhl. Dabei formuliert er in einer so klaren und einfachen Sprache, dass es gerade diese Klarheit und Einfachheit ist, die viele von uns Fragen lässt: So easy? Kann Respekt vor der anderen Religion so einfach sein, kann Frieden wirklich gelingen, kann Glück ohne materialistischen Besitz empfunden werden? Können wir unsere Schöpfung mit der Mentalität „weniger ist mehr!“ retten? Auch wenn die Glaubensgemeinschaften selbst immer wieder hinter ihren auferlegten Maximen zurückbleiben oder in alte Verhaltensmuster zurückfallen, sind sie doch immer wieder daran zu erinnern und daran zu messen. Genau dazu fordert Papst Franziskus auf. Und ja, wenn Religionen für menschliche Werte stehen, für wahrhaftige Selbstlosigkeit, Solidarität, Nächstenliebe, Toleranz, gegenseitigen Respekt, Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Vergebung und Barmherzigkeit, um es in einem Wort zusammenzufassen: „Menschlichkeit“ lehren, dann müssen sie sich glaubwürdig auf dieses Ziel hin verbünden. Papst Franziskus weist darauf hin, dass „Gleichgültigkeit“ gegenüber der Not anderer eine Seuche ist, die die Menschheit zerstört. Die meisten Menschen zögern, gegen die Leiden in der Gesellschaft aufzutreten. Er ruft dazu auf, Wohlwollen zu üben, das Wohl anderer und die Solidarität ernsthaft zu verfolgen und unter allen Umständen für Gerechtigkeit einzutreten. Wer wollte ihm da widersprechen?</p>
<p>Die Zeit der Globalisierung wächst in rasanten Tempo, mit den einhergehenden Begleiterscheinungen von pluralistischen Gemeinschaften ethnischer, religiöser und kultureller Herkunft. Jeden Tag interagieren wir mit Zugehörigen verschiedener Glaubensrichtungen, haben Nachbarn, Kollegen, Freunde. Wir erleben im täglichen Leben verschiedene Facetten diverser Glaubenssysteme. Es wäre weltfremd zu glauben, das Rad ließe sich zurückdrehen. Angesichts dieser neuen weltumgreifenden Situation braucht es einen gemeinsamen Strang, an dem wir ziehen. Sollten wir die Pandemie hinter uns gelassen haben, werden wir uns noch viele Jahre zurückerinnern, wie weder die Oster- oder Weihnachtszeit noch der Monat Ramadan in liebgewonnener Gemeinschaft und Tradition gefeiert wurden. Es hat alle Menschen gleichermaßen, jedweder Religion oder keiner Religionszugehörigkeit, getroffen. Es heißt gerade in den Krisen für die Zukunft zu lernen, die Augen vor Fehlentwicklungen auch in den Religionen zu erkennen. Hierzu ruft Papst Franziskus in aller Deutlichkeit in seiner Sozialenzyklika auf.</p>
<p>Für ihn sind Glaube und Politik keine Gegensätze. Ein verantwortungsvoll Glaubender steht mitten in dieser Welt und muss den Anspruch haben mitzugestalten. Das Friedenspotenzial der Religionen ist ureigen und meint über den Frieden (arab. Salam, hebr. Shalom) zwischen den Völkern hinaus ebenso den kosmischen Frieden, wie den seelischen Frieden jedes Einzelnen. Dass Religionen Frieden können, können sie spätestens jetzt unter Beweis stellen. Im gemeinsamen geistlichen Verbund, wie es am Schluss Papst Franziskus mit dem „Gebet zum Schöpfer“ formuliert, und in der tatkräftigen Interaktion einer wahrhaftigen Geschwisterlichkeit, ist es allemal einen Versuch wert. Würde ich den Autor von <em>Fratelli tutti</em> nicht kennen, würde ich meinen, es ist ein Muslim mit tiefem Geist und reflektiertem (theologischen) Wissen aus den islamischen Quellen. Es ist aber der Papst, der auch uns Muslimen Mut und Hoffnung macht!</p></div>
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		<title>Dialog und Nichtmuslime in islamischen Ländern</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/dialog-und-nichtmuslime-in-islamischen-laendern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Idriz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jun 2014 09:06:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Einladung des Korans an Juden und Christen zum „Gemeinsamen Wort“ (Koran&#160;3:64) ist auch ein Appell zu gemeinsamem Handeln für die Wahrung der gemeinsamen Interessen und Werte.</p>
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					<h2 class="entry-title">Dialog und Nichtmuslime in islamischen Ländern</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Eine dialogische Einstellung bildet die Grundlage für einen geschwisterlichen Geist und ein Zusammenleben in der gesellschaftlichen Pluralität. Dialog führt zu Partizipation. Obwohl Gott selbst das Universum führt und dazu von niemand Unterstützung braucht, steht er von Anfang an mit den Geschöpfen, Engeln und Propheten im Dialog. Selbst mit dem Satan trat er in Kontakt (Koran 38:73-83). Die Propheten waren ständig im Gespräch mit den Regierenden und mit ihren Opponenten. Gott forderte von Mose und seinem Bruder Aaron, dass sie über den Pharao, obwohl der die Kinder Israels bedrängte und unterdrückte, „in milden Worten“ redeten (Koran 20:44). Der Koran ist m.E. ein Buch des Dialogs; er fordert und fördert Dialog, er ist voll von entsprechenden Beispielen. Auch die Zehn Gebote bilden eine Grundlage für den Dialog, für das Judentum, das Christentum und den Islam (vgl. Koran 17:22-29). Dass der Koran Juden und Christen als „Leute des Buches“, ahlu-l kitab(diejenigen, die an göttliche Offenbarung glauben) bezeichnet, spricht nicht nur von Anerkennung, sondern von besonderer Wertschätzung des Gemeinsamen.</p>
<p>Die Einladung des Korans an Juden und Christen zum „Gemeinsamen Wort“ (Koran 3:64) ist auch ein Appell zu gemeinsamem Handeln für die Wahrung der gemeinsamen Interessen und Werte. Der Prophet Muhammed bot persönlich einer christlichen Delegation aus der südarabischen Stadt Nadschran an, in seinem eigenen Haus, das zur  Moschee geworden war, einen christlichen Gottesdienst zu feiern. Mit Christen und Juden wurden in Medina gute Beziehungen und Freundschaften aufgebaut, sie erhielten Verfassungsrechte. Die „Urkunde bzw. Verfassung von Medina“, die der namhafte protestantische Theologe Julius Wellhausen (1844-1918) übersetzt und bearbeitet hat, ist ein Partizipationsdokument, das weiterhin, auf Grundlage seines historischen Kontextes, studiert werden sollte. In den 14 Jahrhunderten der islamischen Geschichte waren Angehörige anderer Religionen in der Regel unter den muslimischen Herrschern geschützt. Zahlreiche Kirchen und Synagogen in muslimischen Ländern wie Syrien, Ägypten, Tunesien belegen die Jahrhunderte alte Partizipation von Nicht-Muslimen in der jeweiligen Gesellschaft.</p>
<p>In der Türkei sind es heute 320 Kirchen, bei nur 0,3 % Bevölkerungsanteil von Christen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die St. Antonius Kirche in Istanbul ist die größte katholische Kirche der Stadt und damit auch der Türkei. Sie ist benannt nach dem Franziskaner Antonius von Padua<nobr> (gest. 15.10.1195 n.Chr.)</nobr></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Besuch des saudiarabischen Königs Abdullah bin Abdulaziz, Träger des Titels „Hüter der Heiligen Stätten von Mekka und Medina“, 2008 im Vatikan, und seine Initiative zu einer jüdisch-christlich-islamischen Dialogkonferenz im selben Jahr in Madrid, sind ermutigende Signale für einen zukunftsorientierten Neuanfang. Die unter gemeinsamer Federführung der Türkei und Spaniens unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ins Leben gerufene „Allianz der Kulturen“ kann zu einem wichtigen Schutzschild gegen die Ängste werden, die der so genannte „Kampf der Kulturen“ (Samuel Huntington) heraufbeschwört.</p>
<p>Zu den konkreten Konsequenzen aus dem Dialog gehört, dass sowohl im Westen wie im Osten neue Gotteshäuser entstehen. In Europa werden in manchen Städten Moscheen und Islamische Zentren gebaut, in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens entstehen neue Kirchen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Emirat Sharjah, werden unter der Patronage und mit Unterstützung des Emirs Dr. Sultan bin Muhammad al-Qasimi acht Kirchen für die verschiedenen christlichen Konfessionen gebaut und zusätzliche finanzielle Mittel für deren Zwecke zur Verfügung gestellt.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Armenisch-Apostolische Kirche in Sharjah, Vereinigte Arabische Emirate </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Emir von Qatar, Hamad bin Khalifa II., hat für fünf christliche Kirchen ein Grundstück zur Verfügung gestellt und übernimmt die Baukosten. Eine neue, große Kirche ist im Zentrum der Hauptstadt von Kuweit unübersehbar. Bei seinem Besuch im Nahen Osten hat Benedikt XVI. im Mai 2009 den Grundstein für eine Christliche Universität in der jordanischen Stadt Madaba gelegt, in einer Stadt, wo eine neu gebaute Moschee den Namen „Jesus Christus, Sohn der Maria“ trägt. </p>
<p>Leider werden solche positiven Entwicklungen von den Medien im „Westen“ kaum aufgegriffen und sind daher, im Gegensatz zu gegenteiligen Vorkommnissen, weitgehend unbekannt. Dabei wird hier verdeutlicht: So wenig wie der Orient durch Kirchenbauten „christianisiert“ wird, wird Europa durch den Bau von Moscheen „islamisiert“. </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Karekin II, Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier mit Dr.&nbsp;Sheikh Sultan bin Mohammad al Qasimi während seines Besuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten </p></div>
			</div>
			</div><div class="et_pb_column et_pb_column_2_3 et_pb_column_20  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child">
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Bemühungen um Dialog zwischen den Religionen haben in den letzten Jahren erfreulicherweise stark zugenommen. Auf institutioneller Ebene sind sie an sich jedoch nicht neu. Lange bevor die katholische Kirche sich im II. Vatikanischen Konzil 1962-65 für den Dialog mit anderen Religionen öffnete, war 1926 auf Initiative des World Muslim Congress das „International Islamic Forum for Dialogue“ im saudi-arabischen Jiddah gegründet worden. Es waren damit Muslime, die im 20. Jahrhundert den Dialog erstmals institutionalisierten. Nach der großartigen und historisch wichtigen Öffnung der Kirche durch das Konzil war es Papst Johannes Paul II., der mutige Zeichen für den christlich-islamischen Dialog setzte, die unvergessen bleiben werden. Die berühmt gewordene Vorlesung, die sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., in Regensburg hielt, und die von Muslimen als kränkend empfunden wurde, ließ zunächst einen Abbruch der Bemühungen befürchten. Bald aber belebte die Reise des Papstes nach Istanbul, sowie der Brief, den 138 muslimische Gelehrte aus aller Welt unter dem Titel „A Common Word“ an die Christenheit richteten, entfachte die Hoffnungen aufs Neue.  </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die erste katholische Kirche im Golfstaat Katar ist von Kardinal Ivan Dias in Doha eingeweiht. Den Baugrund für die Kirche in einem Außenbezirk der Hauptstadt hatte Emir Hamad bin Khalifa Al Thani gestiftet. </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Inzwischen wurde als Ergebnis des Briefes und als Antwort des Papstes darauf das „Katholisch-Islamische Forum“ gegründet, das den christlich-islamischen Dialog auf höchster Ebene voranbringt. Auch Protestantische Kirchen sind, insbesondere in Bayern, für den Dialog offen und fördern die Zusammenarbeit mit Muslimen.</p>
<p>Wir dürfen zudem den Dialog nicht auf Muslime und Christen einschränken. Auch mit jüdischen Gemeinden muss ein konstruktives Miteinander gesucht werden. Von den tragischen Entwicklungen im Nahen Osten losgelöst, müssen die in Europa lebenden Muslime den Dialog mit Juden voranbringen. Juden und Muslime haben gemeinsame Grundlagen, wie die Tradition der Konvivenz in Andalusien und auf dem Balkan. Beide verpflichten uns zu neuen Bemühungen für die Zukunft. Die Bekräftigung der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Israelitischen Kultusgemeinde München Charlotte Knobloch, dass die Muslime ihr Recht auf eine repräsentative Moschee in München haben, ist ein wichtiges Signal für das friedliche Miteinander und die gleichberechtigte Teilhabe in der europäschen Gesellschaft. Das Projekt ZIE-M (Zentrum für Islam in Europa – München), das die einhellige Unterstützung aller demokratischer Parteien sowie auch der Religiongemeinschaften in München erfährt, ist eine authentisch europäsche Initiative, die europäsche und islamische Werte zusammenfügen und den Dialog der Religionen in Europa verstärken wird.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Sarajewo: In der Stadt findet man Moschee, Kirchen und Synagogen nicht weit voneinander entfernt. Deswegen wird die Stadt gelegentlich Klein-Jerusalem oder auch Europäisches Jerusalem genannt. </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Seit Jahrhunderten schon liegen Synagogen, Kirchen und Moscheen in Sarajewo auf engstem Raum neben einander. Das hat Bosnien nicht islamisiert – es hat das Land europäisiert!</p>
<p>Das beachtliche Engagement unzähliger ziviler Einrichtungen jenseits der großen kirchlichen Organisationen, wie etwa die Stiftung Weltethos, Gruppen und Initiativen wie die „Nymphenburger Gespräche“ in München, die Gesellschaft „Freunde Abrahams“ oder die „Eugen-Biser-Stiftung“ und zahlreiche weitere Institutionen, tragen dazu bei, dass Vorurteile und Klischees überwunden werden und Menschen zusammen kommen und sich kennen lernen. Wünschenswert wäre darüber hinaus auf nationaler Ebene ein „Interreligiöser Rat“, in dem die höchsten religiösen Repräsentanten regelmäßig miteinander gemeinsame Fragestellungen erörtern und zu aktuellen Entwicklungen gemeinsam Stellung beziehen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wenn es eine Entdeckung ist, dass der Dialog das 21.&nbsp;Jahrhundert maßgeblich bestimmen wird, dann ist der Dialog jetzt schon die größte Entdeckung des Jahrhunderts. Niemand, schon gar nicht Muslime, dürfen sich ihm verweigern. Denn derjenige flüchtet vor dem Dialog, der zu wenig Vertrauen in sich selbst hat. Der Dialog kennt keine Vorbedingungen. Er muss immer wieder aufgenommen werden, ob die Bemühungen fruchten oder nicht. Miteinander nicht zu kommunizieren und sich abzusondern, widerspricht der Natur des Menschen. „Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift; es sei denn auf die beste Art und Weise. Ausgenommen sind jene, die ungerecht sind. Und sprecht: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und nur Ihm sind wir ergeben.“ (Koran&nbsp;29:46).</p>
<p>Im Dialog müssen wir nicht nur schöne, sondern die schönsten Worte und die besten Tätigkeiten finden. Über dem Schönsten steht die Ehrlichkeit. Dialog muss heißen, vor der Kamera das Gleiche zu sagen wie hinter der Kamera. Im Dialog erweisen sich Muslime als selbstbewusste und verantwortungsvolle Teilhaber an der Gesellschaft. Im Dialog gestalten wir die Welt, in der wir leben, mit.</p></div>
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		<title>„Wir brauchen weniger Vorurteile“</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/wir-brauchen-weniger-vorurteile/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2014 09:52:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>MUH hat Benjamin Idriz in seiner Moschee getroffen. „Ich wünsche mir, dass wir in zehn Jahren nicht mehr über Integration reden müssen“, sagt er.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/wir-brauchen-weniger-vorurteile/">„Wir brauchen weniger Vorurteile“</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_17 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Dialog</h1></div>
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					<h2 class="entry-title">„Wir brauchen weniger Vorurteile“</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Über 300.00 Muslime leben in Bayern. Wer immer noch denkt, der Islam sei kein Teil des Freistaates, sollte mal das gemütliche Städtchen Penzberg besuchen, wo sich die Pfarrer und der Imam duzen. Benjamin idriz heißt dieser, und MUH hat ihn in seiner Moschee getroffen. „Ich wünsche mir, dass wir in zehn Jahren nicht mehr über Integration reden müssen“, sagt er.
</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MUH, Ausgabe 2, Sommer 2011</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Penzberg liegt zwischen Starnberg und Kochelsee, die ersten Gipfel der Alpen sind nicht weit. Hier, mitten in Oberbayern, liegt eine Oase gelungenen interreligiösen Zusammenlebens. Die Islamische Gemeinde Penzberg (IGP&nbsp;e.V.) gilt über die Grenzen Bayerns hinaus als leuchtendes Beispiel für Integration. Großen Anteil daran hat Benjamin Idriz, der Imam der Gemeinde. Im Herbst 2010 hat er sein Buch „Grüß Gott, Herr Imam“ veröffentlicht, in dem er sein Verständnis eines „Euro-Islam“ schildert: Die demokratischen Werte stehen für ihn im Einklang mit dem humanen Werten des Islam. In einem Kapitel fordert er die Gleichberechtigung von Mann und Frau innerhalb seiner Religion. Idriz ist auch Vorstand des ZIE-M, des „Zentrum für Islam in Europa-München“. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, eine Moschee und ein Begegnungszentrum in der Landeshauptstadt voranzubringen.</p>
<p>Das alles klingt nach einer Blaupause zur Überwindung von Misstrauen und Problemen bei der Integration – trotzdem ist die Islamische Gemeinde Penzberg seit 2007 im bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Die Begründung: Sie stehe in Verbindung mit der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e.V., der wiederum islamistische Tendenzen vorgeworfen werden. In den letzten Jahren ging es hin und her. Viele Unterstützer aus der Politik aber auch den christlichen Kirchen haben trotz der Vorwürfe zu der Islamischen Gemeinde gehalten. Die IGP selbst ist gegen die Nennung rechtlich vorgegangen, ihre Beschwerde wurde aber vom Verwaltungsgericht München zurückgewiesen. Im Bericht für 2010 ist sie immer noch erwähnt. Trotzdem wurde ihr in diesem Frühjahr der zwischenzeitlich entzogene Status der Gemeinnützigkeit als Verein wieder zugesprochen. Imam Benjamin Idriz hofft deshalb, dass seine Gemeinde im nächsten Bericht nicht mehr auftaucht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Interview: Johannes Berthoud</p>
<p><b>Herr Idriz, beschreiben Sie doch mal Ihre Heimatstadt Penzberg. Was macht diesen Ort für Sie aus?</b></p>
<p>Penzberg ist eine Stadt mit 74 Nationen. Anfang des 20.&nbsp;Jahrhunderts kamen viele Migranten hierher, die Stadt war und ist von Migranten geprägt. Es ist eine kleine Stadt mit 16.000 Einwohnern, genau in der Mitte zwischen München und Garmisch, nicht weit von der Autobahn. Es gibt schöne Häuser hier, viele Seen. Ein schöner Ort. Und in der Zwischenzeit ist die Stadt auch durch die Penzberger Moschee bekannt geworden.</p>
<p><b>Was mögen Sie an der Stadt?</b></p>
<p>Wir haben vor kurzem einen schönen Spazierweg bekommen. Die Stadtmitte ist noch lebendiger geworden durch mehrere Renovierungen in der letzten Zeit. Ich mag die Landschaft, die Berge.</p>
<p><b>Gehen Sie in die Berge?</b></p>
<p>Sehr selten. Was ich mag, sind zwei, drei Cafes gegenüber vom Rathaus, weil sich hier Menschen begegnen. Ich mag es, dort mit meiner Frau und meinen Kindern Kaffee zu trinken und Eis zu essen und anderen Bürgern zu begegnen.</p>
<p><b>Wie sind Sie nach Penzberg gekommen?</b></p>
<p>Das war Schicksal, würde ich sagen. Als ich Anfang der 90er Jahre nach Deutschland kam, hatte ich natürlich noch nie etwas von Penzberg gehört. 1992, 1993 war ich in München – eine Stadt, mit der ich schöne Erinnerungen verbinde. Ich habe dort meine Frau kennen gelernt. 1994 traf ich ein Mitglied der Penzberger Gemeinde, und der erzählte mir, dass sie nach einem Imam suchen, der in türkischer und bosnischer Sprache predigen kann und in diesen beiden Sprachen die Gemeinde führt. Im August 1994 habe ich das erste Mal Penzberg besucht. Eine sehr kleine Stadt im Vergleich zu München. Die Gemeinde hat mir das Angebot gemacht, hier als Imam tätig zu sein. Ich nahm an und habe Anfang 1995 begonnen. Die Einladung von diesem Mitglied war sehr spontan. Die Suche nach Arbeit hat mich also nach Penzberg geführt, und ich bin in Deutschland geblieben, obwohl ich damals an einer Universität studieren wollte. Ich war damals 22 Jahre alt. Wegen der Arbeit und meiner Frau bin ich in Deutschland geblieben.</p>
<p><b>Am Anfang Ihres Buches danken Sie einer Reihe von Leuten, darunter auch dem Bürgermeister und einem Pfarrer aus Penzberg. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu diesen Personen beschreiben?</b></p>
<p>Die Verhältnisse sind hier sehr freundschaftlich, sehr freundlich, sehr locker. Im Vergleich mit anderen Städten, wo es häufig gar kein Verhältnis gibt zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft, den Politikern oder den Religionsgemeinschaften. Dann gibt es Städte, wo es eine Art von offiziellem Dialog gibt, wo sich die Personen ab und zu treffen. Das Verhältnis hier in Penzberg ist völlig anders. Die Vertreter beider christlicher Kirchen sind meine Kollegen und meine Freunde. Wir duzen uns. Auch mit vielen Politikern. Anfang der 90er Jahre hat sich das Verhältnis gewandelt. Von Dialog zu Freundschaft. Vom Sie zum Du.</p>
<p><b>Warum ist gerade Penzberg so besonders?</b></p>
<p>Es gibt keinen Plan, keine Strategie. Es ist reines Schicksal.</p>
<p><b>Als Bundespräsident Christian Wulff sagte, der Islam sei ein Teil von Deutschland, kam Kritik von mehreren CSU-Politikern – der neue Bundesinnenminister, der CSU-Mann Hans Peter Friedrich, hat sogar entschieden widersprochen. Ist der Islam ein Teil von Bayern?</b></p>
<p>Wenn wir die Geschichte von Bayern studieren, dann finden wir keinen großen Einfluss des Islam. Der Islam war in der Vergangenheit nicht Teil der Kultur Bayerns. In den 60er Jahren, als die Gastarbeiter nach Deutschland kamen, wurde Deutschland auch ein Zuwanderungsland. Somit ist der Islam mit Muslimen hier angekommen. Insbesondere in den letzten zehn Jahren. Muslimische Kinder werden hier geboren, die neue Generation identifiziert sich mit Deutschland. Sie fühlen sich in Deutschland wohl, sind sehr aktiv in der Gesellschaft, leisten einen großen Beitrag für das Zusammenleben der Menschen und Völker hier, sind erfolgreich in Bildung und Wirtschaft. In München, Penzberg, Miesbach und vielen anderen Städten in Bayern gibt es Moscheen mit Kuppeln und Minaretten. Es gibt ein muslimisches Leben in Bayern und wir sprechen über eine Imamausbildung an einer bayerischen Universität, in Erlangen. Wir sprechen über Religionsunterricht an bayerischen Schulen, es gibt dazu sogar einen Parlamentsbeschluss. Das sind alles Zeichen dafür, dass der Islam in Deutschland, in Bayern angekommen ist. Deswegen ist der Islam heute natürlich ein Teil Deutschlands und Bayerns.</p>
<p><b>Würden Sie sagen, dass sich das Verhältnis der Muslime innerhalb der Gesellschaft in den letzten Jahren verbessert hat?</b></p>
<p>Vor dem 11. September 2001 hat die Mehrheitsgesellschaft die Muslime „übersehen“. Die Muslime waren schon hier, aber es gab keine Diskussion über Integration. Erst in den letzten zehn Jahren wurde der Islam, die muslimische Kultur sichtbar. Ich glaube, dass davor weder die Gesellschaft ein großes Interesse hatte, die Muslime zu integrieren, noch hatten die Muslime ein ernsthaftes Interesse, sich zu integrieren. Die Politik hat das Thema vernachlässigt und keine konkreten politischen Pläne zur Integration entwickelt. Und viele Muslime haben gedacht, dass sie früher oder später ohnehin in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Auch wenn der 11. September vielleicht nichts damit zu tun hat: Vor zehn Jahren hat die Situation begonnen sich zu verändern. Die Muslime identifizieren sich mehr mit Deutschland, sie fühlen sich hier wohl. Und auf der anderen Seite gibt es die Bereitschaft auf Muslime zuzugehen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.</p>
<p><b>Alles so rosig?</b></p>
<p>Gleichzeitig gibt es auf muslimischer Seite immer noch viele Menschen, die sich einer Integration verweigern. Und unter den einheimischen Bürgern gibt es große Teile, die nicht in der Lage sind, den Islam und die Muslime hier zu akzeptieren. Es gibt eine große Angst und auch Vorurteile. Es wächst eine Islamfeindlichkeit in der Mehrheitsgesellschaft. Deswegen ist die Debatte um den Islam sehr groß in Deutschland, in Bayern. Es ist jetzt unsere Aufgabe als Muslime, Vertrauen in der Gesellschaft zu schaffen. Die Mitglieder der Gesellschaft sind aufgefordert, zu uns zu kommen, und wir müssen auf die Mehrheitsgesellschaft zugehen, damit wir uns in der Mitte treffen.</p>
<p><b>Haben Sie selbst Erfahrungen mit islamfeindlichen Gruppen gemacht?</b></p>
<p>Es gibt ­– nicht hier in Penzberg, aber in größeren Städten wie München – Gruppierungen, gut organisierte und vernetzte Menschen, die Angst vor Muslimen schüren. Im Internet, in Broschüren, mit Veranstaltungen. Sie gehen auch zu Veranstaltungen und versuchen dort zu stören. Das ist hier auch mal passiert. Die kamen nicht aus Penzberg, sondern waren extra aus München herausgefahren. Am Karfreitag, also einem heiligen Tag für Christen haben sie vor der Kirche gegen mich persönlich und gegen meine Gemeinde gehetzt. Die Menschen, die Angst vor dem Islam schüren, sind nicht gläubige Menschen. Ich glaube, das sind Menschen, die überhaupt keine religiösen Gefühle haben, keinen Respekt gegenüber Religion. Das sind einfach Feinde des Glaubens. Das macht uns auch Angst. Genau wie Christen oder Nicht-Muslime Opfer eines muslimischen Extremismus sein können, können Muslime Opfer von solchen islamfeindlichen Menschen werden. Der Bayerische Verfassungsschutz ignoriert solche anti-muslimischen, extremistischen Entwicklungen und will bis jetzt solche Einrichtungen, wie die Bürgerbewegung „Pax Europa“ oder „Politically Incorrect“ nicht beobachten. Das finde ich sehr merkwürdig!</p>
<p><b>Ein Thema, zu dem Sie schon häufig interviewt wurden, ist die Beobachtung Ihrer Gemeinde durch den Verfassungsschutz. Warum wird die Islamische Gemeinde Penzberg im Verfassungsschutzbericht erwähnt? </b></p>
<p>Das ist eine lange Geschichte, und es ist schwer, die hier in zwei, drei Minuten zu erzählen. Es gibt das, was bekannt ist, was offiziell ist. Und es gibt das, was nicht bekannt und offiziell ist. Es gab sehr verschiedene Vorwürfe, weil immer wieder neue erhoben wurden. Alle diese Vorwürfe sind belanglos und aus meiner Sicht mit der Absicht inszeniert, das positive Image, das wir hier geschaffen haben, zu diskreditieren. Wir Muslime, die wir Loyalität zum Grundgesetz, zur Mehrheitsgesellschaft gezeigt haben, sollten stigmatisiert werden. Es gibt viele Hintergedanken, warum sie uns vorgeworfen haben, dass wir mit angeblichen Extremisten Kontakt hatten. Am Anfang wurde uns auch vorgeworfen, dass wir selber Extremisten <i>sind. </i>Dann  hieß es, wir hätten Kontakt zu Extremisten. Als wir danach herausgefunden haben, dass auch CSU-Politiker mit denselben Gruppierungen, denen der Verfassungsschutz islamistische Ziele  vorwirft, in Kontakt waren, waren die Vorwürfe nicht mehr haltbar. Das Ganze, dieser ganze Streit hat natürlich viel Energie und Zeit gekostet, die wir gern für sinnvollere Dinge aufgebracht hätten. Leider. Niemand hat von diesem Streit profitiert, abgesehen von der großen Solidarität und Popularität, die wir dadurch auch bekommen haben. Aber nachdem uns jetzt wieder die Gemeinnützigkeit zugesprochen wurde, ist der Streit aus unserer Sicht jetzt beendet.</p>
<p><b>Was meinen Sie, wie kam es zu der Kehrtwende der Politik – dass die Gemeinde die Gemeinnützigkeit wieder erhält und im nächsten Verfassungsschutzbericht wahrscheinlich nicht mehr drinsteht?</b></p>
<p>Es gab Streit innerhalb der Koalition von CSU und FDP. Die Politiker haben sehr heftig über uns diskutiert. Es lag großer Druck von allen Seiten auf dem Innenminister. Nicht nur von der FDP und Oppositionspolitikern von SPD und Grünen. Auch von Religionsgemeinschaften, insbesondere vom evangelischen Bischof Dr. Friedrich. Der Innenminister konnte das, glaube ich, nicht mehr aushalten. Es gab auch Druck aus der CSU, von vernünftigen Politikern. Weil an den Vorwürfen nichts dran ist. Es gibt keinen Extremismus hier. Es gibt keine Verdachtsmomente. Es gibt keinen noch so geringen Grund, uns zu beobachten. Wir haben von FDP-Seite erfahren, dass sie sich für uns eingesetzt haben und dass ein Kompromiss gefunden wurde zwischen CSU und FDP. Nämlich uns wieder im Bericht 2010 auftauchen zu lassen, uns aber gleichzeitig die Gemeinnützigkeit wieder anzuerkennen. Die Erwähnung hat also keine Folgen mehr, und wir haben die feste Hoffnung, dass wir 2011 nicht mehr im Bericht auftauchen.</p>
<p><b>Was haben sie gedacht, als Sie hörten, dass Sie die Gemeinnützigkeit wieder bekommen?</b></p>
<p>Es war so ein gemischtes Gefühl zwischen Freude – nicht Jubel -, aber zwischen Freude und Enttäuschung. Freude, dass wir nach heftigen Auseinandersetzungen, nach zwei Jahren, die uns viel gekostet haben, die Gemeinnützigkeit wieder bekommen haben und so ein Stück rehabilitiert wurden. Auf der anderen Seite Enttäuschung darüber, dass in einer Demokratie, in einem Rechtsstaat wie diesem, im 21. Jahrhundert so etwas passieren konnte. Wir haben die Nachricht an einem Donnerstag erfahren, und am Sonntag hatten wir eine große Veranstaltung, da waren ungefähr 200 Menschen hier. Als wir denen die Neuigkeit verkündet haben, gab es natürlich Applaus, große Freude. Aber es bleibt auch Enttäuschung. Die Menschen haben mich gefragt: Wir verstehen das nicht, warum war das alles eigentlich nötig?</p>
<p><b>Was sind denn aus Ihrer Sicht die wahren Gründe?</b></p>
<p>Das ist jetzt rein unsere Interpretation. Durch diese lange Auseinandersetzung haben wir herausgefunden, dass drei Menschen, die im Innenministerium arbeiten, eine Frau und zwei Männer, sehr feindlich gegenüber dem Islam orientiert sind. Unsere Interpretation ist, dass die alles versucht haben, um uns zu schaden. Wir haben innerhalb von drei Jahren mehrere Briefe an den Minister geschickt, in denen stand, dass wir Versöhnung wollen, dass wir einen Dialog führen wollen, dass wir den Minister zu uns einladen, dass wir das Ganze nicht verstehen. Es gab immer wieder negative Antworten und immer von denselben Menschen. Dieselben Unterschriften, dieselben Verfasser. Ich bedaure, dass der Minister Herrmann sich nicht intensiv mit dieser Frage beschäftigen wollte und die Mitarbeiter hat machen lassen. Er hat nicht verstanden, dass diese Menschen auch dieser wichtigen Behörde einen großen Schaden zufügen. Unsere Interpretation ist: Die Absicht war, uns hier zu stigmatisieren und das Projekt ZIE-M in München zu blockieren.</p>
<p><b>Sie haben während der Zeit viel Unterstützung erhalten. Gab es auch gute Seiten an der Auseinandersetzung?</b></p>
<p>Ein Gutes ist, dass wir diese drei Leute entdeckt haben. Wir haben mit solchen Menschen auch geredet. Wir wissen, welche Vorstellung sie vom Islam haben. Diese Beamten waren überhaupt nicht präsent in der Öffentlichkeit. Sie sind jetzt bekannt geworden mit ihrem Islamverständnis. Ich erwarte von einem Beamten neutral zu sein in einem demokratischen System, welches gegenüber allen Religionsgemeinschaften neutral ist. Diese Beamten versuchen Europa vor einer angeblichen Islamisierung zu schützen. Aber ihre Aufgabe ist nicht, eine Religion oder eine Kultur zu schützen, sondern die Verfassung, das Grundgesetz zu schützen – und die haben sie leider verletzt, von vorn bis hinten. Das bayerische Verfassungsschutzgesetz, Artikel 3, Absatz 4 beschreibt die Aufgabe des Verfassungsschutzes. Die Aufgabe des Verfassungsschutzes ist die Personen, die gegen Völkerverständigung und gegen das Grundgesetz arbeiten, zu beobachten. Und der Verfassungsschutz weiß sehr genau, dass wir weder gegen andere Völker gehetzt noch das Grundgesetz in Frage gestellt haben. Und trotzdem haben sie uns beobachtet. Das heißt, dass sie das Verfassungsschutzgesetz verletzt haben und damit auch die Verfassung. Die erste Freude in dieser schlechten Situation war, dass wir das aufgedeckt haben. Die zweite gute Sache für uns war, dass wir sehr naiv waren und wir nicht wussten, wie das funktioniert. Was ist der Verfassungsschutz? Was ist ein Verfassungsschutzbericht? Nie in meinem Leben hatte ich davon gehört. Nie in meinem Leben hatte ich einen Verfassungsschutzbericht gelesen. In dieser Auseinandersetzung haben wir viele Dinge gelernt. Das ist eine positive Sache für uns und drittens haben wir durch diese heftige Auseinandersetzung auch viele Freunde kennengelernt und große Unterstützung bekommen. Es war nicht so einfach, einen Bischof, Politiker und Minister zu überzeugen. Es brauchte heftige Anstrengungen: Menschen hierher einladen, zu ihnen gehen und immer wieder erklären, immer wieder Unterlagen verschicken. Jeder hat etwas von uns verlangt. Schickt mir bitte das, schickt mir jenes. All das war viel Arbeit für uns, aber auch Freude: Wenn wir immer wieder Unterstützung bekommen haben von sämtlichen Parteien, sämtlichen Religionsgemeinschaften. Das ist ein Zeichen, dass die Muslime hier herzlich willkommen sind, dass es innerhalb der Mehrheitsgesellschaft sehr viele vernünftige Politiker gibt, sehr viele vernünftige religiöse Würdenträger, die an uns eine Hoffnung schicken, dass wir auch wertvolle Menschen sind. Das macht uns sehr große Freude.</p>
<p><b>Sie gelten als fortschrittlicher Imam. Bezeichnen Sie sich selbst so?</b></p>
<p>Das ist eine Einschätzung von einigen Beobachtern. Neutralen Beobachtern, Intellektuellen, Journalisten, Publizisten, aber es gibt viele fortschrittliche Imame, fortschrittliche Würdenträger. Ich bin nicht der einzige. Ich bin natürlich durch meine Arbeit, durch mein Engagement, meine Mühe, meine intensiven Arbeit hier bekannt geworden, und meine Gemeinde leistet eine große Arbeit, welche von der Mehrheitsgesellschaft geschätzt wird. Unsere Arbeit hier ist fortschrittlich, nicht unbedingt ich selbst.</p>
<p><b>Sie gelten auch als Symbolfigur für gelungene Integration, für ein Zusammenleben der Religionen. Ist das manchmal auch anstrengend?</b></p>
<p>Natürlich. Auf der einen Seite ist es eine Freude, auf der anderen eine Belastung, weil ich fast als der einzige gelte hier in Bayern. Und natürlich kommen immer wieder Anfragen. Jeden Tag, aus verschiedenen Städten, nicht nur aus Bayern, nicht nur aus Deutschland. Hunderte Anfragen, Telefonate, Emails. Wir sind überfordert. Wir schaffen das nicht alles. Und ich frage immer wieder: Gibt es denn keinen anderen Imam, keine andere muslimische Gemeinde, die das macht? Und ich bedaure das und will es nicht glauben, wenn ich höre, dass das stimmt. Ich bedauere es, wenn ich von Menschen höre, die tatsächlich andere Moscheegemeinden gesucht und nicht gefunden haben. Es gibt Menschen, die sagen, es ist nicht so einfach einen Imam zu finden. Es gibt Menschen, die sagen, wenn ich eine Moschee anrufe – niemand meldet sich. Wenn ich eine Email schicke, kriege ich keine Antwort. Es gibt Menschen die sagen, es ist schwierig, einen Imam zu finden, mit dem ich mich auch auf Deutsch ein bisschen unterhalten kann. Es ist schwer einen Referenten zu finden, der in deutscher Sprache einen Vortrag über den Islam hält. Und weil wir auch in den Medien sehr präsent sind, ist es einfach, uns zu finden. Wir haben eine repräsentative Moschee hier. Die Moschee ist immer offen und sie ist sichtbar. Es ist einfacher uns zu finden als eine Hinterhofmoschee. Es ist eine große Freude, das alles zu leisten, aber auf der anderen Seite ist es schwer.</p>
<p><b>Sie sind viel unterwegs. Wie ist ihr Eindruck wenn sie andere Gemeinden besuchen mit ihren Positionen zum Beispiel die Gleichberechtigung der Frau in ihrem Buch ganz wichtig? Wie redet man da darüber? Was sind da die Reaktionen?</b></p>
<p>Ich habe mit einigen Imamen ein gutes Verhältnis und wir treffen uns ab und zu und reden über diese Sachen. Ich werde nichts Schlechtes über sie sagen. Sie leben ein bisschen in einer anderen Gesellschaft. Sie haben keinen Zugang zur Mehrheitsgesellschaft. Sie beschäftigen sich nicht intensiv im Bereich des interreligiösen Dialogs. Sie haben eine Gemeinde, und jeder ist zuständig für seine Gemeinde und leistet in seiner Gemeinde seine Arbeit. Mit solchen Imamen diskutiere ich über verschiedene Fragen und es gibt Kontroversen, gleichzeitig aber auch Zustimmung.</p>
<p><b>Sie sind beteiligt am ZIE-M, dem Zentrum für Islam in europa in München. Können Sie das Projekt und seine Ziele kurz umreißen?</b></p>
<p>Das ZIE-M ist ein sehr ehrgeiziges Projekt. Mir ist kein ähnliches Projekt in Deutschland bekannt, das ein solches Islamverständnis im deutschen beziehungsweise europäischen Kontext etablieren, welches ein solches Begegnungszentrum schaffen will. Es gibt natürlich viele Moscheegemeinden, viele Projekte. Gestern war in Aachen die Grundsteinlegung einer türkische Moschee. Solche Moscheen werden immer wieder mit einem bestimmten Volk bezeichnet, mit einer bestimmten Idee und Weltanschauung In Deutschland gibt es entweder eine türkische oder eine arabische oder eine albanische Moschee. Es gibt keine deutsche Moschee. Es gibt Ditib, Milli Görus,… Und jede dieser Muslimen-Vereinigungen hat eine bewusste oder unbewusste politische Agenda. Jede hat einen Hintergrund, der mit der Herkunft zu tun hat. Das ZIE-M ist ein europäisches, deutsches Zentrum. Das ZIE-M identifiziert sich mit Deutschland und mit den Werten, welche wir in Deutschland haben. Mit Demokratie, Gleichberechtigung, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz. Deutschland, deutsche Sprache – das sind alles wichtige Elemente im ZIE-M. Und wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, darf das nicht Theorie bleiben. Sie muss erlebt und gelebt werden. Und deswegen brauchen wir solche Zentren, wo wir tatsächlich beweisen können, was wir schreiben, was und wie wir denken. Es gibt eine neue Generation innerhalb der muslimischen Community, die mit dem bestehenden Islamverständnis und den Moscheegemeinden nicht zufrieden ist. Diese Menschen sagen: Ich bin in Deutschland geboren. Ich bin deutscher Moslem. Ich habe keine andere Herkunft, ich habe keine andere Heimat, ich habe keine andere Sprache. Ich bin ein offener,  toleranter Muslim. Ich will weder ein extremes, noch ein nationales noch ein ideologisches Islamverständnis. Für solche Menschen gibt es leider keine Institutionen. Das Ziel ist eine Antwort auf diesen Bedarf, auf die Fragen von solchen Muslimen.</p>
<p><b>Sie haben gerade erzählt, dass nicht alle Imame Ihrer Meinung sind. Wird die Umsetzung eines gemeinsamen Zentrums dann nicht schwierig?</b></p>
<p>Dazu muss ich etwas erzählen. Diese Moschee hier in Penzberg, als sie gebaut wurde, hat dazu beigetragen, mich schneller in diese Gesellschaft zu integrieren. So ein Zentrum spielt eine große Rolle für die Menschen. Ich glaube, wenn wir das ZIE-M in München bauen, wird dieses Zentrum helfen, muslimische Menschen, Imame, Theologen schneller in die Gesellschaft zu integrieren, weil es sichtbar ist. Dort wird diskutiert werden. Wir werden Seminare organisieren. Dort werden die Menschen ihre Gedanken ändern. Am vergangenen Freitag waren hier zwei Menschen, die aus einer anderen Stadt zum Freitagsgebet zu uns gekommen sind. Und als sie meine Predigt gehört haben, haben sie gesagt: Mir ist dieses Islamverständnis fremd. Genau so haben vor zehn Jahren auch einige Muslime in Penzberg gedacht. Und jetzt nach zehn Jahren, haben die Menschen ihre Gedanken geändert. Das heißt, das Zentrum hat dazu beigetragen, der Imam hat dazu beigetragen, der Vorstand hat dazu beigetragen, das Islamverständnis anders zu interpretieren, anders zu verstehen und deswegen ist ein solches Zentrum sehr wichtig.</p>
<p><b>Würden Sie sagen ein solches Zentrum wäre die Erweiterung des Penzberger Modells?</b></p>
<p>Ja, sicherlich. Das kann man so sagen, weil auch die Idee aus Penzberg kam. Natürlich gibt es viele Mitstreiter aus dem Raum München und auch Menschen, die in München leben, die hierher kommen und sagen: Das was Sie hier geschafft haben, wollen wir auch in München.</p>
<p><b>Was wünschen Sie sich für den Islam in Bayern?</b></p>
<p>Mein Wunsch ist, dass wir in fünf oder zehn Jahren nicht mehr über Integration reden müssen. Dass sich Menschen hier wohlfühlen und freundlich und friedlich miteinander zusammen leben. Dass wir nicht immer nur über Religion reden müssen. Mein Wunsch ist, dass wir es innerhalb der Gesellschaft schaffen, extremistische Gedanken zu verhindern und dafür brauchen wir Aufklärungsarbeit. Nicht der Islam ist für unsere Gesellschaft eine Gefahr. Was uns nachdenklich machen muss, sind Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Extremismus. Das sind Gefahren, gegen die wir gemeinsam arbeiten müssen. Mein Wunsch ist, dass wir mehr über Bildung reden, über den Schutz der Umwelt, mehr über vernünftige Sachen, über Frieden in der Gesellschaft, über Frieden auch im Nahen Osten. Wir brauchen weniger Vorurteile und mehr Vertrauen in die Gesellschaft.</p></div>
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		<title>Islam und Dialog</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/islam-und-dialog/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2014 09:17:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das höchste Gut eines jeden gläubigen Muslims ist der Koran und mit ihm beginnen wir unsere Suche nach Fragen der islamischen Intention eines islamisch-christlichen Dialoges.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_20 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Islam und Dialog</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Vortrag von Benjamin Idriz und Gönül Yerli</strong><br /> Kardinal-Döpfner-Haus in Freising</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_76  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Grundlage des Islams ist für die Muslime die Rede Gottes, die uns als letzte Ausprägung im Koran vorliegt. Dieses Wort ist ein umfassendes, welches die früheren Schriften aufgreift, teilweise richtig stellt, ergänzt, generell bestätigt und abschließt. All dies sagt das Buch über sich selbst aus. Wir erkennen hier eine Methodik des Korans, die Empfänger, in diesem Fall uns Menschen, anzusprechen. Mit einer der koranischen Methode, nämlich die der bildhaften und beispielgebenden Version, möchten wir heute unseren Dialogen beginnen. Den wir uns so vorstellen können: Geben wir uns ein im Hintergrund dieser stillen Atmosphäre, die Melodie eines uns bekannten Liedes zu hören. Das Orchester sinfonisiert in hervorragender Weise jeden Ton des Notenblattes – Töne die uns Menschen jeglicher Nation, Ethnie, Konfession und Hautfarbe wiedergeben. Ein Erlebnis für unsere Ohren und Sinne.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_77  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Zweifelsohne sind wir Zeitzeugen einer neuen Epoche der menschlichen Geschichtsbegegnung. Von der post-modernen Weltordnung, dessen Realität religiöse und kulturelle Vielfältigkeit mitbeinhaltet, gehört die Beziehung dieser Parteien unumgänglich dazu. Verabschiedet hat man sich schon längst von einem homogenen religiösen Weltbild. Gedanken des friedlichen und respektvollen Zusammenlebens in einem multireligiösen und multikulturellen Gesellschaftsbild nehmen Stellung ein.</p>
<p>Der Dialog ist alternativlos unser Partner auf dem langen Pfad unseres Bestrebens.<br /> Nun, welche Bestrebungen gibt es auf islamischer Seite in einen ernsthaften Dialog mit Andersgläubigen einzutreten?<br /> Das höchste Gut eines jeden gläubigen Muslims ist der Koran und mit ihm beginnen wir unsere Suche nach Fragen der islamischen Intention eines islamisch-christlichen Dialoges.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_0 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_78  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Dialog im Koran</strong><br /> Allem voran soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Koran nicht nur von Christen spricht sondern auch Christen direkt anspricht.<br /> Seit der Erstgemeinde der Muslime gehörten Christen zum wesentlichen Gesellschaftsbild einer heterogenen Religionsgemeinschaft.</p>
<p>Der Koran beginnt seine Geschichte – im Vergleich zur Bibel, die mit der Schöpfungsgeschichte anfängt – schon viel früher mit einem Dialog, der sich zwischen Gott und seinen Engelsgeschöpfen abspielt. In diesem Dialog verkündet Gott seinen Engeln die Erschaffung des Menschen. Der abwehrenden Haltung der Engel begegnet Gott mit überzeugenden Worten. Ein erstes Dialoggespräch schon bevor es überhaupt Menschen gab. Vom ersten Menschen und Propheten Adam angefangen bis hin zum letzten Gesandten Muhammed ist die empfangene Offenbarungskette charakterisiert mit der Dialogbereitschaft.</p>
<p>Koranische Erzählungen der vorislamischen Zeit, mit Propheten und deren vorbildhafte Begegnungen mit Ihrem Volk, bieten einen wunderbaren Ausgangspunkt für eine Plattform des Dialogs. Der Koran thematisiert, das Vorgehen dieser Propheten und spricht an vielen Stellen, deren Geduldslehre und den Gebrauch der schönsten Worte, an die zu Verkündenden der aktuellen, göttlichen Botschaften an. Zu den exemplarischen Beispielen gehört die Erzählung Moses, der nicht nur dafür bekannt war, an das jüdische Volk gesandt zu sein, sondern auch mit dem Pharao Wortduelle wechselte. So befahl Gott, Moses und dessen Bruder Aron, den Pharao von Ägypten aufzusuchen, der sich als Gottheit anbeten ließ, mit ihm auf die schönste Art und Weise in ein Gespräch einzutreten.</p>
<p>Diese Methodik ist allen Propheten und Gesandten zugeschrieben, bestätigt uns der Koran, so auch Muhammed, der seine Mitmenschen nicht schroff und hartherzig sondern im Milden und Sanften mit Ihnen umging. Der Koran, ist ohne Zweifel die Offenbarung für Muslime, aber Wissen wir auch, dass er wie ich eingangs schon kurz erwähnt habe, einen regen Dialogaustausch mit Andersgläubigen, ja sogar Nichtgläubigen führt und sucht? Und für Gelehrte wie Hasan Askari ist der Koran „das Buch des Dialoges“ schlechthin, argumentiert mit den Eigenschaften des Korans, dialogwillig und bereit zu sein.<br /> Laut Koran, sind Muslime verpflichtet, Andersgläubigen mit Ehrlichem zu begegnen – mit der Annahme, dass auch diese den Muslimen in gleicherweise entgegenkommen. In Vers 29:46 heißt es hierzu:<br /> „Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift; es sei denn auf die beste Art und Weise. Ausgenommen davon sind jene, die ungerecht sind. Und sprecht: „Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und nur Ihm sind wir ergeben.“</p>
<p>Diesbezüglich wird im Koran Muhammed und seine Erstgemeinde gelobt, allen Menschen, Sicherheit und Geborgenheit zu verkörpern und jeglicher Gewalt, Angst und Furcht entgegen zu treten.<br /> Damit erkennt der Koran eindeutig die gleichberechtigte Position aller gläubigen Menschen an. Er versteht den Menschen als gleichwürdig erschaffenes Individuum, mit den identischen Rechten und Pflichten und damit die selbständige Freiheit seines Denkens und Handelns. Dies erfordert wiederum, dass der Muslim mit offenem Herz und Ohr an Andere in Respekt herantreten muss. Denn ihm ist bewusst: Alles liegt in Gottes Macht und hätte Gott gewollt, hätte er die gesamte Menschheit muslimisch werden lassen. Darauf ist auch zurück zu schließen, dass Menschen nicht mit Zwang zum Islam bekehrt werden dürfen.</p>
<p>Muhammed wird als letzter der Prophetenkette im Koran als eine Barmherzigkeit Gottes an die gesamte Menschheit verstanden.<br /> Der Islam ist die Frucht eines langsamen Reifeprozesses der Menschheit, eines Prozesses, der von Anfang an vom Buche Gottes geleitet war, seit Urzeiten besteht und an die Menschheit von Adam, Noah und Abraham, dann von den alt- und neutestamentlichen Propheten – Moses bis zu David, Johannes dem Täufer und Jesus – weitergegeben wurde. Der Koran, das unnachahmliche, unvergleichbare, der Menschheit eingegebene Wort Gottes, bedeutet für den Islam in gewisser Hinsicht das, was Christus, das fleischgewordene Wort Gottes, für das Christentum darstellt.<br /> Hören wir zum Abschluss dieses Abschnittes was dieses Werk uns zu sagen hat, bezüglich des Dialoges. In Vers 2:139: „Führt ihr mit uns Streitgespräche über Gott? Er ist unser Gott und euer Gott. Wir haben unsere Werke, für die wir verantwortlich sind, und ihr habt eure, für die ihr verantwortlich seid. Gott sind wir treu.“<br /> „O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, daß wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und daß nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Allah…“</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Ein Dialog kann nur dann entstehen, wenn Dialogpartner sich im Frieden einander begegnen. Die Wortwurzel des Nomen Islam silm vertieft und gibt die Bedeutung des Friedens wieder, dass das islamische Grundprinzip bildet. Islam, die Religion des mittleren Weges und des Friedens, der den Anspruch einfordert für die gesamte Menschheit friedvolles und humanes zu verleihen. Die Initiative zu ergreifen, liegt in der Obhut jedes einzelnen Muslims. Den Muslimen, die tagtäglich die Islamische Begrüßungsformel salam verbreiten. Letztendlich verstehen wir den Koran als heiliges Handbuch für einen funktionalen Dialog, der uns in Stücken einander näher bringt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_2 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_80  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Lassen sie uns in die Historischen Ereignisse des islamisch – christlichen Dialogs versetzen.<br />
Der Islam, als jüngste Religion entstand in keinem abstrakten Umfeld, sondern fand sich in einer Pluralen Ordnung mit Juden, Christen und dem Heidentum ein. Der islamisch christliche Dialog ist so alt wie es den Islam gibt, d.h. bis hin zur Offenbarung der ersten Worte Gottes an seinen auserwählten Propheten Muhammed und eigentlich auch schon viel früher, wenn wir uns an die Legende erinnern, dass im Kindesalter von 12 Jahren Muhammed seinen Onkel bei einer Handelskarawane nach Syrien begleitete und auf dem Weg dorthin in der heutigen syrischen Kleinstadt Bosra im Kloster dem nestorianisch christlichen Mönch Bahira begegnet, der ihm seine prophetische Berufung vorhersagt.</p>
<p>Der Prophet Muhammad traf häufig mit Waraqa ibn Nawfal, einem der angesehensten christlichen Gelehrten seiner Zeit in Mekka, zusammen. Als der Prophet seine erste Offenbarung empfing, war der Christ einer der Ersten der davon hörte und klärte ihn auf, ihm sei – wie schon zuvor dem Propheten Moses – Gabriel, der Engel der Offenbarung, erschienen. Als aufrechter christlicher Gläubiger unterstützte er Muhammad. Mit ihm stellte sich ein bekannter christlicher Gelehrter auf die Seite des angehenden Propheten und sprach ihm Mut zu.</p>
<p>Als der letzte Gesandte Gottes begann, seine Botschaft offen zu verkünden, bekämpften die heidnischen Mekkaner ihn und seine Anhänger mit allen Mitteln. Der Prophet erkannte, dass die Probleme in Mekka immer größer wurden. Daher beschloss er, einige von ihnen in das christliche Abessinien zu schicken. Die Wahl des Propheten fiel auf dieses Land, denn er spürte, dass die Christen dort ihm näher standen als die Heiden von Mekka. Als die ersten muslimischen Gäste in Abessinien eintrafen, wurden sie vom König empfangen.</p>
<p>Mit einer Briefbotschaft bat Muhammed die Emigranten im Land aufzunehmen und nahm so einen ersten nonverbalen Dialog auf. Geschichtshistorisch gesehen ein Dialog der sich auf der Ebene des fremden Bodens – unter der Obhut der Fremden – vor einem christlichen Negus abspielt. Nach der Auswanderung von Mekka nach Medina verschickte Muhammed offizielle Briefe an die christlichen Herrscher mehrer Länder und lud sie zum Islam ein. Auffällig waren die diplomatischen Formulierungen der Schriftsprache und die äußerst höfliche und freundliche Ansprache der Empfänger. Adressiert unter anderem an die Herrschaftshäuser dem Negus von Äthiopien, Kaiser Heraklius von Byzanz und dem König Muqauqas von Ägypten.</p>
<p>Die zweifellos wichtigste Interaktion zwischen Christen und dem Propheten Muhammad fand anlässlich des Besuchs einer Delegation der Christen von Nadschran in Medina statt. Die Mehrzahl der Christen auf der Arabischen Halbinsel lebte in Nadschran. In vorislamischer Zeit hatten ausländische Lehrer wie z.B. der römische Priester Gregentius die Stadt besucht und ihr religiöses Wissen weitergegeben.<br />
In Medina angekommen diskutierten die Mitglieder der Delegation aus Nadschran in der Moschee in Medina mit dem Propheten. Außerdem wurde ihnen gestattet, dort auch zu beten. Hier kam es zum ersten friedlichen Dialog zwischen Christen und Muslimen in der Geschichte. Und zum ersten Mal beteten Christen in einer Moschee.</p>
<p>Der Prophet Muhammad hieß die Delegation aus Nadschran herzlich willkommen und stellte ihr einen sicheren Platz in der Nähe der Moschee zur Verfügung, auf dem sie ihr Lager aufschlagen konnte. Seinen Anhängern befahl er außerdem, das Zelt der Gäste aufzubauen. Trotzdem fanden die Delegation und Muhammad in theologischen Begriffen keinen gemeinsamen Nenner. Am Ende des Meinungsaustausches sagte einer der Christen zum Propheten: „Wir haben uns entschieden, dich so zu nehmen, wie du bist, und du nimmst uns, wie wir sind. Aber schicke uns einen Mann, der die Angelegenheiten bezüglich unserer Besitztümer regelt. Denn wir erkennen dich an.“ Dieser Bitte entsprach der Prophet, und so übergab er der Delegation eine schriftliche Zusicherung, die den Christen von Nadschran den Schutz von Leben, Religion und Besitz garantierte.</p>
<p>Kontroverse Dialoge auf höchster theologischer Ebener dokumentiert uns vor allem das islamische Mittelalter. Der Sitz des Kalifen Mensur von Bagdad war Zeitzeuge von islamisch – christlicher Diskussion. Während dieser Epoche wurden Dialoge beider Parteien, gleichwohl in Wort oder Schrift, der Öffentlichkeit zugänglich oder ausgegrenzt, veranstaltet. Dialogische Korrespondenz wurde fein säuberlich nachgewiesen.<br />
Das islamische Großreich war zu seiner Zeit bedacht auf die Belange, Sorgen und Nöte der Minderheiten unter Ihren Staatsgrenzen wahrzunehmen. Zweifellos war die Amtszeit der Türken einer der beispielhaften unter den vielen nationalen Regierungsepochen. Als die Seldschuken die Oberhand in Anatolien erlangten gab es ein Aufatmen der dortigen Christen. Seldschukische Dynastien besuchten Kirchen und Klöster und spendeten große Summen an die Verwaltung, bis hin zur Aufhebung der Staatssteuern ging ihre Toleranz.</p>
<p>Die aufstrebenden Osmanen traten zu Beginn des 14. Jahrhunderts das Erbe der Seldschuken in Anatolien an. Das Osmanische Reich war eines der größten und am längsten bestehenden Imperien der Welt, mit 22 unterschiedlichen Nationen und Religionszugehörigkeiten, bildete es ein Mosaik von Ethnien, einen geschichtlichen Beweis für das friedliche Zusammenleben multireligiöser Menschenmassen in einer islamischen Staatsordnung. Die Osmanen duldeten die wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit Ihrer Andersgläubigen Mitmenschen, Konfession, Sprache und Volkszugehörigkeit durften beibehalten werden. Dabei galt das besondere Interesse den christlichen Gemeinden, dass man hier nicht als besonders Erhaben deuten sollte, sondern man war sich des eigenen religiösen Rechts und dessen Verantwortung bewusst. Und seit der Blütezeit des Osmanischen Reiches bis in die Gegenwart, blieb der Islam im Balkan und in Zentraleuropa in der Minderheit. Nach wie vor war das Christentum dominant, unter anderem zurückzuführen auf eine tolerante, aufgeschlossene Dialogpartnerschaft, der Dynastien.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_3 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_81 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Rücken wir nun allmählich ein wenig Näher an das gestern gewesene und heutige Dialoggeschehen zwischen Islam und Christentum.</p>
<p>Mit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils vom 11.&nbsp;Oktober 1962 bis zum 8.&nbsp;Dezember 1965 ist auch nach über 40 Jahren noch eine wichtige Wegmarke für den Dialog der Religionen und Kulturen. Papst Johannes Paul II. würdigte die Ergebnisse des Konzils in seinem Testament als „ein großes Geschenk“, aus dem auch künftige Generationen noch schöpfen könnten. Das Konzil suchte nicht nur den Dialog mit anderen christlichen Kirchen, sondern mit allen Menschen, einschließlich ihrer Kulturen und Religionen. Für die Muslime brach damit ein zwanzigstes Jahrhundert neuer Hoffnungen und damit verbunden eine klare Dimension von christlich-islamischen Selbstverständnisses. Dem Konzil haben wir es zu verdanken, auf religiöser Ebene einen Dialog führen zu können der von Christen initialisiert und damit erst gesellschaftsfähig eingegliedert wurde, im direkten einbeziehen des Islams, der heute als DER Dialogpartner gilt.</p>
<p>Auf der muslimischen Seite ist zu bedauern, dass nach einigen Jahrzehnten noch keine vollständige ähnliche Institution und Organisation zustande gekommen ist. Dennoch laufen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene facettenreiche Dialogveranstaltungen von Muslimen ins Leben gerufen. Kurz seien einige dieser weltweiten Einrichtungen hier erwähnt werden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_82 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><ul>
<li>Der 1926 in Mekka mit Sitz in Jeddah gegründete WORLD MUSLIM CONGRESS, war Initiator der späteren INTERNATIONAL ISLAMIC FORUM FOR DIALOGUE, mit dessen Tätigkeit die letzten Jahre der Dialog vor allem in Europa und in den Vereinigten Staaten intensiviert wurde.</li>
<li>1962 schloss sich MUSLIM WORLD LEAGUE an, die 1982 in Colombo erstmalig ein aktives Dialoggespräch mit seinem christlichen Partner suchte. Die Ereignisse am 11. September waren der Anlass, eine weltweite Tournee des Dialogs mit bekannten Gesichtern der islamischen Welt zu starten.</li>
<li>1976 bereiste eine geistliche Delegation aus Libyen den Vatikan, zwischen dem ersten und zweiten Februar erschloss sich aus dieser Begegnung ein Berufungskomitee in Tripolis, die beidseitige Dialoggespräche auf eine Ebene der bisher unbekannten Begegnung trugen. Mit nahezu 400 Teilnehmern aus aller Herren Länder, wurde ein Meilenstein für die zukünftigen essentiellen Dialoggespräche gelegt. Libyen schöpfte aus diesen christlich – islamischen Begegnungen weiteren Mut und schloß sich 1982 im World Islamic Call Society Verbund zusammen. Was dazu führte eine weitere Zweigstelle in Malta einzurichten, die seit 1987 die Zeitschrift „DIALOGUE“ in maltesisch herausbringt.</li>
<li>1994 dann ein Durchbruch auf wissenschaftlichem Fundament, mit dem Sitz in Amman THE ROYAL ACADEMY FOR ISLAMIC CIVILISATION RESEACH war die Geburt des THE ROYAL INSTITUTE FOR INTERFAITH STUDIES um Forschungen zwischenreligiöser Beziehungen und den Dialog der Religionen weiterhin mit zu unterstützen.</li>
<li>Eine der bekanntesten europäischen Einrichtungen seit 1973 ist THE ISLAMIC FOUNDATION mit Sitz in England. Eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe mit dem Namen THE INTER FAITH UNIT und eine Zeitschrift die sich FOCUS benannt betreibt sie seit 1978 aktive Dialogarbeit.</li>
<li>Zuletzt soll hier auch DITIB genannt werden, zumal sie hier zu Lande einer der größten Dachorganisationen darstellt, ein Ableger der in der Türkei ansässigen staatlichen türkischen Behörde für Religionsangelegenheiten. Seit 1999 beherbergt sie einen Ausschuss für religiöse Dialoge. Vielleicht können Sie sich noch an den 13.11. der jüngsten Vergangenheit erinnern, an der auch DITIB beteiligt war, als in Istanbul eine hochrangige Gruppe der Vereinten Nationen für eine Allianz der Zivilisationen, die unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Spanien und der Türkei steht, ihren Schlussbericht und Aktionsplan vorlegten und hiermit auf höchster staatlicher Basis ein ernstzunehmendes Wort sprachen für den Dialog der Religionen und Kulturen.</li>
</ul></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_4 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_83 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das waren wie erwähnt ein Tortenteil der zielstrebig und offen organisierten Dialoginstitutionen von muslimischer Seite. Bereitwillig sind diese für weitere und vertiefte Gespräche interessiert, wenn es hier nicht einige Hürden zu überwinden gilt. Nämlich die der finanziellen Unabhängigkeit oder auch Abhängigkeit, denn die meisten sind nicht staatlich gefördert und auf Spenden angewiesen, hinzu kommt die räumliche Eingeschränktheit und der Einfluss von Außerhalb.</p>
<p>Wir sehen den Dialog im Anfangsstadium, wenn sie so möchten noch im Krabbelalter des Säuglings, die ja nicht lange anhält. So sollten wir uns fokussieren auf eine Zeit der effektiven Zukunft, die sich sicherlich nicht nur im Dialog der Religionen und Kulturen verhängen wird.<br />
Trotz der rapide zunehmenden muslimischen dialogischen Einrichtungen in der christlichen Welt, kann nur ein bedingter Vergleich zur christlichen soziologischen Seite geführt werden. Oftmals sind die Organisationen überlastet mit Anfragen, es fehlen die kompetenten Ansprechpartner, so manch ein muslimischer Wissenschaftler übergeht den Weg zu ihnen. Uns so werden sie vorwiegend Einzelpersonen anfinden, die sich im liberalen Lager sehen, im Westen ihren festen Lebensunterhalt bestreiten oder Muslimische Akademiker. Von der Leitlinie des Dialoges der Religionen, lässt man sich nicht abkommen: ein Dialog ohne Polemik, der zur Konvention zwischen Kulturen und Zivilisationen hinarbeiten soll.</p>
<p>Die Kraft und den Mut in die Zukunft positiv sehen zu können, nehmen Muslime ihrer religiösen Überzeugtheit und koranischen Botschaft als Referenz für eine Weltordnung des friedlichen Miteinanders. Dialog beginnt für Muslime 14 Jahrhunderte zuvor mit den Worten Gottes, gerichtet an die gesamte Menschheit unter ihnen auch Christen und gerade deswegen Partner im Glauben.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_5 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_84 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Ist der Islam eine missionarische Religion?</strong><br /> Zum Synonym der christlichen Mission gehört die arabische Bezeichnung Dawa, übersetzt Einladung, genauer jemanden zu sich einladen.<br /> Für einen Muslim, der zum Islam einlädt, ist diese Handlung ein Mittel, seiner eigenen Annäherung an Gott und ein Mittel, Sein Wohlwollen zu erlangen.<br /> <br />
Dawa, ist der Ruf an die Einheit Gottes zu erinnern und den Islam immer wieder auf eine annehmbare Art und Weise den Mitmenschen zu verkünden. Mit der letzten Inspiration Gottes an Muhammed schließt sich zwar die göttliche Kundschaft, wird aber in die Verantwortung des Muslims gelegt, der diese Lehre weiterhin öffentlich hegen und pflegen soll.<br /> <br />
Dawa wird im Koran an 6 Stellen wörtlich erwähnt und mit 205 Wortwurzeln in ein breit gefächertes Bedeutungsschema gepackt. So kann es eine Aufforderung zum Islam, zum Glauben, zum Wege Gottes, zum Buch Gottes, zur Wahrheit, zur Lebensquelle, zur Glückseligkeit und zum Heil bedeuten. Dawa ist die Aufforderung, eine Gemeinschaft zu bilden, die zum Rechten und Guten gebietet und das Böse verwehrt.<br /> Auch die taktischen Mittel wie eine Dawa auszusehen hat, wird thematisiert: Lade sie mit Weisheit und den schönsten Worten zum Wege Gottes ein, diskutiere mit ihnen akzeptabel, heißt es im heiligen Buch.</p>
<p>Koranexegesen unterscheiden drei Typen von Menschen die sich in Dialoge verwickeln lassen. An erster Stelle kommen Weise und aufgeschlossene Menschen, die ein faktisches recht darauf besitzen, von der Wahrheit in Kenntnis gesetzt zu werden. Diese Typen wollen meist datensichere Quellen, die ihnen der Koran bietet. Zum mittleren Typus gehört die Mehrheit der Geschöpfe an, sie werden als die reinlichen der Geschöpfe gesehen, die mit guten Ratschlägen geführt werden sollen. Der dritte hingegen sucht das kontroverse Gespräch, ihm zu begegnen könnte zum unangenehmen Diskurs führen. Aber auch hier gilt, unter den ethnischen Regeln zu bleiben.</p>
<p>Dawa ist wie eine vielbefahrene Straße. Zu beachten gilt, dass nicht nur der Fahrer auf der einen Fahrbahnseite zu Wort kommt, sondern auch der Gegenverkehr dazu befragt wird. Dawa ist keine psychologische Gehirnwäsche oder etwa ein zwingendes, blindes Vertrauen. Wie Christen ihre Mission verstehen, sind auch Muslime mit dem Grundsatz der Dawa verpflichtet.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_85 box-720  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Welche Rolle spielt nun der Dialog im Zusammenhang mit Dawa?</strong><br /> Dialog führt über Umwege zur Dawa und bereitet das Milieu für eine Dawa Aussprechung vor. Muslime benutzen immer mehr die Plattform des Dialoges für die Dawa Mission.</p>
<p>Der Philosoph und islamische Mystiker Seyyed Hossein Nasr, ist der Dialog, die Summe der Dawa. Er geht sogar noch weiter und sagt, wenn Muslime in religiösen Dialogen, einen Gesprächspartner anfinden und von ihm profitables lernen, erringen sie Ressourcen für den weiteren Verlauf ihres eigenen dawa Auftrages. Diesen setzen sie in späteren Dialogen ein und erkennen dadurch ihre eigene religiöse Gesamtheit. Mit diesen Gedanken meine sehr verehrten Damen und Herren, komme ich nun langsam zu meinen Schlussworten<br /> Die Welt von morgen ist eine Pracht mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen.</p>
<p>So wie wir uns heute beide verstanden haben, besitzt der Frieden einen außerordentlich hohen Stellenwert. Daher sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass die Anhänger unserer beiden Traditionen alles in ihrer Macht Stehende tun, um dem Frieden in der Welt zum Durchbruch zu verhelfen. Lokale Probleme bleiben heutzutage nicht lange lokal begrenzt. Die lokalen Probleme von heute sind die globalen Probleme von morgen. Kriege, bewaffnete und unbewaffnete Konflikte, Hungersnöte, ökologische Krisen, die Bedrohung der Menschheit durch den nuklearen Holocaust und Unterdrückung und Tyrannei, aber auch Arbeitslosigkeit, Rassismus, Umweltschutz, Terror, Gewalt, und weiter noch Islamophobie, Status der Frauen und Kinder in Religionen und Gesellschaftsschichten, sind nicht Probleme einer bestimmten Religion, sondern globale Probleme, die alle Gläubigen betreffen. Es existiert heute einfach keine lokale Situation mehr, die nicht von einer allgemeineren kulturell-politischen Situation beeinflusst wäre. Die globalen Probleme der unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften lassen sich nur dann lösen, wenn wir Verständnis füreinander aufbringen, unsere Mitmenschen respektieren und uns gegenseitig so akzeptieren, wie wir sind. Je mehr gläubige Menschen die Krisen unserer Zeit als globale Krisen begreifen, teilen und gegen sie antreten, desto eher wird unser Planet bereit sein, uns auf ihre Schultern weiterhin zu tragen.</p>
<p>Dialog beinhaltet auch für Muslime nicht als unbeteiligter Konsument, sondern als selbstbewusstes und verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft: teilhabend an sozialen, politischen, ökonomischen und anderen gesellschaftlichen Partizipationsprozessen und auf diese Weise auch die eigene Gegenwart gestaltend – nämlich muslimisch zu sein und in Europa zu leben und zu sterben.</p>
<p>Ich habe Sie am Anfang meiner Ausführungen gebeten, einem Sinfonieorchester Gehör zu geben. Jetzt bitte ich um die Hilfe ihres Sehsinns. Betrachten sie Europa wie einen Garten. Je mehr Blumen- und Pflanzensorten es dem Auge bietet, umso angenehmer und lehrreicher ist es, darin lustzuwandeln, und umso mehr neue Arten können sich durch unentwegte Kreuzungen bilden.<br /> Danke für Ihre Aufmerksamkeit.</p></div>
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			</div>
				
				
				
				
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<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/islam-und-dialog/">Islam und Dialog</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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		<title>Kanzelrede in der Hugenottenkirche Erlangen</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/kanzelrede-in-der-hugenottenkirche-erlangen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Nov 2012 11:03:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Du wirst wahrlich finden, dass die Menschen, die den Gläubigen in Liebe am nächsten stehen, die sind, die sagen: »Wir sind Christen«, dies, weil unter ihnen Priester sind und weil sie nicht überheblich sind.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/kanzelrede-in-der-hugenottenkirche-erlangen/">Kanzelrede in der Hugenottenkirche Erlangen</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_23 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Kanzelrede in der Hugenottenkirche Erlangen</h2>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="658" height="494" src="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2020/07/imam-idriz-kanzelrede-huggenottenkirche-erlangen.jpg" alt="Imam Idriz: Kanzelrede in der Hugenottenkirche Erlangen" title="Imam Idriz: Kanzelrede in der Hugenottenkirche Erlangen" srcset="https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2020/07/imam-idriz-kanzelrede-huggenottenkirche-erlangen.jpg 658w, https://islam-penzberg.de/wp-content/uploads/2020/07/imam-idriz-kanzelrede-huggenottenkirche-erlangen-480x360.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 658px, 100vw" class="wp-image-23907" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bild: © Bernd Böhner, Quelle: <a href="https://www.nordbayern.de/region/erlangen/imam-idriz-toleranz-ist-der-hochste-grad-von-starke-1.2526521" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nordbayern.de</a><br />
Im Dialog: Imam Benjamin Idriz (Mitte) mit Lektor Peter Scheer, Pfarrer Mann und Professor Hartmut Bobzin in der Hugenottenkirche.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_89  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Kanzelrede von Imam Benjamin Idriz in der Hugenottenkirche Erlangen, <nobr>Buß- und Bettag 2012</nobr>
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_90  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَلَتَجِدَنَّ أَقْرَبَهُمْ مَّوَدَّةً لِّلَّذِينَ آمَنُواْ الَّذِينَ قَالُواْ إِنَّا نَصَارَى ذَلِكَ بِأَنَّ مِنْهُمْ قِسِّيسِينَ وَرُهْبَانًا وَأَنَّهُمْ لاَ يَسْتَكْبِرُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_91  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Du wirst wahrlich finden, dass die Menschen, die den Gläubigen in Liebe am nächsten stehen, die sind, die sagen: „Wir sind Christen“, dies, weil unter ihnen Priester sind und weil sie nicht überheblich sind.“ (5, 82)
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_92  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Sehr verehrte Schwestern und Brüder,</p>
<p>ich habe zur Eröffnung meiner Rede, ganz bewusst diesen Vers 82 der Sure 5 gewählt, da ich Ihren Pfarrer, Herrn Mann, im Vorfeld kennenlernen durfte und er mir mit seiner Persönlichkeit diesen Vers in Erinnerung rief. Sie sollten wissen, dass dieser außergewöhnliche Abend dank Ihres weltoffenen und engagierten Pfarrers zustande gekommen ist.</p>
<p>Sowohl für Sie als Kirchenbesucher, als auch für mich, der ich es seit Jahren gewohnt bin, einmal in der Woche auf der Kanzel zu stehen um eine Predigt zu halten, ist dies doch schon ein ungewöhnlicher Buß- und Bettag-Abend in einer Kirche. Freitags besteige ich die Stufen der Kanzel in meiner Moschee in Penzberg. Und wenn Sie mich nun fragen würden, über welches Thema ich am liebsten spreche, dann ist es die Beziehung von Mensch zu Gott bzw. Mensch zu Mensch. Wie können wir in einer immer mehr plural gestalteten Welt und wiederum in unserem mikrokosmischen Kreise in Deutschland, in Bayern, in Erlangen, menschlich und würdig ein Zusammenleben gestalten ohne gleichzeitig die Beziehung zu Gott zu gefährden?</p>
<p>Ich habe die Einladung gerne und dankbar angenommen. Wir zeigen heute, dass Religionen sehr wohl friedlich miteinander umgehen können, denn schließlich stehen alle, mit keiner einzigen Ausnahme, für Frieden und wollen nur das Beste für den Menschen, der im Mittelpunkt der gesamten Schöpfung steht.</p>
<p>Ein Ausspruch des Propheten Muhammed lautet:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_93  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>فاليعلموا أن في ديننا فسحة إني بعثت بحنيفية سمحة,
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_94  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Sie sollten wissen, dass unsere Religion flexibel ist. Zu einer toleranten Glaubensgemeinschaft bin ich gesandt worden.“</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_95  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Es sind diese und viele weitere Quellen meiner Religion, die mich motivieren, auf andere zuzugehen, selbst auf die, die ihrerseits nicht zur Toleranz bereit sind. Wenn aber eine Einladung von einer Gemeinde kommt, die Toleranz als Vorgabe für ihre Weltanschauung begreift, dann komme ich mit noch größerer Achtung und Respekt. Denn die Toleranz erfordert Mut, und wenn wir diesen gemeinsam aufbringen, wird die Feigheit der Intoleranz für alle sichtbar. Toleranz ist der höchste Grad von Stärke und Intoleranz das erste Zeichen von Schwäche.</p>
<p>„Ich bin nicht gekommen um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“, sagt Jesus im Matthäusevangelium. Alle göttlichen Offenbarungen und Lehren und die aus ihnen hervorgegangenen Regeln, Werte und Normen sind im Laufe der Geschichte nur mit dem Zweck entstanden, die Grundrechte wie Gerechtigkeit und Gleichheit unter den Menschen, Frieden und Freiheit zu erzielen und zu schützen. Auch über Muhammed, dem letzten in der Prophetenkette, sagt der Koran in Sure 5, er sei entsandt worden, um wieder einiges zu klären und zu bestätigen und die frohe Kunde zu überbringen.
</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_96  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Liebe Geschwister,</p>
<p>die unerlässlichen Bedingungen für das Muslimsein sind:</p>
<ul>
<li>der Glaube an den einzigen Gott,</li>
<li>der Glaube an den Jüngsten Tag,</li>
<li>der Glaube an alle Bücher der göttlichen Offenbarungen und</li>
<li>der Glaube an alle von Gott gesandten Propheten</li>
</ul>
<p>Das heißt, Moses, Jesus oder Abraham zu ehren, ist ein genauso elementarer Bestandteil des Islam wie die Ehrung des Propheten Muhammed. Der Gläubige darf nicht zwischen ihnen unterscheiden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_97  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>قُولُواْ آمَنَّا بِاللَّهِ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْنَا وَمَا أُنزِلَ إِلَى إِبْرَاهِيمَ وَإِسْمَاعِيلَ وَإِسْحَاقَ وَيَعْقُوبَ وَالأَسْبَاطِ وَمَا أُوتِيَ مُوسَى وَعِيسَى وَمَا أُوتِيَ النَّبِيُّونَ مِن رَّبِّهِمْ لاَ نُفَرِّقُ بَيْنَ أَحَدٍ مِّنْهُمْ وَنَحْنُ لَهُ مُسْلِمُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_98  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Sprecht: ›Wir glauben an Gott und an das, was uns von droben erteilt worden ist, und das, was Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und ihren Nachkommen erteilt worden ist, und das, was Moses und Jesus gewährt worden ist, und das, was ­allen Propheten von ihrem Erhalter gewährt worden ist: Wir machen keinen Unterschied zwischen irgendeinem von ihnen. Und Ihm ergeben wir uns.‹« (2,136)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_99  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Daraus ergibt sich für Muslime nicht nur, dass die Religionen Achtung verdienen, sondern auch die Pflicht, sie in aktiver Überzeugung zu verteidigen. Der Islam garantierte den Menschen die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben, indem er das Verbot des Glaubenszwanges einführte.</p>
<p>Mit dem Koranvers (2:256)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_100  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>لاَ إِكْرَاهَ فِي الدِّينِ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_101  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens«</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_102  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>erlaubte Gott die freie Wahl eines Glaubens und verbot den Zwang zu irgendeinem Glauben. Die Entscheidungsfreiheit zwischen Glauben und Nichtglauben unterstrich der Koran mit dem Vers (18:29):</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_103  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>لوَقُلِ الْحَقُّ مِن رَّبِّكُمْ فَمَن شَاء فَلْيُؤْمِن وَمَن شَاء فَلْيَكْفُر</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_104  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Lasse denn an sie glauben, wer will, und lasse sie verwerfen, wer will«</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_105  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Und deswegen sieht der Koran weder eine Strafe für denjenigen vor, der sich von der Religion abkehrt, noch zwingt er jemanden zum Islam.<br />
Gott verweist mit dem Vers (109:6):</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_106  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>لَكُمْ دِينُكُمْ وَلِيَ دِينِ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_107  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Für euch eure Religion und für mich meine Religion«</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_108  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>nicht nur auf die Realität, dass es mehr als eine Religion gibt, sondern er stellt auch die Forderung auf, Menschen Freiheit im Glauben zu  gewähren und Achtung zu schenken. Andersgläubige dürfen wir nicht als »Ungläubige« bezeichnen. Wer nicht das glaubt, was ich glaube, ist nicht »ungläubig«, sondern »andersgläubig«.</p>
<p>Im Vers 64 der Sure Al Imran, der den Namen der Familie Jesu trägt, spricht der Koran die Christen und Juden folgendermaßen an:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_109  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>لَتَعَالَوْا إِلَى كَلِمَةٍ سَوَاء بَيْنَنَا وَبَيْنَكُمْ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_110  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Kommt zu dem Grundsatz, den wir und ihr gemeinsam haben« (3:64)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_111  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Als Bindeglied nennt der Koran Folgendes (29:46):</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_112  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَقُولُوا آمَنَّا بِالَّذِي أُنزِلَ إِلَيْنَا وَأُنزِلَ إِلَيْكُمْ وَإِلَهُنَا وَإِلَهُكُمْ وَاحِدٌ وَنَحْنُ لَهُ مُسْلِمُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_113  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Wir glauben an das, was uns von oben erteilt worden ist, wie auch an das, was euch erteilt worden ist: denn unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe, und ihm ergeben wir (alle) uns.«</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_114  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Und er stellt auch die Kriterien auf, in welchem Stil man miteinander reden sollte:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_115  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَلا تُجَادِلُوا أَهْلَ الْكِتَابِ إِلاَّ بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_116  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Streitet nicht mit dem Volk der Schrift (Juden und Christen), es sei denn auf die beste Art und Weise.« (29:46)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_117  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Mose und Jesus sind und bleiben für Muslime hoch geachtete Propheten und wichtige Gestalten für die Beziehung Gottes zu den Menschen!</p>
<p>Der Koran enthält keine neuen Inhalte, die alles Frühere ersetzen oder gar für ungültig erklären würden. Vielmehr vollendet und bestätigt der Koran die Schriften der Hebräischen Bibel und der Evangelien, und, in unserer Sicht, korrigiert er sie auch in manchen Punkten. Der Koran kann Jesus sogar „Wort Gottes“ (4:171) nennen, weil er die Botschaft Gottes durch sein Leben und Lehren in besonderer Weise verkörpert hat. Gleichwohl lehnt der Islam eine Menschwerdung Gottes ab, sodass wir Muslime nicht von einem „fleischgewordenen Wort Gottes“ sprechen können.</p>
<p>Hier liegt ein zentraler Unterschied zwischen Christentum und Islam, den wir, meine ich, stehen lassen und gegenseitig respektieren dürfen und sollen. Für uns ist das Wort Gottes einzig und allein in der Schrift präsent, im Koran. Wenn wir uns in Sein unmittelbares Wort vertiefen, bei der Koranlektüre also, begegnen wir Gott. Was wir im Koran lesen, stellt uns Gott eben nicht als unendlich fern dar, sondern in allererster Linie als Quelle der Barmherzigkeit, oder mit einer noch deutlicheren Vokabel übertragen: der Liebe. Nächstenliebe und Friede ist die fundamentale Botschaft aller Propheten.</p>
<p>Der Prophet Muhammed war beauftragt, wie alle seine Nachfolger, den Bund zwischen Gott und Mensch, wiederzubeleben. Die letzte Botschaft Gottes an die Weltgemeinschaft, also der Koran, war die letzte Interaktion zwischen Gott und Menschen. Das Ziel war, unter den Menschen, eine <em>ummatan</em> <em>wasatan</em> „gemäßigte und moderate Gesellschaft“ zu gründen, wie es im Koranvers 2:143 heißt.</p>
<p>Dies entspricht der Rolle des Menschen, der als Vertreter Gottes die Verantwortung übernommen hat, die von Gott erwünschte „friedliche Welt“ <nobr>(daru-s-salam)</nobr> auf Erden zu errichten.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_118  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَاللَّهُ يَدْعُو إِلَى دَارِ السَّلامِ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_119  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Gott lädt zur Wohnstätte des Friedens ein!« (10:25)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_120  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Gott als der gemeinsame Nenner der Religionen ist ein Licht, das die Welt erhellt, und kein Faktor der Feindseligkeit.</p>
<p>Mit dem Wort Gottes verursachen wir nicht Kriege, sondern beenden wir die Kriege. Religionen und unterschied­liche Glaubensrichtungen dürfen uns niemals daran hindern, die Gesellschaft voranzubringen und friedlich mit allen Menschen zusammenzuleben.</p>
<p>Gott ist as-Salam, der Friede, und akzeptiert deswegen nur die freiwillige Ergebenheit und friedliebende Beziehungen zwischen den Menschen. Wenn islam also bedeutet, sich Gott freiwillig zu unterwerfen, dann bedeutet muslim, der „friedliebende Mensch“, der Mensch der Frieden auf Erden verbreitet. Der Muslim ist das Gegenteil des verdorbenen, ungerechten, bösartigen und gewalttätigen Menschen. Dies bekundet der Prophet Muhammed am besten, indem er den Muslim folgendermaßen beschreibt:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_121  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>المسلم من سلم الناس من لسانه ويده</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_122  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Der Muslim d.h. der friedliebende Mensch, ist verantwortlich dafür, dass die anderen friedliebenden Menschen vor seinen Händen und Worten sicher sind.“</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_123  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Gerade dieser Andere, wer auch immer er sein mag, muss fühlen, dass er in Frieden mit den Muslimen leben kann und sich bewusst sein, dass keine Gefahr von diesen ausgeht. Der wahre Muslim ist derjenige Mensch, der in Frieden mit Gott, mit sich selbst, seiner Umgebung, allen Menschen, sowie mit dem ganzen Kosmos lebt.</p>
<p>Es passiert nicht zum ersten Mal in der Geschichte, dass eine Religion aufgrund von Vorurteilen derer, die sich im Hass Anderen gegenüber verloren haben, falsch verurteilt wird; es ist auch nicht das erste Mal, dass diese Personen versuchen den Grundbegriff einer Religion ins Gegenteil zu drehen; es ist aber auch nicht zum ersten Mal in der Geschichte so, dass die Menschen, die dieser Religion angehören, begreifen müssen, dass diese Vorurteile nicht von sich aus verschwinden werden.</p>
<p>Muslime müssen aufstehen und über die wahren Begriffe ihres Glaubens, ihres Lebens, ihrer Kultur und des Weltfriedens sprechen. Sie müssen darüber hinaus auch überzeugend handeln, damit sich das wovon sie sprechen, was sie propagieren, woran sie glauben und worin sie Andere unterrichten, in ihrer Lebensweise wiederentdecken lässt.</p>
<p>Gläubige aller Religionen müssen an vorderster Front gegen jede Radikalisierung der Religion vorgehen und Fanatismus bekämpfen, der Unterdrückung, Xenophobie und Gewalt entschieden entgegen treten, indem wir uns dazu bekennen, dass Hass, Terror und Krieg niemals eine Lösung, aber immer eine Sünde ist!</p>
<p>Ein Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft muss von einem ständigen Geben und Nehmen geprägt sein. Für die Muslime heißt es, selbst die Verantwortung zu übernehmen, für größtmögliche Transparenz zu sorgen und die Lehren der Religion klug, bedacht, vernünftig und verantwortungsvoll vorzuleben. Eine gemeinsame starke Stimme gegen jegliche Art von Intoleranz und von menschenunwürdigen Parolen muss Allgemeingut werden. Denn die beste Medizin gegen Hass ist Respekt und Toleranz.</p>
<p>Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Deutschland bereits die passenden Schlüssel gefeilt haben, wir müssen uns nur trauen, auch die Türen damit zu öffnen.</p>
<p>Wir dürfen nicht Angst vor dem haben, was uns hinter dieser Türe erwartet. Sicherlich wird es auch Momente der Enttäuschung geben. Aber sehen wir doch auch die zahlreichen Momente des Friedens, der Geborgenheit und der Freude in diesem Land, im schönen Bayern, wo die Muslime seit mehr als 50 Jahren in Frieden mit Ihren Nachbarn leben, und zusammen mit der Mehrheitsgesellschaft für den Wohlstand des Landes arbeiten.</p>
<p>Wir brauchen mehr denn je eine Kultur  der Wertschätzung von allen Seiten, und das erfordert, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und für einen alternativlosen und respektvollen Dialog einzutreten.</p>
<p>Das ist Voraussetzung und notwendig, denn es geht hier um unsere konstruktive Verantwortung für diese Gesellschaft – also darum, als engagierte Bürgerinnen und Bürger muslimischen oder nicht-muslimischen Glaubens für ein friedliches Zusammenleben in Pluralität einzutreten, für Bildung, für soziale Gerechtigkeit, für Menschenwürde, für Gleichberechtigung der Geschlechter, für Freiheit und für unseren gemeinsamen Rechtsstaat.</p>
<p>Ganz persönlich sehe ich meinen Dienst darin, dass die Religionen und somit auch meine Religion, der Islam, auf die Fragen unserer Zeit und unserer Kultur Antworten müssen. Eine Religion wäre tot, wenn sie nicht dynamisch die Menschen begleiten würde auf ihren vielen verschiedenen Wegen durch die Zeiten und Kulturen. Das steht in keinem Widerspruch damit, dass die Quellen der Religion ewig sind; denn sie kommen von Gott. Diejenigen, die aber nicht willens oder nicht fähig sind, aus diesen unveränderlichen Quellen immer wieder neue Antworten zu schöpfen, sind die Totengräber der Religion.</p>
<p>Als das erste Gebot des Korans, »Lies!«  dem Propheten Muhammed verkündet wurde, gab es noch keinen Text zu lesen. So war damit eher gemeint: Versuche zu verstehen! – verstehen, was Gott sagen will, das Dasein, die Natur und alles, was die Menschheit betrifft.<br />
Da Gott dem Menschen etwas von seiner eigenen Seele eingehaucht hat, ist der Mensch dasjenige Wesen, das Gott am nächsten steht ist. Also besteht zwischen Gott und Mensch ein horizontales Verhältnis und freundschaftliche und liebevolle Beziehung. Gott – trotz Seiner absoluten Mächtigkeit – darf nicht als ein Wesen angesehen werden, das auf den Menschen von oben, aus höchster Höhe herabsieht, sondern als eines, das neben dem Menschen steht, in ihm und mit ihm zusammen ist. Das formuliert der Koran sehr einprägsam und in aller Deutlichkeit:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_124  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>وَنَحْنُ أَقْرَبُ إِلَيْهِ مِنْ حَبْلِ الْوَرِيدِ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_125  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Wir sind dem Menschen näher als seine Halsschlagader“ (50:16)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_126  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vor allem bestimmt die Liebe das Verhältnis zwischen Gott und Mensch und nicht die Furcht oder der Hass. Das heißt, Liebe und Gerechtigkeit müssen zum tragenden Element werden, in dem der Gelehrte die Verantwortung übernimmt, die Religion zu interpretieren und zu kommentieren. In diesem Sinne gilt es, nicht auf der Beschäftigung mit dem Dogma des Korans zu verharren, das ja ein Fingerzeig Gottes ist, sondern es gilt, in die aufgezeigte Richtung zu gehen, also zum Menschen, zum Leben und zur Natur.</p>
<p>Gott offenbart dem Menschen keine fertigen Antworten, sondern er zeigt ihm Beispiele aus einer bestimmten gesellschaftlichen Wirklichkeit und verlangt von ihm, dass er daraus Schlüsse zieht und dadurch sein Bewusstsein schärft. So will Gott den eingeschlafenen Geist der Menschheit erwecken und die Seite in ihm beleben, die nach Güte und Gerechtigkeit sucht.</p>
<p>Die Muslime sind weiterhin Veränderungen unterworfen, weil sie auch weiterhin abhängig bleiben von der Zeit und vom Raum, von der gesellschaftlichen Struktur und den anthropologischen und soziologischen Begebenheiten der Völker. Aufgrund dessen muss eine zeitgemäße Interpretation des Islam in Deutschland entwickelt werden, die dem Wandel der Zeit Rechnung trägt.</p>
<p>Heute haben wir andere Bedürfnisse und andere gesellschaftliche Strukturen als unsere Vorfahren; daher müssen sich auch die Diskurse und Methoden in der islamischen Theologie weiterbewegen. Bei dieser Methode sollte eine Verbindung zwischen der Lehre und der aktuellen Wirklichkeit hergestellt werden, sie sollte eine zeitgemäße Antwort auf die Frage finden, was Gott gemeint hat, statt zu wiederholen, was Gott gesagt hat.</p>
<p>Und zum Schluss, meine sehr verehrten Geschwister, beende ich meine Rede mit demselben Vers, mit dem ich und alle Imame ihre Freitagspredigt beenden:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_127  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>إِنَّ اللَّهَ يَأْمُرُ بِالْعَدْلِ وَالإِحْسَانِ وَإِيتَاء ذِي الْقُرْبَى وَيَنْهَى عَنِ الْفَحْشَاء وَالْمُنكَرِ وَالْبَغْيِ يَعِظُكُمْ لَعَلَّكُمْ تَذَكَّرُونَ</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_128  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Gott gebietet Gerechtigkeit und Gutes zu tun und Großzügigkeit gegenüber den Mitmenschen; und Er verbietet alles, was schmachvoll ist und Gewalttätigkeit. Er ermahnt euch. Vielleicht lasst ihr euch mahnen! (16:90)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_129  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wir bitten Dich Lieber Gott!<br /> Heute stehen wir vor Dir in Deinem Haus: Gemeinsam beklagen wir die Ungerechtigkeit und den Unfrieden auf der Welt.</p>
<p>Hilf uns, Mut zu haben, Zivilcourage zu üben, der Ungerechtigkeit entgegen zu treten. Denn wir wissen: Den Frieden hast du vorgesehen als einen Urzustand in Deiner Schöpfung.</p>
<p>Ermögliche uns, unsere Nachkommen so zu erziehen, dass sie die Menschenrechte lieben und sie darin bestärken alle Formen von Hass, Intoleranz und ethnischen Vorurteilen aus ihren Herzen zu beseitigen.</p>
<p>Barmherziger Gott,<br /> stärke in uns allen die Verbundenheit zu diesem Land, den Respekt zu einander, lass uns zum gegenseitigen Nutzen voneinander lernen, und lass uns das Nebeneinanderher überwinden!</p>
<p>Gib uns die Kraft, für ein friedliches Miteinander einzutreten, und zeige uns den Weg zum Verstand und zu den Herzen der Menschen! Verschließe die Tür der Vorurteile, die uns unterwegs zum Dialog und zum Miteinander im Wege stehen! Befähige uns, Böses mit Gutem zu erwidern, so wie es die Schüler Deines Propheten Jesus einst lehrten: <strong>„Sehet zu, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun!“</strong> (1. Thessalonicher 5:15)</p>
<p>Lass uns auch hier weiterhin in Frieden leben, beschütze unser Land vor Unheil! Wie dein großer Prophet Abraham betete:<strong> „Herr, mache diesen Ort zu einer Stätte der Sicherheit und des Friedens!“</strong> (Koran 14:35)</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_35 box-700">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_35  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_130  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Imam Idriz: „Toleranz ist der höchste Grad von Stärke“</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_131  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Muslimischer Geistlicher predigt in der Hugenottenkirche: Pfarrer Johannes Mann muss Morddrohung aushalten</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_132  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Quelle: <a href="https://www.nordbayern.de/region/erlangen/imam-idriz-toleranz-ist-der-hochste-grad-von-starke-1.2526521" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nordbayern.de</a></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_133  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Pfarrer Johannes Mann hatte den Imam Benjamin Idriz zur Kanzelrede in die Hugenottenkirche eingeladen. Die neue Form des interreligiösen Dialogs hat heftigste Reaktionen hervorgerufen. Mann musste sogar eine Morddrohung aushalten. </p>
<p>„Lass Dich in den Arm nehmen“, sagte Mehmet Sapmaz und drückte Pfarrer Johannes Mann fest an sich. „Für deinen Mut“, sagte der Muslim und CSU-Stadtrat. Wie viele andere an diesem Abend war Sapmaz erfüllt von dem Gottesdienst in der Hugenottenkirche und der Kanzelrede des Imams Benjamin Idriz.</p>
<p>Zum Buß- und Bettag, der zur Besinnung und Neuorientierung aufruft, hatte Pfarrer Johannes Mann den muslimischen Geistlichen und Gelehrten Benjamin Idriz von der islamischen Gemeinde aus Penzberg in das evangelisch-reformierte Gotteshaus zum interreligiösen Dialog eingeladen. Ein gewagter Schritt war das, für manche gar ein Tabubruch, der schon vorab heftigste Reaktionen hervorgerufen hatte. Bis hin zur Morddrohung („Du gehörst aufgeknüpft“) gingen die Angriffe, die Pfarrer Mann nach seinen eigenen Worten über sich ergehen lassen musste. Unter Polizeischutz — so Mann — fand der Gottesdienst statt.</p>
<p>Wohl zum ersten Mal hat eine protestantische Gemeinde in Bayern einen Imam von der Kanzel predigen lassen. Um Irritationen auszuräumen, betonte Mann, und um allen Fanatikern zu zeigen: „Wir gehen hier miteinander mit Offenheit, Respekt und Vertrauen um.“</p>
<p>Benjamin Idriz zeigte sich als aufgeklärter Muslim, der zur Toleranz aufforderte: „Denn Toleranz erfordert Mut. Toleranz ist der höchste Grad von Stärke und Intoleranz das erste Zeichen von Schwäche.“ Dies gilt für den Imam auch für die Freiheit des Glaubens. Idriz betonte die Entscheidungsfreiheit zwischen Glauben und Nichtglauben mit dem Koran. Er zitierte aus Sure 18, Vers 29: „Lasse denn an sie glauben, wer will, und lasse sie verwerfen, wer will.“ Der Imam hob ebenso hervor, dass Islam Frieden bedeute. „Der wahre Muslim ist derjenige Mensch, der in Frieden mit Gott, mit sich selbst, seiner Umgebung, mit allen Menschen lebt.“</p>
<p>Idriz betonte in seiner Rede auch die Wandelbarkeit von Religionen und die Notwendigkeit einer kontextuellen Auslegung der Quellen: „Die Muslime sind Veränderungen unterworfen, weil sie auch weiterhin abhängig bleiben von der gesellschaftlichen Struktur und den anthropologischen und soziologischen Begebenheiten der Völker. Aufgrund dessen muss eine zeitgemäße Interpretation des Islam in Deutschland entwickelt werden, die dem Wandel der Zeit Rechnung trägt.“ Der Imam sprach sich daher für eine plurale Gesellschaft aus, für die Gleichberechtigung der Geschlechter, für soziale Gerechtigkeit in „unserem gemeinsamen Rechtsstaat“.</p>
<p>Idriz und seine Gemeinde ist in bestimmten Kreisen umstritten. Der Verfassungsschutz hatte die Islamische Gemeinde mehrere Jahre beobachtet; im Bericht der Behörde 2011 wurde die Gemeinde nicht mehr erwähnt. Idriz wurde allerdings von vielen Seiten — etwa vom evangelischen Altbischof Johannes Friedrich oder Münchens OB Christian Ude — unterstützt. Sie halten ihn für einen liberalen Vertreter des Islams, der für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehe.</p>
<p>Pfarrer Johannes Mann war nach der Veranstaltung erleichtert und glücklich: „Wir haben ein neues Kapitel im interreligiösen Dialog aufgeschlagen.“</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_36 box-700">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_36  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_134  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Imam sprach in Erlangen über Texte aus der Bibel und dem Koran</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_135  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Quelle: ead.de, Deutsche Evangelische Allianz e. V.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_136  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Erlangen (idea) – Ein muslimischer Geistlicher hat am Buß- und Bettag (21. November) in Erlangen in einem evangelischen Gottesdienst gepredigt. Eingeladen hatte die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde. Sie bittet seit einigen Jahren Prominente aus Politik und Gesellschaft, am Buß- und Bettag eine „Kanzelrede“ zu halten. Gastredner war der Imam von Penzberg (Oberbayern), Benjamin Idriz. Vor rund 200 Besuchern habe er aus der Bibel die Schriftlesung gehalten, über Toleranz gesprochen und ein Gebet vorgetragen, sagte Pfarrer Johannes Mann gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Ansprache hätten Abschnitte aus der Bibel und dem Koran zugrunde gelegen. In der Auslegung habe Idriz betont, dass der Islam Hass und Kriege ablehne. Gemeinsames Merkmal aller Religionen sei, zur Versöhnung zwischen den Menschen beizutragen. Seiner Ansicht nach sollte in den Moscheen auf deutsch gepredigt werden. Auch habe es Idriz als Vorrecht bezeichnet, in einem freiheitlichen Rechtsstaat leben zu dürfen, dessen Verfassung alle Menschen in diesem Land beachten müssten. Laut Mann war Idriz’ Rede von Versen in arabischer Sprache eingerahmt, die mit „Im Namen Gottes“ übersetzt wurden. Die Ansprache sei mit großem Beifall aufgenommen worden.</p>
<p><strong>Polizeischutz für den Gottesdienst</strong><br /> Pfarrer Mann zufolge fand der Gottesdienst unter Polizeischutz statt. In den vorangegangenen Tagen habe es „wüste Beschimpfungen“ von Islam-Hassern gegeben. Ein Anrufer habe gedroht: „Euch Pfaffenpack sollte man aufknüpfen.“ Idriz und seine Gemeinde wurden mehrere Jahre lang vom Verfassungsschutz beobachtet, weil es Kontakte zu der als verfassungsfeindlich eingestuften Islamistischen Gemeinschaft Milli Görüs gab.</p>
<p><strong>Präses: Es war ein „interreligiöses Gebet“</strong><br /> Der Präses der Evangelisch-reformierten Kirche in Bayern, Simon Froben (Bayreuth), sagte auf idea-Anfrage, dass es sich bei der Veranstaltung um ein „interreligiöses Gebet“ gehandelt habe. In Gottesdiensten dürften nur theologisch ausgebildete Christen predigen. Der örtliche Kirchenvorstand habe das „Kanzelrecht“ und entscheide darüber, wer als Prediger eingeladen werde. Auf der Internetseite der Gemeinde war die Veranstaltung als Gottesdienst angekündigt worden.</p></div>
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					<a href="https://islam-penzberg.de/konferenz-gegen-rassismus-dialog-statt-islamophobie/" rel="prev">
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			</div></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/kanzelrede-in-der-hugenottenkirche-erlangen/">Kanzelrede in der Hugenottenkirche Erlangen</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Konferenz gegen Rassismus: Dialog statt Islamophobie</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/konferenz-gegen-rassismus-dialog-statt-islamophobie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 11:26:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>"Wir dürfen von Andersartigen nicht Angst haben. Angst ist das Zeichen des Schwachen." Rede von Imam Benjamin Idriz in Graz am 19.03.2012.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/konferenz-gegen-rassismus-dialog-statt-islamophobie/">Konferenz gegen Rassismus: Dialog statt Islamophobie</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_26 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><a href="/blog/">Hier &amp; Heute</a> | <a href="/rubrik/dialog/#igp-blog">IGP Blog</a></p></div>
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					<h2 class="entry-title">Konferenz gegen Rassismus: Dialog statt Islamophobie</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>„Woche gegen Rassismus“ in Graz: Imam Benjamin Idriz fand mit seinen Thesen viele Zuhörer.<br />
Die Rede von Imam Benjamin Idriz in Graz am 19.03.2012</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_140  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wir dürfen von Andersartigen nicht Angst haben. Angst ist das Zeichen des Schwachen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_141  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wie ihnen vielleicht bekannt sein dürfte, fand die erste Europäische Imamkonferenz in Graz statt. Die 2. Konferenz in Wien im Jahr 2006, bei der ich mitgewirkt habe. Ja und seit dem schiele ich mit einem Auge sehr neidisch nach Österreich, denn eine Imamkonferenz fand bislang in Deutschland nicht statt. Auch hat der Islam nicht den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes, wie es Österreich genießt. Die Anerkennung des Islams seit 1912 als Religionsgemeinschaft macht es ihnen, liebe Österreicherinnen und Österreicher leichter, vermute ich, den Dialog auf gleicher Augenhöhe zu suchen. Versäumen möchte ich es nicht und gratuliere ihnen allen zum 100 jährigen Jubiläumsjahr. Möge es die Anlässe der Begegnung und den Respekt vor einander um das Vielfache vermehren.</p>
<p>Denn sind wir doch einer globalen Welt ausgesetzt, die neben ihren schönen Aspekten, eben auch traurige und unzulässige Kapitel schreibt. Wie z.B. die, dass der Islam gleichgesetzt wird mit Terrorismus, dass die Sicherheitsämter seit 9/11 auf Alarm eingestellt sind, dass das Klima des Alltags, ich spreche für die Muslime, mit einem ständigen Rechtfertigungsdruck, wer sie sind und wer sie nicht sein möchten, ausgesetzt sind. Das kann nicht zum Dauerzustand werden. Die Zukunft unserer Welt liegt in den Händen der Pluralen Gesellschaften. Nicht nur Europa ist von dieser Diversität betroffen.</p>
<p>Viele Völkerwanderungen, die einen aus Frust, die anderen aus Lust, ziehen den Menschen in Regionen, die ihnen räumlich neu und fremd sind. Ein Zusammenleben in Pluralen Gesellschaften sollte geprägt werden, von einem ständigen Geben und Nehmen. Für die Muslime heißt es, selbst die Verantwortung zu übernehmen, für größtmögliche Transparenz zu sorgen und die Lehren der Religion klug, bedacht, vernünftig und verantwortungsvoll vorzuleben. Eine gemeinsame starke Stimme gegen jegliche Art von Intoleranz von menschenunwürdigen Parolen müssen Allgemeingut werden. Denn die beste Medizin gegen Hass und Intoleranz ist das Wissen. Wie heißt es so schön, wer nichts weiß, muss alles glauben. Deshalb danke ich ihnen allen für ihr kommen, für ihr Interesse, ich danke den vielen Kooperationspartnern, allem voran der Stadt Graz, den Kirchen und den vielen Anderen, die dazu beigetragen haben, heute Abend noch einen Meilenstein zu legen, damit uns das Miteinander friedlich und menschenwürdig gelingt.</p>
<p>Wir brauchen mehr denn je eine Kultur der Wertschätzung von allen Seiten und das erfordert über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen oder wie das Motto für heute lautet: Für einen alternativlosen Dialog einzutreten.<br /> Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Europa bereits die passenden Schlüssel gefeilt haben, wir müssen uns nur trauen auch die Türen damit zu öffnen. Wir dürfen nicht davor Angst oder Ungewissheit haben, auf dass was uns hinter dieser Türe erwartet. Sicherlich wird es auch Momente der Enttäuschung geben. Aber sehen wir doch auch die zahlreichen Momente des Friedens, der Geborgenheit und der Freude in diesem Hause.<br /> Die erste Generation von muslimischen Migranten haben aus ihren jeweiligen Ländern nicht nur ihre Religion mitgebracht, sondern auch Ihr Verständnis für Religion, ihre Kultur und Volkstraditionen. Was ich damit sagen möchte ist, dass es kein einheitliches „Islamisches Wesen“ gibt. Das heißt, auch Muslime selber bedürfen einer Öffnung, sowohl nach außen hin zu ihrer neuen Erfahrungswelt hier in Österreich, als auch nach neu aufkommenden Fragen, die ihren Glauben im Kontext des Hier und Jetzt betreffen.</p>
<p>Ich habe, wie vielen von Ihnen bekannt ist, mich schon häufig und ausführlicher, als das heute hier Platz hat, dafür eingesetzt, dass der Islam auf die Fragen unserer Zeit und unserer Kultur Antworten bieten muss. Eine Religion wäre tot, wenn sie nicht dynamisch die Menschen begleiten würde auf ihren vielen verschiedenen Wegen durch die Zeiten und Kulturen.<br /> Das steht in keinem Widerspruch damit, dass die Quellen der Religion ewig sind; denn sie kommen von Gott. Diejenigen, die aber nicht willens oder nicht fähig sind, aus diesen unveränderlichen Quellen immer wieder neue Antworten zu schöpfen, sind die Totengräber der Religion. Solche Phasen hat es in islamischen Kulturräumen leider viel zu lange gegeben; es gibt sie sogar heute noch.</p>
<p>Aber heute nicht anders als in der Vergangenheit hat sich der Islam immer dann als vitale Religion erwiesen, wo sich die Muslime nicht an die Traditionen anderer Kulturräume und vergangener Epochen gekettet haben, sondern neue Antworten für ihre Lebenswirklichkeit suchten und fanden. Nicht nur die islamische Lehre, sondern alle göttlichen Offenbarungen und Lehren und die aus ihnen hervorgegangenen Regeln und Gesetze sind im Laufe der Geschichte nur mit dem Zweck entstanden, die Grundrechte wie Gerechtigkeit unter den Menschen, Frieden, und Freiheit zu erzielen und zu schützen. Diese historisch bis heute gewachsenen Werte und Rechte sind nicht das Produkt einer bestimmten Gesellschaftsordnung und Philosophie, sondern universelle Werte, die als Allgemeingut der ganzen Menschheit gelten sollten.</p>
<p>Der Islam besitzt einen universellen Charakter und hat die Fähigkeit, sich an jede Epoche und an jeden Ort anzupassen. Natürlich gilt das auch für Steiermark. Nur für ein erstarrtes, extremistisches Islamverständnis, dem die universellen Werte fehlen, gilt dies nicht. Ein solches Islamverständnis ist – das ist für jeden deutlich – nicht integrierbar, nicht einmal im Orient, geschweige denn im Okzident.<br /> Hier in Europa hat, wie in jeder geographischen Region der Welt, die Kultur die Religion beeinflusst – also auch den Islam, denn der Islam hat schon immer auch zu Europa gehört. Die in Europa entwickelten Werte wie Freiheit, Demokratie, pluralistische Gesellschaft, Gleichberechtigung etc. beeinflussen ganz zwangsläufig das Islamverständnis der europäischen Muslime. Europa hat in seinem Islamverständnis und auch in seiner Ausübung eigene Erfahrungen gemacht. In Bosnien durch die Zusammenarbeit der Bosnier und Österreicher.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_6 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_142  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Dazu kurz eine Anekdote:<br /> Zum Ende des 19. Jahrhunderts durchlebten die Muslime in Bosnien den Übergang vom osmanischen islamischen Reich zum Österreich-Ungarischen, christlichen Reich. Das bedeutete für Bosnien eine Neuorientierung und damit tauchte die Frage der Integration der Muslime in einen bisher unbekannten Staatsapparat auf. Bereits in den Anfängen des Machtwechsels beschäftigten sich in Sarajevo muslimische Denker wir Mehmed-Beg Kapetanovic Ljubusak und Dzemaludin Cusevic gedanklich mit Religionsreformen, um eine möglichst verlustfreie Integration der bosnischen Muslime in das Österreichisch-Ungarische Reich zu gewährleisten.</p>
<p>Ihnen gelang es, das muslimische Volk mit richtungsweisenden Botschaften für diese Eingliederung zu gewinnen. Wie gegenwärtig in Europa zu spüren ist, ist auch die Geschichte Bosniens gezeichnet von solchen muslimischen Gelehrten, die in ein konservatives Lager hinein wuchsen, und solchen, die Reformen in Gang setzten. Während die Konservativen weiter auf die klassische Methode setzten, verknüpften die Reformer den Islam mit dem Geist der Zeit, des Ortes und der vorherrschenden Begebenheiten. Die Stimmen der Reformer wurden immer mutiger und sie gingen im Lauf der Zeit als Gewinner hervor. In den zahlreichen Veröffentlichungen der Reformer ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass es nicht darum geht, das religiöse Kleid abzustreifen, um zu überleben, sondern als gläubiger Muslim sich Richtung Europa auszurichten. Den Reformern ging es hauptsächlich um eine Sensibilisierung des muslimischen Daseins unter Österreich-Ungarn. Die Reformer ermutigten ihre Landsleute sich gegenüber der österreichisch-ungarischen Regierung, also gegenüber Europa, zu öffnen und sich loyal zu ihr zu stellen. Sie traten auch für das Erlernen der deutschen Sprache bzw. der Sprache der Herrschenden ein.</p>
<p>Gelobt wird in ihren zahlreichen Werken ausdrücklich Kaiser Franz Joseph I., der sein christliches Land den bosnischen Muslimen öffnete, ihnen nicht nur Toleranz entgegen brachte, sondern auch direkte Hilfe bot, um muslimische Identität zu pflegen. Das 1887 in einem prächtigen ost-westlichen Stil erbaute Gebäude Mekteb-i Nuvvab in Sarajewo, das die älteste Fakultät für islamische Wissenschaft in Europa beherbergt, sowie die ebenfalls in jener Zeit geschaffene Institution des Reisu-l-ulema als geistiges Oberhaupt und Repräsentant der Muslime, künden noch heute von der Offenheit und Weitsicht des christlichen Monarchen.</p>
<p>Das, was gestern in Bosnien Geschichte geschrieben hat, kann für das heutige Österreich Inspiration sein zu einer fruchtbaren Zukunft. Dafür aber bedürfte es christliche Menschen wie einst Kaiser Franz Joseph und muslimische Vordenker wie Ljubusak oder Causevic oder die an ihren Visionen zielstrebig festhielten und sie bis in unsere Zeit hinein spürbar werden lassen.<br /> Diesen Wunsch und diese Hoffnung erlaube ich mir nach Graz zu übertragen. Der Bürgermeister ihrer Stadt, die Vertreter aller demokratischen Politiker in Graz, sowie die religiösen Würdenträger in dieser Stadt, sind die heutigen Franz Josephs und die Vorsitzenden, die Imame und die Gemeindemitglieder des Islamischen Kulturzentrums sind hingegen die Nachfolger der reformorientierten Islam-Intellektuellen in Bosnien.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_7 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_143  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Muslime in Europa sind heute gefordert, ihr Religionsverständnis neu zu hinterfragen, die Quellen des Glaubens aus der Perspektive der universellen Werte, wie etwa Freiheit und Menschenwürde zu betrachten, Vernunft und rationale Kritik überall zuzulassen und sie in den Vordergrund zu rücken. Muslime müssen Selbstkritik als ein Zeichen der Stärke begreifen und vehement gegen Tabuthemen vorgehen.</p>
<p>Die Muslime rufe ich auf, ihre Verbundenheit mit der Demokratie und mit Österreich im täglichen Leben und in gesellschaftlichem Engagement zu demonstrieren. Wir müssen es nicht nur uns selbst, sondern auch anderen beweisen, dass diese Werte nicht nur den Christen, Juden, den Angehörigen anderer Religionen oder den Atheisten gehören, sondern nicht weniger auch den Muslimen.<br /> Muslime müssen an vorderster Front gegen jede Radikalisierung der Religion vorgehen und religiösen und nationalistischen Fanatismus bekämpfen, der Unterdrückung und Gewalt entschieden entgegentreten, indem wir uns dazu bekennen, dass Extremismus ein Irrweg ist und dass Gewalt niemals eine Lösung, aber immer eine Sünde ist.</p>
<p>Gleichzeitig ist mir selbst nur allzu bewusst, dass trotzdem immer wieder Stimmen alle Schuld bei den Muslimen suchen werden, ganz egal, wie sie sich verhalten. Einfach nur, weil wir Muslime sind. Wenn die Muslime sich zu Europa bekennen, werfen sie ihnen „Verschleierung“ vor; tun sie es nicht, dann neigen sie zu Abschottung und Parallelgesellschaften.<br /> Nur im gemeinsamen Schulterschluss kann sich die Demokratie bewähren und gestärkt aus dieser Herausforderung hervorgehen. Aber nehmen wir diese Bedrohung unseres gemeinsamen europäischen Selbstverständnisses durch die Islamophobie überhaupt ernst genug? Nehmen wir sie überhaupt wahr?</p>
<p>Viele von Ihnen wissen gut, dass die moderaten und demokratischen Muslime in Europa zur Zielscheibe von Kräften geworden sind, die dem Islam per se extremistische Züge, Gewaltaffinität, Täuschungslegitimität und so weiter und so fort zuschreiben. Dieses Vorgehen ist für die gemeinsame Zukunft in Europa nicht weniger verheerend, wie es die Verbreitung antimuslimischer Pamphleten, Flugblätter, konfrontativer Ideologien und Fundamentalismen jeglicher Art sind. Deren Ideologie, die im Europa des 21. Jahrhunderts eine große Minderheit wegen ihrer Religion pauschal diffamiert und ausgrenzt, stellt heute die wohl meistverbreitete Form von Extremismus dar, mit der unsere Gesellschaft insgesamt konfrontiert ist.</p>
<p>Islamfeindliche Agitation nimmt zunehmend alarmierende Dimensionen an; die Gesellschaft und ihre öffentlichen Repräsentanten müssen sich dazu durchringen, diese Form von Extremismus als solchen wahrzunehmen und zu brandmarken. Meine Bundeskanzlerin Angela Merkel hat neulich in Berlin gesagt: „Intoleranz und Rassismus äußern sich keineswegs erst in Gewalt. (…) Gefährlich sind auch diejenigen, die Vorurteile schüren, die ein Klima der Verachtung erzeugen. (…).“ Damit ist das wesentliche gesagt.</p>
<p>Wir als Europäer dürfen von Andersartigen nicht Angst haben. Angst ist das Zeichen des Schwachen. Muslime leben hier und werden bleiben und die realen Verteilungsprobleme, die Bildungsnot, soziale Ungerechtigkeiten existieren davon unabhängig und müssen bewältigt werden, ohne dass noch so glühender Islamhass oder Rechtspopulist dazu irgendetwas beitragen wird. Wir sind uns alle einig, dass wir die realen Probleme und Herausforderungen nicht verdecken und nicht herunterspielen dürfen, sondern sie klug und überlegt, mutig und entschlossen angehen müssen. Aber das müssen wir gemeinsam tun, und das geschieht nicht, solange sich in einer Gesellschaft eine Stimmung breit macht, oder breit gemacht wird, dass „die anderen“ an allem schuld seien. Lassen Sie uns die richtigen Fronten ziehen. Nicht zwischen Ost und West und nicht zwischen Ethnien oder Religionen. Sondern zwischen solchen Menschen auf der einen Seite, die die Achtung vor der Würde des Menschen hochhalten und gemeinsam an zukunftsorientierten Lösungen arbeiten, und solchen, die ihre Religion, ihre Ideologie, ihre Rasse für überlegen halten und nichts zu bieten haben, als Konfrontation und Perspektivlosigkeit.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_8 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_144  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Verehrte Damen und Herren,<br /> vor allem meine muslimischen Schwestern und Brüder,</p>
<p>die eigene Identität steht unmittelbar zur Debatte. Wir bedürfen einer Bestimmung unseres Verhältnisses zur Welt und zu der Gesellschaft, für die wir uns entschieden haben und mit der wir uns identifizieren. Dabei geht es nicht um ein Aufgeben der religiösen Identität, sondern darum, im Einklang mit der Umgebung überzeugter, praktizierender Muslim und gleichzeitig angekommener Europäer zu sein. Das ist Voraussetzung und notwendig, denn es geht hier um unsere konstruktive Verantwortung für die hiesige Gesellschaft – also darum, als engagierte Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens für ein friedliches Zusammenleben in Pluralität einzutreten, für soziale Gerechtigkeit, für Menschenwürde, für Bildung und Erziehung und für unseren gemeinsamen Rechtsstaat. Der Islam fordert eine auf die Gesellschaft und auf die Gemeinschaft hin ausgerichtete Identität und verlangt von seinen Anhängern, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.</p>
<p>Gottes Offenbarung an die Menschen, der Koran, ist für alle Zeiten unveränderlich. Doch jede Zeit, jede Kultur, hat diese Quellen immer wieder neu befragt. Die Islamischen Gelehrten waren in der Geschichte bemüht, Lösungen zu entwickeln, indem sie die Offenbarung in Abhängigkeit vom kulturellen Charakter der Gegenwart neu formulierten. Heute haben wir andere Bedürfnisse und andere gesellschaftliche Strukturen; daher müssen sich auch der Gegenstand, die Fächer, Begriffe, Diskurse und Methoden weiterbewegen. Bei dieser Methode sollte eine Verbindung zwischen der Lehre und der aktuellen Wirklichkeit hergestellt werden, sie sollte eine zeitgemäße Antwort auf die Frage finden, was Gott gemeint hat, statt zu wiederholen, was Gott gesagt hat. Auch wenn wir Muslime glauben, dass die Offenbarung des Korans das unmittelbare und ewige Wort Gottes ist, so dürfen und müssen wir verstehen, dass es nicht nur darauf ankommt, was Gott Wortlaut gesagt hat, sondern vor allem auch darauf, was Er damit gemeint hat. Gott offenbart dem Menschen keine fertigen Antworten, sondern er zeigt ihm Beispiele aus einer bestimmten gesellschaftlichen Wirklichkeit und verlangt von ihm, dass er daraus Schlüsse zieht und dadurch sein Bewusstsein schärft. So will Gott den eingeschlafenen Geist der Menschheit erwecken und die Seite in ihm beleben, die nach Güte und Gerechtigkeit sucht.</p>
<p>Vor allem bestimmt die Liebe das Verhältnis zwischen Gott und Mensch und nicht die Furcht oder der Hass. Das heißt, Liebe, Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit müssen zum tragenden Element werden, in dem der Gelehrte die Verantwortung übernimmt, die Religion zu interpretieren und zu kommentieren.</p>
<p>Die Geschichte kennt genügend Beispiele von Gewalt und Unrecht im Namen Gottes, um in der aufgeklärten Welt den Glauben von Rechtsprechung und Justiz fernzuhalten. Genau für diesen Fall haben wir ein Grundgesetz in Deutschland oder wie hier in Österreich die Bundesverfassung. Darin sind die Grundwerte dokumentiert, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Darüber kann es keine Debatte geben. Treue zur Verfassung, die auf den Prinzipien des Rechts und der sozialen Gerechtigkeit aufgebaut ist, liegt in unser aller Interesse und ist ein Gebot des Islams.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_9 et_pb_divider_position_center et_pb_divider_position_bottom_phone et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_145  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Erlauben sie mir noch einen Schlussgedanken. Die Islamische Gemeinde Graz möchte ihnen eine Moschee schenken. Warum? Moscheen sind wie Synagogen und Kirchen, Orte der Andacht und des näher Kommens zu Gott. Moscheen sind aber ebenso auch Orte der Versammlung, und damit der Begegnung und des Austausches und das Sprachrohr von neuen Botschaften. Deshalb werden sie weiterhin eine zentrale Bedeutung einnehmen in der Eingliederung der muslimischen Religionsgemeinschaften. Moscheen charakterisieren offene und willkommene Orte, für Menschen ohne Unterschied ihres Geschlechtes, ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrer Weltanschauung.</p>
<p>Eine Bewertungsskala nach Frau oder Mann, mit oder ohne Kopftuch, sehr religiös oder weniger religiös, steht nicht zur Debatte. Die Aufgabe von einer Moschee ist, einen Diskurs zu eröffnen, der möglichst wissenschaftlich fundiert, einen universellen Kontext berücksichtigt und gleichzeitig der Zeit und dem Ort verpflichtet, neu auftauchende Fragen einbezieht. Weiter gilt es, die Bewusstseinsstärkung der Muslime für das Land zu fördern, in dem sie leben und womöglich auch sterben werden, deren Staatsbürgerschaft sie besitzen, häufig immer noch ohne ausreichende Kenntnisse über ihre Pflichten und Rechte.</p>
<p>Und zuletzt bedeutet das, den deutschen Spracherwerb zu unterstützen, den noch mehrsprachig organisierten Moscheealltag sukzessive heranzuführen an die gemeinsame Landessprache. Die Freitagspredigten sollten in Zukunft grundsätzlich in Deutsch sein, daneben aber auch die jeweiligen Herkunftssprachen wie Bosnisch, ihren Platz bekommen.<br /> Das Lernen übereinander und voneinander, der Austausch, der Dialog, dass wir nicht nebeneinander her leben, sondern aufeinander zugehen und uns verständigen – das ist ein Gebot Gottes, nicht weniger wie es ein Gebot der Vernunft und des Herzens sein sollte.</p>
<p>So wie es in Graz ein Rathaus gibt, mehrere Schulen, einige Kirchen, eine Synagoge, Krankenhäuser, Universitäten, Museen, Polizeidienststellen, viele Geschäfte, ohne die eine Stadt nicht denkbar wäre, gehört zur Zukunft Graz eben auch eine Moschee als ein weiterer Schatz und Schmuck dieser Stadt. Sie wird innerhalb kurzer Zeit wachsen zum Symbol für ein fruchtbares Miteinander. Es wird eine Vision erreichen: In Graz wird es nicht die Moschee oder die Kirchen oder die Synagoge, in Graz wird es unsere Kirchen, unsere Synagoge und unsere Moschee geben. Lassen sie sich diese Chance nicht verbauen!</p>
<p>Danke für ihre Aufmerksamkeit!</p></div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/konferenz-gegen-rassismus-dialog-statt-islamophobie/">Konferenz gegen Rassismus: Dialog statt Islamophobie</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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		<title>Penzberg als Vorbild</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/penzberg-als-vorbild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 08:32:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mit einer gemeinsamen Andacht wurde am Sonntagvormittag das Penzberger Stadtfest anlässlich des 100.&#160;Namenstages fortgesetzt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/penzberg-als-vorbild/">Penzberg als Vorbild</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_29 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Penzberg als Vorbild</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bei der Andacht tauschten Imam Benjamin Idriz, Stadtpfarrer Josef Kirchensteiner und sein evangelischer Amtsbruder Klaus Pfaller (von links) die Freundschaftsbänder aus. </p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_149  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Mit einer gemeinsamen Andacht wurde am Sonntagvormittag (25.09.2011) das Penzberger Stadtfest anlässlich des 100.&nbsp;Namenstages fortgesetzt. Rund 400 Menschen kamen zum Vorplatz der Christkönigkirche, wo sich die beiden Pfarrer Josef Kirchensteiner und Klaus Pfaller sowie Imam Benjamin Idriz für ein Miteinander warben. „Ich bin stolz, dass hier in Penzberg Religionen und Nationen in Eintracht und Frieden leben können“, sagte der katholische Pfarrer Kirchensteiner. „Gott macht Mut, aufeinanderzuzugehen“, so sein evangelischer Kollege Pfaller. Als Vorbild bezeichnete Imam Idriz Penzberg. Unter dem Applaus der 400 Menschen am Kirchplatz sagte Bürgermeister Hans Mummert, er sei beeindruckt von dem Augenblick „und stolz, dass das bei uns möglich ist“.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_150  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Rede von Imam Benjamin Idriz</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_151  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Liebe Festgemeinde,</p>
<p>dass die Stadt Penzberg zu ihrem 100.&nbsp;Namenstag eine open air Andacht feiert, wäre ja vielleicht gar nicht so weit gedacht gewesen vor 100&nbsp;Jahren, dass dies aber gleich mit drei Würdenträgern unterschiedlicher Konfessionen geschehen würde, hätte es sich sicherlich so niemand erträumen lassen.</p>
<p>Als es mich vor 16&nbsp;Jahren nach Penzberg verschlug, wusste ich wenig über diese Stadt, außer dass eine kleine Moscheegemeinde gibt, die ihre Räume mitten im Zentrum der Stadt hatte und einen Imam sucht. Heute weiß ich mehr über meine Stadt und wohne nicht nur, sondern lebe mit Leib und Seele, hier.</p>
<p>Jawohl! Penzberg hat sich in den letzten Jahren verändert, aber nicht nur Penzberg in seinem städtischen Bild hat sich verändert. Penzberg hat auch diejenigen Menschen verändert, die einst in ein fremdes Land kamen. Die einstigen Gastarbeiter feiern dieses Jahr auch ein Jubiläum, nämlich das 50.&nbsp;Jahr des  Anwerbeabkommens der Bundesrepublik mit der Türkei.</p>
<p>„Die Anwesenheit zahlreicher muslimischer Familien ist seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zunehmend ein Merkmal dieses Landes geworden.“ sagte auch der Papst vorgestern in Berlin und diese Realität trifft auch auf Penzberg zu.</p>
<p>Für die 1.&nbsp;Generation der Gastarbeiter mag es immer noch Fremdheit geben. Für die 2.&nbsp;Generation die Frage der Integration, doch für unsere Jugend, die 3.&nbsp;Generation stellt sich keine Frage, ob sie Penzberger oder Penzbergerinnen sind. Sie sind hier geboren, aufgewachsen, besuchen die diversen Schulen, arbeiten an Firmen vor Ort, haben sich Wohnungen oder Häuser gekauft, eine Moschee gebaut und auch einen Friedhof gibt es für sie. Und wenn einmal im Jahr in das Herkunftsland gereist wird, dann fragen mich meine beiden Söhne schon am Tage der Ankunft „Papa, wann fahren wir wieder nach Hause?“.</p>
<p>Nach Hause in eine Stadt mit 74 Nationen. In das Haus, wo das Zusammenleben von Tag zu Tag wächst,  ein Miteinander gepflegt wird, dass unter Verantwortung steht.</p>
<p>Nicht umsonst sind wir Penzberger und Penzbergerinnen mittlerweile international Vorbild für ein gelungenes Gemeinsames, was nicht heißt keine Unterschiede haben zu dürfen, was aber sehr wohl heißt, dem Anderen mit Respekt und Hochschätzung zu begegnen. Sicherlich haben wir noch vieles vor uns, sind uns in manchen Dingen noch fremd, aber wir sind willig auf beiden Seiten und darauf kommt es im Miteinander an.</p>
<p>Heimat ist dort wo man sich wohl fühlt und wir fühlen uns wohl in Penzberg. In diesem Sinne wünschen wir uns allen ein schönes Fest zum 100 jährigen und eine friedliche, solidarische Gemeinschaft für die Ewigkeit.</p>
<p>Gelobt seist du, unser Gott.<br />
Du hast uns erschaffen und du erhältst uns.<br />
Du bewahrst und behütest uns.<br />
Du bist uns näher als unsere Halsschlagader<br />
Du willst, dass wir den Segen, den du uns gibst, weitertragen in die Welt.<br />
Du willst, dass wir einander zum Segen werden und nicht zum Fluch.<br />
Deshalb, barmherziger Gott, bitten wir dich:<br />
Lass uns erkennen, wo wir die Verantwortung füreinander und für die Welt, die Du uns gegeben hast, besser wahrnehmen müssen.<br />
Lass uns aufbrechen in ein besseres Morgen, in eine Welt, in der wir einander Segen sind.<br />
Lass uns, Menschen verschiedener Religionen und Nationalitäten, verantwortungsvoll und mit Respekt einander begegnen.<br />
Lass uns miteinander daran arbeiten, dass das Leben der Menschen hier und in aller Welt besser und gerechter wird.</p>
<p>Amen!</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div><div class="et_pb_row et_pb_row_46 box-710">
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								<span class="nav-previous"
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												<span class="meta-nav">&larr; </span><span class="nav-label">Im Dialog: Bibelarbeit auf dem 33. Evangelischen Kirchentag</span>
					</a>
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<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/penzberg-als-vorbild/">Penzberg als Vorbild</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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		<title>Im Dialog: Bibelarbeit auf dem 33. Evangelischen Kirchentag</title>
		<link>https://islam-penzberg.de/im-dialog-bibelarbeit-auf-dem-33-evangelischen-kirchentag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[igp-987]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 12:02:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dialog]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Austausch zwischen Imam Idriz und Landesbischof Friedrich im Rahmen des 33. Evangelischen Kirchentages.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://islam-penzberg.de/im-dialog-bibelarbeit-auf-dem-33-evangelischen-kirchentag/">Im Dialog: Bibelarbeit auf dem 33. Evangelischen Kirchentag</a> erschien zuerst auf <a href="https://islam-penzberg.de">IGP</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="et_pb_section et_pb_section_32 header-igp et_pb_with_background et_section_regular" >
				
				
				
				
				
				
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					<h2 class="entry-title">Im Dialog: Bibelarbeit auf dem 33. Evangelischen Kirchentag</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Foto: merkur.de</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Freitag, 03.06.11, <nobr>09:30 -10:30 Uhr</nobr>, ICC, Saal&nbsp;4-5, <nobr>Ostra-Ufer 2 (340 / O16)</nobr></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Im Dialog: Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), Imam Benjamin Idriz (Penzberg)<br />
Thema: Deuteronomium 30, 6- 20</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_divider et_pb_divider_10 et_pb_divider_position_center et_pb_space"><div class="et_pb_divider_internal"></div></div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_157  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Landesbischof Friedrich</span></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_158  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Liebe Schwestern und Brüder!</p>
<p>Redet die Bibel vom Menschen, greift sie gerne auf den Begriff „Herz“ zurück. Weit über 800 Mal ist vom menschlichen Herzen die Rede – und damit weit öfter als von seiner „Seele“ (näfäsch) und seinem „Geist“ (ruach). Es scheint fast so, als wäre das „Herz“ ein Synonym für den Menschen an sich. Was ist also das „Herz“ des Menschen? Wo berührt es das Herz Gottes?</p>
<p>Die heutige Bibelarbeit über Deuteronomium 30 versucht, diesen Fragen auf die Spur zu kommen. Dabei soll auch das islamische Verständnis betrachtet werden – Benjamin Idriz, Imam der Moscheegemeinde Penzberg, den ich sehr schätze, wird es immer wieder ins Spiel bringen.</p>
<p>Wir hören also zunächst aus dem Buch Deuteronomium nach der Übersetzung Martin Luthers – Sie finden den Text auch auf S.&nbsp;147 Ihres Liederheftes:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_159  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>6 Und der HERR, dein Gott, wird dein Herz beschneiden und das Herz deiner Nachkommen, damit du den HERRN, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du am Leben bleibst.</p>
<p>7 Aber alle diese Flüche wird der HERR, dein Gott, auf deine Feinde legen und auf die, die dich hassen und verfolgen. </p>
<p>8 Du aber wirst umkehren und der Stimme des HERRN gehorchen, dass du tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete. </p>
<p>9 Und der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben zu allen Werken deiner Hände, zu der Frucht deines Leibes, zu den Jungtieren deines Viehs, zum Ertrag deines Ackers, dass dir’s zugute komme. Denn der HERR wird sich wieder über dich freuen, dir zugut, wie er sich über deine Väter gefreut hat, </p>
<p>10 weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchst und hältst seine Gebote und Rechte, die geschrieben stehen im Buch dieses Gesetzes, wenn du dich bekehrst zu dem HERRN, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele.</p>
<p>11 Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. </p>
<p>12 Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? </p>
<p>13 Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? </p>
<p>14 Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.</p>
<p>15 Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. 16 Wenn du gehorchst den Geboten des HERRN, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, dass du den HERRN, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der HERR, dein Gott, wird dich segnen in dem Lande, in das du ziehst, es einzunehmen. </p>
<p>17 Wendet sich aber dein Herz und du gehorchst nicht, sondern lässt dich verführen, dass du andere Götter anbetest und ihnen dienst, </p>
<p>18 so verkünde ich euch heute, dass ihr umkommen und nicht lange in dem Lande bleiben werdet, in das du über den Jordan ziehst, es einzunehmen.</p>
<p>19 Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, </p>
<p>20 indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhangt. Denn das bedeutet für dich, dass du lebst und alt wirst und wohnen bleibst in dem Lande, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_160  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Einführung in den Text Dtn 30</strong></p>
<p>Um sich dieser Rede Moses, oder besser, dieser Gottesrede durch den Mund des Mose zu nähern, bedarf es zunächst eines kurzen Blicks in die historische Entstehungssituation und den Kontext.</p>
<p>Entstanden ist dieser Text wohl nach dem Exil. Diese Zeit der Zerstörung des Tempels und der Wegführung der oberen Zehntausend nach Babylonien gilt als Zeit der Krise. Damit verbunden – in jeder Krise liegt ja auch eine Chance – ist aber ein neues, intensives Nachdenken über den Staat, d.h. das Königtum und das Verhältnis des Gottes Israels zu den Göttern der Umwelt.</p>
<p>Ganz allgemein wird man sagen können, dass der Blick zurück ausgesprochen kritisch ausfällt und zu folgendem Schluss kommt: Das Königtum war von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil nicht die Besten zu Königen wurden, sondern diejenigen, die mit dem Machtgewinn persönliche Interessen verfolgten. Besonders deutlich wird dies in der Parabel von den Bäumen, die einen König wollen und schließlich den Dornbusch, der lediglich Stacheln hat, für dieses Amt gewinnen (Ri 9, 8-15). Oder auch in den großen Vorbehalten, die der Prophet Samuel äußert, als Gott ihn auffordert, dem Willen des Volkes nach einem König nachzukommen „wie die Heiden ihn haben“ (1 Sam 8, 10ff.).</p>
<p>Dazu kommt ein zweites: Die Könige schienen besonders anfällig für fremde Götter und deren Kulte gewesen zu sein. Diese Schwäche war so auffällig, dass sie nachgerade als „Sünde der Könige“ bezeichnet wird.</p>
<p>Beides wird als derart betrachtet, dass der Untergang Israels unausweichlich ist. Weil Israel den Bund gebrochen hat, sieht Gott sich geradezu gezwungen, Gericht zu üben. Ein Gericht allerdings, das von der Vernichtung absieht, und Israel lediglich von Gottes Antlitz, d.h. dem Tempel entfernt.</p>
<p>Die Entstehung des Deuteronomiums fällt also in diese Zeit. Die große denkerische Leistung besteht darin, dass sie eine große Schau – und das bedeutet auch: eine Deutung – der Geschichte des Volkes Israel versucht. So wird zunächst, vor allem durch Mose und Samuel, der „Zorn Gottes“ angedroht, der am Ende des deuteronomistischen Geschichtswerkes dann auch tatsächlich eintritt. Schon am Anfang der Geschichte Gottes mit einem Volk wird auf das Ende im Exil hingewiesen, wenn es in Dtn 29 folgendermaßen heißt:</p>
<p><em>23 alle Völker werden sagen: Warum hat der HERR an diesem Lande so gehandelt? Was ist das für ein großer, grimmiger Zorn? 24 Dann wird man sagen: Darum, weil sie den Bund des HERRN, des Gottes ihrer Väter, verlassen haben, den er mit ihnen schloss, als er sie aus Ägyptenland führte, 25 und sind hingegangen und haben andern Göttern gedient und sie angebetet, Götter, die sie nicht kennen und die er ihnen nicht zugewiesen hat, 26 darum ist des HERRN Zorn entbrannt gegen dies Land, dass er über sie hat kommen lassen alle Flüche, die in diesem Buch geschrieben stehen. 27 Und der HERR hat sie aus ihrem Lande gestoßen in großem Zorn, Grimm und ohne Erbarmen und hat sie in ein anderes Land geworfen, so wie es heute ist.</em></p>
<p>Obwohl alle Aussagen von Gottes Zorn in Erfüllung gegangen sind, hat sein Zorn nicht das letzte Wort. Die Identität Israels bleibt, wie auch die Möglichkeit, nach der Katastrophe und im Exil umkehren zu können.</p>
<p>So heißt es schon in Dtn 4: <em>29 Wenn du aber dort den HERRN, deinen Gott, suchen wirst, so wirst du ihn finden, wenn du ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst. 30 Wenn du geängstet sein wirst und dich das alles treffen wird in künftigen Zeiten, so wirst du dich bekehren zu dem HERRN, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchen. 31 Denn der HERR, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen noch verderben, wird auch den Bund nicht vergessen, den er deinen Vätern geschworen hat.</em></p>
<p>Gerade dieser Gedanke der Umkehr, das Leben dem Tod vorzuziehen, durchzieht auch das 30. Kapitel des Deuteronomiums. Wer dies nun genauer betrachtet, stellt schon in der Sprache, aber auch in der Gedanken- und Vorstellungswelt eine große Nähe zur Prophetie fest, insbesondere zu den Propheten Jeremia und Ezechiel. Mit immer neuen Worten und Bildern beschwören diese beiden Propheten das Volk Israel nachgerade, zu Gott umzukehren. Dieselbe Leidenschaft ist auch im Deuteronomiumbuch zu finden: das Heilshandeln Gottes in Geschichte und Gegenwart, sein Erbarmen soll das Volk Israel in Zukunft dazu bewegen, ihm gehorsam zu sein und von sich von falschen Wegen abzuwenden.</p>
<p>Letzte Worte beim Herannahen des Todes haben naturgemäß ein großes Gewicht. Noch viel mehr, wenn sie bei klarem Bewusstsein und großem Nachdruck gesprochen sind. Einen letzten Willen, ein Testament zu ignorieren ist nur etwas für Hartgesottene. Das Persönliche tritt bei Moses Vermächtnis ganz in den Hintergrund, auch wenn es ausgesprochen persönlich formuliert ist. Ursprünglich hat das Deuteronomium wohl damit geendet – letzte Worten sind immerhin letzte Worte, danach kommt nur noch der Tod. Spätere Herausgeber haben, um eine Überleitung zu den geschichtlichen Büchern zu schaffen, noch einiges eingefügt.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Mose: Rolle und Bedeutung im Alten/Neuen Testament </strong></p>
<p>Soweit eine kurze Einführung in die Ursprünge dieses Textes. Mose ist die zentrale Figur darin. Welche Rolle spielt er in der Bibel und welche im Koran?</p>
<p>Mose ist eine der ganz großen Gestalten der ganzen Bibel. Doch wie das manchmal so ist: Außerhalb der Bibel findet sich im Grunde kein historischer Nachweis, auch sind die geschichtlichen Anhaltspunkte ausgesprochen schwach. So gilt zunächst einmal: Die überlieferte Tradition ist zwar – aus historischer Sicht – durchaus vorstellbar, an Nachweisen aber mangelt es. Dies betrifft vor allem die – für die Theologie so entscheidende –  Offenbarung am Sinai.</p>
<p>Geschichtlich lässt sich lediglich folgendes sagen: Wir haben es mit einem Mann zu tun, der einen ägyptischen Namen trägt. Das macht eine ägyptische Herkunft plausibel, wenngleich – wegen der politischen Vormachtstellung – derartige Namen auch im syrisch-palästinischen Raum verbreitet waren. Eines ist auszuschließen: Er war kein vornehmer Ägypter, der sich mit Hebräern solidarisierte. Entweder hat er seinen Namen vom Vater erhalten, der in ägyptischen Diensten stand oder er erhielt ihn, weil er selbst Ägyptern diente (beides ist auch anderweitig belegt). Zumindest ist auch den biblischen Autoren dieser Tatbestand erklärungsbedürftig genug, um auf die Umstände der wunderbaren Rettung des Knaben aus dem Nil zu verweisen. Historisch relevant ist weiterhin die familiäre Bindung an Midian, jenes Gebiet im Südosten der Sinaihalbinsel gelegen; das Midianbild war ausgesprochen negativ belegt. Niemand hätte ohne Not darauf verwiesen. Auch hier zeigt sich biblisches Problembewusstsein: Sein Schwiegervater Jitro (auch Reguel, Hobab) bekehrt sich zu dem Gott Israels; Zippora, seine Frau, beschneidet ihren Sohn, um Unheil von Mose abzuwehren. Und schließlich: Mose hat wohl offensichtlich eine Führungsrolle übernommen, als eine Gruppe Menschen, die einen bestimmten Gott verehrten, Ägypten verlies. </p>
<p>Soweit der historische Befund, der hier ganz offensichtlich an seine Grenzen kommt. Auch in der Bibel spielt die Person Mose keine große Rolle. Wichtig ist, was er bedeutet, nicht, wer er als Person ist. </p>
<p>Rein formal ist er die verbindende menschliche Gestalt von Exodus bis Deuteronomium – und noch viel mehr: Er ist der Erste, der Gottes Namen empfängt und Mittler der Tora. Mose gilt als Hörer und Täter des Wortes aus Gottes Mund, als Bote Gottes gegenüber dem Pharao. Er ist derjenige, der für das Volk Fürbitte bei Gott einlegt bis hin zum Widerspruch und zur rätselhaften Sünde, die ihm den Zugang zum Gelobten Land verweigert. Schließlich ist er, ganz ähnlich wie Elia und Elisa Wundertäter und verkündigt, den Propheten gleich, den Willen Gottes. Das alles ist Mose – eines aber nicht: Niemals kam er auf die Idee, König seiner Leute sein zu wollen und ist damit – später in der Königszeit war dies ja in der Tat ein Thema – auch nie zum Konkurrenten Gottes geworden.</p>
<p>Auch wenn das Gelobte Land Mose verschlossen blieb, er bleibt ganz besonders, auch über den Tod hinaus: er dürfte wohl der einzige Mensch sein, den Gott selbst bestattet hat. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. (Dtn 34,6)</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Imam Idriz</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Mose: Rolle und Bedeutung im Koran</strong></p>
<p>Der Koran – nach dem Glauben der Muslime die letzte Offenbarung Gottes an die Menschen – enthält keine neuen Inhalte, die alles Frühere ersetzen oder gar für ungültig erklären würden. Vielmehr vollendet und bestätigt der Koran die Schriften des Alten und des Neuen Testaments, und, in unserer Sicht, korrigiert er sie auch in manchen Punkten. Insgesamt sind es aber die Übereinstimmungen, das Judentum-, Christentum- und Islam- Verbindende und Gemeinsame, das bei weitem überwiegt – von der Schöpfung der Welt mit Adam und Eva angefangen über die großen Gestalten der Heilsgeschichte, Noah, Abraham und seine Söhne Ismael und Isaak, Jakob als Stammvater der Israeliten und Josef, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde, die Könige David und Salomo, bis hin zu Zacharias und Johannes dem Täufer, Maria und ihrem Sohn Jesus mit seiner Botschaft der Liebe und des Friedens. </p>
<p>Die Gestalt des Mose ist besonders gut geeignet, die weit reichenden Gemeinsamkeiten zu illustrieren. Eigentlich ist alles, was Ihnen über Mose aus den Büchern der Tora bekannt ist, auch den Muslimen aus dem Koran vertraut. Wie kein anderer Prophet wird Mose mehrfach im Koran erwähnt, genau 131 Mal, während Muhammed 4 Mal namentliche Erwähnung findet. Angefangen mit seiner Rettung als Säugling im Binsenkörbchen auf dem Nil. Die Frau des Pharao, ihren Namen kennt die islamische Tradition als Âsiya, rettet das Kind, indem sie sich gegen den ausdrücklichen Willen ihres Mannes durchsetzt.  </p>
<p>Mose ist und bleibt für Muslime ein hoch geachteter Prophet und eine wichtige Gestalt für die Beziehung Gottes zu den Menschen; dabei waren und sind sich Muslime immer der besonders zentralen Bedeutung bewusst, die Mose im Selbstverständnis des jüdischen Volkes spielt. Eine der Ehefrauen des Propheten Muhammad, sie hieß Safiya, war jüdischen Ursprungs. Als sie deswegen von anderen angefeindet wurde, riet er ihr, ihre Herkunft als besondere Auszeichnung zu verteidigen mit den Worten: „Wie sollt ihr besser sein als ich? Ist doch mein Mann Muhammad, mein Vater Aaron und mein Onkel Mose.“ </p>
<p>Mose – Mûsa in der arabischen Sprache des Korans – wurde zum Propheten berufen und war, gemeinsam mit seinem Bruder Aaron (Harûn) dazu bestimmt, sein Volk, die Söhne und Töchter Israels, vor der Unterdrückung durch den Pharao zu retten. Besonders die Sure 28 erzählt vieles davon; sie hat die Bezeichnung „Al Quasas -die Geschichte“, gemeint ist: die Geschichte von Mose und seinem Volk. </p>
<p>Den Auftrag Gottes an Mose fasst Sure 14 Vers 5 zusammen: „Führe dein Volk aus den Tiefen der Finsternis ins Licht, und erinnere sie an die Tage Gottes!“. </p>
<p>Aus einem Feuer in der Wüste, der Koran nennt den Ort des Geschehens „das geheiligte Tal“, wird er von Gott angesprochen: „Ich habe dich auserwählt, höre auf das, was dir offenbart wird. Wahrlich Ich – Ich allein – bin Gott, es gibt keine Gottheit außer Mir“ (20:12-14). Dem Vorbild des Mose folgend, das Ihnen von dieser Stelle her vertraut ist, dass er nämlich vor dem brennenden Dornbusch die Schuhe ablegte, ist in der islamischen Tradition, wie Sie wissen, die Sitte bis heute weit verbreitet, vor dem Gebet die Schuhe auszuziehen.  </p>
<p>Nach den Konfrontationen mit Pharao, und nach dem Wunder des Durchzugs durch das geteilte Meer, wandert das Volk durch die Wüste und Mose erhält dort Gottes Offenbarung. Der Koran nennt sie die tawra, die Tora. Als deren Quintessenz gewissermaßen kennen Juden und Christen die „Zehn Gebote“. Muslime können sich dem ohne Einschränkung anschließen, wenn man einmal vom Sabbat-Gebot absieht, das ja auch die Christen nach ihrem Verständnis adaptiert haben. Ansonsten sind alle Gebote, dem Wortlaut oder zumindest dem Inhalt nach, auch im Koran enthalten, nicht in einem Stück, sondern wiederholt und verteilt über viele Suren. </p>
<p>Ähnlich wie es in der Tora der Fall ist, enthält auch der Koran teilweise Handlungsanweisungen und Richtlinien, die für die Konstituierung der Gemeinschaft der Gläubigen, für deren Zusammenleben und Beziehungen zur Umwelt grundlegend sind. Oft reflektieren diese Vorschriften jene der Tora. Und so wie Gott sich zur Zeit des Mose für seine Offenbarung der Sprache und Kultur der Israeliten jener Epoche bediente, so tat er es später mit der Sprache und Kultur der Araber zur Zeit des Propheten Muhammad. Das Motiv aber, das sich als roter Faden durch alle Offenbarungen hindurch zieht, ist die alles menschliche Maß übersteigende Barmherzigkeit Gottes! Nach der Verfehlung der Israeliten mit dem Goldenen Kalb, wirft, wie in der Bibel, Mose die Gesetzestafeln hin, besinnt sich aber und betet: „Herr, vergib mir und meinem Bruder und nimm uns in Deine Gnade auf: denn Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen.“ (7:151). In der Niederschrift der Tafeln, so heißt es weiter, ist „Rechtleitung und Barmherzigkeit für alle, die Ehrfurcht vor ihrem Erhalter haben.“ (7:154).</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Landesbischof Friedrich</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch (aus biblischer Sicht)</strong></p>
<p>Wenn von Gott und Mensch geredet wird, ist von einem Verhältnis die Rede. Einem Verhältnis, das im Alten Testament seit Josia als Bund bezeichnet wird. Nun stellen wir uns unter „Bund“ in aller Regel einen Zusammenschluss von Staaten oder Menschen vor, die von einem ähnlichen Interesse geleitet sind. Der biblische Gedanke des Bundes zwischen Gott und den Menschen geht aber weit darüber hinaus. </p>
<p>Entstanden ist auch er auf einem politischen Hintergrund – beschreibt er doch zunächst ein vertraglich geregeltes Abhängigkeitsverhältnis zwischen assyrischen Königen mit den von ihrer Gnade abhängigen Vasallen. Die entsprechenden Urkunden sind stets auffällig ähnlich gestaltet: Zunächst wird die Großzügigkeit und das rettende Handeln des Königs gepriesen, um dann auf die daraus resultierenden Verpflichtungen und Tributzahlungen des unterlegenen, abhängigen Vasallen festzulegen. Vertragserfüllung und –verletzung werden durch Segens- und Fluchtkataloge beschrieben.</p>
<p>Der syrisch-ephraimitische Krieg, in dem Juda Assyrien um Hilfe und bat, hatte den Preis, dass Juda dem König und Reichsgott Assur Tribut zahlen musste. Auch war es genötigt, einen ihm gewidmeten Altar im Tempel errichten. </p>
<p>Diesem politischen Sachverhalt stellt das Deuteronomium nun den Bund mit Gott entgegen; dieser bindet Israel exklusiv an Gott und ist schon auf diesem Wege eine deutliche Kritik an allen, die ihr Heil in der Abhängigkeit von fremden Königen und damit auch letztlich deren Göttern suchen. Denn – Gott und König sind eins – das galt für den gesamten  Alten Orient. Mit einer  Ausnahme, versteht sich. Die Rettung des Volkes Israel besteht im Gehorsam seinem Gott gegenüber. Er errettet sein Volk, so wie er sie aus Ägypten errettet hat: er führt sie aus der rechtlosen Sklaverei und Unterdrückung. Treue auf Seiten Gottes, Gehorsam auf Seiten des Menschen und nicht ein Vertrag bilden diesen Bund.</p>
<p>Dieser Bund klingt exklusiv und ist es auch. Er ist es in vielfacher Hinsicht – gegenüber den Göttern der anderen Völker natürlich. Aber auch in Israel selbst. Zunächst wurden in den  einzelnen Städten Stadtgottheiten verehrt, in Jerusalem und den Städten Samarias, auch hatten die einzelnen Großfamilien Gottheiten, die ihnen Schutz und Zuflucht gewähren sollten. Bis zur Kultreform unter Josia spielten diese Regionalgottheiten eine große Rolle. In Gott, dem Herrn, verschmelzen alle diese Gottheiten. Dieser Prozess ist ganz offensichtlich nicht ohne Reibung verlaufen, immer wieder musste das Volk Israel an den einen Gott erinnert werden. Das zeigt sich in Deuteronomium 30, wo auffällig oft die Formel „dein Gott“ verwendet wird.  8-mal heißt es „dein Gott“, gerade so als bedürfe es des beständigen Einschärfens und des nachdrücklichen Erinnerns: Gott ist den Bund zu seinem Volk eingegangen und dies bedeutet für das Volk Israel, ausschließlich ihm verpflichtet zu sein. Darüber hinaus dringt der Gott des Volkes damit auch in den Kreis der familiären und persönlichen Gottesbeziehung und verdrängt andere Kräfte. Er ist nicht mehr nur der Gott der Königshöfe, sondern „dein Gott“, der „deinem Herzen nahe“ ist.</p>
<p>Damit ist der unendlich ferne, transzendente Gott so nahe gekommen wie nur irgend möglich. Dies geschieht durch das Wort, durch seine Tora. In ihr hat Gott sich geoffenbart – dieses Wort ist endgültig und ausreichend. Gleichzeitig ist die Tora dem Menschen als Geschöpf ähnlich, sie ist weder abstrakt noch sinnlos fordernd, sondern steht vielmehr und immer im Dienst des Lebens. Sie ist klar und begreifbar, der Mensch muss sich nicht bemühen, um sie aus der Ferne gegenwärtig zu machen. Sie ist nicht „im Himmel“, dem utopischen Ort, auch nicht „jenseits des Meeres“, was angesichts der schwachen Seefahrtskünste Israels fast ebenso unerreichbar wie der Himmel ist. Vielmehr ist „das Wort dir nahe“ – und das bedeutet auch: Es gibt keine Möglichkeit zum Rückzug und keine Ausflüchte, denn das Wort der Tora ist zudringlich, es appelliert an alles, was ihr zu Gebote steht – Atem, Vernunft, Liebe, Herz.</p>
<p>Solange es die Tora gibt, kann Gott im Jenseits bleiben. Denn durch sie hat Gott hat alles Notwendige getan, damit ist der Bund zwischen ihm und dem Israel besiegelt, in der Weise, wie es auch der Prophet Jeremia beschreibt: „das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein“ (Jer 31, 33). </p>
<p>Die Tora ist das eigentliche Bundeszeichen, viel mehr als die kultische Beschneidung. Diese geschieht lediglich äußerlich, worum es wirklich und im Kern geht, ist die Beschneidung des Herzens, die es möglich macht, Gott aufrichtig und „von Herzen“ zu lieben, was auch immer mit „Herz“ hier gemeint ist. An eine Romanze haben wohl weder das Deuteronomium noch der Prophet Jeremia gedacht, der vom neuen Bund als von einer Erneuerung des Herzens spricht: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ (Jer 31, 31ff.) </p>
<p>Noch deutlicher wird der Prophet Ezechiel, wenn es darum geht, den erneuerten Bund und das menschliche Herz zu beschreiben, das diesem Bund entsprechen kann. Das kann kein Mensch – das kann nur Gott allein. Er bewirkt, dass sein Volk sich ihm zuwenden kann. </p>
<p>Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 27 Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. 28 Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein“ (Ez 36, 26ff.)</p>
<p>Wenngleich das Herz des Menschen, auf das ich noch zu sprechen kommen werde, ein unzuverlässiger Geselle ist, der der beständigen göttlichen Pflege und Lockung bedarf, umso beständiger ist das Herz Gottes. In seinem Herzen ist er dem Menschen zugewandt, nach nichts sehnt er sich mehr, als dass auch der Mensch ihm sein Herz zuwendet. Es ist ihm, so sagt es der Prophet Jeremia, eine unablässige Freude, den Menschen Gutes zu tun. Deswegen leidet er auch unter der Bosheit der Menschen; sie schmerzt ihn bis ins Herz. Gottes Tun und Wollen ist in Gegenwart und Zukunft zuverlässig – die Pläne seines Herzens gelten von Geschlecht zu Geschlecht.</p>
<p>Treu und unwandelbar ist Gott in seiner Liebe. Und so brennend, dass er sich trotz aller Enttäuschung immer wieder dem Menschen zuwendet. Niemand hat dies eindrucksvoller, anrührender, ja dramatischer beschrieben als der Prophet Hosea, bei dem es heißt: „Wie kann ich dich preisgeben, Ephraim, und dich ausliefern, Israel? Wie kann ich dich preisgeben gleich Adma und dich zurichten wie Zebojim? Mein Herz ist andern Sinnes, alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt. 9 Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn noch Ephraim wieder verderben. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch und bin der Heilige unter dir und will nicht kommen, zu verheeren“ (Hos 11, 8ff.) Der Eifer Gottes wird hier als so in seinem Herzen grundstürzend beschrieben, dass er sich gegen seinen eigenen Zornentscheid, und das heißt letztlich gegen seine Prinzipien wendet. Gegen alle Prinzipien, ist doch die Liebe kein Prinzip, sondern die immer wieder freie Entscheidung für den Geliebten, die Geliebte. Was hier für Ephraim und Israel gilt, weitet sich in Jesus Christus für alle Völker. Ohne das Herz Gottes ist die Lage des Menschen nicht zu verstehen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Imam Idriz</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Das Verhältnis Gott und Mensch aus koranischer Sicht</strong></p>
<p>Zu den Stereotypen, die über den Islam kursieren, und manchmal auch ganz gezielt verbreitet werden, gehört der Vorwurf, Gott – „Allah“ ist nur die wunderbar wohlklingende arabische Vokabel für Gott – stünde dem Menschen in unüberbrückbarer Distanz gegenüber. Dem widerspricht ja schon der Glaube an die Offenbarung selbst, denn indem Gott sich den Menschen offenbart, überbrückt Er, nach Seinem Willen, was uns von Ihm trennt. Gleichwohl lehnt der Islam, wie Sie ja sicherlich wissen, eine Menschwerdung Gottes ab. Hier liegt ein zentraler Unterschied zwischen den Religionen, den wir, meine ich, stehen lassen und gegenseitig respektieren dürfen und sollen. Jesus ist laut Koran nicht Sohn Gottes und erst recht nicht eins mit Gott, sondern ein Mensch, der als Prophet einen besonderen Draht zu Gott hatte und Ihm in besonderer Weise nahe stand, ein ganz wichtiges Vorbild für alle Menschen. Der Koran kann Jesus sogar „Wort Gottes“ nennen, weil er die Botschaft Gottes durch sein Leben und Lehren in besonderer Weise verkörpert hat. Aber wir Muslime können nicht von einem „fleischgewordenen Wort Gottes“ sprechen. Für uns ist das Wort Gottes einzig und allein in der Schrift präsent, im Koran. Wenn wir uns in Sein unmittelbares Wort vertiefen, bei der Koranlektüre also, begegnen wir Gott. Manche Theologen und Religionswissenschaftler haben deshalb schon die Koranrezitation aus muslimischer Sicht mit dem christlichen Verständnis der Abendmahlsfeier verglichen, weil die Gläubigen dabei jeweils ganz besonders unmittelbar die Gegenwart Gottes spüren. </p>
<p>Was wir im Koran lesen, stellt uns Gott eben nicht als eine unendlich ferne, unnahbare oder gar unheimliche Größe dar, sondern – davon sprach ich schon – in allererster Linie als Quelle der Barmherzigkeit, oder mit einer noch deutlicheren Vokabel übertragen: der Liebe. Die Liebe, die Barmherzigkeit Gottes ist tatsächlich das mit weitem Abstand am häufigsten gebrauchte Attribut Gottes, und eine der häufigsten Vokabeln überhaupt im Koran – eine Tatsache, die so manche Außenansichten über den Koran leider gerne vollkommen überspringen. Allerdings räume ich freilich auch ein, dass auch manche meiner muslimischen Glaubensbrüder und –schwestern nicht gerade immer diesen Aspekt vorleben, nicht nach außen und auch nach innen nicht. </p>
<p>Natürlich ist Gott unfassbar und erhaben und nichts auf der Welt kann mit Ihm auf eine Stufe gestellt werden. Aber wenn sich dieser Gott mit seiner Barmherzigkeit und Liebe dem Menschen immer wieder zuwendet, wie könnte Er ihm dann ferne sein? Das formuliert der Koran sehr einprägsam und in aller Deutlichkeit: „Wir sind dem Menschen näher als seine Halsschlagader“ (50:16). </p>
<p>Gottes Anliegen ist es also, eine Beziehung zu Seinem Geschöpf, dem Menschen, zu knüpfen. Wie für jede gelingende Beziehung braucht es dafür eine tragfähige Grundlage. Und die liefert uns Gott durch Seine Offenbarung, die Er als Leitfaden den Menschen immer wieder mitgegeben hat. Gott schließt, auch nach koranischer Auffassung, immer wieder Seinen Bund mit den Menschen: mit Adam und Eva, mit Noah, mit Abraham, mit Mose und seinem Volk. Sure 2 Vers 40 heißt es z.B.: „Ihr Kinder Israels, gedenkt der Gnade, die Ich euch geschenkt habe. Erfüllt die Verpflichtung Mir gegenüber, Ich erfülle Meine euch gegenüber“. Für diese „Verpflichtungen“, für die Bestimmungen, die jeweils zu dem Bund gehören, hat die islamische Tradition das Wort „Scharia“ geprägt – ein Begriff, der leider entsetzlich entstellt wird, von einigen Muslimen in manchen Ländern, die mit einem in früheren Jahrhunderten stehengebliebenen Islam-Verständnis die Gegenwart und Zukunft unter heute völlig ungeeigneten Vorstellungen verschütten, aber auch in der öffentlichen Diskussion, die sich überhaupt nicht darum bemüht zuerst einmal zu verstehen, was der Begriff eigentlich bedeutet. Das geht so weit, dass der bloße Gebrauch des Wortes alleine schon genügt, um als absolut nicht integrierbarer Fundamentalist abgestempelt zu werden. Ich selbst erlebe das persönlich sehr heftig. Ich habe deshalb mit mir gerungen, ob es sinnvoll ist, hier überhaupt auf Scharia einzugehen, denn natürlich ist hier nicht die Gelegenheit, das in der notwendigen Ausführlichkeit zu tun. Aber ich bitte Sie, wenn Sie dieses Wort hören, Ihre Assoziationen zu schrecklichen, mittelalterlichen Rechtsvorstellungen bis hin zu Köperstrafen einfach einmal zu ersetzen mit der tröstenden und hoffnungsfrohen Botschaft, dass Gott immer wieder zu Seinem Bund mit den Menschen steht und wir das Gleiche tun sollten. Die Bestimmungen des Bundes durch Mose sind in der Tora sehr detailliert niedergelegt. Dort ist sehr oft von Körper- und Todesstrafe die Rede, und auch von Gegenwehr gegen Feinde. Dennoch sind wir uns sicher einig, dass das, was Gott den Israeliten zu jener Zeit anempfohlen hat, heute in ganz anderer Weise, und keineswegs 1 zu 1 dem Buchstaben nach, in unsere Kultur und Zeit übertragen werden muss. Mit dem Bund, den Gott durch Muhammad geschlossen hat, ist es nicht anders. Niemand kann fordern, den Wortlaut der Tora zu verändern, und beim Koran ist es genauso. Aber auch wenn wir Muslime glauben, dass die Offenbarung des Korans das unmittelbare und ewige Wort Gottes ist, so dürfen und müssen wir verstehen, dass es nicht nur darauf ankommt, was Gott im Koran gesagt hat, sondern vor allem auch darauf, was Er damit gemeint hat. Wie würde Gott heute zu uns sprechen, wie würde Er das alles in der Sprache unserer Zeit und unserer Kultur ausdrücken? Um das zu verstehen, darf ich mich nicht auf die Buchstaben Jahrhunderte alter Gesetzestexte zurückziehen, sondern muss auf meine Halsschlagader hören, auf mein Herz, in mein Innerstes hinein – denn dort finde ich Gott. </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Landesbischof Friedrich</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Das Verhältnis zwischen Mensch und Gott &#8211; Biblische Bestimmungen</strong></p>
<p>Das Herz ist die Mitte des Menschen. Auch wenn wir das medizinische Wissen und Können der Alten Welt nicht unterschätzen sollen – vieles war erstaunlich weit entwickelt, auch komplexe Zusammenhänge durchaus bekannt: Mit dem Blut pumpenden Muskel hat das biblische Herz nur wenig zu tun. Der ausgesprochen häufige Gebrauch dieses Wortes als Synonym für oder im Zusammenhang mit dem Menschen zeigt natürlich, dass das Herz als wesentliches Lebensorgan galt. Krankheit und Erschöpfung werden mit ihm in Verbindung gebracht.</p>
<p>Es beschreibt, und das leuchtet uns Heutigen noch unmittelbar ein, das Innerste eines Menschen, das allein vor Gott nicht verborgen ist: Menschen sehen auf Äußerlichkeiten, auf die Größe und Schönheit eines Menschen – Gott aber sieht das Herz an. Das Herz ist Ort der Empfindung und des Gefühl, wo Freude und Kummer wohnen. Auch das verstehen wir heute noch ohne weiteres. Ein festes Herz hat einer, der mutig ist. Verlangen und Begehren haben ihren Sitz im Herzen. Weitaus am häufigsten, und das mag uns überraschen, wird auf das Herz verwiesen, wenn nach unserem Verständnis eigentlich Intellekt und Vernunft, also Kopf, Hirn und Geist gemeint sind. Deswegen wimmelt es vor allem in der weisheitlichen Literatur, dem Prediger und den Sprüchen nur so von Aussagen über das Herz. Hören, Sehen, Verstehen sind eng mit einander verbunden. Auge und Ohr sind für das Herz wichtig: Die Tora kann gelesen und gehört werden, sie ist allen zugänglich, eben kein Geheim- oder Herrschaftswissen. Wer klug ist, hört auf sein Herz, benutzt seine Sinne, um zur Einsicht zu gelangen.</p>
<p>Demzufolge befinden sich das Vermögen zur Erkenntnis, Einsicht, Bewusstsein, Gedächtnis, Wissen, Nachdenken, Urteilen, Orientierung, Verstand im direkten Umfeld des Herzens.</p>
<p>Um es auf den Punkt zu bringen: Männer mit Herz sind nicht etwa besonders gefühlvoll, sondern kluge Männer. Ein herzloser Mensch ist nicht etwa roh, sondern dumm. Der Mangel an Herz ist gleichbedeutend mit Gedankenlosigkeit. Wenn in der Bibel ein Menschen den anderen anweist: „das soll in deinem Herzen sein“, dann fordert er diesen auf, etwas im Bewusstsein zu behalten.</p>
<p>Vom Verstehen und Denken ist es nur ein kleiner Schritt zum Gewissen, werden im Herzen doch die Kriterien zum Handeln entwickelt. Dabei wird sich das Herz durchaus als Parlament des Menschen vorgestellt, der Ort, an dem Entschlüsse gefällt werden, wo Gedanken und Wille um Entscheidungen ringen. Weil nicht nur die Weisheit einen Platz im Herzen beansprucht und Entscheidungen immer auch zum Bösen sein können, muss das Herz behütet werden. So mahnen beispielsweise die Sprüche: „Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben“ (Spr 4, 23).</p>
<p>Wer sich selbst sucht, muss sich auf die Suche nach dem Herzen machen – obwohl verborgen, lenkt es den Menschen. Die Erneuerung des Herzen ist aber nicht des Menschen Sache, dies liegt allein bei Gott. Er schenkt, das hatte ich vorhin bereits erwähnt, ein neues Herz, entfernt das aus Stein und gibt eines aus Fleisch. Das steinerne Herz ist tot, macht alle Glieder aktionsunfähig. Das von Gott gegebene Herz aus Fleisch ist lebendig, einsichtsvoll, zu neuem Handeln willig. Und deshalb sind „Herz“ und das „Handeln“ so eng verbunden wie in Vers 14: <em>Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.</em></p>
<p>Die Antwort auf Gottes Bund mit dem Menschen ist also, in seinen Wegen zu wandeln. Dem Herz folgt die Tat.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Imam Idriz</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Das Verhältnis Mensch und Gott aus koranischer Sicht</strong></p>
<p>In der Erzählung von Mose, wie auch verschiedentlich an anderen Stellen, verwendet der Koran das Wort „Herz“: Nachdem sich Moses Mutter von ihrem Kind getrennt hatte, um es zu retten, da „wuchs in ihrem Herzen eine schmerzende Leere“. Ihr Leben, ihr ganzes Sein, heißt das doch wohl, war sinnlos geworden. Aber Gott, so heißt es weiter, „stärkte ihr Herz, sodass sie zu den Glaubenden gehörte.“ Die Bezogenheit auf Gott ist es, die in scheinbar aussichtsloser Leere wieder Inhalt und Kraft vermittelt.</p>
<p>Das Herz, so hat es der Herr Landesbischof eben beschrieben, kann ein Bild für das Verstehen und Denken des Menschen sein. Ein ganz wichtiges Anliegen Gottes ist es offenbar, den Menschen immer wieder und wieder zum Nachdenken über Seine Offenbarung zu ermuntern, aufzufordern. An beinahe unzähligen Stellen stehen im Koran Formulierungen wie „denkt nach!“, „versteht ihr denn nicht?!“, „schaut hin!“. Noch bevor Gott im Koran zum Menschen „Glaub!“ gesagt hat, sagte Er „Lies!“ – d.h. mache dich kundig, lerne, sieh hin und dann wirst du verstehen.</p>
<p>Bevor Gott in historischer Reihenfolge die heiligen Texte offenbarte, hatte Er bereits den Menschen und seine Vernunft erschaffen. Der Mensch kann durch seine Vernunft erkennen, dass Gott existiert und was gut und böse, was nützlich und schädlich, was sauber und schmutzig ist. Diese Erkenntnis steht jedem zu, der in Besitz eines reinen Gewissens und gesunden Verstandes ist. Es gilt, dem Propheten dorthin zu folgen, wo der Mensch Schwierigkeiten mit dem vernunftmäßigen Begreifen hat: wenn es um den Inhalt des Glaubens oder um die Fragen des Jenseits geht. Ein Verständnis des Glaubens, das sich von der Vernunft und Erkenntnis entfernt, wird dagegen Fanatismus hervorbringen und in Widerspruch mit den natürlichen Werten des Lebens geraten.</p>
<p>Das Wesen der im Koran behandelten Themen bildet der Mensch. Da Gott dem Menschen etwas von Seiner eigenen Seele eingehaucht hat (15:29), ist der Mensch dasjenige Wesen, das Gott am nächsten steht, das am wertvollsten ist. Der vorzüglichste Ort, Gott zu erkennen, ist das Gewissen des Menschen. Also besteht zwischen Gott und Mensch kein vertikales, sondern ein horizontales Verhältnis. Gott – trotz Seiner absoluten Mächtigkeit – darf nicht als ein Wesen angesehen werden, das auf den Menschen von oben, aus höchster Höhe herabsieht, sondern als eines, das neben dem Menschen steht, in ihm und mit ihm zusammen ist. „Wenn meine Diener dich nach Mir fragen – siehe, Ich bin nahe. Ich erhöre den Ruf dessen, der ruft, wann immer er zu Mir ruft“ (2:186).</p>
<p>Die hierarchische Betrachtung Gottes als oben stehendes Wesen führte dazu, dass der dadurch entstandene Abstand zwischen Gott und dem Menschen von verschiedenen Klassen aufgefüllt wurde. Ein derart entrückter Gott löst bei den Gläubigen Furcht und Zurückhaltung aus, bei den Atheisten hingegen die Verleugnung Gottes. Wir brauchen ein neues Verständnis, das Gott in die Welt und die Welt in Gott aufnimmt. Anstelle einer Lehre, die sich auf Gott konzentriert, brauchen wir in der Theologie eher eine Anthropologie, die den Menschen zum Gegenstand macht.  Da der Ansprechpartner des Korans der Mensch ist, erzählt dieses Buch mit Beispielen aus einer bestimmten Zeit von einem bestimmten Ort über den gemeinsamen Aufbau der Welt durch Gott und den Menschen. Gott offenbart dem Menschen also keine fertigen Antworten, sondern er zeigt ihm Beispiele aus einer bestimmten gesellschaftlichen Wirklichkeit und verlangt von ihm, dass er daraus Schlüsse zieht und dadurch sein Bewusstsein schärft. So will Gott den eingeschlafenen Geist der Menschheit erwecken und die Seite in ihm beleben, die nach Güte und Gerechtigkeit sucht.</p>
<p>Für den Menschen ist Gott kein zu fürchtender Herrscher, sondern ein Freund, bei dem der Mensch Zuflucht vor seinen Ängsten sucht; für Gott ist der Mensch ein Geschöpf, mit dem er die Welt aufbaut. Als Dank für die von Gott geschenkten Gaben der Vernunft und der Talente errichtet der Mensch mit deren Hilfe die Welt. Ein Religionsverständnis und ein Glaubensdiskurs können nicht über Epochen hinweg ihre Gültigkeit behalten, wenn sie von einer vernunftlosen und seelenlosen Theologie geformt sind, die mit dem Lauf der Dinge nicht Schritt hält, die den Menschen nicht ins Zentrum setzt, das Verhältnis zwischen Gott und Mensch auf die Furcht reduziert, Gott nicht als aktiv Handelnden denkt, sondern seinen Text dogmatisiert und die Lösung jeglicher Fragen in dieses dogmatische Gottesverständnis einsperrt. Alle Disziplinen der Theologie müssen auf Liebe fokussiert sein. Die Liebe bestimmt auch das Verhältnis zwischen Gott und Mensch und nicht die Furcht oder der Hass. Das heißt, Liebe, Toleranz, Respekt und Gerechtigkeit müssen zum tragenden Element werden, in dem der Gelehrte die Verantwortung übernimmt, die Religion zu interpretieren und zu kommentieren.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Landesbischof Friedrich</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Wo es um Gott und Mensch geht, steht alles auf dem Spiel (nach christlich/jüdischem Verständnis)</strong></p>
<p>Bei dem Vermächtnis des Mose geht es um Gott und Mensch, um Mensch und Gott. Es geht ums Ganze. Deswegen ist Deuteronomium 30 von  warnender Eindringlichkeit – alles steht auf dem Spiel. So, dass Himmel und Erde als Zeugen bemüht werden.</p>
<p>Wenn das Leben auf dem Spiel steht, gibt es eigentlich nur ein „Dafür“. Wer wollte so töricht, so herzlos im biblischen Sinne sein, sich „Dagegen“ zu entscheiden. </p>
<p>Zumal das Leben, das sich in Segen, Gedeihen und der Freude ausdrückt so nahe liegt und leicht erreichbar zu sein scheint. Wer wollte sich den Segen entgehen lassen, der sich auf das ganze Leben erstreckt und auch die Umgebung mit einbezieht: Nachkommen, Tiere, Früchte, Land stehen unter dem Vorzeichen des Wachsens und Gedeihens. Dem Leben in Fülle ist dabei keine Grenze gesetzt, kein Wasser verwässert hier den Wein, Raum um Raum eröffnet sich. </p>
<p>Gott kehrt zu seinem Volk und schenkt ihm alles aus Freude über die Umkehr der Menschen. Gott will, dass Leben gelingt, uns zufrieden macht. Niemand erhält lediglich „das Seine“, sondern ein überfließendes Maß, weil Gott parteiisch ist und das Gute des auf ihn bezogenen Menschen will. Gott will das Leben in Gänze, er schenkt die Fülle, ihm selbst und dem Menschen zur Freude.</p>
<p>Darum geht es, wenn Gott vor die Wahl zwischen Leben und Tod stellt. Bei so einem Angebot gibt es eigentlich keine Wahl ist doch die dunkle Alternative des Verderbens und des Todes keine Alternative.</p>
<p>Wer also den Tod meiden und das Leben gewinnen will, ergreife „das Wort, das ganz nahe ist, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust“.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Imam Idriz</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Wo es um Gott und Mensch geht, steht alles auf dem Spiel (aus koranischer Sicht)</strong></p>
<p>Wir haben gehört, dass der biblische Text den wir besprochen haben, so etwas wie das Vermächtnis des Propheten Mose an sein Volk darstellt, gesprochen kurz vor seinem Tod. Mich erinnert das an einen wichtigen Text, den jede Muslima und jeder Muslim kennt (oder kennen sollte): die so genannte „Abschiedspredigt“, die der Prophet Muhammad kurz vor seinem Tod in Mekka gehalten hat. Darin erinnert er die Menschen daran, dass Gott unter ihnen keinerlei Rangordnung kennt, nicht nach Mann oder Frau, nicht nach Weiß oder Schwarz, nicht nach Araber oder Israelit oder welcher Ethnie auch immer. </p>
<p>Der Prophet warnte die Menschen in seiner Abschiedspredigt noch einmal eindringlich davor, „in religiösen Dingen die Grenzen zu überschreiten“, also zu übertreiben, in Radikalismus und Extremismus zu verfallen, das normale Maß, den gesunden Menschenverstand, also das Herz des Menschen, außer Acht zu lassen. </p>
<p>Und der Prophet wählte aus dem gesamten Koran einen einzigen Vers aus, um ihn in seiner Abschiedspredigt noch einmal zu zitieren: „Ihr Menschen! Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und haben euch zu Völkern und Stämmen werden lassen, damit ihr euch kennenlernt.“ (49:13). Das Lernen übereinander und voneinander, der Austausch, der Dialog, dass wir nicht nebeneinander her leben, sondern aufeinander zugehen und uns verständigen – das ist ein Gebot Gottes, nicht weniger wie es ein Gebot der Vernunft und des Herzens sein sollte. </p>
<p>Deshalb freut es mich sehr, dass so ein Austausch wie hier im Rahmen dieses beeindruckenden Kirchentags möglich war. Ich danke Ihnen, lieber Herr Friedrich, den Veranstaltern, Frau Godel, und Ihnen allen für Ihre Teilnahme sehr herzlich. </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span style="text-decoration: underline;">Landesbischof Friedrich</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Auch ich danke Ihnen, lieber Herr Idriz, ganz herzlich für diese gemeinsame Bibelarbeit. Es war für uns sehr wichtig, von einem islamischen Theologen wie Ihnen Ausführungen zu diesem biblischen Text zu erhalten, die einiges an Vorurteilen, was unter uns vorhanden sein mag, ausräumt.</p>
<p>Der Dialog zwischen uns lohnt sich.  Danke!</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bild: <a href="https://www.merkur.de/lokales/weilheim/scharia-entsetzlich-entstellt-penzberger-imam-beim-evangelischen-kirchentag-1269940.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">merkur.de</a></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>&#8222;Scharia entsetzlich entstellt&#8220;: Penzberger Imam beim evangelischen Kirchentag</strong><br /> <em>Quelle: <a href="https://www.merkur.de/lokales/weilheim/scharia-entsetzlich-entstellt-penzberger-imam-beim-evangelischen-kirchentag-1269940.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">merkur.de</a></em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bei einer Bibelarbeit mit dem bayerischen evangelischen Landesbischof Johannes Friedrich am Freitag auf dem evangelischen Kirchentag in Dresden machte der Penzberger Imam Idriz seine Forderung am Begriff der „Scharia“ fest. Der Begriff werde von einigen Muslimen „leider entsetzlich entstellt“, weil sie Gegenwart und Zukunft mit ihrem jahrhundertealten Islam-Verständnis verschütteten.</p>
<p>Idriz kritisierte auch die öffentliche Debatte über den Islam, „die sich überhaupt nicht darum bemüht, zu verstehen, was der Begriff eigentlich bedeutet“. Das gehe so weit, dass der alleinige Gebrauch des Wortes genüge, um als „nicht integrierbarer Fundamentalist“ abgestempelt zu werden. „Ich erlebe das persönlich sehr heftig“, sagte der Imam. Idriz’ Penzberger Gemeinde wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Er bat darum, eigene Assoziationen beim Wort „Scharia“ zu mittelalterlichen Rechtsvorstellungen bis hin zu Körperstrafen mit der tröstenden und hoffnungsfrohen Botschaft Gottes zu ersetzen.</p>
<p>Niemand könne fordern, den Wortlaut des Korans zu verändern, sagte er beim evangelischen Kirchentag. Aber auch wenn die Muslime glaubten, dass die Offenbarung des Korans das unmittelbare Wort Gottes sei, so müssten sie verstehen, dass es nicht nur darauf ankomme, was Gott im Koran gesagt, sondern darauf, was er damit gemeint habe. „Wie würde Gott heute zu uns sprechen, wie würde er das alles in der Sprache unserer Zeit und unserer Kultur ausdrücken?“, fragte Idriz. Um das zu verstehen, dürfe man sich nicht auf jahrhundertealte Texte zurückziehen, sondern man müsse auf sein Herz hören, „in mein Innerstes hinein – denn dort finde ich Gott“.</p>
<p>Idriz betonte in Dresden die friedliche Ausrichtung des Islam. Muhammed habe die Menschen in seiner Abschiedspredigt nochmals eindringlich davor gewarnt, „in religiösen Dingen die Grenzen zu überschreiten“, also zu übertreiben, in Radikalismus und Extremismus zu verfallen, das normale Maß, den gesunden Menschenverstand, also das Herz außer Acht zu lassen. </p></div>
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